Westfalen (lwl).
Am 6. Oktober ist Erntedank - ein Fest, das heute vor allem Kirchengemeinden begehen. Das war nicht immer so: "Früher feierte jeder größere Hof und jedes Gut sein eigenes Fest zum Abschluss der Ernte", erläutert Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Wenn das letzte Fuder Getreide eingebracht war, gab der Bauer seinen Erntearbeitern ein Fest - oder zumindest eine Flasche Schnaps. In Westfalen und Lippe geht dieses Brauchtum ins 18. Jahrhundert zurück.
Ursprünglich wurde das Erntedankfest auf Michaelis (29. September) gefeiert. Später wurde das Fest auf den darauf folgenden Sonntag verschoben. Seit 1773 war dieser Termin in den preußischen Staaten verbindlich.
Im Süden hieß das traditionelle Erntefest "Harkemai", im Münsterland "Stoppelhahn" und im Mindener Raum "Erntebier". Je nach Region schmückten die Schnitter die Erntewagen mit unterschiedlichen Symbolen: Weit verbreitet war der Erntehahn, der meist auf einem aus Ähren geflochtenen Kranz oder einer Krone thronte (Nord- und Ostwestfalen). In der Hellweg-Region und im südöstlichen Münsterland diente ein grüner Busch, im westlichen Münsterland ein Nussstrauch als Festzeichen. Oft wurden diese Symbole zum Ende der Schnitterarbeit auf dem Feld aufgestellt und dann mit dem letzten Getreidefuder durch den Ort zum Hof oder Gut gefahren.
Auf dem Hof angekommen, befestigten die Erntehelfer Kränze, Kronen oder Sträucher am Giebel des Haupthauses. Gutes Essen, geistige Getränke, Musik und Tanz begleiteten den Festabend. Manchmal geriet schon die Fahrt mit dem letzten Erntewagen zum feucht-fröhlichen Vergnügen.
Aus der Soester Börde wird von "bösen Nachbarn" berichtet, die mit Wassereimern und Handspritzen vor ihren Häusern standen, um den Wagen mit den letzten Getreidegarben nass zu spritzen.