Trockenbaustoffe

Wasser drauf und fertig

Mörtel an Wand

Mittlerweile sind sie auf jeder Baustelle zu finden: Trockenbaustoffe, die bereits alle Feststoffkomponenten enthalten und nur noch mit Wasser angemischt zu werden brauchen. Sie erleichtern dem Heimwerker die Arbeit, sparen Platz, Zeit und Geld.

Trockenbaustoffe gibt es in einer großen Vielfalt, mit speziellen Eigenschaften für jedes Baumaterial, so daß sie heute aus einem modernen Baumarkt nicht mehr wegzudenken sind.

Wer erinnert sich nicht: In mühsamer Plackerei mischt der Heimwerker Sand, Zement und Kalk in einer laut ratternden Mischtrommel. Das Wasser gießt er aus einem Eimer dazu. So oder ähnlich sah es noch vor 20 Jahren auf fast jeder Baustelle aus. Inzwischen hat sich das Bild gründlich gewandelt. Heute genügen ein Sack mit vorgemischtem Trockenmörtel, Wasser und ein Mischgerät.

Vorgemischte Trockenbaustoffe

Das Geheimnis dieser kraftsparenden Methode liegt in der Verwendung von vorgemischten Trockenbaustoffen. Auf der Baustelle braucht der Do-it-Yourselfer nur noch Wasser hinzuzufügen und schon hat er einen verarbeitungsbereiten Mörtel in der richtigen Zusammensetzung, Konsistenz und mit den gewünschten Eigenschaften.

Die Idee kommt wie so viele Innovationen aus den USA. Dort fragte sich Anfang der dreißiger Jahre ein Bauingenieur, warum man immer mühsam Zement, Sand und Kies besorgt und dann das Ganze im mehr oder weniger richtigen Mengenverhältnis mischt. Seine Antwort waren fix und fertig werktrockene Gemische, die er in einem Sack verpackt anbot.

Baustoffe mit moderner Technologie

Durch die "Erfindung" der vorgemischten Trockenmörtel hielt auch bei den Baustoffen die moderne Technologie Einzug. Jetzt eröffnete die industrielle Produktion ein hohes Potential für Rationalisierungen und die Möglichkeit, immer komplexere, spezialisiertere und bessere Baustoffe anzubieten. Denn durch die Massenproduktion lohnten sich Investitionen in die Entwicklung neuer und besserer Rezepturen sowie kraftsparender Misch- und Transporttechnologie.

Die Trockenmörtel werden aus drei Hauptbestandteilen gemischt: Bindemittel, Zuschlagsstoffe und Additive. Der klassische Mörtel, wie er bereits in der Antike verwendet wurde, enthält Sande und Kiese sowie als Bindemittel Kalk, Gips oder Puzzolane.

Die wirkliche Innovation bei modernen Baustoffen ist die Zugabe von chemischen Additiven (Zusätzen). Sie machen je nach Zusammensetzung aus einem "normalen" Mörtel ein vielfach einsetzbares Spezialgemisch für bestimmte Anwendungen. Herstellung, Überwachung und Lieferung sind in der DIN 18557 (Werkmörtel) geregelt.

Anwendungsnormen definieren die Anforderungen an die stofflichen Eigenschaften. Die genaue Zusammensetzung um diese Vorgaben zu erfüllen, richtet sich nach den regionalen Gegebenheiten, zum Beispiel der Herkunft und den Eigenschaften des Zementes oder der Zuschlagsstoffe. Eine allgemein gültige Rezeptur für einen Mörtel gibt es nicht, sondern sie muß von jedem Anbieter individuell erstellt werden.

Trockenbaustoffe – Sicherheit für den Verarbeiter

Für die Vielfalt der Trockenmörtel gibt es zwei wesentliche Ursachen. Zum einen steigen die Anforderungen der Bauherren und Verarbeiter an ein Material. Zum anderen entstehen immer neue Bauweisen und Baumaterialien. Und hier sind Mörtel mit speziellen Eigenschaften und für spezielle Anwendungszwecke gefragt.

Dem Wunsch nach gleichbleibenden, exakt definierten und dem Stein angepaßten Materialqualitäten wird der Trockenmörtel mit seinem unübertroffenen Qualitätsstandard am ehesten gerecht. Eine ähnlich hohe Qualität wie bei vorgemischten Trockenbaustoffen läßt sich auf der Baustelle nicht oder nur mit einem unvertretbar hohen Aufwand erreichen.

Vorgemischte Trockenmörtel geben die Sicherheit, um selbst höchste Ansprüche zu erfüllen und die geforderte Mauerwerksnorm DIN 1053 sowie die Putznorm DIN 18550 einzuhalten.

Vorteile von Trockenbaustoff

Für den Heimwerker bieten Trockenbaustoffe gegenüber auf der Baustelle angemischten Stoffen viele Vorteile:

  1. festes und homogenes Mischungsverhältnis
  2. exakt dosierte Zuschläge und Zusatzmittel
  3. zuverlässige Farbeinstellungen
  4. gleichbleibende und rechenbare Festigkeitswerte
  5. konstantes Abbindeverhalten
  6. Unabhängigkeit von der Witterung
  7. geringer Platzbedarf
  8. Verlagerung der Qualitätsgarantie von der Baustelle zum Hersteller

Computergesteuerte Mischtechnik

Mit Additiven muß allerdings sparsam umgegangen werden. Sie verändern schon in relativ geringen Mengen die Eigenschaften eines Mörtels – außerdem sind sie teuer. Eine exakte Dosierung ist deshalb unumgänglich.

So erscheint es folgerichtig, daß Werktrockenmörtel gemäß DIN 18557 nur in bestimmten, regelmäßig überwachten Werken hergestellt werden dürfen, die qualifizierte personelle und technische Anforderungen erfüllen. Neue Mischanlagen sind in der Regel computergesteuert und haben grammgenaue Wägeeinrichtungen.

Entwicklung neuer Baustoffe

Die Entwicklung neuer, an die Baumaterialien angepaßte Trockenmörtel ist ohne spezialisierte Fachleute in einem Fachlabor, wie Baustoffchemiker und Anwendungstechniker, undenkbar. Zu komplex sind die Eigenschaften des neuen Materials sowie das Zusammenspiel der Ausgangsprodukte des Mörtels. Die Fachlabors, in der Regel angeschlossen an einen großen Baustoffanbieter, arbeiten dabei eng mit den Anbietern von bauchemischen Produkten sowie mit Verarbeitern und Architekten zusammen.

Die Marktfreigabe eines neuen bzw. optimierten Produktes unterliegt strengen werksinternen Kontroll- und Zustimmungsinstanzen. Erst nach positiver Beurteilung auf praxisnahen Probebaustellen kommt es zur Markteinführung. Der Rückgriff auf das Know-how von Fachlabors führte somit nicht nur zu einer Optimierung der herkömmlichen Baustoffe, sondern öffnet auch das Tor für neue Baustoffe, wie zum Beispiel Wärmedämmmörtel und Wärmedämmputze.

Die Baustoffchemiker in den Labors müssen sich vor allem mit den komplexen Wechselwirkungen der Additive auseinandersetzen. Sie spielen eine Schlüsselrolle für die optimalen Eigenschaften der Trockenmörtel. Chemische Additive geben ihnen die gewünschten Eigenschaften wie beispielsweise schnelles Abbinden, die leichte Verarbeitbarkeit, Maschinengängigkeit, hohe Elastizität, gute Haftung zum Untergrund und ein hohes Wasserrückhaltevermögen.

Gegenüber den klassischen Baustoffen ermöglicht erst ihr Einsatz neue Bauverfahren. Beispielsweise benötigen stark saugende Untergründe Zusätze, die den Wasserentzug aus dem Mörtel reduzieren und ihn vor dem "Verbrennen" bewahren.

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Bildnachweis
1. "Mörtel" (Originalbild): Rupert Kittinger-Sereinig (rkit), Lizenz: CC0 1.0 / pixabay.com
2. "trockenbaustoffe"
3. "labor"

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