Gehölze sind Baumschulpflanzen, sagt das Pflanzenlexikon ...

... und weiter: Pflanzzeiten sind Herbst und Frühjahr, im Herbst besser als im Frühjahr. Bis Anfang der 80er Jahre gab es zwei Pflanzzeiten: Die wichtigere war der Herbst und dann noch im Frühjahr. Zwar gab es schon vorher Containerpflanzen, aber ausserhalb der Pflanzzeiten wurde trotzdem nicht gepflanzt.

 

Erst Anfang der 80er Jahre haben Baumschulen und Gartencenter versucht, auch im Sommer Gehölze zu verkaufen. Heute ist es undenkbar, nur im Herbst und im Frühjahr Baumschulpflanzen zu verkaufen. "Container" heisst dabei: die Pflanzen werden von vornherein in einem Container, also einem Topf mit mindestens zwei Liter Inhalt gezogen und eben nicht einfach später aus dem Freiland gegraben und in ein Ballentuch gewickelt oder in einen Versandtopf gedrückt.

Durch die Anzucht im Container wurden also plötzlich Pflanzen und Qualitäten attraktiv, die vorher als Ballen oder aus dem Versandtopf schlecht anwuchsen und die zudem oft zu den üblichen Pflanzzeiten wenig ansprechend aussahen. Das beste Beispiel sind die Freiland - Hibiscus, die zur Pflanzzeit sehr unscheinbar aussehen und zudem teuer waren. Durch die Kultur im Container konnte man diese zur Blütezeit anbieten und sicher sein, dass sie ungehindert weiter wachsen. So wurde es interessant, auch während der Sommermonate Baumschulpflanzen zu verkaufen. Das hatte zur Folge, dass die Verkaufskäfige vor den Verbrauchermärkten in der Folgezeit verschwanden.

Mit den angebotenen Qualitäten war es oft sehr schwierig. Die Kunden glaubten billig zu kaufen und bezahlten in Wirklichkeit teuer. Es weiss bis heute kaum jemand, wie man gute und weniger gute Pflanzenqualitäten unterscheidet. Nun ja, werden Sie denken, auch kleine, mickrige Pflanzen wachsen sich so oder so zu grossen Pflanzen aus. Das stimmt nur bedingt: Aus einer Hilfsschule kommt auch kein Einstein, wie soll dann aus einer minderwertigen Anzucht eine stolze Pflanze werden. Es kommt auf die Kinderstube an und die muss gut sein. Deshalb kommen unsere Baumschulpflanzen aus traditionellen Betrieben des Ammerlandes.

Ganz schlimm wird es, wenn Containerpflanzen vorgegaukelt werden, obwohl es keine sind. Das passiert ziemlich häufig, indem man einfach Pflanzen aus dem Freiland ausgräbt und entweder mit einem Ballentuch versieht, oder gleich in einen Container stopft.

Ebenso falsch ist es, Freilandgehölze in Gewächshäusern schnell hochzutreiben, oder eine Jungpflanze zu nehmen und dann als Balkonpflanze zu verkaufen. Die meisten Käufer glauben, eine für den Balkon geeignete Pflanze zu kaufen, in Wirklichkeit erhalten sie eine meist hochgepuschte Jungpflanze, die später viele Meter hoch wird und dann noch immer nicht den sortentypischen Wuchs hat.

Pflanzen brauchen zum guten Gedeihen Platz, ausreichend Platz. Wenn Aktionsware produziert wird, ist es zwar ökonomisch sinnvoll, möglichst viele Pflanzen auf dem qm zu haben, die Pflanzen sehen dann aber auch entsprechend aus: Zu schmal, zu dünn, hochgeschossen. Das sieht man den Pflanzen noch nach Jahren an.

Das Preis- Leistungsverhältnis stimmt bei diesen Aktionspflanzen ganz selten, denn billige Pflanzen brauchen oft viele Jahre, bis sie den Schock ihrer Kinderstube überwunden haben. Die Pflanzen auf diesem Bild haben beide die gleiche Auslobung: Picea glauca "Conica" im Container, Pflanzengrösse 30 bis 40 cm, aber natürlich nicht den gleichen Preis. In Wirklichkeit müsste die rechte Pflanze einen anderen Namen haben: Picea glauca "Rachitii".

Woran erkennen Sie eine gute Container - Baumschulpflanze? Nun ganz einfach: An dem arttypischen Wuchs und dem gut durchwurzelten Pflanztopf, der einen der Pflanzengrösse entsprechenden Inhalt haben muss. Bild: vergle-2 Eine kegelförmige Zypresse kann nicht zylindrisch sein, da stimmt bei der Anzucht etwas nicht und eine Forsythie mit 2 Trieben kann keine Qualitätspflanze sein, auch wenn es auf dem grossen Farbbild steht.

Dieses Thema wurde für Sie von heimwerker.de in Zusammenarbeit mit Gärtnermeister Hermann Mendel ausgearbeitet.

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