Dauerelastische Fugen setzen

Silikonfugen und andere elastische Fugen genau erklärt

"Silikon" eine Bezeichnung, die heute äußerst mehrdeutig ist. Ob als Rohstoff für Computerchips, als Füllmaterial für kosmetische Operationen oder als schützende Smartphonehülle: Silikon ist allgegenwärtig. Im Baugewerbe trifft man Silikon vor allem als sogenanntes "Silikonelastomer" an. Hier werden kaltvernetzende Silikonelastomere zum elastischen Abdichten von Sanitärfugen verwendet. Was dies genau bedeutet, erklären wir später.

Silikonfugen bleiben dauerhaft elastisch und sorgen auch bei temperaturabhängigen Dehnungen des Materials für eine sichere Abdichtung. Einmal gut gesetzte Silikonfugen bleiben lange wasserdicht, hygienisch und dehnbar – wenn man weiß, wie es geht.

Silikonelastomere – Wunderwerke der Dichtstofftechnik

Silikonelastomere kommen vielfältig zum Einsatz: Aus demselben chemischen Grundstoff können so verschiedene Dinge wie Babyschnuller, hitzebeständige Backformen oder eben Dichtstoffe hergestellt werden. Entscheidend für die spätere Verwendung ist die Art der "Aushärtung" des Elastomers, wobei dieser Begriff nicht ganz richtig ist: Das Silikonelastomer bleibt ja auch im festen Zustand sehr elastisch, man spricht von einer "Vernetzung" der Silikonmoleküle.

Unterschieden wird in heißvernetzende und kaltvernetzende Silikone. Während die ersteren eher für Schnuller und Backformen in der Industrie verwendet werden, sind letztere im Baugewerbe üblich. Silikon in der Dichtstoffkartusche aus dem Baumarkt ist immer kaltvernetzend.

Ein kaltvernetzendes Silikonelastomer, auch als RTV (Raumtemperaturvernetzend) bezeichnet, vernetzt sich durch den Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit bei etwa 20 °C. Wie in der nebenstehenden Zeichnung dargestellt, lagern sich die Wassermoleküle aus der Luft an den Silikonmolekülen in der Fuge an. Durch nun ablaufende chemische Reaktion wird das Silikonelastomer miteinander vernetzt – nicht starr, sondern elastisch. 

Silikon dünstet daher auch nicht aus, vielmehr nimmt es die Luftfeuchtigkeit bis zur Sättigung in sich auf. Nach vollendeter Vernetzung ist das Silikon dann perfekt wasserdicht und die Erneuerung der Silikonfuge abgeschlossen.

Unterschied zwischen Silikon- und Acrylfugen

Acryldichtstoffe werden von Heimwerker-Laien gerne auch als Silikon bezeichnet, sie haben aber chemisch nichts mit silikonbasierten Dichtstoffen zu tun. Sie basieren auf Acrylatdispersionen und sind wasserhaltig.

Bei Acrylfugen kann man, im Unterschied zu Silikonfugen, von einer Trocknung der Fuge sprechen. Während der Aushärtung dunstet der Wasseranteil der Dispersion aus der Fuge aus, die "trockene" Fuge ist aber später dennoch hochelastisch. Wegen der etwas geringeren Elastizität werden Acrylfugen an hochbelasteten Stellen seltener eingesetzt, moderne Acryldichtstoffe erreichen aber durchaus Silikondichtstoffen vergleichbare Werte. 

Der ZGV-Wert und seine Bedeutung für Heimwerker

Der auf Dichtstoffkartuschen angegebene, prozentuale ZGV-Wert ist die zentrale Klassifikation für die Elastizität von Dichtstoffen. Mit Hilfe dieses Wertes werden die notwendige Elastizität des Dichtstoffs und die mögliche Fugenbreite angegeben. 

ZGV bedeutet "Zulässige Gesamtverformung" und kennzeichnet die Möglichkeiten zur Zug- und Druckaufnahme einer Fuge. Ein ZGV-Wert von 20 % bedeutet, dass die Fuge 10 % Druck- und 10 % Zugaufnahme hat. Auf eine Fuge von 10 mm übertragen bedeutet dies, dass die Fuge sich um einen Millimeter verformen kann (nach innen und außen).

Historische Dehnfugen

Wer ein Haus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder älter restauriert oder renoviert, wird keine Silikonfugen finden: Silikondichtstoffe kamen im großen Stil erst nach dem 2. Weltkrieg auf. Historisch wurde oft mit Gips oder Holzleisten abgedichtet, diese Fugen waren jedoch nicht feuchtigkeitsbeständig.

Für Gebäudefugen verwendete man ein Gemisch aus Schlämmkreide und Leinölfirnis, dass stundenlang zu einem zähen Teig geknetet wurde. Diese auch als Glaserkitt bezeichnete Masse dichtet recht zuverlässig ab, altert aber schnell. Durch die Oxidation des Leinöls wird der Kitt mit den Jahren bröselig, verliert seine Elastizität und muss erneuert werden.

Problematisch sind alte Dehnfugen besonders bei der Verlegung neuer Fußböden. Verfärbungen des Leinöls können nach oben wandern und den Boden verschmutzen. Eine alte Kittfuge lässt sich aber relativ leicht erkennen: Ein von der Fuge abgeschnittener Span, der bei Kontakt mit einer Feuerzeugflamme nach Leinöl riecht, weist auf eine alte Dehnfuge hin. Diese sollte dann erneuert werden.

Übertrage Bewertung...

Bewertung: 2.5 von 5. 8 Bewertung(en). Zur Bewertung auf die Sterne klicken.

Kommentar hinzufügen (oder Link vorschlagen)

Haben Sie eine Anmerkung zu diesem Artikel oder möchten Sie uns eine passende Anleitung zur Verlinkung vorschlagen? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!





Sicherheitsabfrage*




* Pflichtfeld  | Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.


Bildnachweis
1. "silikonfugen dauerelastisch" (Caulking.jpg) von Achim Hering, Wikimedia Commons, CC3 / wikipedia.de, Lizenz: CC BY-SA 3.0, zugeschnitten
2. "kaltvernetzung von silikon": © heimwerker.de - heimwerker.de
3. "zgv wert": © heimwerker.de - heimwerker.de

Am meisten gelesen