Die keramische Fliese hat eine erstaunliche Geschichte– und eine lange noch dazu. Zwar ist der Grundstoff Ton schon mehr als 1 Mio. Jahre alt, aber die ersten keramischen Behältnisse stammen von ca. 9000 v. Chr., können somit den Ägyptern zugeordnet werden. Ein erstes keramisches Plättchen als Wandschmuck wurde gegen 2600 v. Chr. in Ägypten gefunden. Ab dem 14. Jahrhundert kam die Fliesenkeramik über Persien und Arabien nach Europa und verbreitete sich vor allem in Spanien, Italien und den Niederlanden (Delfter Manufakturen). In Deutschland fanden keramische Bodenbeläge so ab dem Jahr 1000 Einzug, allerdings über Jahrhunderte nur in Prunkbauten und Kirchen.
Die Fliese hat ihren Erfolgsweg fortgesetzt und sich bis heute einen Status aufgebaut, der sie für viele Anwendungen einfach prädestiniert.
Zwar gibt es immer noch sehr edle und damit kostspielige Exemplare, aber das Gros der industriell-maschinell gefertigten Fliesen ist kein Luxusgut mehr, sondern ein Massenartikel zu erschwinglichen Preisen mit überwiegend guter Qualität.
Die klassischen Produktionsländer sind auch heute noch stark am Markt vertreten, doch inzwischen werden in Deutschland Fliesen mit hoher Güte von namhaften Herstellern produziert.
Und Erfolgsrezepte werden selten radikal verändert: Was schon zur Geburtsstunde die Basis darstellte, ist immer noch das Bindemittel einer keramischen Fliese – weißer oder farbigbrennender Ton! Teilweise wird Porzellanerde (Kaolin) als weiteres Bindemittel zugesetzt.
Weitere mineralische Zuschlagsstoffe sind Quarz, Sand, Schamottmehl, Felsspat, Dolomit, Calcit oder Glasmehl in ihrer Eigenschaft als Magerungs- oder Sinterungsmittel zugesetzt. Für die Farbigkeit bei den Glasuren zeichnen Metalloxide verantwortlich, die eingebrannt werden.
Unterschiedliche Fertigungsverfahren führen dann entweder zu Grobkeramik und Feinsteinzeug (Strangpressung) oder Feinkeramik (Trockenpressung). Ein Brennen der jeweiligen Masse erfolgt bei Temperaturen zwischen 900 und 1.200º C.
Trockenpressung
Zur Herstellung von Feinkeramik wird eine Rohstoffmasse mit geringem Wasseranteil benötigt.
Strangpressung
Zur Herstellung von Grobkeramik (Klinker) oder Feinsteinzeug wird eine Rohstoffmasse mit höherem Wasseranteil verwendet.