Familienfeste

Ursprung und Herkunft von Halloween

Bedeutung von Halloween

Halloween ist kein Fest des Satans und der Hexerei, sondern eine Verulkung beider. Auf den Parties am Vorabend des Allerheiligentages finden keine diabolischen Orgien statt, sondern wird ausgelassen gefeiert, sich gegruselt und damit aller höllischen Miesepeterei ein echtes Schnippchen geschlagen. Halloween ist ein Fest der Phantasie. Hier der Geruch von Schminke, dort der Geschmack von Karamell; überall Kinder und Erwachsene, die ihre Träume feiern und ihre Albträume zum Vorschein bringen.

Halloween in Deutschland, im Rheinland und international

Halloween

Naiver Kreuzzug gegen Halloween – Ein Unwohlsein überkommt mich jedes Mal, wenn ich Leute lauthals und rechthaberisch vor Halloween warnen höre. Im reformierten Siegerland, von wo ich stamme, sind viele felsenfest davon überzeugt, Jesus habe in Kana, auf der Hochzeitsfete, Wein in Wasser verwandelt. Die Message ist dann: Kommt Jesus erst mal in dein Leben, ist Schluß mit lustig.

Der vielbeschworene Kampf gegen das Böse, der auch mit einem modern gewordenen Kreuzzug gegen Halloween gewonnen werden soll, offenbart darüberhinaus etwas herzergreifend Naives. Man glaubt ganz offensichtlich den Teufel abwehren zu können, indem man finster dreinschauende Kürbisfratzen verbannt und bunte Papierhexen zerreisst.

Kein keltischer Ursprung von Halloween

Häufig liest man, dass Halloween auf ein heidnisches Totenfest der Kelten, verwandt mit dem irischen und schottischen Samhain (Ende des Sommers), zurückgehe. Historisch oder archaeologisch gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass Halloween in vorchristlicher Zeit ein Totenfest war, oder dass an diesem Tag heidnische Kulthandlungen begangen wurden. Auch ein keltischer Totengott namens "Samhain" ist unbekannt. Belegt sind die Namen von ungefähr 350 keltischen Gottheiten. Ein "Sam Hain" gehört nicht dazu.

Halloween als ein christlicher Feiertag

Katze
Postkarte mit Katzenmotiv zu Halloween

Seit über 1000 Jahren beginnt mit Halloween, dem Abend des 31. Oktobers, ein hoher christlicher Feiertag: Allerheiligen (1.November). Am 2. November folgt dann Allerseelen, der Tag, an dem für die Verstorbenen gebetet wird.

Wie auch in anderen katholischen Ländern, glaubten die Menschen im mittelalterlichen England, dass die Toten zu dieser Zeit noch einmal für zwei oder drei Tage aus dem Fegefeuer zurückkehren würden, um in ihre Häuser zu gehen und Angehörige um deren Fürbitte zu ersuchen. Anders als heute begann der neue Tag früher nicht um Mitternacht (0.00 Uhr), sondern abends. Aus diesem Grund kommt der Nikolaus noch heute vielerorts am Abend des 5. Dezembers. Auch dass das Weihnachtsfest mit dem Heiligen Abend beginnt, geht auf diese Tradition zurück. Das Wort 'hallow' stammt vom altenglischen 'halga' (Heiliger) ab und steht in 'Halloween' für 'halig' (heilig). E'en, verwandt mit dem althochdeutschen 'aband', ist der Abschluss des Tages und Vorabend eines Feiertages.

Respektlosigkeit gegenüber dem Tod

Halloween ist eines der ganz wenigen christlichen Feste, deren Popularität in den letzten Jahren nicht ab-, sondern zugenommen hat. Wer sich zu Halloween als Skelett oder Geist verkleidet, erinnert einerseits an die, die uns - wie es auf Beerdigungen immer so schön heisst - im Tod vorausgegangen sind und demonstriert andererseits eine gehörige Portion Respektlosigkeit, gegenüber dem Tod, der durch die unendliche Liebe Gottes seine Gewalt über uns verloren hat. »Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?» (1Kor 15,54-55). Das ist die Halloweenbotschaft.

Halloween als Nacht der Geister, Hexen und Feen

Erst seit dem 19. und verstärkt seit dem 20. Jahrhundert hat sich Halloween den Ruf erworben, eine Nacht zu sein, in der Geister, Hexen und Feen besonders aktiv sind. In alten angelsächsischen Texten wird der 1. November nirgendwo erwähnt. Bede notiert, dass der November 'Blod-monath' (Blutmonat) genannt wurde, da man im November überzähliges Vieh schlachtete, um Futter zu sparen und Opfer darzubringen, nennt aber kein spezielles Datum. Auch vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert gibt es kein Anzeichen dafür, dass man Halloween in England als etwas anderes als den Abend betrachtete, an dem die Glocken den Gedenktag der Heiligen einläuteten.

Rübengeister und Kostümparties – Halloweenbräuche in Großbritanien

In Grossbritannien kennt man Halloween auch als 'Nut-Crack Night', denn Äpfel und Nüsse, die zu dieser Zeit überall zu haben sind, spielten eine grosse Rolle an Halloween: Junge Leute legten jeweils zwei Nüsse, denen sie ihre eigenen und die Namen Ihrer Traumpartner gaben, nebeneinander ins Feuer, um zu sehen, ob sie explodierten oder nicht. Ein lauter Knall versprach dabei die grosse Liebe. Äpfel kamen in vielen alten Spielen, von denen manche auch heute wieder auf Kinderfesten zu sehen sind, vor. Die Spieler mussten versuchen, im Wasser schwimmende oder an Seilen hängende Äpfel mit ihren Zähnen zu greifen.

Während schottische Kinder verkleidet von Tür zu Tür zogen, veranstalteten englische zu Hause Kostümparties. Zu den uralten Halloweenbräuchen gehört auch das Erschrecken der Leute mit einer ausgehöhlten Kohl- oder Steckrübe, in die ein schauriges Gesicht geschnitzt und eine brennende Kerzen gestellt wird. In Amerika nimmt man statt einer Rübe lieber einen Kürbis: Jack o´ Lantern. Der gute Jack ist eigentlich ein Will-o´-the-Wisp - so bezeichnet man in England die flackernden, verschwommen Lichter, die man gelegentlich in sumpfigen Gegenden sieht.

Halloween in den USA

Mitte des 19. Jahrhunderts zwangen Fehlernten zahlreiche Iren, ihr Land zu verlassen. Viele versuchten ihr Glück in Amerika und machten dort unter anderem auch das Halloween-Fest bekannt. In Amerika entstand der Brauch, Kürbisse auszuhöhlen, ihnen eine gruselige Fratze zu verpassen, sie mit einer Kerze von innen zu beleuchten und abends auf Fenstersims oder Balkon zu stellen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Halloween in den USA immer populärer, wozu auch geschäftstüchtige Medien nicht unerheblich beitrugen. "Das Fest hatte aber einen starken Bedeutungswandel durchgemacht", betont Hirschfelder. "Halloween hat heute in den USA ungefähr den gleichen Stellenwert wie hier der Karneval. Wer sich nicht beteiligt, gilt als Partymuffel und wird ausgegrenzt - ein wesentliches Merkmal für einen Brauch."

Halloween in Deutschland

Einmal pro Jahr trauen sich in den USA Werwölfe, Vampire und Hexen aus ihren Verstecken, belagern gleich rudelweise die Haustüren der braven Bürger und lassen sich nur durch kalorienreiche Bestechungsgaben von Schlimmerem abhalten. Am 31. Oktober werden auch in Deutschland wieder Lichterketten aus Kürbisköpfen zahllose Halloween-Parties in orangenes Licht tauchen. Dr. Gunther Hirschfelder vom Institut für Volkskunde an der Universität Bonn registriert die zunehmende Begeisterung für Halloween mit Interesse. Seiner Meinung nach füllt das Fest ein kulturelles Vakuum, das durch den Bedeutungsverlust hiesiger Traditionen entstanden ist.

Halloween-Feiern in Deutschland

Im Gegensatz zu den USA sieht er die Halloween-Begeisterung in Deutschland. "Hier ist Halloween noch ein relativ unverbindlicher Termin, an dem man teilnehmen kann oder auch nicht - also streng genommen noch kein Brauch, obwohl sich das noch ändern kann." Dass das Fest in den letzten Jahren auch in Deutschland so sehr an Popularität gewonnen hat, schreibt er dem "kulturellen Vakuum" zu, das durch den Bedeutungsverlust vieler Traditionen und religiöser Bräuche entstanden sei. "Der Mensch als soziales Wesen sehnt sich nach Traditionen, die sein Leben strukturieren." Andererseits seien Bräuche per se nicht unbedingt etwas Positives: "Häufig dienen sie der Unterscheidung zwischen ‚uns' und ‚den Anderen' und damit der Ausgrenzung."

Der Volkskundler sieht im Phänomen "Halloween" keine Bedrohung regionaler Eigenheiten. In vielen Gegenden sei sogar eine Rückbesinnung auf angestammte Traditionen zu registrieren. Auch die Industrie berücksichtige bei ihren Produkten regionale Unterschiede: "Es gibt mehrere verschiedene Sorten der ‚5-Minuten-Terrine', die jeweils nach ortsspezifischen Vorlieben gewürzt sind", erklärt Hirschfelder und ist sich sicher: "Das Ende der Münchner Weißwurst ist noch fern."

Halloween im Rheinland – das ist wie Karneval im Herbst

Die Halloween-Forscher des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) registrieren erneut deutliche Zuwachsraten bei der Ausbreitung von Halloween in der Rheinregion. Die vom LVR-Amt für rheinische Landeskunde (ARL) unter www.halloween-im-rheinland.de jährlich veröffentlichte Halloween-Statistik verzeichnet aktuell einen Anstieg von rheinischen Halloween-Fans um 11,3 Prozentpunkte. Mit 56,3 Prozent ist mittlerweile die Mehrheit von rd. 500 befragten Rheinländerinnen und Rheinländer nach eigenen Angaben schon mal zu Halloween aktiv gewesen.

Über 75 Prozent der Halloween-Aktiven besuchen in der Nacht des Grauens eine Halloween-Party. Damit entwickelt sich Halloween im Rheinland immer mehr zu einem ausgesprochenen Party-Brauch. Und zu einer Domäne junger Leute: Wer jünger als 26 Jahre ist, lässt sich bedeutend schneller und intensiver vom Halloween-Fieber packen, als ältere Jahrgänge. Zwar kann das Kürbisfest auch bei den über 39-Jährigen steigende Fan-Zahlen verbuchen, doch lässt die Zuwachsrate von nur knapp 3 Prozent hier auf eine ausgeprägte Gruselresistenz schließen.

Dagegen nimmt die Halloween-Begeisterung bei Kindern und Jugendlichen fast explosionsartig zu. Die Quote der Halloween-Aktiven erreicht bei den 4- bis 16-Jährigen satte 93 Prozent. Mit 35 Prozentpunkten nehmen die Kids bei den Zuwachsraten den absoluten Spitzenplatz ein. "Halloween im Zoo", "Halloween-Bastelwerkstatt", "Familien-Halloween" - der Markt reagiert prompt auf diese Entwicklung mit einer Vielzahl an kindgerechten Veranstaltungen. Ein weiterer Trend hat sich einmal mehr empirisch bestätigt: Frauen sind die größeren Halloween-Fans. In puncto Gruselbegeisterung lässt das weibliche Geschlecht die männliche Konkurrenz weit hinter sich. Rund 61 Prozent der befragten Rheinländerinnen sind halloween-aktiv, die Männer bringen es "nur" auf 50,2 Prozent. Auch bei den Zuwachsraten liegen die Frauen vorn.

"Das Rheinland ist ganz klar eine halloween-freundliche Region", so bringt ARL-Leiter Dr. Fritz Langensiepen die aktuellen Zahlen-Trends auf den Punkt. Wie die Menschen hier mit dem Kürbisbrauch umgehen, das ist typisch rheinisch: Innerhalb kürzester Zeit haben viele Rheinländerinnen und Rheinländer Halloween zu einem Teil ihrer rheinischen Identität gemacht. Was sie daran reizt, ist weniger der Horror, sondern vielmehr die karnevalistischen Motive wie der Spaß am Feiern und die Lust am Verkleiden und Dekorieren. Langensiepen: "Halloween im Rheinland - das ist wie Karneval im Herbst".

 

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