Mauersteine im Überblick

Ziegelmauer im Antiklook

In Deutschland gilt nach wie vor das massiv gemauerte Haus als die solideste Form eines Wohngebäudes. Dabei gibt es allerdings große konstruktive Unterschiede, und die wiederum hängen nicht zuletzt vom verwendeten Mauerstein ab. Mauersteine unterscheiden sich im Material, im Format und in der Art ihrer Verarbeitung – dabei sind zahlreiche Varianten erhältlich. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, die die verschiedenen Mauersteine bieten. Wir geben hier einen Überblick über gängige Mauersteine und zeigen, welche Lösungen damit am Bau realisiert werden können.

Mauerziegel

Ziegel werden aus einer Masse auf der Basis von Lehm und Ton geformt, getrocknet und dann bei hohen Temperaturen in Öfen gebrannt. Charakteristisch ist die ziegelrote Farbe, das Spektrum reicht heute jedoch über die gesamte Palette von Gelb über Orange und Rot bis hin zu einem tiefen Blau.

Der eigentliche Unterschied zwischen den verschiedenen Ziegelarten liegt jedoch in ihrer Form, im Verhältnis von Ton und Lehm und in der Temperatur beim Brennen.

Einfache Lehmziegel oder Backsteine werden bei relativ geringen Temperaturen um die 900 °C gebrannt. Dadurch und durch den geringeren Tonanteil entsteht ein relativ offenporiges Gefüge, das auch nicht sehr druckfest ist. Da die Poren leicht Wasser aufnehmen, müssen Lehmziegel verputzt oder durch eine Fassadenverkleidung vor Witterungseinflüssen geschützt werden.

Anders der Klinker. Der höhere Anteil von Ton mit seinem Gehalt an Aluminium- und Silikatverbindungen und die mit etwa 1200 °C höhere Brenntemperatur sorgen für ein dichteres Gefüge, das stabiler, druckfester und widerstandsfähiger gegen Wettereinflüsse ist. Deshalb wird aus Klinkern auch Sichtmauerwerk erreichtet, oder man setzt vor eine Mauer aus anderen Steinen eine Klinkerfassade als zweite Wandschicht.

Für diesen Zweck kommen auch Klinker-Verblender zum Einsatz, die sehr exakt gefertigt sind, ein engeres Fugenbild erlauben und damit weniger rustikal wirken als eine traditionelle Ziegelmauer.

Ziegel-Sichtmauerwerk
Bei höherer Temperatur gebrannte Ziegel sind dichter als einfache Lehmziegel oder Backsteine. Sie sind deshalb hinreichend witterungsbeständig, um ein Sichtmauerwerk an Außenfassaden zu gestalten.
Klinker-Verblender
Mit Klinker-Verblendern oder Verblendklinkern lassen sich sehr attraktive Außenflächen gestalten. Bei diesem Beispiel sieht man auch, dass Ziegelrot bei weitem nicht die einzig denkbare Farbe ist.
Planziegel in Dünnbett setzen
Planziegel mit ihren geschliffenen Lagerflächen lassen sich sehr einfach präzise verarbeiten, da sie in Dünnbettmörtel gesetzt werden können.

Dem Wunsch nach rationelleren Bautechniken geschuldet ist die Entwicklung von Planziegeln. Hierbei handelt es sich in der Regel um größere Steinformate, die an den Stirnseiten mit eingearbeiteten Profilen ineinander passen und an Ober- und Unterseite plan geschliffen sind. Diese Form erlaubt die einfache Verarbeitung mit Dünnbettmörteln und ist deshalb auch bei Selbstbausystemen anzutreffen, mit denen Bauherren in Eigenleistung den Rohbau errichten.

Planziegel sind in der Regel als Lochziegel ausgeführt. Lochziegel weisen – meist senkrecht verlaufende – Hohlräume auf, die zum einen Gewicht reduzieren und damit die Handhabung bei größeren Formaten vereinfachen, zum anderen aber auch eine dämmende Wirkung besitzen. Bei manchen Lochziegeln sind die Hohlräume zusätzlich mit Dämmstoffen gefüllt.

Natursteine

Während Ziegel traditionell ihre größte Verbreitung in der verhältnismäßig gesteinsarmen norddeutschen Tiefebene hatten, wurde in der Nähe von erreichbaren Gesteinsvorkommen gerne mit Natursteinen gemauert. Zur Herstellung eines Naturwerksteins wurden und werden Stücke des natürlichen Gesteins entweder im gewünschten Format behauen oder heute häufiger gesägt.

Da Natursteine wie Granit, Marmor, Porphyr, Sandstein, Kalkstein oder auch Basalt recht unterschiedliche Eigenschaften besitzen, kann man sie nicht pauschal bestimmten Einsatzzwecken und konstruktiven Lösungen zuordnen. Gemeinsam ist Natursteinen jedoch der im Verhältnis zu anderen Mauersteinen meist hohe Preis, der sich lediglich in nächster Nähe zu den Abbauorten durch die dann niedrigeren Transportkosten relativiert.

Rgelmäßiges Naturstein-Mauerwerk
Eine Wand aus regelmäßíg behauenen Natursteinen. Soilche Konstruktionen sind wegen des hohen Preises heute im Neubau kaum noch anzutreffen.
Ziegelmauer mit Natursteinkrone
Natursteine werden gerne als Zier- oder Funktionselemente verwendet. Hier eine Mauerkrone aus Naturstein auf einer Gartenmauer aus Ziegeln.
Geschwungenes Schieferdach
Der Naturstein Schiefer wird wegen seiner leichten Spaltbarkeit meist als Plattenmaterial verwendet: zur Verkleidung von Fassaden oder wie hier zum Decken eiens Dachs.

Natursteine werden heute meist in sichtbaren Bereichen wie an der Außenfassade verwendet. Außerdem werden einzelne Bauteile wie Fensterbänke, Tür- und Fenstereinfassungen gerne aus Natursteinen gefertigt, ebenso wie Ziermauern oder kleine Gartenbauwerke im Freien. Hier kommt die attraktive Optik vieler Natursteine besonders gut zur Geltung und relativiert die Mehrkosten gegenüber industriell hergestellten Mauersteinen.

Ein Sonderfall unter den Natursteinen ist der Schiefer. Da sich dieses Gestein leicht in Platten spalten lässt, wird es vor allem in der Umgebung der Lagerstätten häufig für Dacheindeckungen und Fassadenverkleidungen verwendet und bestimmt in diesen Regionen die traditionellen Ortsbilder.

Porenbeton

Porenbeton, auch Gasbeton genannt, wird in einem industriellen Prozess aus feingemahlenem Kalk, Quarzsand, Zement und Wasser hergestellt. Aluminiumpulver, das dieser Mischung zugefügt wird, reagiert mit den übrigen Bestandteilen und bildet feine Gasbläschen. Nach Abschluss dieses Prozesses wird der Porenbeton unter Einfluss von Hitze, Druck und Wasserdampf gehärtet.

Das Ergebnis ist ein leichter, porenhaltiger Baustoff, der einfach zu bearbeiten ist und gute Wärmedämmeigenschaften besitzt. Die verschiedenen Formate – von flachen Platten oder kleinen Blöcken bis hin zu Großblöcken – werden durch Zerschneiden der gehärteten Rohmasse hergestellt.

Beim Schneiden ergeben sich sehr plane Flächen, so dass Porenbeton im Dünnbettverfahren vermauert werden kann. Porenbeton ist deshalb und wegen des geringen Gewichts auch ein verbreiteter Wandbaustoff bei Selbstbausätzen. Zudem lässt sich Porenbeton mit einfachen Werkzeugen wie Handsägen oder Raspeln bearbeiten.

Porenbeton in Dünnbett setzen
Die sehr regelmäßig geformten Planblöcke aus Porenbeton lassen sich wie die Planziegel ebenfalls gut mit Dünnbettmörtel verarbeiten.
Rohbau aus Porenbeton
Porenbeton ist nicht allzu witterungsbeständig. Deshalb braucht ein solcher Rohbau mindestens einen Verputz.
Zweischalige Funktionswand
Eine Porenbetonwand kann auch die innere Schale einer Funktionswand bilden. Dann folgt auf eine Außendämmung noch eine optisch attraktive Vormauerung aus Kalksandstein oder Klinkern.

Die Blöcke sind in unterschiedlichen Druckfestigkeitsstufen erhältlich, teils auch mit Stahlbewehrung. Da das Material nur wenig witterungsbeständig ist, kommt es an Außenfassaden oft zusammen mit einer Verkleidung, einer Vormauerung aus Ziegel- oder Kalksandsteinen oder als innere Schicht einer zweischaligen Wand oder Funktionswand zum Einsatz. Dadurch wird auch die Schalldämmung verbessert, die bei reinen Porenbeton-Bauteilen oft nicht ausreicht.

Eine Spezialanwendung von Porenbeton ist der Einsatz großer Platten als Massivdach, das ohne traditionellen Dachstuhl auskommt und einen guten sommerlichen Hitzeschutz bietet.

Kalksandstein

Kalksandstein-Sichtmauerwerk
Durch ihre regelmäßige Form und ihre charakteristische weiße Farbe eignen sich Kalksandsteine im passenden Umfeld sehr gut für ein Sichtmauerwerk.

Kalksandsteine werden aus einer Mischung von gebranntem Kalk, Quarzsand und Wasser hergestellt. Nachdem der Kalk mit dem Wasser reagiert hat, werden die Steine gepresst und dann mittels Dampf, Druck und Hitze gehärtet.

Das Ergebnis sind sehr dichte Mauersteine, die an ihrer charakteristischen nahezu weißen Farbe erkennbar sind. Kalksandsteine bieten aufgrund ihrer Dichte einen guten Schallschutz. Da sie sehr regelmäßig und exakt geformt sind, eignen sie sich für unverputztes Sichtmauerwerk – wegen ihrer Witterungsbeständigkeit auch an Fassaden. Hierzu werden häufig auch speziell strukturierte Verblender aus Kalksandstein verwendet, deren Oberfläche das Mauerwerk noch attraktiver machen soll. Kalksandsteine sind zudem druckfest und belastbar, sie dienen deshalb auch als Baustoff für tragende Wände.

Da ihre Wärmedämmeigenschaften weniger überzeugen, werden Kalksandsteine für Außenwände häufig zweischalig mit Kerndämmung oder als vorgesetzte Fassade vor einer gedämmten Konstruktion eingesetzt.

Leichtbeton-Steine

Rohbau aus Bimmsbeton
Ein Rohbau aus Bimsbeton. Ebenso wie Porenbeton muss dieser Baustoff mit Putz, Verkleidungen oder einer Vormauerung vor der Witterung geschützt werden.

Unter diesem Stichwort lassen sich verschiedene Mauersteine zusammenfassen, die aus Beton mit einem leichten, porenhaltigen Zuschlagstoff bestehen. Bei den Zuschlagstoffen kann es sich um Blähtonkügelchen handeln, wie sie auch in der Pflanzenaufzucht verwendet werden, aber auch um porenhaltige Gesteine wie Bims.

Leichtbetonsteine sind einfacher zu heben und zu bearbeiten deshalb verarbeitungsfreundlicher als dichtere Mauersteine. Zugleich bieten sie recht gute Dämmeigenschaften.

Als Sichtmauerwerk eignen sich Leichtbetonsteine in der Regel nicht. Sie müssen verputzt, verkleidet oder mit einer Vormauerung versehen werden. Da sie auch saugfähiger sind als dichte Mauersteine, ist immer auf eine sorgfältige Abdichtung von daraus hergestellten Außenwänden zu achten.

Wände aus Bimsbeton oder verwandten Steinen eignen sich – wie viele porige Baustoffe – weniger gut, um darin Gegenstände zu verankern.

(Karikatur: Daniel Fuhr, www.karicartoons.de)

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Bildnachweis
1. "Ziegelmauer im Antiklook": epr/CRH Clay Solutions (Pressemeldung)
2. "Ziegel-Sichtmauerwerk": epr/CRH Clay Solutions (Pressemeldung)
3. "Klinker-Verblender": epr/CRH Clay Solutions (Pressemeldung)
4. "Planziegel in Dünnbett setzen": tdx/Mein Ziegelhaus (Pressemeldung)
5. "Rgelmäßiges Naturstein-Mauerwerk" (Mauerwerk-regelm.jpg) von Reiner Flassig, Lizenz: CC BY-SA 2.0, skaliert
6. "Ziegelmauer mit Natursteinkrone": tdx/homesolute.com (Pressemeldung)
7. "Geschwungenes Schieferdach": www.dach.de (Pressemeldung)
8. "Porenbeton in Dünnbett setzen": tdx/Ytong (Pressemeldung)
9. "Rohbau aus Porenbeton": Xella Group Pressefoto
10. "Zweischalige Funktionswand": epr/Kingspan Insulation (Pressemeldung)
11. "Kalksandstein-Sichtmauerwerk": epr/Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V. (Pressemeldung)
12. "Rohbau aus Bimsbeton" (Parpaing mise en oeuvre.jpg) von PhY, Lizenz: CC BY-SA 2.5, skaliert
13. "Cartoon"von Daniel Fuhr Copyright: [www.karicartoons.de]

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