Basteln mit Holz

Tischsekretär – Schreibtischablage selber bauen

schreibtischablage-1-0Habt ihr wenig Platz an eurem Tisch in der Arbeit oder zu Hause? Stapeln sich manche Unterlagen zu gefährlich hohen Türmen auf? Und der Spruch von Albert Einstein „Ordnung ist etwas für Primitive, das Genie beherrscht das Chaos“ helfen euch auch nicht weiter? Ich kenne das und habe mir dafür eine elegante, praktische und platzsparende Lösung ausgedacht. In meinem Fall hatte ich sogar weniger als einen 1/2m² zur Verfügung!

Man kann es auch eine „Aktenablage“ oder "Schreibtischablage" nennen, aber diese Variante ist in Sachen Design und Haptik ihren langweiligen Kollegen einiges voraus. Der warme Charakter des Buchenholzes verleiht jedem Arbeitsplatz einen gemütlichen, naturverbundenen Flair. Wenn man das ganze dann auch noch selber gebaut hat, kommt noch eine dicke Portion Stolz mit dazu! "Das habe ich gemacht!"

Benötigte Werkzeuge

  • Handkreissäge mit Führungsschiene oder Tischkreissäge
  • Akkuschrauber
  • Oberfräse zum Kanten bearbeiten (muss aber nicht sein)
  • Kappsäge
  • Stichsäge
  • Flachdübelfräse (optional)
  • Flachdübel (es können alternativ auch Runddübel oder Schrauben verwendet werden)
  • Exzenterschleifer (240er Körnung)
  • Holzleim
  • Öl

Benötigtes Material für einen Tischsekretär mit den Maßen 30 x 70 x 30 cm

Korpus:

  • 1x Buchen Leimholzplatte 300 x 2500 mm (tatsächlich benötigtes Material ca. 2200 mm)
  • 300 x 300 mm großes Stück MDF (10 mm stark) für die Frässchablone

Schublade:

  • Sperrholzplatte 9 mm für den Rahmen (4x ca. 200 x 60 mm Streifen)
  • Hochdichte Faserplatte (HDF) 3 mm für den Boden (ca. 200 x 200 mm)

In einer Hobbywerkstatt lässt sich die Schublade auch komplett aus Reststücken bauen.

1. Zusägen aller Einzelteile

Der gesamte Tischsekretär besteht aus 18mm Buchen Leimholzplatten. Ich habe mich dafür entschieden weil es in jedem Baumarkt zu bekommen ist und (besonders geölt) sehr schön aussieht.

  1. Leimholzplatten sind in unterschiedlichen Größen und verschiedenen Holzsorten erhältlich. Eine Platte der Größe von 300 x 2500 mm ist ausreichend, um die Schreibtischablage zu bauen.
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    1. Buchenholz aus dem Baumarkt 300 x 2500 mm
  2. Zunächst wird das Brett in die neun Einzelteile zugesägt, die laut technischer Zeichnung benötigt werden. Hierzu verwende ich meine Kapp- und Gehrungssäge, die mit 30 cm max. Schnittlänge gerade noch dafür ausreicht. Das 3 mm HDF Stück für den Schubladenboden, wird auch an der Kappsäge zugeschnitten. Der Bau der Schublade ist optional. Wenn euch der Aufwand zu groß ist, kann diese auch weggelassen werden. Stattdessen hat man dann ein zusätzliches Fach.
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    2. Zuschnitte auf der Kapp- und Gehrungssäge
  3. Mit der Handkreissäge und Führungsschiene werden  die Teile 1, 4, 5, 7 und 8 der Länge nach auf das entsprechende Maß von 282 mm zugesägt. Bei solchen Arbeiten ist meine selbstgebaute Sägevorrichtung eine große Hilfe!
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    3. Handkreissäge mit Führungsschiene für lange Schnitte
  4. Und so sollte das Ganze dann aussehen. Alle Teile wurden zuerst in der Breite und anschließend in der Länge nach zugesägt. Wichtig: An diesem Punkt müssen alle Einzelteile markieren werden, um den Überblick zu behalten.
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    4. Fertiger Zuschnitt aller Teile

2. Vorbereitung zum Fräsen der Rundung nach Schablone

Falls ihr keine Oberfräse und keinen Frästisch habt, könnt ihr diesen Schritt überspringen und die Rundungen mit der Stichsäge aussägen.

Erstellen der Schablone:

  1. Die geschwungene Form für die mittleren und äußeren Wände habe ich zuerst Freihand auf ein Blatt gezeichnet. Dann habe ich die Vorlage ausgeschnitten und auf ein 10mm dickes MDF Holzstück übertragen.
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    1. Erstellen einer Frässchablone
  2. Diese Form hab ich dann mit der Stichsäge ausgesägt und durch schleifen genau der Vorlage angepasst. Nun habe ich eine Schablone, die ich für das Bündigfräsen verwende.
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    2. Form durch Schleifen anpassen
  3. Die Form übertrage ich auf das Buchenholz. Da ich später mit dem Bündigfräser diese Kanten nachfahre, kann ich hier relativ grob mit der Stichsäge arbeiten. Tip: Falls du nicht Bündigfräst, versuche hier mit einem Metallsägeblatt (gibt weniger Ausrisse = schönere Kanten) die Form mit der Stichsäge so genau du kannst aus zu sägen. Tip: Wenn du zwei Stücke übereinander legst sparst du Zeit!
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    3. Grob vorsägen
  4. Wer Kanten bündigfräsen will, sollte immer ein wenig "neben" der Markierung sägen, sodass noch ein wenig Material übrig bleibt
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    4. Zuschnitt mit Aufmaß

3. Fräsen der Rundung nach Schablone

Ohne Oberfräse oder ohne einen Frästisch, kann die Kontur nicht nach Schablone gefräst werden. Wie in Punkt 2 beschrieben, muss die Kontur sauber mit der Stichsäge ausgesägt werden.

Um die Kanten aber dennoch zu bearbeiten, nimm einfach etwas Schleifpapier und breche alle Kanten im 45° Winkel. Beginne mit grober Körnung (ca.80) und arbeite dich bis 240er Körnung vor.

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1. Schablone fixieren
  1. Beginnen wir mit dem Bündigfräsen. Hierzu wird die zuvor erstellte Schablone mit doppelseitigem Klebeband gegen verrutschen auf dem Holz gesichert.
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    2. Bündigfräser ausrichten
  2. Ich verwende einen Bündigfräser an dem das Kugellager unten sitzt. Wenn man jedoch einen Frästisch verwendet, ist dieses Kugellager später oben, da die Oberfräse verkehrt herum am Tisch montiert ist. Durch die praktische Höhenverstellung mit der Kurbel kann ich exakt die richtige Höhe einstellen. Das Kugellager des Fräsers muss an der Schablone anliegen, während die Schneiden
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    3. Sägeschnitt
  3. Hier erkennt man auch gut den Unterschied zwischen fräsen und nicht fräsen: Links: Nur gesägt rechts: Mit Bündigfräser bearbeitet Die Kanten sind einfach wesentlich schöner und man muss sie kaum nacharbeiten
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    4. Gefräste Kante

4. Edler Look mit einem Kantenprofil-Fräser

Für einen edlen Look bearbeite ich manche Kanten noch mit einem römischen Kantenprofil-Fräser (Standard in jedem Fräserset). Welche Kanten das genau sind kann man aus den Bildern entnehmen. Tip: Fräse das Material in 2 Gängen ab. Dadurch erhälst du am Schluß ein absolut sauberes Ergebnis und kein Holz "verbrennt"!

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Kantenprofil-Fräser mit Anlaufring

Das macht doch was her, oder? Super einfach und schnell. Damit man sich an den übrigen Kanten auch nicht verletzen kann, habe ich diese mit einem Fasenfräser gebrochen. Tip: Nicht alle Kanten müssen gebrochen werden. Um genau zu sehen welche, hilft es das Möbelstück kurz aufzubauen. Dadurch hat man einen besseren Überblick.

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Keine langweiligen Kanten

Ausgeplatzte Kanten reparieren

Beim Kantenfräsen kann sowas schnell passieren: Ein kleiner Holzsplitter hat sich gelöst und hinterlässt eine unschöne Kerbe!

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Kanten reparieren

 

Mit ein wenig feiner Späne (möglichst gleiche Holzart) und Leim kann man das schnell beheben. Einfach beides miteinander vermischen ,in die Kerbe drücken und verteilen. Dann den Leim trocknen lassen und anschließend abschleifen!

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Späne und Leim mischen

 

5. Verbindungen mit der Flachdübelfräse

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Flachdübelfräse für unsichtbare Verbindungen

Für Möbelstücke dieser Art verwende ich, seit dem ich diese unglaublich praktische Maschine habe, nur noch meine Flachdübelfräse. Natürlich gibt es viele alternative (und günstigere) Methoden Holzteile miteinander zu verbinden, wie z.B. Nägel, Schrauben, Runddübel, etc. Aber eine nicht sichtbare Art der Vebindung ist natürlich am schönsten. Hier habe ich gute Erfahrungen mit der universal Dübellehre von Wolfcraft gemacht. Diese ist schon sehr günstig zu bekommen und mit ihr lassen sich Holzverbindungen mit Runddübeln ganz gut herstellen.

Falls Du keine Flachdübelfräse besitzt, kannst du dich an dieser Stelle auch für das Verschrauben entscheiden. Vergiss dabei aber nicht alle Löcher immer vorzubohren, um das Splittern des Holzes zu vermeiden!

6. Schleifen der Oberflächen

  1. Mit meinem Exzenterschleifer schleife ich alle Teile 2x mit 240er Körnung. Die Kanten mit Profil müssen allerdings per Hand geschliffen werden.
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    1. Mit 240er Korn schleifen
  2. Zwischen den Schleifgängen feuchte ich das Holz ein wenig an und lasse es dann kurz trocknen. Dies hat den Effekt dass sich einzelne Holzfasern wieder aufstellen und das Schleifbild am Ende noch feiner ist. Besondern wenn man vor hat eine Oberflächenbehandlung vorzunehmen macht das Sinn!
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    2. Zwischendurch nässen

7. Schreibtischablage zusammenbauen

  1. Wenn man mit Flach- oder Runddübeln arbeitet, sollte man vor der endgültigen Montage mit Leim, das gesamte Möbelstück einmal trocken zusammenbauen. Falls man Fehler gemacht hat, kann man diese jetzt noch korrigieren. Richtig ärgerlich wird es, wenn man diese Fehler erst bemerkt, wenn der Leim schon fast abgebunden ist!
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    1. Probeaufbau ohne Leim
  2. Auch die Reihenfolge, in der man die Einzelteile zusammensteckt, spielt eine Rolle. Hier hat sich das Prinzip "von Innen nach Außen" bewährt, d.h. die beiden Außenwände werden als letztes angebracht.
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    2. Von innen nach außen bauen
  3. Optional (falls Schubladen gebaut werden) Die Schubladenschienen sollten vor der Montage angeschraubt werden, da dies im zusammengebauten Zustand sehr schwierig wird. (-> Platzmangel)
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    3. Auszüge nicht vergessen
  4. Bei solchen Arbeiten lege ich immer eine Unterlage (in diesem Fall eine zerschnittene Mülltüte) unter. Es verhindert, dass Leim zwischen Werkbank und Möbelstück gerät und diese versehentlich miteinander verkleben. Überprüft vorher, ob ihr genug passende Zwingen zur Verfügung habt!
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    4. Unterlage verwenden

8. Schubladen bauen

  1. Werden Schubladen eingesetzt, dürfen diese sehr einfach konstruiert sein, da sie keine schweren Lasten zu tragen haben. Wie ihr sehen könnt, ist meine nur aus Sperrholz und einem Stück HDF Platte einfach verleimt. Wer sich die Mühe machen möchte, kann den Boden auch in Nuten einsetzen.
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    1. Zuschnitt Schublade
  2. Für einen einfachen Zusammenbau werden Rahmen und Boden verleimt. Wichtig ist hierbei die Winkligkeit zu überprüfen und gegebenenfalls mit verspannten Winkeln zu korrigieren.
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    2. Schublade leimen
  3. Anstatt eine aufwendige Nut in die Seiten der Schublade zu fräsen, leime ich einfach entsprechende Holzleisten an um die Schienen zu stabilisieren. Es ist darauf zu achten, dass die Schienen parallel zueinander angebracht werden. Die Position richtet sich nach den Gegenstücken, welche im Korpus befestigt wurden.
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    3. Auszüge einsetzen
  4. Als letztes wird die Schubladenblende ausgerichtet und von innen angeschraubt. Das ist die einfachste Variante eine unsichtbare Verbindung zu schaffen.
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    4. Blende ansetzen

9. Oberflächenbehandlung

Je nach Art des verwendeten Holzes und dem eigenen Geschmack kann nun die gesamte Oberfläche gestrichen, gewachst oder geölt werden. Da Buchenholz eine sehr schöne Maserung hat, habe ich mich für Hartöl entschieden. Der optische Unterschied ist wirklich enorm. Öl "feuert" Holz nochmal richtig an, wodurch die natürliche Struktur und Färbung des Holzes hervorgehoben wird.

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Sicherheitshinweise beachten

 

Öl sollte immer mit einem Stück Tuch aufgetragen werden. Beim Arbeiten unbedingt Atemschutzmaske tragen und Nitril-Handschuhe verwenden (normale Latexhandschuhe lösen sich auf). Ölige Lappen sollten unter Wasser getaucht oder in einem Metalleimer mit Deckel aufbewahrt werden, da sie sich selbstständig entzünden können.

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Sichtbare Maserung

Kostenaufstellungschreibtischablage-4-1

  • 300x2500 Buchen Leimholzplatte 18mm: ca. 20€
  • Holz für Schubladen: ca. 3€
  • Schubladenschienen 1Paar (sehr preiswert) 300mm Auszug: ca. 5€
  • Holzöl (Verbrauch): ca. 2
  • Leim + Flachdübel (Verbrauch): ca. 2€
  • Gesamt: ca. 32€

Egal für wen du diesen tollen Tischsekretär bauen willst, er sorgt überall für Aufsehen. Neben den Komplimenten kannst du dich auch auf neidische Blicke gefasst machen. Und das Gefühl "DAS habe ich selber geschaffen" ist sowieso unbezahlbar :) Mit ein wenig Übung ist das an einem Wochenende machbar (ohne Trocknungszeit für Öl, das können 2-3 Tage sein). Bei diesem Projekt ist das Motto "selbstgemacht ist billiger" definitiv richtig.

Viel Spaß beim Nachbauen!

Diese Bauanleitung entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Frank's Shed Woodwork.

Auf seinem Blog stellt er viele weitere Projekte vor und dokumentiert sie umfangreich in Videos.

 

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