Getränke

Silvester – Sekt und Champagner zum Anstoßen um Mitternacht

Hochwertiger Schaumwein muss nicht gleich Champagner sein

Stellt euch vor, wie gruselig es sein muss, Ende Dezember eine Zimmerdecke zu sein. Der Januar ist erst wenige Sekunden alt und schon fliegen die Korken. Die aus Plastik sind die Schlimmsten! Aber es muss nicht so weit kommen. Es gibt auch super Schaumwein, den man sich leisten kann – sogar mit richtigen Korken! Hochwertige und erlebnisreiche Sekte und Schaumweine gibt es überall im Handel auch für kleines Geld.

Dass auch Prosecco und Cava sehr gut sein können, beweisen mittlerweile auch die Deutschen, die es schaffen richtig guten Sekt keltern für kleines Geld zu keltern. Fangen wir also mit deutschen Winzern an. Nicht riesengroße Sektkellereien, sondern kleine aber feine Winzer, denn Winzersekt ist etwas ganz besonderes. Er wird meistens an Reben produziert, die der Winzer selbst pflegt und deutsche Schaumweine auf denen "Sekt b.A"* oder auch "Qualitätsschaumwein b.A" steht, sind deshalb häufig wirklich gut. Mittlerweile schreiben sie auch die Rebsorten auf ihre Etiketten, manchmal sogar den Jahrgang.

Besonders empfehlenswert sind die Weine von Schloss Affaltrach – momentan gibt es einen bei REWE für 5,99 (Jubiläumsedition-Sekt). Dieser Württemberger ist dezent, richtig prickelnd aber auch geschmacksintensiv – viel besser als zusammengemischte Sekte aus Riesenkellereien. Ebenfalls empfehlenswert sind die Schaumweine von Diel aus der Nahetal. Alle sind online erhältlich für 10-15€ und lassen eure Silvesterpartygäste garantiert nicht im Stich. Geldermann und Kessler machen auch sehr schöne Produkte, Geldermann's Rosé (Oranges Etikett) ist ein Geheimtipp und kommt in verschiedenen Flaschengrößen.

In Frankreich gibt es ebenfalls Alternativen zu Champagner, dort nennen sie Sekt Crémant – einen Trend dem viele deutsche Winzer mittlerweile folgen. Die besten Crémant's kommen meiner Meinung nach aus der Loiretal und ein Name der fast überall im Handel zu sehen ist, ist Bouvet. Bouvet produziert Crémants in der Preisklasse von 10 bis 20€. Auch unbedingt zu empfehlen ist das Einsteigemodell von Gratien und Meyer (violettes Etikett), erhältlich in vielen REWE-Märkten, aber auch im Fachhandel zu sehen. Dieser Chenin-Blanc-betonte Crémant ist jugendlich, frisch und hinterlässt, wenn man es nicht übertreibt, einfach ein gutes Gefühl.

Aber manchmal muss es eben Champagner sein! Die meisten Marken, die es im Supermarkt zu finden gibt, sind häufig überteuert und oft, wie im Fall des größten Champagnerhauses (der mit Scarlett Johansson...), auch nicht wirklich gut. Die Supermarkt-Eigenmarken sind manchmal gut und manchmal nicht so. Ich persönlich mag den Wein von ALDI-NORD – Veuve Durand und auch Charles Bach (REWE) und Bissinger (LIDL) sind völlig in Ordnung. Markenchampagner ist schwierig, aber am besten im Preis-Leistungs-Verhältnis sind Pommery und Heidsieck Monopole (blauer Flaschenhals). Auch im Fachhandel gibt es reichlich Champagner für kleines Geld. Unbekannte Winzereien (die keine Werbung machen, zumindest nicht mit Frau Johansson) stellen e

infachen aber guten Brut (Extra Trocken) her, der unter 25 Euro zu haben ist. Jahrgangsweine sind wesentlich teuerer.

Nun kommen wir nach Italien und hier heißt guter, zuverlässiger Schaumwein Prosecco. Hergestellt aus Prosecco-Trauben und im Gegensatz zu Champagner und 90% des Winzersekts erlebt dieser alkoholisierte Traubensaft die zweite Gärung in Stahltanks statt in der Flasche. Was kommt dabei raus? Frische, unkomplizierte und leicht metallische Sprudelweine. Obwohl die Weine bei 4 Euro anfangen (Alles was günstiger ist, heißt nicht Prosecco. Schaut genau hin, ein paar Buchstaben werden fehlen...), rate ich euch, ein paar Cents mehr auszugeben. Guter Frizzante (einfach) und einfacher Spumante (qualitativ besser) fängt bei 7 oder 8 Euro an und ist um Klassen besser. Wenn ihr den Prosecco allerdings mit Holunderblüten-Syrup, Limette und Minze oder Aperol mischen wollt, reicht auch der für unter 5 Euro.

Die Spanier sind auch Liebhaber guten Schaumweins. Cava ist längst kein Geheimtipp mehr und Produkte von Riesenfirmen wie Freixenet gibt es überall (immer irgendwo im Angebot für um die 4 Euro). Bevor Ihr zu Carta Nevada greift, probiert lieber mal den Cordon Negro (schwarze Flasche) – der kostet zwar mindestens 7 Euro, ist aber auch viel besser (vergleichbar mit einfachem Champagner, finde ich). Es gibt viele andere Cava Marken aber die besten gibt es nur im Fachhandel – hier zahlt Ihr bis zu 12 Euro für gute aber günstige Weine. Nach wie vor bietet dieses nordspanische Sektanbaugebiet die besten Preise für Qualität, ob

wohl es sehr unter schlechter Presse gelitten hat in den letzten Jahren.

Viele andere günstige Alternativen gibt es kaum in Deutschland. Auch in der Ukraine wird Schaumwein angebaut, zum Beispiel leckere Rote Sekte. Die tragen den Namen Krimsekt und sind in vielen Supermärkten zu bekommen. Krimsekt ist oft lieblicher als gewöhnlicher Sekt und gilt in Russland und der Ukraine als Champagneersatz. Die Österreicher machen auch guten Sekt aber nur wenige erreichen Deutschland. Besonders empfehlenswert sind die Produkte von Schlumberger – erhältlich in vielen Supermärkten. (Probiert den Chardonnay für ca. 13 Euro – echt gut!) Die Nachbarn in der Tschechischen Republik machen auch gute Schaumweine: Böhmischer Sekt lässt sich gut trinken, allerdings ist er im Handel nur schwer zu finden.

Wie man sieht ist guter Schaumwein und auch Champagner schon für kleines Geld zu haben. Deshalb sollte besonders an Silvester klar sein: Wir haben weder Zeit noch Geld für schlechten Sekt! Nicht nur die Franzosen können es, auch die Italiener, die Deutschen und besonders die Spanier. Wie immer beim Wein bekommt jemand der sich auskennt für mehr Geld auch mehr Qualität. Auch wenn das nicht immer auf Jahrgangschampagner zutrifft: Für ein Paar von Euren hart verdienten Euros mehr, bekommt Ihr manchmal deutlich bessere Qualität in die Sektgläser – und kleinere Löcher ins Dach.

"Prosit Neujahr!" – Ein kleiner Sekt-Knigge

Wer seinen Champagner knallfrei entkorken und richtig genießen möchte, kühlt ihn am besten auf fünf bis acht Grad Celsius herunter. Um zu vermeiden, dass sich der Korken wie ein Geschoss in die Zimmerdecke bohrt, öffnet man besser nur Flaschen, die zuvor gut gekühlt wurden. Echte Könner drehen beim Öffnen an der Flasche statt am Verschluss und schaffen es, sie geräuschlos zu öffnen.

Der Silvester-Sekt wird zum wahren Genuss, wenn man ihn in hohen Kelchen statt in flachen Schalen serviert. In Kelchen hält sich die Kohlensäure länger und der Scheumwein bleibt prickelnd. Als Gastgeber sollte man ganz besonders darauf achten, dass keinerlei Spülmittelreste mehr am Glas haften. Auch kleinste Spuren verhindern nämlich, dass der Sekt perlt. Deshalb empfiehlt sich vor dem Einschenken immer ein extra Spülgang mit klarem Wasser.

Wer mit Mineralwasser, Orangensaft oder Cola anstoßen will, braucht sich von Sekttrinkern nicht zurückweisen zu lassen. Ein Zuprosten mit alkoholfreien Getränken ist laut Knigge keineswegs ein Stilbruch. Vielmehr gelten alkoholfreie Getränke als gleichberechtigt, da niemand ausgeschlossen werden soll, der keinen Alkohol trinkt.

Übrigens: Das klirrende Anstoßen mit Gläsern ist nur in einer überschaubaren Runde erlaubt. Ab einem Kreis von sechs bis acht Personen würde ein Anstoßen zu viel Bewegung verursachen. Da beschränkt man sich besser aufs Zuprosten.

Der Autor

Lee Markham ist gebürtiger Londoner, in Southend-On-Sea aufgewachsen und lebt seit 2007 in Deutschland. In seinem Blog www.lee-markham.com schreibt er vor allem über Weine, aber auch über andere kulinarische Highlights und veröffentlicht Restaurant-Reviews. Wer Tipps für preiswerte und gute Weine benötigt, ist bei Lee immer an der richtigen Adresse.

Anmerkung: "b.A" steht für "bestimmtes Anbaugebiet" und bedeutet, dass alle Trauben garantiert von diesem einen Winzer stammen.

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