Sekundenkleber entfernen: Wichtige Tipps

Sekundenkleber entfernen mit einfachen Mitteln

Sekundenkleber am Auge? - Sofort zum Arzt!

Sekundenkleber ist zweifelsohne nützlich: Kein Klebstoff bindet so schnell ab wie er – allerdings leider auch überall. Flecken im Teppich oder auf Möbeln sind blitzschnell hart und eingetrocknet und zusammengeklebte Finger sind äußerst unangenehm. Von Sekundenkleber im Kopfhaar gar nicht zu sprechen. Dieser Artikel zeigt, wie man dem vielerorts unliebsamen und hartnäckigen Kleber erfolgreich zu Leibe rücken kann.

Das Entfernen auf die harte Tour

Selbstverständlich kann Sekundenkleber mit Messern, Spachteln, Schleifpapier und ähnlichem Gerät attackiert werden. Leider ist dies in den seltensten Fällen praktikabel, so verpasst man seinem Teppich nur ungern mit der Nagelschere einen Haarschnitt oder wendet Schleifpapier am eigenen Handrücken an. Daher sollte Sekundenkleber nur dort mechanisch entfernt werden, wo der Untergrund nicht beschädigt wird.

Sekundenkleber chemisch entfernen

Arbeiten mit Sekundenkleber
Bei diffizilen Arbeiten mit Sekundenkleber auf engem Raum geht schnell etwas daneben. Betroffen sind neben der Haut häufig auch andere empfindliche Oberflächen – der Einsatz von Chemikalien muss hier sorgfältig abgewogen werden.

Sekundenkleber, chemisch Cyanacrylat, lässt sich problemlos mit Aceton entfernen. Das ist allerdings in Deutschland gar nicht mehr so leicht zu bekommen; früher war es jedoch in jedem Nagellackentferner enthalten. Problematisch sind besonders empfindliche und lackierte Oberflächen: Wer den Sekundenkleber von einer lackierten Oberfläche entfernt, entfernt den Lack meist gleich mit. Auch auf der Haut ist die Anwendung von Aceton nicht ratsam: Im Gesicht sollte man es gar nicht verwenden, auf der übrigen Haut nur sehr sparsam und vorsichtig. Mit Aceton gereinigte Hautstellen werden stark entfettet, deshalb sollten die betroffenen Hautstellen nachher mit dexpanthenolhaltiger Salbe oder anderen Feuchtigkeitscremes eingecremt werden.

Sekundenkleber mit Wasser entfernen

Wie einige andere Klebstoffe auch verfestigt sich Sekundenkleber durch die Reakion mit der Luftfeuchtigkeit. Zu viel Wasser verträgt der Kleber hingegen überhaupt nicht: Wer den Kleber auf eine feuchte Stelle aufträgt, wird eine schlagartige und instabile Aushärtung des Sekundenklebers erleben. Diesen Effekt kann man sich aber auch zunutze machen: Bei ausreichendem Reaktionsvermögen, es geht (natürlich) um Sekunden, kann der frische Fleck mit Wasser schlagartig ausgehärtet und danach recht leicht entfernt werden.

Sekundenkleber auf Stoff
Tropft Sekundenkleber dorthin, wo er nicht hingehört, heißt es schnell handeln.
Sekundenkleberfleck wässern
Der Stoff wurde unmittelbar nach dem Malheur gewässert, der Fleck beginnt schlagartig auszuhärten.

Eine andere Möglichkeit zur Sekundenkleberentfernung, die auch bei sensiblen Hautstellen praktikabel ist, ist das Einweichen in Seifenwasser. Lange kann der Kleber der Feuchtigkeit nicht widerstehen und bröckelt ab. Dies kann allerdings, abhängig von der Schichtdicke und dem verwendeten Klebstoff, schon einmal länger dauern.

Sekundenkleber mit Öl entfernen

Wenn wegen des betroffenen Untergrunds weder Chemikalien noch Hitze eingesetzt werden können, sollten Sie einen Versuch mit einem kriechfähigen Öl unternehmen. Geeignet sind beispielsweise raffinierte (nicht kaltgepresste) Speiseöle oder hochreine Paraffinöle (Waffenöl). Das Öl wird großzügig auf die entsprechende Stelle aufgetragen und kann bei ausreichend langer Einwirkzeit die Verklebung ganz oder teilweise unterwandern und eine anschließende mechanische Entfernung des Sekundenklebers erleichtern.

Da Sekundenkleber ins feinste Vertiefungen dringt, ist eine Ölbehandlung langwierig und der Erfolg nicht garantiert, Schäden kann man dabei in der Regel aber auch nicht anrichten. Ein Versuch lohnt sich deshalb.

Sekundenkleber mit Hitze entfernen

Abhängig vom betroffenen Werkstoff kann man auch eine Hitzebehandlung vornehmen. Bei dieser Methode wird der zu reinigende Gegenstand auf mehr als 150 °C erhitzt. Dazu legt man ihn in den Backofen und heizt ihn darin entsprechend auf. Bei größeren Gegenständen lässt sich eine Heißluftpistole einsetzen, wie sie auch zum Entlacken oder zum Formen von Werkstoffen verwendet wird.

Eine Alternative ist das Einweichen in etwa 80 °C heißem Wasser. Dabei wird der verschmutzte Gegenstand längere Zeit in das Wasserbad gelegt. Einfaches Übergießen mit heißem Wasser genügt nicht, deshalb ist diese Methode nur für Gegenstände geeignet, die in einen vorhandenen heizbaren Behälter passen.

In beiden Fällen verliert der Sekundenkleber etwas von seiner Stabilität, was wiederum die mechanische Entfernung unterstützt. Aber Vorsicht: Fassen Sie den heißen Gegenstand nur mit geeigneten Handschuhen an oder verwenden Sie eine Zange.

Praktische Lösungen für knifflige Fälle

Sekundenkleber aus Textilien entfernen

Kleberreste auf Stoff
Beim Entfernen von Sekundenkleber aus Textilien verbleiben häufig Reste zwischen den Fäden, die erst nach mehrfachem Waschen verschwinden.

Da sich der Sekundenkleber um die einzelnen Fasern von Textilien herumlegt, ist die Entfernung hier besonders schwierig. Eine Möglichkeit ist die oben beschriebene Behandlung mit Öl. Bei ausreichend langer Einwirkzeit lässt sich der Kleber oft mit mechanischen Methoden, wie Bürsten oder Abknibbeln, wenigstens oberflächlich soweit von einem Kleidungsstück oder einer Tischdecke entfernen, dass er optisch nicht mehr stört.

Nach der Behandlung sollten Sie mit einem geeigneten Waschmittel und einer mehrmaligen Handwäsche die Ölreste aus dem Stoff waschen, meist entfernen Sie dabei auch noch etwas von den Kleberrückständen.

Die beschriebene Behandlung mit heißem Wasser kann bei Textilien ebenfalls helfen. In diesem Fall muss der Stoff natürlich die notwendige Temperatur von 80 °C aushalten können, ohne dass er Schaden nimmt.

Sekundenkleber von Haut oder Haaren entfernen

Eins vorweg: Sekundenkleber ist nicht gefährlich für die Haut oder die Haare. Er stellt in den meisten Fällen lediglich eine optische Beeinträchtigung dar. Er kann natürlich auch hinderlich sein, wenn etwa zwei Finger miteinander verklebt sind.

Ist mit dem Sekundenkleber nur die Hautoberfläche benetzt worden, ohne dass es Verklebungen gibt, kann man in aller Regel einfach abwarten. Die oberste Hautschicht erneuert sich fortwährend, sodass sich spätestens nach zwei Tagen die Kleberreste von alleine ablösen oder sich einfach abziehen lassen.

Wer nicht so viel Geduld aufbringt, kann betroffene Finger in warmer Seifenlauge baden und die Reste des Klebers vorsichtig von der aufgeweichten Haut rubbeln. Eine am Rand der Verklebung aufgetragene fette Hautcreme kann diesen Prozess unterstützen.

Sekundenkleber auf der Haut
Ein Sekundenkleber-Fleck auf der Hautoberfläche ist nicht schön, aber kein Drama. Nach einigen Tagen hat er sich von selbst gelöst.
Creme um den Fleck herum auftragen
Wer die mechanische Entfernung nach der Behandlung mit Öl oder Seifenwasser unterstützen möchte, kann um den Fleck herum eine fetthaltige Creme auftragen und einwirken lassen.

Sind Finger miteinander verklebt, kann man natürlich ebenfalls abwarten oder das mechanische Lösen der Verklebung mit einem Seifenlaugen- oder Ölbad unterstützen. Wenn man sich nicht recht daran herantraut, die Verklebung aber schnell beseitigt werden soll, ist der Besuch beim Hausarzt empfehlenswert. Versuchen Sie in keinem Fall, die Verklebung mit Gewalt zu lösen, das führt schnell zu Verletzungen.

Gefährlich: Auf den Augenlidern

Detail Auge
Die Augenpartie ist durch Sekundenkleber in hohem Maße gefährdet. Hier bleibt kein Raum für Experimente.

Wie auch immer man es geschafft hat: Wenn Sekundenkleber an Augenlider und Wimpern gerät, ist guter Rat teuer und keine Zeit mehr für Experimente. Am besten begibt man sich in diesem Fall sofort in die Notaufnahme eines Krankenhauses oder in die nächstgelegene Augenarzt-Praxis, dort ist man für solche Fälle vorbereitet.

Mit Aceton oder ähnlichen Chemikalien sollte man sich nicht einmal in die Nähe des Auges begeben, die Verletzungs- und Erblindungsgefahr ist sehr groß. Cyanacrylat ist sehr gefährlich für die Hornhaut des Auges und muss so schnell wie möglich durch einen Arzt entfernt werden!

Sekundenkleber von Glasscheiben entfernen

Glasschaden mit Ausmuschelungen
Das muschelförmige Abplatzen von Glasschichten wird als Ausmuschelung bezeichnet.

Sekundenkleber findet auf Glasscheiben ideale Bedingungen vor: Die meist perfekt glatte Oberfläche bietet dem Klebstoff die sofortige Möglichkeit zu einer satten, flächendeckenden Anhaftung. Da sich Luftfeuchte nahezu immer an Glas niederschlägt, zumal wenn es kalt ist, wird dieser Effekt noch verstärkt. Dies kann dramatische Folgen haben: Durch die starke Zusammenziehung des Materials können Kräfte frei werden, die das Glas brechen und "ausmuscheln" lassen.

Daher sollte mit Sekundenkleber nur auf trockenen Glasflächen gearbeitet werden – Vorsicht und Sorgfalt im Vorfeld sind bei Glas meist der einzig sinnvolle Schutz vor nicht mehr behebbaren Schäden, denn Chemikalien oder Öl wirken hier in der Regel nicht, und die mechanische Entfernung verbietet sich ebenso wie eine Hitzebehandlung wegen des empfindlichen Materials.

Wichtiger Warnhinweis

Bei Kontakt mit Sekundenkleber im Augenbereich ist sofort ein Arzt hinzuzuziehen. Je nach Schwere und Art der Verklebung ist auch der Einsatz eines Krankenwagens gerechtfertigt. Sekundenkleber darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern gelangen!

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Bildnachweis
1. "sekundenkleber am auge": © Christian Sperling - sperlinghaan.de
2. "Arbeiten mit Sekundenkleber": Henkel Pattex
3. "Sekundenkleber auf Stoff": © Hans Altmeyer - altmeyertext.de
4. "Sekundenkleberfleck wässern": © Hans Altmeyer - altmeyertext.de
5. "Kleberreste auf Stoff": © Hans Altmeyer - altmeyertext.de
6. "Sekundenkleber auf der Haut": © Hans Altmeyer - altmeyertext.de
7. "Creme um den Fleck herum auftragen": © Hans Altmeyer - altmeyertext.de
8. "Detail Auge" (Eye iris.jpg) von Petr Novák, Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 2.5, skaliert, beschnitten
9. "Glasschaden mit Ausmuschelung": HUK-Coburg Pressemeldung

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