Fertighäuser mit regionaltypischen Bauformen

Wie das Land, so die Häuser: In manchen deutschen Landstrichen geben typische Stilelemente den Gebäuden seit Jahrhunderten ein unverwechselbares Gesicht. Und das nicht nur in den historischen Ortskernen, sondern auch in den Neubaugebieten von der Nordsee bis zum Alpenrand. Denn der unverkennbar regionale Charakter kommt beim Bauen offenbar nie aus der Mode. Moderne Fertighäuser interpretieren traditionelle Baustile neu und verbinden sie mit zukunftsfähiger Technik.

Regionaltypisches Bauen kommt nicht von ungefähr. Dahinter steht eine enge Verbundenheit mit der Geschichte, die den Lebensstil der Menschen beeinflusst. In einer derart gewachsenen Umgebung fallen Extravaganzen unangenehm auf - wer baut, passt sich also sichtbar an die Tradition an. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass heutige Bauherren wie vor 200 Jahren bauen müssen. Modern interpretiert, wirkt regionaltypische Architektur mitunter sogar besonders authentisch.

Stilmerkmale dienen nicht nur der Optik

Bei modernen Häusern sind es architektonische Details, die den Bezug zur Landschaft verraten.  So wie in Schwaben die quadratischen Fenster mit Holzläden, im Bergischen Land die Schiefertäfelung oder die so genannte Fledermausgaube an der Küste. Wie in einer bestimmten Region traditionell gebaut wird, hängt von klimatischen Bedingungen, landschaftlichen Gegebenheiten wie Bergen, weiten Ebenen oder der Nähe zum Meer ab - denn danach musste man sich in früheren Zeiten richten. Heute wachen nicht selten die örtlichen Bauämter darüber, dass  bestimmte Stilmerkmale weiter bestehen.

Dass die althergebrachte Baukunst durchaus ihren Sinn hat, kann man sehr deutlich an den verschiedenen Dachformen nachvollziehen: In milden Regionen mit vielen Regentagen ist ein steiles Dach sinnvoll, damit das Wasser schnell abfließen kann. In kälteren Gegenden bietet dagegen ein flach geneigtes Dach mehr Sicherheit vor abrutschenden Schneemassen, auch Dachlawinen genannt.

Im Alpenraum, in denen die Jahreszeiten mitunter extreme Witterungsbedingungen mit sich bringen, ist die über Jahrhunderte gewonnene Bauerfahrung auch heute noch prägend für die Architektur. Hier wird mit viel Holz gebaut, weil die Winter kalt sind und das Naturmaterial eine besonders gute Wärmedämmung bietet. Ein breiter Dachüberstand spendet im Sommer Schatten und verhindert, dass sich die Wohnräume durch direkte Sonneneinstrahlung unangenehm aufheizen.  Zugleich schützt das breite Dach das Haus optimal vor Feuchtigkeit. Dass es funktioniert, beweisen Jahrhunderte alte Holzhäuser überall in den Alpenländern - und auch moderne Holzfertighäuser, die ebenfalls dieses bewährte Prinzip des “konstruktiven Holzschutzes” ausnutzen.

Holz setzt im Süden Deutschlands auch optisch die Akzente: Sichtbares, äußeres Holzständerwerk gehört ebenso dazu wie ein ausladender, überdachter Balkon.  Ganz typisch ist eine zweigeteilte Fassade, die im oberen Bereich mit einer Holzschalung versehen und im unteren Bereich weiß verputzt ist. Doch heute muss nicht immer die romantische Ausführung mit Schnitzereien an der Balkonbrüstung und Fassadenmalerei  sein: Wieder ist es die Fertigbauweise, die eine gewachsene Holzbautradition funktional und schnörkellos interpretiert, ohne dabei den Bezug zum Material und zur Landschaft zu verlieren. Den süddeutschen Bauherren gefällt diese Kombination offenbar, denn in Bayern und Baden-Württemberg ist heute ungefähr jeder fünfte Eigenheim-Neubau ein Fertighaus.

Auch in Norddeutschland präsent

Im hohen Norden Deutschlands sind Fertighäuser noch eher eine Seltenheit, doch lassen sich in Fertigbauweise auch typisch norddeutsche Häuser bauen. Charakteristisch für die Küstenregionen sind Klinkerfassaden. Klinker wird bei hohen Temperaturen aus Ton gebrannt und ist deshalb sehr widerstandsfähig gegen Wind und Wetter. Das macht ihn zum idealen Fassadenmaterial für den Einsatz im nicht nur im Herbst und Winter oft rauen und feuchten Klima an der See. Werden die Klinkerriemen auf einer Isolierschicht angebracht, verbessern die Wärmedämmung des Hauses. Farblich entscheiden sich Bauherren an Nord- und Ostsee meistens für die an der Küste traditionellen, klassischen Rottöne. Doch auch dunkler Klinker wirkt in Kombination mit großen Glasflächen, etwa bodentiefen Fenstern, sehr edel.

Besonders gefragt ist in Norddeutschland auch das Landhaus mit sichtbarem Fachwerk. Charakteristisch sind die weißen Dachuntersichten und die großen Sprossenfenster. Ein vorgebauter Eingangsgiebel sorgt für eine optische Querteilung des typisch Norddeutschen Landhauses, oft auch „Friesenhaus“ genannt. Praktisch ist so ein Giebel auch, so findet eine große Diele mit großzügiger Treppe darin Platz.

Eine andere typisch norddeutsche Dachform ist das Walmdach. Überwiegend wird es mit Dachziegeln eingedeckt, vorzugsweise in klassischen Rottönen. Je näher man allerdings dem Wasser kommt, umso mehr Bauherren äußern auch heute noch den Wunsch nach einer traditionellen Reet-Eindeckung. Reet ist ein an Ufern oder auf sumpfigem Gelände wachsendes Schilfrohr, das in getrocknetem Zustand zur Dacheindeckung verwendet wird. Es war eines der ersten Bedachungsmaterialien überhaupt und wurde an Nord- und Ostsee lange vor allem deshalb verwendet, weil es überall an der Küste verfügbar und günstig zu bekommen war. Heute sind Reetdächer etwas Besonderes und stehen eher für einen exklusiven Stil.

Die regionale Vielfalt der Bauformen zeigt, dass eine innovative Bauweise auf dem neuesten Stand der Energiespar-Technik kein Widerspruch zu landschaftstypischen Traditionen ist. Friesenhäuser, Landhäuser oder alpenländische Chalets gibt es auch als Effizienzhaus in Fertigbauweise - mit dem Vorteil einer vorbildlichen Wärme-dämmung und geringem Energiebedarf.

Übertrage Bewertung...

Noch nicht bewertet. Jetzt bewerten! Zur Bewertung auf die Sterne klicken.

Kommentar hinzufügen (oder Link vorschlagen)

Haben Sie eine Anmerkung zu diesem Artikel oder möchten Sie uns eine passende Anleitung zur Verlinkung vorschlagen? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!





Sicherheitsabfrage*




* Pflichtfeld  | Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.


Bildnachweis
1. "Huf Fachwerk"

Am meisten gelesen