Mineralische saugende Untergründe wie z.B. Zementestriche (auch Zementflissestrich), Anhydritestriche, Kalk-/ Zementputze, Gasbeton (Porenbeton), Gipskarton, Gipsfaserplatten werden mit lösemittelfreiem Tiefgrund vorbehandelt. Sofern sandende und kreidende Untergründe vorliegen, wird empfohlen, mit einem lösemittelhaltigen Tiefgrund vorzubehandeln.
Tipp: Saugende Untergründe können durch Besprühen mit Wasser eindeutig identifiziert werden, da das Wasser sehr rasch vom Untergrund aufgenommen wird und sofort auftrocknet. Nicht saugende mineralische Untergründe wie Beton sind vor Auftrag von Spachtelmassen oder mineralischem Fliesenkleber mit Haftgrund vorzubehandeln. Hierbei wird bei Anwendung in Verbindung mit Spachtelmassen die "Nass in Nass"- Verarbeitung empfohlen. Generelle Untergrundvorbehandlungen entfallen bei bereits werkseitig vorgrundierten Untergründen wie Gipskartonplatten für Nassbereiche, Holz, Spanplatten V100 oder Trockenestrichelementen.
Tiefgrundmischungen (lösemittelfrei wie lösemittelhaltig) übernehmen die Aufgabe, in den meist geschwächten, saugfähigen Untergrund einzudringen, zu verfestigen und den Saugausgleich vor Auftrag von Fliesenkleber, Putzen, Spachtelmassen o. ä. zu bewirken. Haftgrundgemische übernehmen bei nicht saugfähigen Untergründen (Beton, Gusssasphalt) die Funktion des Haftvermittlers, d.h. sie dringen nur begrenzt in die Oberfläche des Untergrundes ein und werden in der Regel im sogenannten "Nass- in- Nass"- Verfahren mit mineralischen Produkten, wie selbstverlaufende Spachtelmasse, verarbeitet.
Tipp: "Nass- in- Nass"- Verfahren bedeutet, direkt nach Auftrag des Haftgrundes auf den Untergrund erfolgt der Auftrag der »nassen« zum Beispiel selbstverlaufenden Spachtelmasse.
Unter dem Begriff "schmale Fugen" werden Fugenbreiten von 1 bis 5 mm definiert; "breite Fugen" beginnen in der Praxis ab 5 mm und können je nach keramischem Belagstoff oder Natursteinbelag bis 25 mm beinhalten. Damit diese Anwendungsbereiche erfüllt werden können, sind geeignete Rohstoffzusammensetzungen notwendig. Fugenmörtel für schmale Fugen werden zumeist in Wandflächen verwendet, die aus sehr "weichen" Oberflächen, aus keramischen Belägen (Steingut) oder aus Natursteinbelägen (Marmor, Solnhofer Platten) bestehen. Hierbei ist die Auswahl der verwendeten Rohstoffe im Fugenmörtel entscheidend, damit keine Verletzung der Glasuren (Kratzspuren) entstehen oder optische feine Fugenoberflächen erzeugt werden (Ästhetik). Fugenmörtel für breite Fugen werden in der Regel auf Bodenflächen, bestehend aus Grobkeramik (Spaltplatten Cotto, Porphyr) eingesetzt, um damit einen gewissen "rustikalen" Eindruck zu erzeugen. Entscheidend hierbei ist, dass eine ausreichende Fugenflankenhaftung, eine gute Verfüllung in der Fuge, ausreichende Feuchtigkeitsentwicklung sowie witterungsbeständige Eigenschaften erreicht werden.
Selbstverlaufende Ausgleichsmassen haben die Aufgabe, Unebenheiten auf Untergründen auszugleichen. Die damit verbundenen Produkteigenschaften sollen geringe Schrumpfung (Schwindung), keine Rissbildung und selbstnivellierende Eigenschaften beinhalten. Entscheidend hierbei ist die Untergrundvorbehandlung. In der Oberfläche sandende und somit schwach verfestigte Untergründe sind nicht geeignet für den nachträglichen Auftrag von selbstverlaufenden Spachtelmassen, da kein beständiger Haftverbund erzielt werden kann. Durch vorherigen Auftrag eines Tiefgrundes ist eine Untergrundverfestigung erzielbar. Weiterhin ist zu beachten, das der Untergrund verformungsstabil ist oder bleibt. Desweiteren darf die Spachtelmasse nicht mit angrenzenden Bauteilen, wie beispielsweise Wänden verbunden sein, da beim Trocknungsprozess der Spachtelmassen Schubspannungen aufgebaut werden, die dann die Rissbildung der erhärteten Spachtelmassen fördern und unterstützen. Selbstnivellierende Spachtelmassen sind vor zu rascher Austrocknung (Zugluft, erhöhte Raumtemperatur) zu schützen, da ansonsten durch »Schockschwindungen« Risse entstehen können. In der Regel sind die Spachtelmassen, abhängig von der Schichtdicke und Temperatur, nach 4 bis 6 Stunden (bei 20 º C) begehbar.
Holzspanplatten galten schon immer als riskanter Untergrund. Das Problem beginnt bereits mit der unsachgemäßen Lagerung und dem ungeschützten Einbau, sodass die Platten einen sehr hohen Feuchtegehalt besitzen. Die Spanplatten trocknen erst dann aus, wenn sie verfliest und die Räume in Betrieb genommen werden. Das dabei auftretende Problem der Verformung und der möglichen Rissbildung in der Fliese wird dabei meist nicht beachtet. Die Verlegung von keramischen Belägen auf Spanplatten sollte nur auf Holzspanplatten des Typs V 100 G mit einer maximalen Restfeuchtigkeit von weniger als 8% erfolgen. Weiterhin gilt für die Verlegung auf Holzuntergründen (Wand wie Boden) eine verformungsfreie Untergrundkonstruktion sicherzustellen. Sofern eine verformungsfreie Untergrundkonstruktion vorliegt, sind mineralische Flexkleber, Standardkleber mit zusätzlicher flüssiger Dispersionsbeigabe oder kunststoffbasierende Fliesenkleber geeignet, Fliesen zu verlegen. Diese Fliesenkleberkombinationen "überbrücken" gewisse Verformungen des Untergrundes, jedoch bleibt ein gewisses Schadensrisiko durch mögliche Nachverformungen des Holzuntergrundes bestehen.
Fließbettkleber sind speziell formulierte mineralische Fliesenkleber für den Anwendungsbereich Boden. Hierbei ist entscheidend, dass bei reinem relativ »geringen« Wasserzusatz nach dem Anmischen der Kleber zähfließend aus dem Anrührgefäß ausgeschüttet werden kann. Nach Verteilung auf dem Untergrund und Herstellung des Kammsteges mit der Zahnspachtel, laufen diese zäh fließend zusammen. Der Vorteil gegenüber normalem Dünnbettmörtel ist hierbei, das nach Einlegen der Keramik in den vorbereiteten, angemischten Fliessbettkleber eine annähernd hohlraumfreie rückseitige Benetzung der Keramik erzielt wird. Dies ist von entscheidender Bedeutung bei Verlegung im Außenbereich, da hierbei mögliche Schadensrisiken des keramischen Belages unter Frost- oder Tauwechseleinwirkung erheblich reduziert werden kann. Bei Verwendung von Dünnbettmörtel im Außenbereich muss vorherige Abspachtelung der Keramik vor dem Einlegen in das Kleberbett erfolgen um annähernd einen vollflächigen Verbund mit dem Kleber sicherzustellen. Dies ist ein zusätzlicher Arbeitsgang der bei Verwendung von Fliessbettkleber entfällt.