LVR-Volkskundler kommen der Geschichte vom Knusperhäuschen auf die Spur
"Knusper, knusper, knäuschen. Wer knuspert an meinem Häuschen?" Jedes Kind kennt wohl diesen Satz aus dem Märchen „Hänsel und Gretel" der Brüder Grimm. Und jedes Kind weiß sicherlich auch, was das für ein Häuschen ist, an dem die Kinder des armen Holzhackers da knuspern - ein Lebkuchenhaus.
Die Volkskundler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sind der Geschichte des Knusperhäuschens auf die Spur gekommen. „Die Vorstellung von Häusern aus essbaren Materialien reicht mindestens bis in das 15. Jahrhundert zurück", berichten die LVR-Volkskundler Dr. Dagmar Hänel und Dr. Alois Döring. „Damals kamen die Vorstellungen vom Schlaraffenland mit nachwachsenden Knusperhäuschen auf." „Drey Meyl hinter Weynacht", so schreibt der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs, „liegt das Schlauraffenland." Und in jenem Wunderland seien die Häuser „deckt mit Fladn, Leckkuchen die Hußthür und Ladn."
Doch trotz Schlaraffenland-Geschichte ist es das Hexenhäuschen im Märchen von Hänsel und Gretel, das die Vorstellungen von Generationen von Kindern prägt. Es sind Zeichnungen, wie die von Ludwig Richter, die das Bild vom Lebkuchenhäuschen formen.
Auch Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel" trägt ihren Teil dazu bei, dass Kinder eine ganz bestimmte Vorstellung vom Pfefferkuchenhaus haben. So stand bei der Uraufführung in Weimar 1893 ein echtes, großes Lebkuchenhaus auf der Bühne. Als Dank für seine musikalische Leistung bekam der Komponist dann zu Weihnachten ein kleines essbares Hexenhaus.
Seit dem gehören Lebkuchenhäuschen und das Backen dieser kleinen Kunstwerke für viele Familien zur Adventszeit dazu. Schließlich heißt es, ein solches Häuschen bringt Glück und Gesundheit.
Der Grund, warum gerade Lebkuchen genutzt wird, ist einfach. Er ist fest, stabil und haltbar. Das ist wichtig, auch wenn die meisten Pfefferkuchenhäuschen die Adventszeit nicht unbeschadet überstehen. Denn obwohl sicherlich so manches Kind beim Naschen das Gezeter der Märchenhexe im Ohr hat – geknuspert wird trotzdem!