Diese Verkehrszeichen, auf denen Bildsymbole (sog. Piktogramme) von Menschen dargestellt sind, waren Gegenstand einer Untersuchung, die von der Arbeitsstelle für Semiotik der TU Berlin gemeinsam mit dem Departement of Psychology der Georgetown University, Washington, USA durchgeführt wurde.
"Welches Menschenbild wird im öffentlichen Leben des Straßenverkehrs vermittelt", das wollten die Semiotiker wissen. Ausgewählt haben sie dafür ein altbekanntes Verkehrsschild - das Hinweisschild für einen Fußgängerüberweg. Da an dem Versuch deutsche und amerikanische Versuchspersonen teilnahmen, wurden deutsche und amerikanische Schilder ausgelassen. Man präsentierte den insgesamt 150 Versuchspersonen ein österreichisches, ein jugoslawisches, ein französisches und ein italienisches Verkehrszeichen. Während sowohl auf dem österreichischen als auch auf dem jugoslawischen Schild halbwegs naturgetreue Figuren, der Semiotiker sagt dazu "pleromatische ikonische Zeichen", die Straße überqueren, sind es in Italien und Frankreich eher "schematische ikonische Zeichen", die eiligen Schrittes über den markierten Fußgängerüberweg laufen. Die Versuchspersonen sollten Fragen zum Geschlecht, zur sozialen Stellung und zur Persönlichkeit dieser Figuren beantworten. Handelt es sich bei der französischen Figur um eine 60jährige, fleißige, politisch rechte Bäuerin oder eher um einen zerstreuten Angestellten aus der Mittelschicht im Alter zwischen 21 und 40 Jahren?
Einig waren sich fast alle in der Frage des Geschlechts - der prototypische Fußgänger in Österreich, im ehem. Jugoslawien, in Frankreich und in Italien wird als Mann wahrgenommen. Dieser Mann ist unter 40 Jahre alt und gehört zur Mittelschicht. Herausgestellt hat sich bei der Untersuchung auch, daß sich die Straßenschild-Gestalter in Frankreich offensichtlich etwas im Maßstab vertan haben. Von allen abgebildeten Figuren ist die französische am kleinsten und der Anteil der Kopfgröße gegenüber der gesamten Körpergröße läßt auf ein vierjähriges Kind schließen, das ganz allein die Straße überquert. Waren die meisten Versuchspersonen bei den ausführlicher dargestellten Figuren in Österreich und im ehem. Jugoslawien teilweise noch in der Lage, einige charakteristische Persönlichkeitsmerkmale anzugeben, war dies bei den stark schematischen französischen und italienischen Figuren nicht mehr möglich. Generell ließ sich feststellen: Je schematischer der Fußgänger dargestellt ist, desto häufiger werden "Weiß nicht"-Antworten gegeben.