Dach decken und dämmen mit Systemkomponenten

Dachdämmung für mehr Wärme

Die Wärmedämmung eines ausgebauten, bewohnten Daches auf herkömmliche Art von der Innenseite aus zu verbessern, wäre schon fast eine Komplettsanierung – mit viel Schmutz und großen Schäden an Tapeten und Beplankung. Es geht auch anders: Dämmen mit Systemkomponenten.

In unserem Falle handelt es sich um ein hübsches, mediterran anmutendes 50er-Jahre Haus in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Bedburg. In vielen Häusern, die dreißig, vierzig Jahre oder noch älter sind, wird das Dachgeschoss bereits ebenso lange als Wohnraum genutzt, somit haben wir hier keinen Einzelfall. Innen häufig schon mehrfach renoviert, befindet sich die Wärmedämmung des Daches allerdings immer noch auf dem Stand von vorgestern.

Die Folgen sind kalte Dachschrägen, unangenehme Zugluft und hohe Heizkosten im Winter bzw. unerträgliche Hitze im Sommer. Kurz gesagt – nicht das, was wir heute von einer modern ausgebauten Dachwohnung erwarten.

Viele Hausbesitzer würden die Wärmedämmung gerne sofort verbessern – wenn da nicht der Aufwand und der Dreck wären, die mit dem Abriss der Innenverkleidung und der nachträglichen Dämmung von der Raumseite her zwangsläufig verbunden sind. Die Alternative heißt: Dämmung von der Dachseite her.

Um Systemkomponenten zu verlegen, muss das Dach nicht komplett abgedeckt werden, auch ein abschnittsweises Arbeiten ist möglich. Erfahren Sie im Folgenden mehr zum Thema.

Gesetzliche Regelung der Wärmedämmung

Unsere Hausbesitzer hatten den idealen Zeitpunkt gewählt. Die Dacheindeckung musste dringend erneuert werden. Was lag näher, als im gleichen Zug auch die Wärmedämmung des Daches zu verbessern? Von ihrem Dachdecker erfuhren sie, dass die "Energie- Einsparverordnung (EnEV)" dies ohnehin vorschreibt. Sie verpflichtet die Besitzer älterer Häuser, bei einer Neueindeckung auch die Wärmedämmung auf den aktuellen Stand zu bringen.

Konkret fordert sie bei Altbauten einen U-Wert von 0,30 W/(m 2 K). Das bedeutet, dass ein Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 035 mindestens 140 mm dick zwischen den Sparren verlegt werden muss. Häufig findet man jedoch in Altbauten Sparrenhöhen unter 140 mm.

Auch beim Haus in Bedburg zeigten sich nach dem Entfernen der Dachdeckung die Holzsparren äußerst "dünn". Um trotzdem einen ausreichenden Wärmeschutz – und damit ein ausgeglichenes, angenehmes Raumklima – sicherzustellen, doppelten die Dachdecker die Balken an der Oberseite um rund ein Drittel mit imprägnierten Holzlatten auf.

So schaffte man Platz, um den Dämmstoff sogar 180 mm dick verlegen zu können. Das ist deutlich mehr als die "EnEV" für Altbauten fordert. Nach dieser "Aufbau- Arbeit" konnten die Dachdecker mit der Wärmedämmung beginnen. Sie hatten den Bauherren ein relativ neues Sanierungssystem von Isover vorgeschlagen, das sich schneller und unkomplizierter verlegen lässt als frühere Lösungen.

Bis vor einigen Jahren war eine Dämmung bei bewohnten Dachgeschossen problematisch: Man konnte zwar prinzipiell den Platz zwischen den Sparren für eine Dämmung nutzen. Das Herstellen der Wind- Luftdichtigkeit gestaltete sich jedoch sehr zeitaufwändig. Der Dachdecker musste die Dampfbremsfolie für jedes Sparrenfeld separat zuschneiden und abdichten. Entsprechend hoch fiel die Handwerkerrechnung aus.

Würde man eine konventionelle Kunststofffolie einfach über die Dachsparren hinweg verlegen, könnte Feuchtigkeit aus der Raumluft nicht nach außen entweichen. Typische Schäden wie Schimmelbildung und Schädlingsbefall an den Dachbalken wären die unangenehmen Folgen.

Dachsanierung mit Sanierungsdämmsystem

Dass die Arbeiten mit dem hier ausgewählten Sanierungssystem "Integra ZSF" im Wesentlichen unkompliziert sind, liegt an den besonderen Eigenschaften der verwendeten Dampfbremsfolie, dem Kernstück des Systems. Das Geheimnis dieser patentierten Folie: Sie kann ihre Wasserdampfdurchlässigkeit je nach Umgebungsbedingungen ändern.

Als Komponente des Sanierungsdämmsystems bremst sie das Eindringen von Wasserdampf ins gedämmte Sparrengefach. Sammelt sich jedoch Feuchtigkeit an der Oberseite der Sparren an, öffnet die Folie ihre Poren und das Holz kann nach außen hin austrocknen. Deshalb konnten die Dachdecker die Folie großflächig über die Sparren hinweg verlegen. Das sparte den Handwerkern Zeit und dem Bauherrn Geld.

Die Dampfbremse musste lediglich an den Dachrändern und Dachanschlüssen wind- und luftdicht verklebt werden. Dazu dienten die passenden Klebebänder und Dichtstoffe, die als Systemprodukte exakt auf die "intelligente" Dampfbremse abgestimmt sind.

Anschließend wurde der komplette Hohlraum zwischen den Sparren mit den Wasser abweisenden Glaswolle- Klemmfilzen 180 mm dick gedämmt. Da sie mit der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 035 überdurchschnittlich gut dämmen, lag man mit einem U-Wert von 0,23 W/(m 2 K) sehr deutlich unter dem Wert, den die "EnEV" für Altbaudächer fordert.

Den Abschluss bildete die zum System gehörende Unterdeckbahn. Sie ist diffusionsoffen, lässt also Wasserdampf aus der Konstruktion ungehindert passieren, schützt den Dämmstoff aber vor Sprühregen oder Flugschnee, der durch Fugen und Ritzen unter die Dacheindeckung gelangen könnte. Während der Bauarbeiten fungiert sie als Notdach.

Die Bahnen wurden zunächst angetackert und dann mit aufgenagelten Konterlatten zusätzlich fixiert. Diese dienen dazu, einen Belüftungsspalt zwischen Ziegeln und Unterdeckbahn zu sichern. Danach konnte die Ziegellattung montiert und das Dach mit den neuen Hohlfalzziegeln gedeckt werden.

Einzelne Arbeitsschritte von links nach rechts:

Lose und brüchige Ziegel und fehlende Abschluss-<br>ziegel zeigten an,...
... dass die Zeit reif war<br>für ein neues Dach.
Die alten Pfannen und die ehemalige dünne Dämm-<br>schicht sind entfernt.
Mit imprägnierten Latten doppelte der Dachdecker die alten Sparren um<br>rund ein Drittel auf.
Die Dampfbremsfolie wird ausgerollt, quer über die Sparren gezogen ...
... und mit etwas Durchhang an die Innenseiten der Sparren getackert.
Für windluftdichte Anschlüsse der Bahnen sorgen die speziellen Systemklebebänder.
Gefach-Breite plus 1 cm Klemmzugabe lautet die Faustformel für den Zuschnitt des Dämmstoffs.
Richtig zugeschnitten halten die Dämmplatten von allein zwischen den Dachsparren.
Die Unterdeckbahn wird parallel zur Traufe ausge-<br>rollt und angetackert.<br>Die darüber liegenden Bahnen werden<br> überlappend verklebt.
Die Konterlatten gewähr-<br>leisten, dass zwischen den Dachziegeln und der Unterdeckbahn Luft zirkulieren kann.
Auf den Walmdachflächen geht es flott voran. Die gelben Dachflächen verschwinden unter der neuen Ziegeleindeckung.

Winddichte und luftdichte Dämmung

Damit die neue Dämmung auch hält, was der U-Wert auf dem Papier verspricht, muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Das Dach muss absolut windluftdicht sein. Und gerade hier steckt der Teufel im Detail.

Schon kleinste Ritzen und offene Fugen an den Anschlüssen der Dampfbremsfolie können Luftströmungen im Dach verursachen. Diese kosten nicht nur viel Heizenergie, sondern bringen auch Feuchtigkeit aus der Raumluft ins Dach, die hier auf Dauer zu Schäden führt. Deshalb sollten Bauherren und Modernisierer während der Bauarbeiten ruhig einmal kontrollieren, ob alle Anschlüsse auch sauber und exakt verklebt werden.

Tipp: Wer auf Nummer Sicher gehen will, lässt einen Blower-Door-Test im Dach durchführen, der nicht ganz korrekte Ausführungen schonungslos offenlegt.

Wind-luftdichter Anschluss an der Traufseite: <br>Zunächst wird das komprimierte Dichtband <br>auf den sauberen Traufbalken geklebt.
Dann wird die Dampfbremsfolie über das Dichtband gelegt und wind-luftdicht befestigt.
An Dunstrohren oder Fenstern stellt man den wind-luftdichten Anschluss mit Hilfe genau zugeschnittener Folienstücke zu, die mit ein-und doppelseitigen Systemklebebänder verklebt werden.

Feuchtevariable Klimamembran

Klimamembran

So funktioniert die feuchtevariable Klimamembran als Komponente des Sanierungs-Dämm-Systems: Während der Heizperiode bremst sie eindringenden Wasserdampf im Sparrengefach. Sammelt sich Feuchtigkeit an der Sparrenoberseite an, öffnet die Folie ihre Poren. Die Feuchtigkeit kann nach außen entweichen.

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