Bodengleiche Dusche einbauen – richtig planen und umsetzen

Bodengleiche Dusche einbauen

In modernen Häusern sind hohe Duschtassen zur Seltenheit geworden, was verschiedene Gründe hat. Zum einen geht es um ein möglichst barrierefreies Bad, zum anderen bieten ebenerdige Duschen neben einem komfortablen Eintritt auch ein besseres Raumgefühl.

Ein sinnvoller Trend, da Barrierefreiheit nicht nur im Alter ein Thema ist. Selbst eine vorübergehende Erkrankung kann dazu führen, dass eine hohe Schwelle schwer oder gar nicht zu bewältigen ist.

Auf dem Markt gibt es sowohl komplette Systeme zu kaufen als auch Einzelteile, mithilfe derer sich ein geübter Heimwerker eine begehbare Dusche selber bauen kann. Auch qualitativ hochwertige Markenware, die in der Vergangenheit teilweise nur dem Fachhandel zugänglich war.

Abhängig von den baulichen Voraussetzungen, dem vorhandenen Budget sowie den eigenen handwerklichen Fähigkeiten sind gute Basisinformationen der Schlüssel zu individuell passenden Lösungen und Produkten.

Neubau, Sanierung oder nachträglicher Einbau

Bauherren sollten das Badezimmer auf keinen Fall zu klein planen. Gerade beim Neubau lässt sich leicht eine bodengleiche und große Dusche einplanen, da schon beim Bodenaufbau ein entsprechender Ablauf vorgesehen und eingearbeitet werden kann.

Im Neubau lassen sich geräumige Duschen planen.
Im Neubau lassen sich geräumige Duschen planen.

Bei einer Badsanierung oder, wenn Sie nachträglich eine bodenebene Dusche einbauen möchten, kommt es zunächst darauf an, dass die Wasserleitungen und Abwasserleitungen an der benötigten Stelle vorhanden sind oder passend verlegt werden können.

Beim Verlegen von Wasserleitungen gibt es zahlreiche Vorschriften zu beachten, wie Verlegerichtlinien im Zusammenhang mit der Trinkwasserverordnung. Alle Materialien müssen vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) zugelassen sein. Nicht zuletzt besteht nur bei Abnahme durch einen Fachbetrieb auch eine Gewährleistung und gegebenenfalls ein Versicherungsschutz. Deshalb ist zumindest bei der Wasserzuleitung dringend zu empfehlen, diesen Teil der Arbeiten Fachleuten zu überlassen.

Neben dem Wasser- und Abwasseranschluss spielt zusätzlich die Aufbauhöhe des Bodens eine große Rolle bei der Ermittlung, was tatsächlich umsetzbar ist. Häufig scheitern ebenerdige Duschen an der Möglichkeit, einen passenden Abfluss zu verlegen. Gut, wem ein Keller unter dem Badezimmer zur Verfügung steht.

Die Aufbauhöhe ist bei einer Betondecke alles, was unmittelbar auf dieser vorhanden ist, wie Dämmung, Estrich, Fußbodenheizung und Bodenbelag. Baupläne des Gebäudes sind dabei hilfreich. Sind solche nicht vorhanden, kann ein Handwerker die Aufbauhöhe anhand einer Bohrung feststellen.

Wollen Sie eine bodengleiche Dusche in einem Altbau ohne Pläne einbauen, eventuell sogar mit Holzbalkendecke, muss im Zweifel ein Statiker oder Ingenieur hinzugezogen werden, der abklären kann, ob und welches System der Bodenaufbau vor Ort zulässt. In der Regel findet sich eine Lösung. Nicht zuletzt haben die verschiedenen Systeme sehr unterschiedliche Höhen, wobei bei einigen Elementen noch zusätzlich etwas für das Gefälle eingeplant werden muss.

Ablaufvarianten einer ebenerdigen Dusche

Es gibt drei gängige Ablaufvarianten: die Punktentwässerung, den einseitigen Rinnen- oder Linienablauf und die umlaufende Duschrinne. Alle Varianten sind in optisch sehr ansprechendem, modernem Design erhältlich oder umsetzbar. Aufbauhöhen und die Anlage des Gefälles unterscheiden sich jedoch und sind mehr oder weniger schwer umsetzbar.

Ein Punktablauf ist günstig. erfordert aber ausreichend Gefälle.
Ein Punktablauf ist günstig. erfordert aber ausreichend Gefälle.

Bei einem Punktablauf ist die Aufbauhöhe insgesamt etwas größer und das Gefälle muss von allen Seiten her überschneidend auf den Ablauf zugehen, damit der Abfluss des Wassers in die gewünschte Richtung gewährleistet ist. Günstig für eine geringere Aufbauhöhe ist ein Abfluss durch den Boden, der im darunter liegenden Raum oder den Keller abgeführt werden kann.

Ein Rinnen- oder Linienablauf wird meist an einer Wandseite verlaufen und das Gefälle dann einseitig in diese Richtung angelegt, was sich einfacher gestaltet und mit einer etwas niedrigeren Aufbauhöhe verbunden ist. Wenn die Rinne in der Wand verschwindet, spricht man auch von einem Wandablauf.

Besonders flach ist der Aufbau mit einer umlaufenden Duschrinne, wobei allerdings für den darunterliegenden Ablauf auf kleiner Fläche etwa 10 cm Tiefe im Bodenaufbau zusätzlich zur Verfügung stehen müssen. Der Vorteil ist, dass kein Gefälle zur Rinne hin eingebaut werden muss, da das Wasser rundum abfließen kann. Das restliche Wasser kann mit einem Abzieher in die Rinne geschoben werden. Diese Nacharbeit ist generell bei ebenerdigen Duschen empfohlen, um Kalkablagerungen zu vermeiden.

Wichtig: Die Durchlaufmenge der Armatur darf niemals höher sein, als das Fassungsvermögen des Abflusses. Andernfalls müssen Sie bei einem längeren Duschvergnügen mit einer Überschwemmung rechnen.

Duschelemente und Duschwannen

Den klassischen Duschtassen am ähnlichsten sind bodengleiche Duschwannen aus Stahl oder Acryl, die vorrangig als Komplett-Systeme mit Styroporwanne oder Einbaurahmen angeboten werden. Diese können sogar so gestalten sein, dass sie sich ebenerdig in den Boden einfügen: Bodenebene Duschen von Kaldewei

Flache Duschtassen können ebenerdig eingesetzt werden.

Alternativ dazu sind Hartschaum-Elemente aus Polystyrol erhältlich, die das benötigte Gefälle und meist auch den vormontierten Ablauf bereits mitbringen. Nach dem Einsetzen können sie sofort abgedichtet und gefliest werden. Sie ersparen das Anlegen eines Gefälles im Estrich.

Ganz ähnliche Elemente gibt es aus Faserzement, die ebenfalls nach dem Anschluss eines Abflusssystems eingesetzt, abgedichtet und gefliest werden können.

Wer zu Reparaturzwecken an den Ablauf und die Rohre dahinter kommen möchte, ohne neu fliesen zu müssen, entscheidet sich am besten für ein Komplett-System mit einer Duschwanne in einem Einbaurahmen. Bei Bedarf kann die Duschwanne entnommen und am Abfluss gearbeitet werden. Anschließend muss jedoch eine neue Abdichtung mit Silikon erfolgen.

Wer einzelne Elemente benutzt und diese später überfliesen möchte, der sollte gute Qualität bei den Komponenten des Ablaufs wählen und mit größter Sorgfalt einbauen sowie auf Dichtigkeit prüfen, um Reparaturbedarf soweit als möglich zu vermeiden.

Bodenebene Dusche einbauen – Anleitung im Überblick

Nach Prüfung und Planung geht es an den Einbau. Zuvor müssen das Material besorgt werden und die Installationsarbeiten – wie Zu- und Ableitungen – abgeschlossen sein.

Schritt 1: Höhe des Aufbaus berechnen

Genaue Berechnungen im Vorfeld ersparen unnötigen Ärger.
Genaue Berechnungen im Vorfeld ersparen unnötigen Ärger.

Nach der Kaufentscheidung wird gerechnet. Um eine wirklich bodengleiche Dusche einbauen – im Estrich einlassen – zu können, müssen Sie vorab die Höhe der einzelnen Elemente und Schichten addieren. Inklusive eines eventuellen Höhenausgleichs, um genug Gefälle (min. 2 %) für den Abfluss zu bekommen.

Als Faustregel können Sie 1 cm Höhe (Oberkante Abfluss) je 50 cm Rohrleitung in Richtung Fallrohr verwenden. Bei 80 cm Ht-Rohr bis zum Abfluss kommt man also auf 1,8 cm, die der Abfluss unterfüttert werden muss. Wie Gefälle bzw. Steigungen berechnet werden, finden Sie in dieser Anleitung.

Für jede Schicht Fliesenkleber, die sie zum Aufbau einzelner Elemente verwenden (je nach Teil oder System) addieren Sie 0,5 cm. Die Summe all dieser Einzelwerte zeigt, welche Tiefe bei der Aussparung im Boden erreicht werden muss.

Für eine geflieste ebenerdige Dusche ohne Duschbecken, müssen sie lediglich das Gefälle beachten und ausreichend Platz für den Abfluss mit Geruchsverschluss schaffen. Vorteilhaft ist ein Ablauf unterhalb des Estrichs.

Schritt 2: Boden aufstemmen (falls nötig)

Abhängig von Ihrer Bodenart öffnen Sie nun den Boden und stemmen die notwendigen Aussparungen aus dem Estrich aus. Über die Aufbauhöhe des Bodens haben Sie sich ja bereits vorher anhand von Bauplänen oder Bohrung vergewissert. Wenn Sie nicht genau wissen, wo Leitungen, Fußbodenheizung und ähnliche Elemente entlang laufen, arbeiten Sie sehr vorsichtig und vermeiden Sie Beschädigungen.

Kontrollieren Sie Ihre Arbeit indem Sie das Duschelement einlegen und die korrekte Lage mit der Wasserwaage prüfen. Prüfen Sie auch, ob die berechnete Gesamthöhe erreicht ist.

Schritt 3: Abdichten von Wand und Boden mit Flüssigfolie

Auch wenn die Kombination aus Fliesen und Fugenmörtel eine wasserdichte Oberfläche ergeben, ist es wichtig, im Vorfeld die Wände und den Boden gegen eindringendes Wasser abzudichten. Die einfachste Variante bildet Flüssigfolie.

Dichten Sie den Boden und die Wände mit Flüssigfolie ab.
Dichten Sie den Boden und die Wände mit Flüssigfolie ab.
  1. Ehe Sie mit dem Auftragen der Flüssigfolie beginnen, sollten Sie die gesamte Fläche ein letztes Mal auf Risse und Unebenheiten kontrollieren. Selbst kleinste Putzkrümel, die Sie im Nachhinein entfernen wollen, würden die abgedichtete Oberfläche beschädigen.
  2. Beginnen Sie mit im ersten Schritt mit dem Auftragen des Haftvermittlers (Tiefengrund, Haftgrund...) welcher zur Flüssigfolie empfohlen wird. Tragen Sie ihn nach Herstellerangaben auf und beachten Sie die angegebene Trocknungszeit.
  3. Ist der Haftvermittler getrocknet, kann mit dem Abdichten begonnen werden. Während gerade Flächen kein Problem darstellen, benötigen Ecken, Abflüsse und Wasseranschlüsse Ihre besondere Aufmerksamkeit. Hierfür sind Dichtmanschetten erhältlich, die mit der Flüssigfolie in die Ecken und um Rohre geklebt werden. Anschließend können Sie alle Flächen mit der Flüssigfolie streichen oder rollen. Sorgen Sie für eine gleichmäßige aber nicht zu dicke Deckung.
  4. Nach etwa 12 Stunden ist die erste Schicht Flüssigfolie getrocknet und es kann der zweite Auftrag erfolgen. Hierbei darf gerne etwas großzügiger gearbeitet werden. Bewährt hat sich eine Edelstahl-Glätte mit der ein gleichmäßiger satter Auftrag und eine gleichzeitige Glättung möglich ist.

Schritt 4 Duschelement: Duschelement einsetzen und anschließen

Wenn Sie ein Duschelement einbauen, setzen Sie dieses genau an der Stelle ein, wo es später stehen soll und zeichnen - für einen Punktablauf - die Position des Ablaufs durch die Öffnung an. An dieser Stelle muss der Abfluss platziert und mit Ht-Rohren an das Fallrohr angeschlossen werden. Denken Sie daran, den Ablauf so zu unterfüttern, dass das geplante Gefälle entsteht. Fixieren Sie die Rohre und den Ablauf im Zweifel mit etwas Zement.  Achten Sie darauf, dass die berechnete Aufbauhöhe nicht verändert wird.

Wenn Sie eine bodengleiche Dusche mit Ablaufrinne einbauen, müssen Sie den Anschluss der Ablaufrinne an das Fallrohr anschließen. Ebenso gehen Sie vor, wenn Ihr Duschelement bereits einen Ablauf vormontiert hat. Prüfen Sie Ihren Anschluss auf Dichtigkeit indem Sie Wasser einlaufen lassen. Im Zweifel hilft diese Anleitung zum Abdichten eines Abflussrohres.

Nehmen Sie nun das Duschelement noch einmal heraus und tragen Sie mit einer Zahnkelle (5 mm) Fliesenkleber auf den Untergrund auf oder nutzen Sie einen empfohlenen Kleber. Anschließend schließen Sie das Duschelement wieder an und setzen es sorgfältig ein. Überprüfen Sie mit einer Wasserwaage den korrekten Sitz.

Näheres zum Einbau eines flachen Duschelemts mit Styropor-Träger können Sie dem folgenden Video entnehmen:

Schritt 4 geflieste Dusche: Boden und Wände fliesen

Nutzen Sie kein Duschelement und möchten stattdessen den gesamten Duschbereich fliesen, können die Fliesen direkt auf der Abdichtung verlegt werden. Bei der Frage, ob erst die Bodenfliesen und anschließend die Wandfliesen – oder umgedreht – verlegt werden sollen, scheiden sich die Geister. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Erst Bodenfliesen und anschließend Wandfliesen verlegen:

  • Aufgrund von Putzarbeiten sind Wände selten perfekt gerade und die Bodenfliesen müssen geschnitten werden. Gleiches ergibt sich, wenn von der Mitte des Raumes angefangen wird, die Fliesen zu verlegen. Wird erst der Boden gefliest, decken die später angebrachten Wandfliesen die Schnittkante um einige Millimeter bis zu einem Zentimeter ab. Unsauber geschnittene Fliesenränder werden daher gut "versteckt" und es besteht kaum die Gefahr, dass sehr große Silikonfugen benötigt werden.
  • Wurde der Boden sauber und gerade gefliest, kann die unterste Reihe der Wandfliesen (mit Abstandshalter) auf die Bodenfliesen "abgestellt" werden und es entsteht eine absolut gleichmäßige Eckfuge.

Erst Wandfliesen und anschließend Bodenfliesen verlegen:

  • Die von Handwerkern bevorzugte Variante bietet den Vorteil, dass bei sehr schneller Arbeitsweise, alle Fliesen – Wand und Bodenfliesen – an einem Tag verlegt werden können. Wird erst der Boden fertiggestellt, muss der Fliesenkleber abgebunden haben, ehe der Boden belastet werden darf.
  • Fällt eine Fliese bei der Arbeit runter, kann diese und auch der Boden beschädigt werden. Ist der Boden noch nicht gefliest, verringert das natürlich die Gefahr von Beschädigungen.

Weitere Informationen zum richtigen verlegen von Fliesen, finden Sie hier: Fliesen verlegen.

Für Duschflächen mit Gefälle eignen sich Mosaikfliesen.
Für Duschflächen mit Gefälle eignen sich Mosaikfliesen.
Ebenerdige Duschen können gut offen gestaltet werden.
Ebenerdige Duschen können gut offen gestaltet werden.

Barrierefreies Bad – barrierefreie Dusche nach DIN

Wenn es um ein behindertengerechtes Bad geht, gibt die DIN 18040-2 für barrierefreies Bauen konkrete Maße vor. Danach ist für einen Rollstuhlfahrer eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm vor allen Sanitärobjekten (Waschbecken, WC, Dusche, Badewanne) und gleichzeitig jeweils mindestens 20 cm Zwischenraum zwischen den einzelnen Sanitärobjekten vorgesehen.

Der stufenlos betretbare Duschbereich sollte 120 x 120 cm Fläche bieten und - wie das ganze Bad - mit einem rutschfesten Bodenbelag ausgestattet sein. Nicht zuletzt sind ergonomische oder optoelektronische Armaturen erforderlich, um ein Badezimmer barrierearm zu gestalten.

Wenn Sie soweit nicht gehen wollen oder können, geben Ihnen diese Maße dennoch eine Entscheidungshilfe bei der Planung und führen vielleicht dazu, etwas großzügiger mit der Fläche umzugehen.

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