Fliesenkleber

Über 60 Prozent der Fliesen und Platten werden am Boden verlegt und müssen besonderen Anforderungen genügen. Speziell für diese Ansprüche wurde ein Spezialkleber entwickelt – leicht verarbeitbar, hoch belastbar, frostsicher und umweltfreundlich. Starke Temperaturschwankungen im Außenbereich, hohe Gewichtsbelastungen auf großen Bodenfliesen und Fußbodenheizung im Wohnraum erfordern spezielle Klebereigenschaften.

Beim Verlegen von Bodenfliesen gelten andere Regeln als bei Wandfliesen. Der Kleber ist meist kunststoffvergütet, mittelflexibel und je nach zugegebener Wassermenge von standfest bis fließfähig einstellbar. Die variable Einstellbarkeit verleiht dem Spezialkleber beste Eigenschaften: Selbst großformatige Bodenfliesen lassen sich vollsatt verlegen. Dies bedeutet optimale Frostsicherheit, ideale Wärmeübertragung bei Fußbodenheizungen und außerordentliche mechanische Belastbarkeit der Fliesenfläche.

Für alle Untergründe

Mit den richtigen Eigenschaften und der richtigen Vorbereitung, kann fast jeder Untergrund gefliest werden. Wichtig ist, dass er tragfähig ist und nicht federt oder in anderer Art seine Form verändern kann. Es sollte bedacht werden, dass Fliesen hart sind und eine spröde Oberfläche ergeben. Bewegt sich der Untergrund, können diese Bewegungen nur minimal durch den Einsatz von flexiblen Fliesenkleber und Fugenmörtel ausgeglichen werden. Bei stärkeren Bewegungen werden Fugen reißen und die Fließen platzen. Sind keine Bewegungen zu befürchten, kann der Untergrund auch gefliest werden.

Einteilung der Fliesenkleber

Je nach Anwendungsbereich, Untergrund und geforderten Eigenschaften, werden Fliesenkleber in drei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt und gekennzeichnet.

C – Zementäre Fliesenkleber

Flexibler Fliesenkleber

Der Zementkleber oder Dünnbettmörtel ist der gebräuchliste Fliesenkleber im Heimwerkerbereich. Er enthält einen großen Anteil an Zement und wird zur Verarbeitung nur gut mit Wasser vermischt. Er eignet sich für die Verlegung auf einfachen Untergründen, wie Estrich, Putz oder Beton. Damit ist er die optimale Wahl bei üblichen Ausbau- und Renovierungsmaßnahmen.

Bei der Bezeichnung wird zwischen C1 und C2 unterschieden. Diese Zahl sagt etwas über die Haftfestigkeit aus. Sie wird unter verschiedenen Bedingungen, wie Wärme, Nässe oder Temperaturwechsel geprüft. Während C1-Kleber überall eine Mindesthaftfestigkeit von 0,5 N/mm² vorweisen müssen, wird bei C2-Klebern 1 N/mm² gefordert.

Flexibler Dünnbettmörtel

Der flexible Dünnbettkleber oder auch Flexkleber genannt, bildet eine Sonderform der Zementkleber. Durch Zugabe von Kunststoffen wird auch im ausgehärtetem Zustand eine gewisse Flexibilität erreicht. Daher wird er dort eingesetzt, wo leichte Bewegungen zu erwarten sind. Dieses können wärmebedingte Ausdehnungen bei einer Fußbodenheizung oder wetterbedingte Temperaturänderung im Freien sein. Auch bei leicht arbeitenden Untergründen, wie Gipskarton oder Faserzementplatten kommt Flexkleber zum Einsatz. Der flexible Dünnbettmörtel wird in zwei Klassen eingeteilt, welche mit S1 und S2 leichte und stärkere Flexibilität angeben.

D – Dispersionskleber

Dispersionskleber sind fertige Kleber, welche nicht erst gemischt werden müssen und durch Trocknung von gelösten Kunststoffen abbinden. Sie weisen auch auf glatten Oberflächen eine hohe Klebekraft auf und verbinden diese mit einer sehr guten Flexibilität. Daher finden sie ihre Anwendung vor allem auf Untergründen, wie Hartschaum- und Gipskartonplatten. Nachteilig ist allerdings die längere Abbindezeit. Dadurch müssen feuchtigkeitsempfindliche Untergründe vorbehandelt und gegen ein Aufweichen geschützt werden. Ebenso finden Dispersionskleber nur bei dem Fliesen von Wänden ihren Einsatz, da die längere Abbindung eine weitere Bearbeitung verzögert. Aufgrund ihrer Frostempfindlichkeit, können Dispersionskleber nicht im Außenbereich eingesetzt werden.

Diepersionskleber werden nach ihrer Scherfestigkeit in D1 und D2 unterschieden. D2-Kleber weisen auch bei erhöhter Temperatur und Feuchtigkeit eine höhere Scherfestigkeit auf.

R – Reaktionsharzklebstoffe

Reaktionsharzklebstoffe sind Zweikomponentenkleber auf Epoxidharz- oder Polyurethanbasis. Sie reagieren und härten durch das Vermischen zweier Komponenten aus. Dabei bilden sie einen hochflexiblen und auch gegen viele Chemikalien resistenten Klebstoff, der zusätzlich auf sehr glatten Oberflächen, wie Glas oder Stahl, eine gute Haftung findet. Anforderungen, die im privaten Bereich selten gefordert sind. Mit der richtigen Verfugung bilden sie aber eine absolut wasserdichte, flexible und chemikalienresistente Oberfläche, die in Laboren, Großküchen oder anderen gewerblich genutzten Räumen ihre Anwendung findet.

Wie Dispersions- und Zementkleber, werden auch Reaktionsharzkleber in unterschiedliche Klassen unterteilt. R1 und R2 geben mittlere und gehobenere Scherfestigkeit an.

Normbezeichnung von Fliesenklebstoffen

Neben den Kennzeichnungen der unterschiedlichen Einteilung von Fliesenklebern, gibt es zusätzliche Kennzeichnungen der Eigenschaften. Diese müssen geprüft werden und sind in der Norm DIN EN 12004 festgelegt.

Beispiel C1EF

C1EF
Bezeichnung des Klebers Anforderung besondere Eigenschaften
C – Zementkleber 1 – normal F – Fast setting (schnelles Abbinden)
D – Dispersionskleber 2 – gehoben T – Thixotrop (geringes Verrutschen)
R – Reaktionsharzkleber E – Extended open time (lange offen)

Fliesenkleber für spezielle Anwendungen

Fließbettkleber

Fließbettkleber ist ein Zementkleber, welcher als zähe Masse auf die zu verlegende Fläche gegossen wird. Ein Durchkämmen mit einer Zahnkelle ist nicht nötig und es entsteht eine vollflächige Verlegung, welche gerade im Außenbereich von Vorteil ist.

Fliesenkleber für Naturstein und Glasmosaik

Inhaltsstoffe im Fliesenkleber können Natursteine verfärben und bei Glasfliesen zu Trübungen führen. Daher sollte bei diesen Materialien nur spezieller Fliesenkleber zum Einsatz kommen.

Mittelbettmörtel

Mittelbettmörtel sind, wie Zementmörtel, hydraulisch aushärtend und eignen sich für sehr unebene Untergründe. Maximal lassen sich mit weiteren Zusätzen bis zu 50 mm Höhenunterschiede ausgleichen.

Dickbettmörtel

Wie der Name bereits sagt, werden Fliesen damit in einem dicken Bett verlegt. Dickbettmörtel findet hauptsächlich bei der Verlegung von Natursteinen und Natursteinplatten in unterschiedlichen Stärken Verwendung.

Die richtige Grundierung vor der Fliesenverlegung

Untergrundbehandlung vor der Fliesenverlegung

Feuchtigkeit – ob im Innen- oder Außenbereich – ist der häufigste Verursacher von Schädigungen der Wand- und Bodenbeläge sowie der darunter liegenden Untergründe. Gerade in Nassräumen ist ein geeignetes Abdichtsystem erforderlich, um empfindliche Untergründe dauerhaft vor Feuchtigkeit zu schützen. Bei stark saugenden und nicht saugenden Untergründen ist vor der Abdichtung eine Grundierung erforderlich. Der Tiefengrund verfestigt den Untergrund, verringert die Saugfähigkeit und gleicht unterschiedlich starkes Saugverhalten aus.

Fliesengrund verschließt die Poren eines saugenden Untergrundes. Dies gilt nicht nur für Porenbeton, sondern ebenso für Untergründe, wie Hochlochziegel, Leichtziegel oder Estrich. Darüber hinaus eignet sich Fliesengrund auch als "Aufbrennschutz" vor dem Auftrag von Gips-, Kalk- und Zementputzen.

Untergrund Vorarbeiten Grundierung Kleber
Beton/Betonfertigteile (älter als 6 Monate) Reinigen und lose Teile entfernen Tiefengrund Zementäre Dünnbettmörtel, Dispersionskleber
Gips-, Kalk-, Zementputze Einlagiger Putz min. 10 mm dick, Feuchtigkeitsgehalt max. 1 %, ebene Oberfläche nicht geglättet Tiefengrund Zementäre Dünnbettmörtel, Dispersionskleber
Kunststoffputze Gründlich reinigen ohne Flexkleber, andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe; Dispersionskleber
Gips, Gipsfaserplatten Reinigen Tiefengrund Zementäre Dünnbettmörtel, Dispersionskleber
Holz/Spanplatten (wasserfest) Feuchtigkeitsgehalt nicht über 6 %, lose Teile anschrauben, reinigen Holzgrund Flexkleber, andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe, Dispersionskleber
Gas-/Porenbeton Reinigen und lose Teile entfernen Haftemulsion Flexkleber, andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe, hochwertige Dispersionskleber
Alte Fliesenbeläge Seifen-, Fett-, Wachsrückstände mit Intensivreinigern entfernen, evtl. gesamte Wandfläche mit etwas Kleber vorspachteln - trocknen lassen Betonkontakt - zementäre Dünnbettmörtel, hochwertige Dispersionskleber - ohne Grundierung Flexkleber, andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe, hochwertige Dispersionskleber
Tragende, wasserfeste Anstriche Mit Drahtbürste oder Schmirgelpapier kräftig aufrauhen und reinigen. Nicht wasserfeste Anstriche entfernen ohne Flexkleber, andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe, hochwertige Dispersionskleber
Betonböden/Fertigbetonteile Reinigen und lose Teile entfernen Tiefengrund Zementäre Dünn-, Mittelbettmörtel
Zementestriche/Fließestriche Reinigen und lose Teile entfernen Tiefengrund Zementäre Dünn-, Mittelbettmörtel
Heizestriche auf Fußbodenheizung Untergrund gut trockenheizen - Restfeuchtemessung (1% CM) durchführen - reinigen und lose Teile entfernen Tiefengrund Flexkleber, Mittelbettmörtel bzw. andere zementäre Dünnbettmörtel mit Elastzugabe
Trockenunterboden Reinigen und lose Teile entfernen Tiefengrund Flexkleber, andere zementäre Dünn und Mittelbettmörtel mit Elastzugabe
Gußasphalt- Estrich Reinigen und lose Teile entfernen Haftemulsion Flexkleber, andere zementäre Dünn- und Mittelbettmörtel mit Elastzugabe

Grundsätzlich können Fliesen auf fast jedem Untergrund im Dünnbett-Verfahren verlegt werden, egal ob es sich um Estriche, Beton, Holzdielen, Spanplatten oder alte Fliesen handelt. Voraussetzung ist jedoch immer ein ebener, tragfähiger Untergrund, der keine durchgehenden Risse aufweist. Außerdem muss er frei von Stoffen, wie Fett, Staub, Ausblühungen und anderen losen Bestandteilen sein, die eine Haftung des Klebers beeinträchtigen. Alte Anstriche müssen entfernt, Unebenheiten verspachtelt oder mit selbstverlaufender Spachtelmasse ausgeglichen werden. Auch stark saugende Untergründe können die Haftung des Klebers herabsetzen.

Zahngröße und Verbrauch von Fliesenkleber

Je nach Fliesengröße, richtet sich die Größe der Zahnkelle. Während bei kleinen Mosaikfliesen eine sehr kleine Zahnung zum Einsatz kommt, benötigen gerade moderne großformatige Fliesen eine Zahnung bis zu 10 mm. Bei einer großen Zahnung wird auch mehr Fliesenkleber aufgetragen und der Verbrauch kann sich deutlich erhöhen. Viele Hersteller geben dazu einen Richtwert auf der Verpackung an. Dieser kann durch unterschiedliche Haltung der Zahnkelle allerdings abweichen.

Kantenlänge der Fliese empfohlene Zahngröße durchschnittlicher Verbrauch
bis 50 mm 3 mm 1,5 kg/m2
50 mm bis 100 mm 4 mm 1,8 kg/m2
101 mm bis 200 mm 6 mm 2,2 kg/m2
201 mm bis 250 mm 8 mm3,0 kg/m2
251 mm bis 500 mm 10 mm3,7 kg/m2

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Heimwerker.de-Redaktion , d. 13-08-15 07:03:

Hallo,

bei solchen speziellen Fragen helfen unsere Experten im Heimwerker.de-Forum gerne weiter. Du erreichst es über den Link in der hellblauen Box am Ende der Seite.

Viele Grüße,
Dein Team von heimwerker.de

Bob der Baumeister , d. 12-08-15 17:22:

Ich verwende hochwertigsten Flexkleber, und lege immer nur ein paar Bodenfliesen auf einmal. Dabei bleibt meist ein Kleber übrig, und da ich gleichzeitig ein paar Millimeter nivelliere möchte ich diesen nicht wegwerfen, sondern schon für die nächsten Fliesen gezahnt auftragen. Nach dem Trocknen möchte ich also dann darauf wieder mit der nächsten Menge frischem Flexkleber weitermachen. Haftet dieser dann einwandfrei, oder müsste ich erneut dort grundieren?
Kurz und vereinfacht gesagt: Haftet Fliesenkleber auf Fliesenkleber, der einen Tag vorher aufgebracht wurde?

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Bildnachweis
1. "Fliesenkleber": © Henkel Ceresit (Pressemeldung)
2. "Flexibler Fliesenkleber": © Henkel Ceresit (Pressemeldung)
3. "Eckbadewanne mit Gewebeputz": © Riccardo Düring - heimwerker.de

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