In den vergangenen Jahren ist die "Betonsanierung" stärker in den Blickpunkt geraten. Vermehrt treten Schäden an Betonoberflächen auf. Es bröckelt und rostet an tragenden Bauteilen, im Sockelbereich, an Fassaden, Balkonen oder Treppen.
Bei fachgerechter Verarbeitung ist der Bewehrungsstahl (Armierung) im Stahlbeton durch die hochalkalische (Lauge) Umgebung des Betons lange Zeit vor Korrosion geschützt. Doch auch hier setzt ein chemischer Prozess ein, der Carbonatisierung genannt wird. Hierbei sinkt der pH-Wert von ca. 12,5 auf etwa 8 bis 9 ab. Das während des Abbindeprozesses des Betons entstandene hochalkalische Kalkhydrat reagiert mit Kohlensäure und wird zu kohlensaurem Kalk mit einem nur leicht alkalischen pH-Wert und zu Wasser.
Hiermit endet der Schutz für den Stahl. Feuchtigkeit, eindringender Sauerstoff, saure Gase (z. B. Schwefelverbindungen in der Umgebungsluft) und Bakterien führen zum Rost. Während des Oxidationsprozesses des Bewehrungsstahles erhöht sich das Volumen um ein Vielfaches, der dabei entstehende Druck hat Sprengwirkung und führt zu Abplatzungen, gefolgt von rostigen Ausfärbungen (Rostfahnen). Beschleunigt wird dieser Alterungsprozess durch extreme Umwelteinflüsse und gegebenenfalls durch mangelhafte Verarbeitung des Materials beim Bau.
In Gebieten oder Bereichen mit einer erhöhten Belastung durch Kohlendioxid und anderen aggresiven sauren Gasen (z. B. Schwefeldioxid aus Industrie und Verkehr), insbesondere auch in Kombination mit erhöhter Luftfeuchtigkeit oder gar Nässe, wird der Prozess der Carbonatisierung entsprechend beschleunigt.
Ähnliches geschieht, wenn Beton salzhaltigem Wasser ausgesetzt ist. Außer in Meeresnähe kann dies auch bei mit Nitraten und anderen Salzen angereichertem Grund- oder Sickerwasser, z. B. aus der Landwirtschaft oder gar dem eigenen Garten, auftreten oder wenn sich im Winter bei der Verwendung von Streusalz Pfützen auf Treppenstufen und sonstigen Flächen bilden.
Ähnlich wie bei der Abplatzung infolge Rostbildung geht es zu, wenn Wasser im Beton gefriert und der Beton, infolge der Ausdehnung bei der Eiskristallbildung, abgesprengt wird.
Ebenfalls gravierend wirken sich entsprechende Bausünden aus, wenn also z. B. die Armierung zu oberflächennah verarbeitet wurde, also keine ausreichende Betonüberdeckung gegeben ist, um der Carbonatisierung möglichst lange zu begegnen oder wenn bei der Verdichtung unsachgemäß gearbeitet wurde und sich daher entsprechend poröse Oberflächen oder gar "Kiesnester" gebildet haben.
Erwähnt seien auch noch Schäden, die insbesondere nutzungsbedingt auftreten. So kommt es bei dauerhafter mechanischer Belastung, z. B. auf stark befahrenen oder begangenen Oberflächen, mit der Zeit zu entsprechenden Abnutzungserscheinungen wie Rillenbildung oder Abrundung von Kanten (z. B. bei Treppen). Ferner können Schäden auch durch unvorhergesehene, extreme mechanische Belastungen, also durch unsachgemäße Nutzung, erfolgen.