Bauen & Renovieren

Heimwerken in der Mietwohnung: Ruhezeiten?

Do-it-Yourself in der Mietwohnung - Was ist erlaubt?

Wohlfühlatmosphäre in den eigenen vier Wänden ist die Grundvoraussetzung, um sich Zuhause zu fühlen. Bis zum gewünschten Flair heißt es aber erstmal: hämmern, bohren, streichen, tapezieren und verlegen. Während Eigentumsbesitzer einfach drauflos werkeln können, müssen Mieter oftmals zurückstecken. Doch auch für die 57 Prozent zur Miete wohnenden Menschen besteht das Recht auf individuelle Wohngestaltung. Dabei spielen allerdings nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch umsichtiges Handeln eine wichtige Rolle.

Gerade beim Heimwerken stellt man sich oft die Frage: Wie vermeide ich Risiken und Ärger mit den Nachbarn und Stress mit dem Vermieter? Was darf ich in einer Mietwohnung selbst machen? Welche Mietvertragsklauseln gibt es zu beachten? Fragen über Fragen, die Ihnen hier beantwortet werden.

Bevor es los geht: Ruhezeiten beachten

Um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden, ist es empfehlenswert die Ruhezeiten einzuhalten. Es gibt keine bundesweit einheitliche Regelung – Die Zeiten unterscheiden sich je nach Land und Gemeinde oder sogar Mietpartei. Dennoch haben sich folgende Ruhezeiten eingebürgert:

Werktags: 22 Uhr bis 7 Uhr

                 13 Uhr bis 15 Uhr

Samstags: 19 Uhr bis 8 Uhr

                 13 Uhr bis 15 Uhr

Sonn- und Feiertags: ganztägig

Rein rechtlich gesehen, ist bei Umzug oder Renovierung Lärm auch während der Mittagsruhe gestattet. Aber lieber das Heimwerken um ein paar Stunden verschieben, als einen Streitfall mit dem Nachbarn auslösen.

Tipp: Achten Sie beim Neukauf von Elektrogeräten auf deren Lärmwert!

Renovieren – was ist erlaubt und was nicht

Schönheitsveränderungen sind beim Renovieren erlaubt. Ganz nach der Faustregel: Verändert werden darf alles, was nicht fest in der Wohnung verbaut wird. Ob in knalligen Farben, wilden Mustern oder schlichten Pastelltönen: streichen und tapezieren Sie ganz nach Herzenslust. Solange die Wohnung beim Auszug wieder in reinem Weiß übergeben wird, ist das gestattet. Genauso verhält sich das mit Dübeln und Bohrlöchern. Die Löcher müssen später nur wieder ordentlich verschlossen werden. Ebenso sind Trockenbauwände und Raumteiler gestattet, die sich ohne großen Aufwand ein- und ausbauen lassen.

Ohne Absprache mit dem Vermieter ist nicht erlaubt:

  • Zwischenwände mauern
  • Fußböden rausreißen
  • Wände einreißen
  • Terrasse zum Wintergarten umbauen
  • Antennen- oder Satelitenschüssel anbringen
  • Badezimmer neu fliesen
  • Fließen überstreichen

Tipp: stattdessen Klebefolien nutzen

  • Fließen anbohren

Tipp: in Fugen bohren oder Saugnapf-Schrauben verwenden

  • Ofenanlage installieren
  • Einbauschränke einlassen

Tipp: Mit der richtigen Do-it-yourself-Anleitung meistern Sie Streichen, Tapezieren und Teppich verlegen im Handumdrehen.

Sicherheit beim Heimwerken: Was tun im Schadensfall?

Bevor die Renovierung startet, sollte beim Heimwerken der Arbeitsplatz gesichert werden. Sorgen Sie für rutsch- und trittfeste Leitern, intakte elektrische Geräte und geordnete Kabel. Falls Schäden am Eigentum durch Helfer aus dem Freundes- und Familienkreis enstehen, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz. Alternativ greift hier die private Hapftpflicht. Gefährliche Arbeiten wie den Umgang mit Elektronik oder Dachlegearbeiten überlassen Sie besser Fachleuten.

Tipp: Überprüfen Sie Ihre private Haftpflichtversicherung sowie Hausratsversicherung auf die bestehenden Konditionen und passen Sie diese gegebenenfalls an.

Reparaturen in Eigenregie: die Kleinreparaturklausel

Eigenständige Reparaturen in der Wohnung auszuführen, ist prinzipiell nicht verboten. Aber: Fachgerechtes Ausführen ist Vorraussetzung. Für eventuelle Schäden müssen Sie selbst aufkommen. Deshalb ist besondere Vorsicht geboten, bei allem was Rohre und Leitungen betrifft.

Oftmals setzt der Vermieter sogar Kleinreparaturen im Mietvertrag fest. Darunter fallen Schäden an Installationsgeräten für Elektrizität, Wasser und Gas, Heiz- und Kocheinrichtungen, Fenster- und Türverschlüssen sowie Verschlussvorrichtungen von Fensterläden. Im Klartext sind Sie verantwortlich für defekte Lichtschalter, tropfende Wasserhähne, verstopfte Abflüsse oder kaputte Rollläden. Die zulässige Kostenobergrenze liegt dabei zwischen 75 bis 120 Euro. Fallen mehrere Kleinreparaturen in relativ kurzer Zeit an, liegt die jährliche Gesamtbelastung bei maximal 6 bis 10 Prozent der Jahreskaltmiete.

Tipp: Haben Sie Zweifel bei anfallenden Reparaturen? Dann kontaktieren Sie Ihren Vermieter, bevor Sie Kosten übernehmen, auf denen Sie möglicherweise sitzen bleiben.

Mietvertragsklauseln überprüfen

Mietrecht ist kompliziert. Das Verhältnis von Mietern und Vermietern regeln knapp 100 Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), unzählige Mietvertragsformulare und Tausende von Gerichtsurteilen pro Jahr. Tipps und Ratschläge sowie wichtige Grundsatzurteile zum Mietrecht bietet der Deutsche Mieterbund. Was der Vermieter verlangen darf und was nicht, hängt vom Wortlaut im Mietvertrag ab.

Die Schönheitsreparaturenklausel betrifft die allgemeine Abnutzung der Wohnung. Darunter fallen Streich- und Tapezierarbeiten sowie das Lackieren von Türrahmen und Heizungen. Normalerweise ist der Vermieter für die Instandhaltung der Wohnung verantwortlich. Meist wird jedoch der Mieter per Mietvertrag zur Übernahme der Schönheitsreparaturen verpflichtet.

Fristenklauseln bestimmen den Zeitpunkt der Durchführung von Schönheitsreparaturen. Fristbeginn ist der Einzug bzw. die letzte durch den Mieter durchgeführte Renovierung. Zieht ein Mieter vor Ablauf dieser Fristen aus, muss er gar nicht renovieren.

Der Bundesgerichtshof hat folgenden Fristen zugestimmt:

Alle 3 Jahre: Küche, Bäder und Duschen

Alle 5 Jahre: Wohn- und Schlafräume, Flure, Dielen und Toiletten

Alle 7 Jahre: Andere Nebenräume

Verträge mit kürzeren Renovierungsfristen sind ungültig!

Tipp: Kontrollieren Sie Ihren Mietvertrag auf ungültige Formulierungen und lassen Sie diese gegebenenfalls überarbeiten. Hilfe bekommen Sie dafür beim Mieterschutzbund.

 

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