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PC-Gehäuse: Case Modding

Unser PC soll schöner werden: Obwohl Case Modding eigentlich nicht zu den klassischen Aufgaben des Heimwerkers gehört, ist hier jede Menge handwerkliche Präzision und Kreativität gefragt.

Dabei beschränkt sich Case Modding keinesfalls auf simple optische Effekte am PC: Auch handfeste technische Verbesserungen bei Kühlung und Lüftung sowie in der Bedienbarkeit können erzielt werden.

Wir geben Ihnen einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt des Case Moddings und ein paar Anregungen für Ihren heimischen PC.

Plexiglas-PC: Case-Modding mit Plexiglas

Acrylglas ist für Case-Modder ein sehr begehrter Werkstoff: Das vergleichsweise leicht zu bearbeitende Material kann mit heimwerkerüblichen Werkzeugen bearbeitet und in Form gebracht werden. Darüber hinaus ist Acrylglas unter Hitzeeinwirkung verformbar (thermoplastisch).

Materialien und Werkzeugeplexi-pc

Materialien:

Plexiglasplatten, Stärke 0,8 mm:

  • 2x 210 x 490 mm (Boden & Deckel)
  • 2x 434 x 210 mm (Vorder- & Rückseite)
  • 2x 474 x 434 mm (Seitenwände)
  • 4 Plexiglasleisten, 474 x 20 x 20 mm (Befestigungsleisten für Seitenwände)
  • Plexiglasklebstoff (z.B. Pattex für Plexiglas)
  • Mainboard-Tray (Metallhalterung für Mainboards)
  • ATX-Schlitzblende für Einsteckkarten
  • Laufwerkshalterungen für 3,5” und 5,25”-Laufwerke
  • Schraubhülsen für Maschinenschrauben M8
  • 4 Rändelschrauben M8, 20 mm
  • Schlitzblende für Steckkarten
  • Gehäuseschalter
  • Betriebszustand-LEDs
  • LEDs zur Beleuchtung
  • PC-Komponenten nach Wahl

Werkzeuge für den Bau eines Plexiglas-Gehäuses:

  • Stichsäge mit Kunststoffsägeblatt
  • Kunststoff-Lochsägen (120 mm, 100 mm)
  • Bohrmaschine
  • Lötkolben
  • Messschieber
  • Geodreieck
  • Rollbandmaß

Plexiglasgehäuse zusammenkleben

Zunächst wird das Plexiglasgehäuse als Rahmen vormontiert:

Legen Sie eine der Boden- oder Deckelplatten auf eine exakt ebene Fläche. Kleben Sie dann die Vorder- und Rückseite mit dem Plexiglaskleber exakt bündig hinten und vorne auf die Kante. Ein Helfer ist hier sinnvoll, alternativ können auch Gegenstände zum Abstützen der Seiten verwendet werden.

Unten links und rechts werden jetzt, mit einem Abstand von exakt 0,8 mm zum Rand, die beiden Plexiglasleisten für die Schraubenaufnahme (siehe Bild) verklebt. Kleben Sie nun den Gehäusedeckel oben auf die Vorder- und Rückwand auf. Dann werden die beiden übrigen Leisten verklebt. Der Gehäuserahmen ist jetzt fertig und sollte über Nacht trocknen.

Gehäuseseiten montierengehaeuse-seitendeckel

Um die Seitendeckel zu montieren, müssen Sie zunächst vier Löcher im Abstand von einem Zentimeter zur Rückwand und 0,5 cm zum Deckel in die vier Ecken der Plexiglasleisten bohren (siehe Bild). Dabei auf die Bohrtiefe achten: 10 mm sind ausreichend, benutzen Sie einen Anschlag.

Anschließend werden hier mit sanftem Druck und etwas Plexiglasklebstoff die Schraubhülsen eingesteckt. Diese müssen exakt bündig mit der Oberfläche der Leisten verklebt werden. Anschließend können Sie die beiden Gehäusedeckel probeweise ansetzen und die Bohrlöcher für die Rändelschrauben markieren. Diese müssen dann absolut exakt gesetzt werden. Gehen Sie also mit äußerster Ruhe und Präzision sowie einem langsam drehenden Akkubohrer und einem scharfen 8mm-Kunststoffbohrer vor.

Anschließend werden die Rändelschrauben mit einer Kunststoffunterlegscheibe geschützt ins Gehäuse eingeschraubt – der Plexiglaskubus für Ihren Rechner ist jetzt bereits fertig. Wenn alles gerade sitzt und minimale Spaltmaße hat, können Sie die Arbeit am Plexiglas-PC nun fortsetzen.

Mainboard-Tray und Laufwerkshalterungen einbauen

Zur Aufnahme des Mainboards muss ein sogenannter Mainboard-Tray eingebaut werden. Dieser wird üblicherweise in der rechten Gehäusehälfte an Boden und Deckel fest verschraubt. Da die Spezifikationen der verschiedenen Mainboards individuell sind, können wir hier keine genaueren Angaben machen. Zur Befestigung empfehlen sich sowohl Schrauben als auch Plexiglasklebstoff.

Die Laufwerkshalterung für 5,25- und 3,5-Zoll-Laufwerke wird an Deckel und Vorderseite montiert; entsprechende Öffnungen müssen präzise in die Vorderseite gesägt werden. Hier müssen auch der Netzschalter und die diversen Betriebszustand-LEDs eingebaut werden.

Für einen guten “Durchzug” im Gehäuse kann an der Frontseite auch ein zusätzlicher Lüfter montiert werden. Dieser “schaufelt” kühlende Luft ins Gehäuse ein, die von den hinteren Ventilatoren wieder ausgeblasen wird.

ATX-Blende und Einsteckkartenschlitze

An der Rückseite des Gehäuses muss nun eine Öffnung für die Mainboardanschlüsse eingesägt werden; nach der ATX-Norm ist deren Position bei allen Mainboards relativ gleich. Auch die Einsteckslots für die PCI-Karten sind genormt. Hier kann man eventuell Maße und Abstände von einem alten ATX-Gehäuse nehmen. Auch die Öffnungen für Gehäuselüfter und Netzteil werden nun in die Rückwand eingesägt, auch Öffnungen für eine PC-Beleuchtung oder LED-Bohrungen sollten nun vorgenommen werden.

Plexiglas-Gravur: Gehäuseteile aus Glas gravieren

Plexiglas lässt sich problemlos und mit “Hausmitteln” gravieren – ideale Bedingungen für Case-Modder, die ihrem fertigen Gehäuse noch eine persönliche Note geben wollen. Die Gravur wird dabei entweder freihändig oder von einer Schablone im Sandstrahlverfahren ausgeführt.

Freihändiges Plexiglas-Gravieren

Gravuren in Plexiglas können problemlos und mit etwas handwerklichem Geschick mit einem handelsüblichen Gravurset ausgeführt werden. Dabei sollte allerdings auf eine geringe Drehzahl und einen kurzen Materialkontakt geachtet werden: Plexiglas neigt bei Temperaturen ab 100 °C zu thermischer Verformung und kann an der Oberfläche schmelzen. Spezielle Kunststoff-Gravuraufsätze sind im Handel erhältlich.

In komplizierteren Verfahren können Gravuren auch maschinell übertragen werden. Am Rechner erstellte Grafiken werden in diesem Fall durch einen computergesteuerten Gravurkopf auf das Material übertragen. Dieses Verfahren ist allerdings recht aufwändig und kann nur professionell durchgeführt werden – für Heimanwender lohnt sich die Anschaffung einer Gravurmaschine kaum.

Sandstrahl-Gravur mit Schablone

strahlgravur-plexiglas
Gravur durch Sandstrahlen

Beim Gravieren mit einer Sandstrahlpistole können beliebig komplexe Motive per Schablone auf die Plexiglasoberfläche übertragen werden. Dazu wird lediglich eine Sandstrahlpistole, ein Kompressor und geeignetes Abklebematerial benötigt.

Bei der Durchführung der Arbeiten ist zu beachten, dass die Schablone dicht mit der Plexiglasoberfläche abschließt und durch das Strahlgut nicht zerstört werden kann; dicke, beschichtete Pappe oder besser Kunststoffplatten sind hier eine gute Wahl.

Der übrige Teil der Plexiglasscheibe muss sehr sorgfältig abgedeckt werden, damit keine Kratzer im restlichen Material entstehen können. Auch hier sollte ausreichend stabiles Material zum Abkleben verwendet werden; beispielsweise Gewebeklebeband und dichte Pappe.

Das Sandstrahlen sollte mit feinkörnigem Quarzsand durchgeführt werden – im Optimalfall in einer Strahlkabine. Wer solche ein Gerät nicht besitzt, kann das Sandstrahlen auch im Freien durchführen, beispielsweise auf einer großen Wiese. In diesem Fall ist aber unbedingt eine Schutzbrille zu tragen sowie ein für Quarzsand geeigneter Mundschutz – eingeatmeter Quarzsandstaub ist sehr gesundheitsschädlich!

Nach Abschluss des Strahlvorgangs kann das Abklebematerial entfernt werden. Sandrückstände sollten mit Druckluft fortgeblasen werden – alles andere kann Kratzer verursachen. Nun ist das Motiv fertig und kann in den Mod-PC eingebaut werden.

PC-Beleuchtung: UV-Röhren, Kaltkathodenlampen und LEDsneonlicht-casemodding

Neonröhren und Kaltkathodenlampen sind bei Case Moddern seit der ersten Stunde ihres Hobbys beliebt: In allen Farben und Formen, in denen Neonröhren erhältlich sind, lassen sich PC-Gehäuse aus Plexiglas oder mit Plexiglasfenstern phantasievoll beleuchten.

Gehäuse beleuchten mit Neonröhrenneonroehre

Die klassischste Bauform der Leuchtstoffröhre ist die Neonröhre, die durch eine Füllung mit dem Edelgas Neon eine satte, orange-rote Farbe abstrahlt. Die umgangssprachlich auch unter dem Begriff “Neonröhre” bezeichneten, andersfarbigen Edelgasröhren werden durch die Verwendung anderer Gase oder deren Kombination erzeugt:

  • Helium: Blassrotes Licht
  • Argon und Quecksilber: Intensiv hellblau-leuchtend
  • Krypton: Weißes Licht
  • Xenon: Bläulich-violettes Licht

Neonröhren haben leider beim Einbau in einen PC handfeste Nachteile: So benötigen sie zwingend ein Vorschaltgerät, umgangssprachlich Neontrafo oder NST genannt. Dieses ist recht klobig und muss mit 230 V Spannung betrieben werden; ein Anschluss ans PC-Netzteil ist daher nicht möglich. Zudem sind Neonröhren und Vorschaltgeräte nicht ganz billig; schon gar nicht in individuellen Formen. Auch sind die Glasröhren bruchanfällig und erwärmen sich im Betrieb.

Die Vorteile liegen in einer satten und warmen Lichtstrahlung und der Individualität der Gestaltungsmöglichkeiten. Für anspruchsvolle Casemods wird daher auch auf Neonröhren zurückgegriffen.

Gehäuse-Beleuchtung mit Kaltkathodenröhren

Kaltkathodenröhren finden milliardenfache Verbreitung als Hintergrundbeleuchtung der Displays von Notebooks, Monitoren und Flachbildfernsehern. Auch in Scannern und Faxgeräten finden sie Verwendung.

Die mit niedriger Spannung, geringer Leistungsaufnahme und entsprechend wenig Abwärme funktionierenden Leuchten werden aber auch seit Jahren gerne im Case Modding eingesetzt: Mit speziellen Adaptern lassen sie sich mit einem Inverter an das vorhandene Computernetzteil anschließen und haben eine Leistungsaufnahme von etwa 5 Watt bei 30 cm Länge.

In einem PC lassen sich daher auch mehrere Kaltkathodenröhren in unterschiedlichen Farben betreiben. Sie erzeugen so ein schönes Lichtspiel und verbrauchen obendrein wenig Strom.

Case Modding mit LEDs

LEDs finden auch in normalen Computergehäusen als Betriebszustandsanzeiger Verwendung. Beim Case Modding kommen jedoch eigentlich banale PC-Teile erst richtig zur Geltung, wenn sie mit LEDs angestrahlt werden.

Ein gutes Beispiel ist der nebenstehende Lüfter, der durch blaue LED-Beleuchtung zu einem Blickfang wird. Mit einem Controller ausgestattet können LEDs auch ganze Lichtspiele in oder an den PC zaubern.

Leiser PC: Case-Modding für die Ohrenleiser-pc

Moderne PCs sind kleine Kraftwerke – auch was den Geräuschpegel angeht. Die immer leistungsstärkeren Komponenten setzen bei High-End-PCs bis zu 30 Prozent der zugeführten elektrischen Leistung in Wärme um.

Dies ist nicht nur ineffizient, sondern auch sehr laut: Durch elektrische Lüfter im Gehäuse muss die warme Luft nach draußen transportiert werden. Doch auch Festplatten, CD- und DVD-Laufwerke und das Netzteil tragen zum Getöse aus dem Rechner bei.

PC Dämmung: Tipps und Tricks

Ein PC hat meist ein Metallgehäuse, das im Takt der Vibration von Festplatten und Lüftern als Resonanzkörper wirkt. Ein großer Teil des Betriebsgeräusches kommt also allein von der schallverstärkenden Wirkung des Gehäuses.

Dem kann man mit sogenannten “Antidröhnmatten” aus Bitumen entgegenwirken: In jedem Baumarkt erhältlich, sind sie eigentlich für den KFZ-Bedarf gedacht, lassen sich aber auch ohne Probleme mit Heißluftfön und Cuttermesser an komplizierte Einbaulagen anpassen.

Durch den Einsatz eines Festplattenentkopplers lassen sich weitere Störgeräusche mindern: Festplatten arbeiten mit Drehzahlen jenseits der 10.000 U/min und geraten beim Abtastvorgang in Schwingung. Diese werden bei starren Einbaumethoden ans Gehäuse übertragen. Mit einem Festplattenentkoppler wird die direkte Verbindung zwischen Gehäuse und Festplatte durch Gummi unterbrochen – jetzt dröhnt nichts mehr mit.

Leise Lüfter

In vielen Fertig-PCs aus dem Elektronik-Discounter sind zwar gute Komponenten für die Rechenleistung verbaut, an Lüftern und Gehäuse wird jedoch gespart. Eine ganze Menge an Lärm lässt sich allein schon durch den Austausch der Gehäuselüfter und des Netzteils erreichen.

Hochwertige schalloptimierte Gehäuselüfter können ihre Drehzahl der Innentemperatur und der Auslastung des PCs automatisch anpassen. Auch die einfachere Variante, die Einstellung der Drehzahl per Schalter am Lüfter, bringt Linderung: Die optimale Einstellung ist erreicht, wenn bei der stufenweisen Steigerung der Drehzahl die Innentemperatur im Gehäuse nicht mehr steigt.

Prozessorkühlung: Es muss nicht immer Luft sein

Der Vergleich zum Automobilbau zeigt: Luftkühlung mit Gebläsen ist zwar simpel und recht effektiv, aber auch sehr laut. So ist ein moderner Mittelklassewagen deutlich leiser als ein VW Käfer aus Wirtschaftswundertagen.

Die Prozessorkühlung, bei leistungsstarken PCs auch die Kühlung des Grafikprozessors (GPU), ist einer der Hauptlärmfaktoren im Computergehäuse: Kleine, billige Lüfter nerven hier mit hohen Drehzahlen und einem Geräusch, dass eher an eine böse Biene als an einen PC erinnert.

Ein Ausweg aus diesem Problem bieten passive Kühler: Diese leiten die Wärme über eine möglichst große Abstrahlfläche ab, sind stark verrippt und haben oft sogenannte “Heatpipes”, die zusätzlich Wärme in die Gehäuseluft ableiten. Nachteilig ist bei diesen Kühlern vor allem der Preis und der Platzbedarf: Je besser die Kühlleistung, desto größer und teurer ist das Gerät. Bei kleinen Gehäusen ein echtes Argument.

Eine sinnvolle Kombination bietet die üblicherweise verwendete “Hybridlösung”: Ein verhältnismäßig großer Kühlkörper wird mit einem langsamer drehenden, großen Lüfter verbaut. So wird auch bei geringen Lüfterdrehzahlen eine ausreichende Kühlung erreicht, das System ist darüber hinaus günstiger und deutlich platzsparender.

Leise Netzteile

Wie schon am Anfang erwähnt sind PCs heutzutage kleine Kraftwerke: Netzteile mit 800 Watt Leistungsaufnahme stellen keine Seltenheit mehr da. Damit der Spannungswandler ausreichend Luft bekommt, sind in den meisten Netzteilen großflächige oder mehrere kleine Lüfter eingebaut.

In jedem Fall versuchen Billighersteller an diesen zu sparen: Sind zu wenig Lüfter vorhanden, wird einfach die Drehzahl erhöht. Die Folge ist ein nervtötendes Brummen.

Mit dem Austausch des Netzteils gegen ein hochwertiges Modell mit einem gut gelagerten, langsam drehenden und großen Lüfter ist in Sachen Lärmreduktion meist schon viel gewonnen.