Wintergarten bauen und planen

Wintergarten-Planung und Kosten

Vor ein paar Jahrhunderten wurden in speziellen Glasbauten exotische Früchte vor der Kälte des Winters geschützt. Heute genießen Hausbesitzer Herbststürme, Schneetreiben oder kalte Frühlingsnächte in modernen Wintergärten, denn mit ihren modernen Konstruktionen bieten sie perfekte Wohnqualität – im Sommer und im Winter.

Insbesondere hinsichtlich der energetischen Optimierung sind in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden. Wer heute große Glasflächen in sein Haus einbaut, muss nicht fürchten, unproduktiv durch die Fenster hinaus zu heizen: Wärmeschutzverglasung und moderne Dichtstoffe verhindern effektiv den Energieverlust.

Erfahren Sie im Folgenden alles rund um die Planung und den Bau des eigenen Wintergartens.

Vorüberlegungen zur Wintergartenplanung

Wird der Wintergarten von Anfang an mit eingeplant, kann er optimal in den Grundriss integriert und für die Energiebilanz des Hauses genutzt werden. Zwar erhöht der gläserne Wohnraum die Baukosten zunächst, aber ein späterer Anbau würde sich als noch kostspieliger erweisen. Die Investition rechnet sich außerdem nicht nur wegen der verbesserten Wohnqualität, sondern auch wegen der Wertsteigerung der Immobilie. Viele Haushersteller haben inzwischen Häuser mit integrierten Wintergärten im Programm.

Wie der Wintergarten-Fachverband e.V. (Rosenheim) mitteilt, bieten sich dem Pflanzenliebhaber im Wintergarten "ungeahnte Möglichkeiten für die Haltung der verschiedenartigen Gewächse". Gleichzeitig mahnt der Wintergartenhersteller: Um späteren Enttäuschungen beim erwarteten Wohnerlebnis vorzubeugen, sollte vor der Ausführung gründlich überlegt und geplant werden. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass Fachleute die Arbeiten durchführen. Beim Wintergarten bauen handelt es sich um technische und handwerkliche Präzisionsarbeit. Hersteller und ausführende Firmen sollten nach Referenzen, Garantiezeiten und Gewährleistungen befragt werden.

Fehler beim Wintergartenbau vermeiden

Im Wintergarten sollen sich Pflanzen und Menschen gleichermaßen wohlfühlen

Zu den häufigen Fehlern beim Wintergarten bauen zählen eine falsche Standortwahl und eine zu kleine Nutzfläche, eine ungünstige Dachneigung und für Wintergärten falsches Eindeckmaterial.

Auch mangelhafte Fundamente und Bodenbeläge, Wärmeverluste, Kältebrücken und beschlagene Scheiben sowie eine ungenügende Heizung, Lüftung und Schattierung können das Klima im Wintergarten negativ beeinflussen. Ein gutes Raumklima ist sowohl für die Menschen als auch die Pflanzen im Wintergarten entscheidend.

Bauvorschriften für Wintergärten

Der Wohnwintergarten ist gemäß Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) ein Gebäudeteil mit „normalen Innentemperaturen“ (mindestens vier Monate beheizt, auf mindestens 19 Grad Celsius) und hat strengere Maßstäbe zu erfüllen als ein Gebäudeteil mit „niedrigen Innentemperaturen“ (12 bis 19 Grad Celsius).

Die Grenzwerte betreffen Konstruktion und Dämmung. Unbedingt zu beachten ist die thermische Trennung: Was nicht normal beheizter Wohnraum ist, ist aus Sicht der EnEV „draußen“ und muss von diesem durch abschließbare Türen wärmedicht abschottbar sein.

Weitere Verordnungen:

  • Stand- und Bruchsicherheit: Der Wintergarten muss Lasten durch Wind, Schnee und Regen aushalten, Standsicherheit muss nach DIN 1055 gewährleistet sein; die unteren Scheiben der Dachverglasung müssen aus Verbund-Sicherheitsglas (VSG) bestehen.
  • Verkehrssicherheit: Je nach Bundesland müssen die Abstände eines Wintergartens zum Nachbargrundstück das 0,8- bis 1-fache der Wandhöhe betragen, mindestens jedoch 3 bis 2,5 Meter. Zwischen Reihen- und Doppelhäusern gelten Ausnahmeregelungen.
  • Brandschutz: Fluchtwege aus dem Wintergarten sind vorzusehen, Zugang für die Feuerwehr ebenfalls. Können die Mindestabstände zum Nachbarn nicht eingehalten werden, sind die Wände/Glaswände in der Brandschutzklasse F 90 auszuführen (Die Wintergartenwände müssen einem Feuer 90 Minuten standhalten können).

Lage des Wintergartens

Wintergarten über Eck

Die Lage des Wintergartens ist entscheidend: Jede Himmelsrichtung hat Vor- und Nachteile. Bei einer ungünstigen Ausrichtung des Wintergarten-Bauplatzes kann auch eine Über-Eck-Konstruktion sinnvoll sein: Diese hat zwei Zonen für die Sonneneinstrahlung und bietet sowohl sonnenhungrigen als auch schattenliebenden Pflanzen Lebensraum.

Nordlage

Für einen Heimarbeitsplatz, ein Studio oder ein Atelier bietet sich die Nordseite des Hauses an. Der Glasanbau wirkt hier als Klimapuffer und Schutz für den Eingang. Die Energieersparnis ist dann im Vergleich genauso hoch wie die positive Energieaufnahme durch Sonnenstrahlen aus dem Süden.

Ostlage

Auf der Ostseite kann man schon morgens zum Frühstück die Sonne genießen. Da dieser Platz vor der heißen Nachmittagssonne geschützt ist, tritt bei ausreichender Belüftung und Beschattung selbst im Hochsommer keine Überhitzung ein. Somit leistet der nach Osten gelegene Wintergarten auch als Arbeitsplatz gute Dienste. Für Pflanzen herrschen hier ebenfalls ideale Lichtverhältnisse.

Südlage

Die wohl beliebteste Ausrichtung ist die nach Süden. Hier kann der gläserne Bauwegen der langen Sonneneinstrahlungszeit – auch im Winter – vielseitig genutzt werden. Im Hochsommer kommt es allerdings schnell zu Hitzestaus. Deswegen müssen unbedingt Beschattungs- und Belüftungsanlagen eingeplant werden.

Westlage

Die Westlage sollte nur im "Notfall" gewählt werden. Im Sommer steigt die Temperatur hier durch die zusätzliche Abendsonne auf ein unerträgliches Maß an, im Winter dagegen bringen die spärlichen Sonnenstrahlen wenig Nutzen. Daher sollten Sie bei Westlage für einen ausreichenden Wärmeschutz sorgen und eine Heizung einbauen.

Wintergarten-Konstruktion: Wärmedämmung und Materialien

Bei der Wahl des Glases für einen Wintergarten sollte man auf modernste Wärmeschutzverglasungen mit zwei- oder dreischichtigen Glasflächen mit Gasfüllung achten. Bei Glasdächern ist ohnehin Verbund-Sicherheitsglas vorgeschrieben.

Wintergarten bauen aus Holz

Wärmetechnisch und baulich hervorragend geeignet ist Holz. Um die Tragfähigkeit zu garantieren und möglichem Verzug entgegenzuwirken, werden in der Regel Leimbinder verwendet. Diese bestehen aus mehreren fest verleimten und verpressten Brettern.

Der Schwachpunkt von Holz ist allerdings die Witterungsbeständigkeit: etwa alle vier Jahre benötigt das Holzprofil außen am Wintergarten einen neuen Schutzanstrich. Daher wird es mittlerweile gerne mit einer Aluminiumschale kombiniert, die schädliche Witterungseinflüsse vom Holz abhält.

Wintergarten aus Alu oder Kunststoff
Wintergarten aus Alu

Aluminium als Baustoff ist etwas teurer und wird unter großem Energieeinsatz gewonnen, was seine Ökobilanz beeinträchtigt. Es ist ein guter Wärmeleiter, der Rahmen mit seinen zahlreichen Kammern kann gegen Wärmeverluste ausgeschäumt werden.  Wintergärten aus Aluminium sind beständig und pflegeleicht. Die Oberflächen sind in allen RAL-Farben erhältlich. 

Eine weitere Alternative ist der Wintergarten aus Kunststoff: Die Kunststoffprofile sind sehr pflegeleicht, leicht zu montieren und sind hochbeständig. Nachteilig ist  die wenig natürliche Optik.

Automatischer Wintergarten: Steuerungssysteme und Sensoren

Automatischer Wintergarten

Ein komplett ausgestatteter Wintergarten mit Beschattungen, Heizung und Lüftung verfügt über zahlreiche Rollladen-Motoren, Lüftungsklappen und Ventile. All diese ständig im Auge zu behalten kann sehr zeitaufwändig sein. Eine computerisierte Steuereinheit nimmt dem Nutzer diese Arbeit mithilfe von Temperaturfühlern, Windmessgerät und Sonnenfühlern ab. Sind Haus und Wintergarten eng verbunden, lohnt sich ein BUS-System, welches das komplette Klimamanagement übernimmt. Moderne Lösungen lassen sich auch am PC, via Internet oder über mobile Apps fernbedienen. 

Automatisch gesteuerte Jalousien, Markisen und Screens sorgen im Sommer für ein gutes Klima im Wintergarten und bewahren Pflanzen und Bewohner vor zu viel schädlicher Sonneneinstrahlung. Antrieb und Steuerung der Jalousien sollten geräuscharm und für das Tuch bzw. die Lamellen schonend sein. Niederschlags- und Sonnensensoren sorgen für eine präzise Steuerung, ein mit diesen Sensoren verbundener Thermostat kontrolliert im Winter die Heizung und im Sommer die Lüftung und Abschattung.

 

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Herbert Müller , d. 09-10-14 10:43:

Sehr guter Beitrag! Wir haben unser Haus in diesem Jahr auch um einen Wintergarten erweitert. Den haben wir uns professionell planen lassen, dann aber beim Bau viel selbst gemacht, um ein wenig Geld zu sparen. Unsere Firma war uns da aber dennoch eine große Hilfe!

Maria N , d. 19-09-13 11:34:

Toller und sehr informativer Artikel! Auch wenn sich die Baukosten durch den Wintergarten erhöhen, rentiert sich das rein durch die verbesserte Lebensqualität, speziell in der Winterzeit, sehr!

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Bildnachweis
1. "Wintergarten"von Jimby (pixelio.de) Copyright: [Jimby]
2. "Wintergarten: Einrichtung"von Hans (pixelio.de) Copyright: [Hans]
3. "Wintergarten über Eck"von Frank Schulte (wikipedia.de) Lizenz: [Creative Commons 3.0] Copyright: [Frank Schulte]
4. "Wintergarten aus Alu"von Jimby (pixelio.de) Copyright: [Jimby]
5. "Automatischer Wintergarten mit Klimasteuerung"von Christian Sperling (heimwerker.de) Copyright: [heimwerker.de]

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