Akku-Sägen & Schneider

Stichsägen-Test: Ausführlicher Testbericht über drei Stichsägen der gehobenen Hobby-Klasse

Stichsägentest

Stichsägen gehören gleich nach Akkuschraubern und Bohrmaschinen zu den weit verbreiteten Elektrowerkzeugen, die nicht nur bei professionellen Handwerken zum Einsatz kommen, sondern sich häufig in Hobbywerkstätten finden lassen. Und das nicht ohne Grund.

Die Stichsäge ist ein sehr flexibles Werkzeug, das sich für viele Aufgaben einsetzen lässt. Für Kurvenschnitte ist sie ohnehin die Spezialistin schlechthin (nicht alle haben eine ausgewachsene Maschine wie Bandsäge oder Dekupiersäge zu Hause).

Für gerade Schnitte gibt es zwar meist geeignetere Werkzeuge wie eine (Tisch-)Kreissäge – aber die Stichsäge kann auch solche Aufgaben übernehmen und ist dabei das deutlich günstigere und – gerade für den Heimwerker wesentlich – das weit ungefährlichere Werkzeug. Grund genug, ein paar Modelle näher zu betrachten.

Es gibt Unmengen verschiedener Stichsägen in einer Preispanne von etwa 30 bis 500 Euro. Von den billigen Varianten sollten alle Anwender absehen, die an ein Werkzeug zumindest geringe Anforderungen an Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit stellen.

Den oberen Preisverbereich kann wiederum jeder ausklammern, der nicht vorhat, diese für berufliche Zwecke einzusetzen und sich nicht zu den Werkzeugenthusiasten zählt.

Drei Vertreter im Preisbereich um 200 Euro sollen zu einem Praxistest in Holzbearbeitung und zum Vergleich antreten:

  • Bosch GST150
  • Makita 4351FCT
  • Hitachi CJ120VA

Unboxing – Der Lieferumfang

Die drei Testgeräte inklusive Koffer und Zubehör

Alle Geräte kommen im Koffer. Die Bosch GST150 verfügt hierbei um den geräumigeren und hochwertigeren Koffer als die beiden anderen. Alle Hersteller legen Zubehör bei.

Hier knausert Bosch bei den Sägeblättern: während die Bosch GST150 nur ein Standardsägeblatt für Holz begleitet, wird die Makita 4351FCT mit satten 6 Blättern geliefert – je 2 für Holz, Metall und Allzweck. Bei der Hitachi CJ120VA schaffen es 3 Sägeblätter bei Auslieferung in den Koffer.

Bei der Hitachi fehlt ein Kunststoff-Gleitschuh, den man bei empfindlichen Werkstückberflächen über den metallenen Sägetisch der Stichsäge stülpen kann. Makita und Bosch verfügen über einen solchen Gleitschuh. Eine Abdeckhaube besitzen wiederum nur die Hitachi und die Bosch, Makita verzichtet darauf.

Alle drei Geräte werden mit Splitterschutz, Absaugstutzen und Inbusschlüssel zur Neigungsverstellung des Sägetisches ausgeliefert.

Kurzportraits

Bosch GST150

Bosch GST150

Wichtigste Eckdaten:

  • 780W Nennleistung
  • Drehzahlregulierung
  • Pendelhub
  • Schnittspurgebläse
  • 150mm Schnitttiefe in Holz
  • 2,6 kg

Makita 4351FCT

Makita 4351FCT

Wichtigste Eckdaten:

  • 720W Nennleistung
  • elektronische Drehzahlregulierung
  • Pendelhub
  • LED-Licht
  • Anlaufstrombegrenzung
  • 135mm Schnitttiefe in Holz
  • 2,5 kg

Hitachi CJ120VA

Hitachi CJ120VA

Wichtigste Eckdaten:

  • 740W Nennleistung
  • Drehzahlregulierung
  • Pendelhub
  • 120mm Schnitttiefe in Holz
  • 2,4 kg
Der test beginnt!

Damit die Sägeperformance fair verglichen werden kann, werden nicht die unterschiedlichen mitgelieferten Sägeblätter verwendet, sondern alle Sägen erhalten das gleiche Blatt – ein Bosch-Sägeblatt, das saubere, rechtwinkelig und gerade Schnitte verspricht.

Beim Einlegen der Blätter die erste Überraschung: das steife Präzisionsblatt passt mit seinen 1,6 mm Dicke nicht in die Hitachi – diese ist nämlich nur für Blattdicken bis 1,4mm ausgelegt. Die Hitachi musste daher mit dem mitgelieferten Blatt getestet werden.

Bosch und Makita besitzen Drehverriegelungen für das Sägeblatt. Besonders bei der Makita ist das sehr bequem zu bedienen, die Bosch ist etwas schwergängiger, dafür wirkt ihr Verschlusshebel stabiler. Bei beiden Geräten lässt sich das Sägeblatt leichtgängig einsetzen und herausnehmen.

Die Hitachi setzt einen anderen Mechanismus ein, bei dem das Sägeblatt zwar letztendlich eben so sicher und exakt sitzt wie bei den beiden anderen Geräten, aber das Einsetzen – und vorallem das Herausnehmen – war aber oftmals eine etwas hakelige Angelegenheit.

Makita und Bosch sind hier klar zu bevorzugen.

Sägen in Massivholz

Die erste Aufgabe für die 3 Probanden: Grobes Ablängen von Holzbohlen. Keine Herausforderung an Präzision, aber ein idealer Einstieg, um einen ersten Eindruck von Handling und Durchzugskraft zu erlangen.

Nach ein paar Meter Massivholz ist klar: keines der drei Geräte hat Schwierigkeiten mit 35mm dickem Ahorn.

Am allerwenigsten die Bosch. Sie ist eindeutig die kräftigste Maschine, und gleichzeitig auch die größte. Große Hände sind kein Nachteil, wenn man diese Maschine führen will. Makita und Hitachi sind eine kleine Spur schlanker und geringfügig schwächer, aber auch sie ziehen ziemlich unbeeindruckt durch das Holz.

Auch 5cm dicke Eiche stellt kein Problem für die Maschinen dar. Und die Rechtwinkeligkeit kann sich sehen lassen.

Massivholz-Arbeitsplatte

Nochmals Ahorn, dieses mal fast 50mm und der Anspruch auf einen sauberen Schnitt. In die Küchenarbeitsplatte sollen Ausnehmungen für ein Kochfeld und eine Spüle geschnitten werden.

Eine massive Arbeitsplatte mit 50mm Dicke

Schnittgenauigkeit

Die Rechtwinklichkeit des Schnitts lässt bei allen Maschinen zu wünschen übrig

Alle Sägen sind gut am Anriss zu führen, am besten die Makita, da sich mit ihrer LED-Beleuchtung der Anriss besonders gut ausmachen lässt. Dieses praktische Feature bieten die beiden anderen Werkzeuge leider nicht.

Die Bosch kompensiert das mit einem Schnittspurgebläse, das die Späne sehr gut beseitigt. Damit hat man ebenfalls einen guten Blick auf den Schnitt, allerdings nicht so gut wie bei der Makita. Die Hitachi bieten weder Licht noch Gebläse, aber auch mit ihr lässt sich dem Schnitt gut folgen.

Beim runden Ausschnitt ließen sich die Sägen sehr gut führen. Die Rechtwinkeligkeit des Schnittes lässt allerdings bei dieser Übung bei allen drei Maschinen zu wünschen übrig.

So gut sich noch beim Querschnitt in der 5cm-Eiche bzw. dem 35mm Ahorn war, so sehr verläuft der Schnitt manchmal in der knapp 50mm dicken Ahornplatte - egal ob mit oder quer zur Faser. Solche Abweichungen sind Extreme; nicht über den ganzen Schnitt gibt es solche Verläufe. Man darf sich aber generell bei Anwendungsfällen in 50mm Hartholz keine Wunder erwarten.

Pendelhub

Jede der Stichsägen kommt mit einer Pendelhubfunktion - ohnehin eine Selbstverständlichkeit heutzutage. Dazu dient der kleine schwarze Hebel, mit dem sich zur reinen Auf-/Abbewegung des Sägeblattes eine pendelnde Vorwärts- ückwärtsbewegenung in 3 Stufen dazu schalten lässt.

Damit zieht sich die Säge förmlich durchs Holz. Und das funktioniert bei allen der drei Stichsägen ausgezeichnet. Beim Schnitt durch das 35mm dicke Massivholz sägt man schon beinahe widerstandsfrei. Bei der fast 50mm dicken Hartholzarbeitsplatte ist der Widerstand ohne Pendelhub schon enorm; mit Pendelhub viel geringer.

Schnitt ohne und mit Pendelhub

Das geht allerdings auf Kosten der Sauberkeit des Schnittes: zusätzliche Ausrisse werden produziert. Der erste Teil des Schnittes (links) wurde ohne Pendelhub durchgeführt. Ca. ab der Mitte bis ganz nach rechts wurde der Pendelhub zugeschaltet. Das Sägen wurde dadurch erleichtert, aber der Schnitt hat mehr Ausrisse.

Absaugung

Absaugstutzen der Makita

Die mitgelieferten Absaugstutzen werden bei Bosch und Hitachi durch den Fuß bis hinter das Sägeblatt geschoben.

Absaugvorrichtung der Bosch

Bei Makita wird der Adapter seitlich an den Fuß geklippst. Das ist etwas fummelig (zumindest das Entfernen), dafür kann die Makita im Gegensatz zu den beiden anderen Maschinen die Absaugung auch bei geneigtem Sägetisch verwenden. Bei Bosch und Hitachi muss die Absaugung für Winkelschnitte hingegen entfernt werden.

Die Durchmesser der Sauganschlüsse sind unterschiedlich. Um einen Adapter für den eigenen Staubsauger wird man kaum herumkommen. Allzuviel sollte man sich von der Absaugung aber nicht erwarten.

Absaugstutzen der Hitaschi

Das Wegsaugen der Späne verbessert zwar etwas die Sicht auf das Sägeblatt, aber es landet immer noch genug davon rundherum am Boden oder der Unterlage. Auf staubfreie Arbeiten im Wohnzimmer sollte man nicht hoffen.

Winkelschnitte

Die sägetische sind für Winkelschnitte verstellbar

Die Sägetische aller Sägen lassen sich im Winkel +45° bis -45° stufenlos schwenken.

Arretierungen gibt es nur für die Normallage bei 0°. Die Funktionsweise ist bei jeder Maschine die gleiche.

Ein mitgelieferter Inbusschlüssel, eingelassen im Fuß der Säge, wird zum Lösen/Fixieren einer Klemmschraube benutzt.

Splitterschutz

Um Ausrisse insbesondere in beschichteten Material zu reduzieren, lässt sich bei jeder Säge ein kleines, geschlitztes Kunststoffstück um das Sägeblatt schieben um am Sägetisch arretieren. Getestet wurde mit unterschiedlichen Sägeblättern.

Sägen mit und ohne Splitterschutz: Hitachi – Makita – Bosch

Die Bosch schneidet hier mit Abstand am besten ab. Bei den anderen beiden Maschinen zeigen sich kaum Unterschiede zwischen dem Schnitt mit oder ohne Splitterschutz. – Reihenfolge von links: Hitachi - Makita - Bosch (der jeweils linke Schnitt ist mit Splitterschutz).

Kurvenschnitte

Die Kür des Tests: Der Kurvenschnitt

Beim runden Ausschnitt in der Arbeitsplatte zeigten die Maschinen schon, dass sie nicht nur beim Geradeaussägen eine gute Figur machen. Nun wurde es noch etwas schwieriger. Enge und engste Kurvenradien sollten gesägt werden.

Diese Übung absolvierten alle gleichermaßen gut. Jede Maschine lässt sich gut um Kurven führen, und die Sägeperformance eicht hier bei allen Maschinen locker aus. Irgendwann werden die Innenradien aber zu eng für eine Stichsäge.

Hier gibt es keinen Unterschied zwischen den Probanden. Dann muss man sich mit Freischneiden von zwei oder mehreren Seiten behelfen. Und am Ende musste bei allen drei Werkstücken fleißig gefeilt und geschliffen werden. Dennoch konnte die Aufgabe bewältigt werden, ohne auf eine Laubsäge oder Dekupiersäge wechseln zu müssen.

Alle Maschinen haben sich gut im Test gemacht

Bei allen der getesteten Geräten handelt es sich um robuste Vertreter für ambitionierte Heimwerker sowie Handwerker. Sie liegen die in ihrer Qualität in einer anderen Liga als die günstigeren Geräte, die man in den meisten Baumärkten angeboten bekommt.

Hier gibt es keine Sägetische aus gebogenem Blech sondern robusten Guss. Alles ist auf Langlebigkeit ausgelegt, sodass ein solches Werkzeug seinem Besitzer lange Jahre gute Dienste erweisen sollte.

Als beste Maschinen im Test haben sich die Bosch GST150 und die Makita 4351FCT erwiesen.

Die Makita gefällt mit ihrer wirklich vorteilhaften LED Beleuchtung, mit der sich der Anriss am besten ausmachen lässt. Zudem sorgt der sanftere Anlauf für angenehmeres Handling.

Die Bosch reisst beim Einschalten schon kräftig am Handgelenk. Sie ist auch die stärkste Maschine, was beim Sägen in sehr dichtem und dicken Holz von Vorteil ist. Dennoch gibt es bei keinen der Maschinen echte Leistungseinbußen.

Auch die Hitachi CJ120VA ist eine professionelle Maschine, die keine Abstriche bei Leistung und Verarbeitung macht. Sie liegt nur deshalb hinter den beiden Konkurrenten, weil der Verschluss des Sägeblattes im Vergleich zu den anderen Geräten unkomfortabler zu bedienen ist und sich keine Sägeblätter dicker als 1,4mm einspannen lassen. Außerdem bieten sie keine Zusatzfunktionen wie die Beleuchtung der Makita oder die Späneblasfunktion der Bosch.

Letztendlich sind alle drei Maschinen empfehlenswert und werden die Aufgaben ihrer Besitzer erfüllen. Augenmerk sollte der geneigte Handwerker darauf legen, welche Maschine subjektiv besser in der Hand liegt.

Bewertungssystem

Wir haben die Testergebnisse in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Die Bewertungen beziehen sich auf ein 5-Punkte-System:

  • 1 = ungenügend

  • 2 = mangelhaft

  • 3 = befriedigend

  • 4 = gut

  • 5 = sehr gut

Zusammenfassung der Ergebnisse

Modell: Bosch GST150 Makita 4351FCT Hitachi CJ120VA
TECHNISCHE DATEN
Preis (09/2013) ca. 176,00 € ca. 204,00 € ca. 226,00 €
Nennleistung 760 Watt 720 Watt 740 Watt
Hubzahl im Lehrlauf 500-3.100 800-2.800 850-3.000
Max. Schnitttiefe (Holz/Stahl/Buntmetall) 150/10/20 mm 135/10/20 mm 120/10/30 mm
Gewicht 2,6 kg 2,5 kg 2,3 kg
Kabellänge 4 m 2,5 m 3 m
FUNKTIONEN
Reiß- bzw. Spanschutz 5 2 2
Neigung der Fußplatte 4 4 3
Schnittspurgebläse ja nein nein
Absaugfunktion anschließbar anschließbar anschließbar
Schnittspurbeleuchtung nein ja nein
VERARBEITUNG
Material 5 5 5
Anordnung der Bedienelemente 4 4 4
Ausführung der Bedienelemente 5 5 4
Einfache Bedienung 5 5 4
HANDLING/SCHNITTLEISTUNG
Handling 4 5 3
Sicht ohne Gebläse 4 5 4
Sicht mit Gebläse 4 4 4
Kurvenschnitt 5 5 5
Winkelschnitt (45°) 4 5 4
Lautstärke 4 4 4
Schnitt-Geschwindigkeit 5 4 4
Leichtgängigkeit 5 4 4
Vibration 4 5 4

Resümee: Bosch GST150

Kräftigste Maschine im Test, aber auch groß und wuchtig. Hochwertige, tadellose Verarbeitung auch beim Zubehör, das bis auf das einzelne Sägeblatt umfassend ist. Die Gebläsefunktion erleichtert die Sicht auf den Schnitt.

Pluspunkte: Sehr stark, Schnittspurgebläse, guter Splitterschutz, großer Koffer, großer, stabiler Sägetisch für stabile Auflage, sehr gute Verarbeitung

Minuspunkte: Nur für große Hände geeignet, nur ein Sägeblatt im Lieferumfang

Resümee: Makita 4351FCT

Makita 4351FCT

Sehr gute, hochwertige Maschine, deren LED-Beleuchtung den besten Blick auf den Schnitt bietet. Eine Funktion, die man ungern missen möchte. Als einzige der getesteten Geräte läuft die Makita 4351 nicht brachial an, sondern handgelenksschonend sanfter.

Pluspunkte: LED-Beleuchtung, Sanftanlauf, 6 Sägeblätter im Lieferumfang, sehr flexibles Netzkabel, sehr gute Verarbeitung, stabiler Sägetisch

Minuspunkte: Netzkabel nicht sehr lang

Resümee: Hitachi CJ120VA

Hitachi CJ120VA

Robuste, hochwertige Maschine ohne Schwächen in der Sägeperformance. Sehr gute Verarbeitung und gutes Handling. Der Sägeblatt-Verschluss ist teils etwas hakelig.

Pluspunkte: Robust, kräftig, gutes Handling, sehr gute Verarbeitung, stabiler Sägetisch

Minuspunkte: Sägeblattverschluss manchmal unkomfortabel, unterstützt nur Sägeblattdicken bis 1,4mm

Dieser Test wurde im Oktober 2013 durchgeführt.

Zum Autor: Rainer Schmidt lebt in Wien und ist begeisterter Heimwerker und Holzenthusiast. In seinem Blog holznotizen.blogspot.co.at veröffentlicht er regelmäßig anspruchsvolle Heimwerkerprojekte zum Nachbauen. Bei ihm kommt alles aus einer Hand: Von der Holzbeschaffung bis zur Politur macht Rainer alles selbst. Respekt!

 

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