Akku-Schrauber & Bohrer

Produkttest: Kinzo Akku-Bohrschrauber 10,8V Li-ion

Mit einem aktuellen Amazon-Preis von 34 € gehört der KINZO Akku-Bohrschrauber 10.8V Li-ion mit der besonderen Kennzeichnung “X-POWER” zu den günstigeren Werkzeugen.

Getreu dem bekannten Werbe-Slogan “Gutes muss nicht teuer sein” könnte es sich somit um ein richtiges Schnäppchen handeln.

Vergleichbare Akku-Bohrschrauber der Voltklasse mit 10,8 V Lithium-Ionen-Akkus kosten schnell das Doppelte bis Dreifache.

Unser Test soll zeigen, ob sich solche Schnäppchen-Werkzeuge lohnen oder doch ein großer Unterschied zwischen “günstig” und “billig” besteht. Nachfolgend werden wir weitere Werkzeuge testen, welche mit ihrem Namen eher zu den Discounter-Werkzeugen zählen.

Ohne Vorbehalt in Bezug auf Preis oder Hersteller müssen auch diese Werkzeuge zeigen, was sie können – auch wenn aufgrund des geringen Kaufpreises sicherlich die eine oder andere Unzulänglichkeit in Kauf genommen wird, müssen sie ihren Zweck erfüllen und typische Funktionen vorweisen.

Technische Daten

Herstellerangaben:

  • Gewicht: 1,6 kg
  • Drehzahl: 0 – 550 min-1
  • Spannfutter: 10 mm
  • Drehmomenteinstellungen: 11+1
  • Akku-Technologie: Lithium-Ionen-Akku
  • Akku-Spannung: 10,8 V
  • Akku-Kapazität: 1,3 Ah
  • Ladegerät: 12 V 400 mA
  • Ladedauer: 3 – 5 h
  • max. Drehmoment: keine Angaben
  • max. Schraubengröße: keine Angaben
  • max. Bohrgröße: keine Angaben
  • zusätzliche Ausstattung: integrierte Wasserwaage

Informationen zu Lithium-Ionen-Akkus

Die Lithium-Ionen-Technik hat Akku-Werkzeuge regelrecht revolutioniert und ihr Anwendungsspektrum deutlich erweitert.

Eine höhere Effizienz ermöglicht es, Akkus bei selber Leistung deutlich kleiner zu gestalten oder auch Werkzeuge mit höherem Leistungsbedarf als Akku-Version zu realisieren. So sind inzwischen Akku-Handkreissägen oder gar Akku-Kettensägen keine Seltenheit mehr.

Lithium-Ionen-Akkus bieten jedoch noch weitere Vorteile: Im Gegensatz zu bisherigen NiCd-Akkus besitzen sie keinen Memory-Effekt, sondern nur eine minimale Selbstentladung und können zu jeder Zeit nachgeladen werden.

Ebenso unterscheidet sich die Leistungsabgabe erheblich: Während andere Akku-Varianten mit der Entladung ihre Leistung fast proportional verlieren, bieten Li-Io-Akkus bis zur vollständigen Entladung eine kontinuierliche Leistung.

Lithium-Ionen-Akkus besitzen jedoch auch einen Nachteil – sie dürfen nie vollständig entladen werden, da diese Tiefentladung zu irreparablen Schäden am Akku führen kann.

Daher muss der Werkzeug-Akku oder das dazugehörige Werkzeug mit einem Tiefentladeschutz ausgestattet sein, der bei einem zu geringen Akku-Stand die weitere Nutzung unterbindet.

Verpackung und Lieferumfang

Minimale Grundaustattung

Dem Preis entsprechend fallen sowohl die Verpackung als auch der Inhalt eher spärlich aus: Es gibt keinen Koffer, keine zusätzliche Tasche oder Grundausstattung an Bits – der Akku-Bohrschrauber, das Ladegerät und die Bedienungsanleitung liegen nur durch Tüten geschützt lose im Karton.

Ausgehend vom Kaufpreis sollte man allerdings auch nicht mehr erwarten können.

Verpackung mit Informationen

Sinnvoll und wichtig sind hingegen alle nötigen Angaben auf der Verpackung.

Eben dieser sollte leicht zu entnehmen sein, um welches Werkzeug es sich handelt und welches Zubehör enthalten ist.

Ebenso sind die wichtigsten Leistungsangaben ein Muss. Auf den ersten Blick erfüllt die Verpackung des KINZO X-POWER Akku-Bohrschraubers alle Anforderungen.

Lediglich eine Angabe zur Leistung – dem Drehmoment – ist nicht zu finden. Dabei ist diese Angabe sicher eine wichtige Kaufentscheidung, denn anhand der angegebenen Spannung oder Drehzahl lassen sich keine Rückschlüsse auf das mögliche Drehmoment schließen. Auch eine Angabe zur maximalen Bohr- oder Schraubengröße ist nicht zu finden.

Eine dicke aber mangelhafte Bedienungsanleitung

Sehr kleine Schrift

Dick und fast schon wie ein Buch präsentiert sich die Bedienungsanleitung in vielen Sprachen – diese benötigen jedoch auch viel Platz, was sich einerseits in einem dicken Heft und andererseits in einer extrem kleinen Schrift bemerkbar macht.

Die Anleitung ist nicht dafür ausgelegt, schnell mal etwas zu suchen und dafür die einzelnen Seiten zu überfliegen – hier muss man schon sehr genau hinsehen und der ein oder andere die Lesebrille holen.

Inhaltlich gibt es dagegen nicht viel zu bemängeln. Sehr übersichtlich werden die wichtigsten Funktionen aufgeführt und gut an Bildern erklärt. Auch die üblichen Sicherheitshinweise fehlen nicht.

Dafür sind auch hier die technischen Daten mangelhaft und es sind weder Angaben zum Drehmoment im harten oder weichen Schraubfall noch zu den maximalen Bohr- oder Schraubgrößen zu finden.

Angaben, die bei einem Akkuschrauber oder Akku-Bohrschrauber nicht fehlen sollten und weshalb wir die Bedienungsanleitung als mangelhaft bezeichnen. Ohne derartige Angaben lässt sich beim Kauf nicht nachvollziehen, ob das Werkzeug den gewünschten Anforderungen entspricht.

Der erste Eindruck ist nicht immer der beste

Deutlich größer

Nach dem Auspacken halten wir einen recht schweren und für die 10,8 V-Klasse mächtig großen Akku-Bohrschrauber in der Hand – deutlich größer als vergleichbare 10,8 V-Schrauber.

Uns fällt sofort auf, dass er keine Gangumschaltung besitzt. Rein theoretisch könnte er damit sogar kleiner als Vergleichsmodelle sein. Wie das Foto zeigt, ist er stattdessen größer und liegt daher auch nicht so gut in der Hand.

Zwar besitzt er am Griff abgesetzte Flächen, diese sind jedoch nicht gummiert und bieten daher wenig Halt.

Problematisch ist ebenso die sehr weit nach vorne verlagerte Umschaltung der Drehrichtung. Der Schalter muss schon “intensiv” betätigt werden, was mit dem Daumen in normaler Schraubhaltung kaum möglich ist. Hierfür muss die Haltung gewechselt, der Akku-Bohrschrauber also abgesetzt werden.

Keine gummierten Griffflächen

Fehler in der Verarbeitung sind jedoch nicht zu erkennen. Der Übergang zwischen den farblich abgesetzten Flächen wirkt sogar sehr qualitativ.

Vom verwendeten Kunststoff lässt sich das leider nicht sagen: Die großen grauen Flächen sind sehr glatt und vermitteln einen spröden Eindruck. Zudem bieten sie keinen guten Halt und spiegeln den niedrigen Preis wider.

Statt der Gangumschaltung befindet sich an selbiger Stelle eine kleine Wasserwaage, beziehungsweise die entsprechende Libelle. Sinnvoll oder nicht?

Der Schrauber lässt sich nur sehr schwer nach der Libelle ausrichten und spätestens bei der Betätigung des Schalters befindet man sich nicht mehr in der exakt waagerechten Position. Genauer als mit einem seitlichen Kontrollblick auf den Schrauber wird es mit dieser “Wasserwaage” sicher nicht.

Fraglich ist auch der Sinn an dieser Position. Wie oft ist es tatsächlich nötig einen Akku-Bohrschrauber exakt waagerecht anzusetzen und wie oft ist dabei ein Blick von oben auf den Schrauber möglich?

Der KINZO eignet sich zudem nicht zum Bohren von Löchern in eine Wand, wobei die integrierte Wasserwaage eventuell hilfreich sein könnte.

Sinnvolle Wasserwaage?

Dem aktuellen technischen Stand entsprechend verfügt der KINZO X-POWER über ein integriertes Arbeitslicht in Form einer LED. Diese ist recht hell und leuchtet die Arbeitsposition gut aus.

Dagegen fehlt leider eine Akku-Anzeige, die verrät, in welchem Zustand sich der Akku befindet. Da Lithium-Ionen-Akkus sehr lange über eine stabile Leistung verfügen und dann schlagartig abfallen, ist im Einsatz nicht bemerkbar, ob sich mit dem Akku noch eine Stunde arbeiten lässt – oder doch nur eine Minute.

Eine Akku-Zustandsanzeige sollte demnach immer zur Grundausstattung gehören. Dem KINZO Akku-Bohrer 10.8V Li-ion fehlt sie leider.

Der Kinzo X-POWER im Einsatz

3 bis 5 Stunden Ladezeit

Eingangs wiesen wir darauf hin, dass Lithium-Ionen-Akkus nie einer Tiefentladung ausgesetzt werden dürfen. Auch wenn die Bedienungsanleitung den Passus “Zur Vermeidung möglicher Probleme wird der Akku dieses Werkzeugs mit geringer Aufladung ausgeliefert.” enthält, beträgt die optimale Ladung zur Lagerung zwischen 40 % und 60 % – niemals sollte er völlig geleert werden.

Warum wir diese Tatsache mehrfach betonen? Bei Lieferung des Akku-Bohrschraubers war die Akkuleistung bei nahezu Null angelangt: Mit Mühe glimmte gerade die LED ein letztes Mal auf und der Akku befand sich im Zustand der Tiefentladung. Glücklicherweise konnte er normal geladen werden und trug keine Beschädigung davon.

Es ist keine gute Entscheidug, einen Akku mit “geringer Ladung” zu verpacken. Zwar besitzen Lithium-Ionen-Akkus eine sehr geringe Selbstentladung, aber eine geringe Ausgangsladung in Kombination mit einer langen Lagerung oder weiten Transportwegen können irgendwann zu einer Tiefentladung führen.

Gehört zusätzlich ein Ladegerät dazu, welches mit einer Ladezeit zwischen 3 und 5 Stunden angegeben ist, sollte man sich nicht zu früh über sein neues Werkzeug freuen. Dann heißt es in erster Linie zu warten, bis der Akku geladen ist. Bereits nach etwas über 3 Stunden war es so weit und die rote Kontrolllampe am Ladegerät erlosch – nach dem heutigen Stand der Technik dauert das leider zu lange.

Das Futter spannt gut

Für den ersten Schraubtest sollte nun ein Bithalter eingespannt werden und wir wurden von einer weiteren fehlenden Funktion überrascht: Der KINZO X-POWER besitzt keine Motorsperre und zum Öffnen oder Spannen des Schnellspannfutters muss ein Ring am hinteren Teil des Futters mit einer Hand gehalten und mit der anderen das Futter in die entsprechende Richtung gedreht werde.

Mit großen Händen wird das schnell sehr problematisch, da zum einen wenig Grifffläche vorhanden ist und zum anderen die Oberfläche des Futters wenig Grip bietet.

Erstaunlicherweise hielten die eingespannten Werkzeuge jedoch sehr gut und auch ein 50 mm Forstnerbohrer hat sich unter Belastung nicht im Futter gedreht.

Schnell am Limit

Beim Belastungstest schnitt der KINZO Akkuschrauber jedoch weniger gut ab. Mit kleineren Schrauben hatte er zwar keine Probleme, unter größerer Belastung bricht er jedoch sehr schnell zusammen.

Eine Testschraube von 8 x 160 mm versenkte er nur zu 40 mm, während ein Vergleichsmodell die 160 mm fast komplett ins Holz brachte.

Diese Schraubengröße ist natürlich nicht für Schrauber dieser Leistungsklasse gedacht. Sie dient in diesem Fall dem Ermitteln der Leistungsgrenze.

Ebenso konnten die 11 Drehmomenteinstellungen nicht überzeugen. Sie lassen sich gut einstellen und sind deutlich ablesbar, definieren aber nur eine einfache Rutschkupplung und besitzen keinen reellen Endpunkt.

Zwar sind die unterschiedlichen Einstellgrößen spürbar, das Futter dreht sich jedoch selbst bei durchdrehender Drehmomenteinstellung weiter. So lässt sich eine 6 mm Schraube unter Stufe 3 ebenso versenken wie unter Stufe 6.

Nur unter Rattern ist die Drehmomenteinstellung nutzbar

Unter beiden Einstellungen dreht die Drehmomenteinstellung bereits beim Eindrehen durch, die Schraube lässt sich dennoch tief versenken.

Eine deutliche Unterbrechung der Drehbewegung findet durch den Kontakt des Schraubenkopfes mit dem Holz nicht statt, was die Voreinstellung des Drehmomentes überflüssig macht.

Die Bohrstufe erfüllte ihren Zweck und auch für größere Forstnerbohrer ist die Kraft des Schraubers ausreichend.

Bei kleineren Bohrungen macht sich jedoch die geringe Maximaldrehzahl bemerkbar: 500 min-1 sind zum Bohren kleiner Löcher zu wenig, was sich beim Arbeitsfortschritt und den Bohrrändern bemerkbar macht. Beim Bohren von Metall verringert sich unter Belastung die Drehzahl deutlich, wodurch nur mit minimalem Druck gearbeitet werden kann. Für solche Arbeiten ist der KINZO nicht zu empfehlen.

Fazit – Wenig Werkzeug für wenig Geld

Der KINZO X-POWER Akku-Bohrer 10.8V Li-ion ist mit 34 € ein sehr günstiger Akku-Bohrschrauber, wodurch Abstriche gegenüber teuren Markenmodellen gemacht werden müssen. Wer auf jeglichen Luxus verzichten kann, ist mit ihm vermutlich zufrieden.

Ein Akku-Bohrschrauber sollte in unseren Augen jedoch ein gewisses Maß an Funktionalität besitzen und vorhandene Elemente sollte funktionieren.

Auf den ersten Blick wirkt der recht schwere und große Akku-Bohrschrauber noch solide, wies aber viele Schwächen auf, die die Bedienbarkeit deutlich erschweren.

Glatte Griffflächen, eine schlecht erreichbare Drehrichtungsumschaltung, keine Motorsperre und eine fehlende Akkuzustandsanzeige sind nur einige wichtige Punkte, die den Gesamteindruck negativ beeinflussen.

Als Mangel ist jedoch die zwar vorhandene, aber nicht nutzbare Drehmomenteinstellung zu sehen. In jeder Einstellung unterbricht sie ratternd den Schraubvorgang und lässt doch weiterhin eine Schraubbewegung zu. Ihre Aufgabe erfüllt die Drehmomentvorwahl damit nicht.

Warum nirgendwo Angaben zum Drehmoment oder den maximalen Bohr- beziehungsweise Schraubendurchmessern zu finden sind, überlassen wir dem Hersteller, der hierzu nicht verpflichtet ist.

Dem Käufer wird damit jedoch die Möglichkeit genommen, Werkzeuge verschiedener Hersteller zu vergleichen und einen Überblick über die ausführbaren Arbeiten zu bekommen. Wenn ein Hersteller auf solche Angaben verzichtet, sollte diese Entscheidung dem Kunden zu denken geben.

Letztendlich bleibt festzustellen, dass im Fall des KINZO X-POWER der Kaufpreis eindeutig auf Kosten der Funktionalität niedrig gehalten wurde. Für einen regelmäßigen Gebrauch können wir unsere Kaufempfehlung nicht aussprechen.

Passend dazu versagt inzwischen auch die LED-Beleuchtung ihren Dienst und bleibt dunkel. Wer einen günstigen Zweitschrauber sucht, sollte auf die Herstellerangaben achten. Deutlich besser ausgestattete Geräte (2 Gänge, höhere Drehzahl, Angaben zum Drehmoment, Auto-Lock, Spindelarretierung, etc.) sind bereits für etwa 40 € erhältlich.