Heizungswasser nachfüllen

Heizungswasser nachfüllen

Eine Heizung benötigt zur Wärmeweitergabe Wasser, welches aufgeheizt und durch das Heizungssystem gepumpt wird. Fehlt dieses Wasser, kann die Wärme nicht transportiert und im Heizkörper abgegeben werden. Doch warum benötigt die Heizanlage dafür einen Betriebsdruck?

Eigentlich benötigt eine Heizanlage keinen Druck, dieser ergibt sich automatisch durch das Gewicht des Wassers und der Höhe der gesamten Heizanlage – zwischen Manometer und höchsten Punkt der Heizung. Je einem Meter Höhenunterschied entsteht ein Druck von 0,1 bar. In einem Haus mit einer Gesamtleitungshöhe von 6 m ergibt sich somit ein Druck von 0,6 bar. Wird dieser erreicht, ist garantiert, dass die Wassersäule auf einer Höhe von 6 m steht. Das Beispiel zeigt, dass es keinesfalls Pauschalwerte für jede Heizungsanlage gibt. Zwar wird häufig ein Wert von 1,5 bar empfohlen, das ist jedoch nur ein Mittelwert, der in Einfamilienhäusern weitestgehend funktioniert.

Welcher Mindestdruck wird benötigt?

Sinn des richtigen Drucks der Heizanlage ist die Garantie, dass das Wasser wirklich den obersten Punkt der Heizung erreicht. Daher ist es wichtig den Höhenunterschied zwischen Manometer und Heizungshöhe zu kennen. Diese Höhe in Metern wird mit dem Faktor 0,1 multipliziert und ergibt den Druck, den das Wasser bei einem offenen System erreicht. Notfalls lässt sich dieser Wert auch ohne bekannte Höhe ermitteln. Dazu wird der Heizkreislauf an der höchsten Stelle so lange geöffnet, bis kein Wasser mehr austritt. Der jetzt angezeigte Druck zeigt den Mindestdruck an, der entsteht, wenn die Heizung bis zum obersten Punkt mit Wasser gefüllt ist. Rein theoretisch würde dieser so ermittelte Druck ausreichend sein.

In einem Haus mit drei Etagen zu je 3 m entspräche der Druck in etwa 0,6 bar. Der Wert ergibt sich aus 2 m in der ersten Etage, da das Manometer vermutlich nicht auf dem Boden liegt, sonder in etwa 1 m Höhe angebracht ist. Die zweite Etage wird durchgängig mit 3 m gezählt, da die Wassersäule durchweg bis zur dritten Etage steht, in der sich die Heizungsoberkante bzw. der höchste Punkt in etwa 1 m Raumhöhe befindet. Zusammen ergeben sich somit 6 m Höhenunterschied – der Wert kann natürlich den Umständen entsprechend variieren. Das Rechenbeispiel zeigt jedoch, dass ein deutlich höherer Wasserdruck wenig Sinn macht und die Heizanlage unnötig belastet.

Höhenunterschied zwischen Manometer und höchstem Punkt der Heizung mit 0,1 multipliziert = benötigter Mindestdruck.

Welche Rolle spielt das Ausdehnungsgefäß?

Wasser dehnt sich – wie viele andere Stoffe – bei Erwärmung aus. Da sich Wasser jedoch nicht zusammendrücken lässt, würde diese Ausdehnung zu einem enormen Überdruck führen, der die Heizanlage beschädigen kann. Das Ausdehnungsgefäß ist in der Lage den Überdruck auszugleichen.

Ausdehnungsgefäße bestehen aus einem luftdichten Metallbehälter, in dem sich eine Gummiblase befindet, die sich bei der Ausdehnung des Wassers füllt. Das Luftpolster zwischen Gehäuse und Gummiblase bietet Platz, um die Ausdehnung der Blase aufzunehmen. Ein voreingestellter Luftdruck im Gehäuse ermöglicht es zusätzlich den Wasserdruck im Heizkreislauf konstant zu halten. Beträgt der Luftdruck im Behälter beispielsweise 1,5 bar, wird jeder entgegengesetzte Wasserdruck von über 1,5 bar aufgenommen und der Druck im Heizkreislauf konstant bei 1,5 bar gehalten.

Doch wie hoch sollte der voreingestellte Druck im Ausdehnungsgefäß sein? Im Beispiel wurde gezeigt, wie sich der Mindestdruck der Heizanlage errechnen lässt. Je Meter Höhenunterschied in der Heizungsanlage wird 0,1 bar benötigt. Zur Sicherheit wird auf den erforderlichen Mindestdruck 0,3 bar aufgeschlagen. Beträgt der Mindestdruck beispielsweise 0,6 bar, ergibt sich daraus ein benötigter Luftdruck im Ausdehnungsgefäß von 0,9 bar. Die Druckkontrolle im Ausdehnungsgefäß muss bei offener, druckloser Heizanlage erfolgen!

Viele Manometer besitzen bereits grüne und rote Markierungen, die einen sinnvollen Betriebsdruck kennzeichnen. Dieser liegt zumeist zwischen 1 und 1,5 bar, was durchaus auch für einen niedrigeren benötigten Mindestdruck genutzt werden kann. Dennoch ist Vorsicht geboten. Je größer die Heizanlage ist und je mehr Wasser sich im System befindet, desto mehr dehnt sich dieses Wasser aus. Ist der voreingestellte Betriebsdruck zu groß, kann das Ausdehnungsgefäß den Überdruck nicht mehr ausgleichen und der Druck im Heizsystem steigt an.

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Heizungswasser nach VDI-Richtlinie 2035 aufbereiten

Anlage zur Aufbereitung des Heizungswassers

Wer seine Heizung mit Leitungswasser auffüllt, muss – je nach Wasserhärte – schlimmstenfalls mit Funktionsschäden rechnen. Die im Wasser enthaltenen Mineralien, wie Calcium und Magnesium, führen zu Kalkablagerungen in den Rohren und Heizkörpern, infolgedessen die Energie nicht mehr ungehindert übertragen wird und die Heizung nicht ausreichend warm wird. Zusätzlich können das im Leitungswasser enthaltene Sulfat und Chlorid zu weiteren Funktionsstörungen führen – im schlimmsten Fall zum Ausfall der Heizung. Zudem gefährdet Heizungswasser, das nicht der VDI Richtlinie entspricht, die Garantie- und Gewährleistungsansprüche.

Zur Vermeidung von Schäden gelten gemäß der VDI Richtlinie 2035 Grenzwerte für den pH-Wert und die Wasserhärte des Heizungswassers. Werden diese von dem normalen Leitungswasser überschritten, ist eine Wasseraufbereitung unumgänglich. Hierzu bieten Hersteller verschiedene Lösungen, z. B. eine Systemaufbereitungsanlage, die das Heizungswasser im bestehenden Wasserkreislauf aufbereitet, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Darüber hinaus sind Geräte zur Entmineralisierung und automatische Heizungsbefüllstationen erhältlich.

Heizungsbefüllung nach EN1717

Seit 01. August 2011 ersetzt die Europanorm DIN EN 1717 die zuvor geltende DIN 1998, Teil 4. Die neue Verordnung legt fest, dass bei einer Schlauchverbindung zwischen den Heizungsbefüllstutzen und dem Wasserhahn (oder einer anderen trinkwasserführenden Armatur) ein Systemtrenner zum Einsatz kommen muss. Dieser Systemtrenner verhindert, dass Heizungswasser nach dem Befüllen zurückfließt bzw. zurückgesogen wird und Keime sowie sonstige gesundheitsgefährdende Stoffe in das Trinkwasser gelangen. Infolgedessen ist der durch die alte DIN 1988, Teil 4 erlaubte kurzzeitige Anschluss nicht mehr zulässig.

Bei den Systemtrennern unterscheidet man zwischen der Klasse BA und CA: Systemtrenner BA gehören nach EN1717 zur Gruppe B und sind mit einem Kammersystem mit kontrollierbaren Druckzonen ausgestattet, die das Rückfließen oder Rücksaugen des Heizungswassers in das Trinkwassernetz verhindern. Sie dienen zur Absicherung bis einschließlich der Flüssigkeitskategorie 4, also Heizungswasser mit Inhaltsstoffen.

Dagegen werden Systemtrenner CA der Gruppe C zugeordnet. Sie besitzen ebenfalls drei Druckzonen, dürfen jedoch nur zur Befüllung bis einschließlich Flüssigkeitskategorie 3, also Heizungswasser ohne Inhaltsstoffe, verwendet werden.

Montage des Systemtrenners:

Bevor der Systemtrenner BA oder CA in Betrieb genommen wird, sollte die Rohrleitung gründlich durchgespült werden. Anschließend wird das Trennmodul waagerecht unter Berücksichtigung der Fließrichtung installiert. In beiden Fällen sollte die Montage spannungsfrei erfolgen. Außerdem sind die Montagehinweise des Herstellers zu beachten.


Heizungswasser nachfüllen nach DIN 1988, Teil 4

1. Vor der Befüllung der Heizungsanlage mit Wasser sollten Sie die Pumpe abschalten und alle Ventile der angeschlossenen Heizungen komplett öffnen.

2. Um das fehlende Wasser im Heizungssystem wieder nachzufüllen, schließen Sie einen normalen Zulaufschlauch an den Stutzen der Heizungsanlage und an einem Wasseranschluss an. Drehen Sie die Verbindung am Auffüllstutzen noch nicht ganz fest, sodass enthaltene Luft entweichen kann.

3. Drehen Sie zunächst den Wasserhahn am anderen Ende des Schlauches vorsichtig auf, und lassen das Wasser so lange laufen, bis der Schlauch vollständig mit Wasser gefüllt ist und keine Luft mehr enthält. Ein Eimer oder eine Schüssel fängt das austretende Wasser am lockeren Auffüllstutzen auf.

4. Schließen Sie nun den Schlauch  fest an die Heizanlage an und öffnen Sie das Ventil am Wasserhahn, sodass der Anschlussschlauch unter Druck steht. Unter genauer Beobachtung des Manometers kann nun das Ventil am Auffüllstutzen geöffnet und die Heizanlage gefüllt werden.

5.  Der angezeigte Wasserdruck steigt so lange, bis der voreingestellte Luftdruck im Ausdehnungsgefäß erreicht ist. Mehr Wasser darf nicht aufgefüllt werden. Da das Ausdehnungsgefäß weiteren Druck ausgleichen würde, und somit nicht mehr anzeigt, wenn zu viel Wasser eingefüllt wird, muss genau der Punkt abgepasst werden, an dem der Zeiger des Manometers stehen bleibt. Optional kann das Ausdehnungsgefäß auch mit einem Kugelhahn getrennt werden. Auch in diesem Fall sollte nicht mehr Wasser aufgefüllt werden, bis der eingestellte Luftdruck am Ausdehnungsgefäß erreicht ist. Ein zu hoher Wasserdruck würde in diesem Fall jedoch vom Manometer angezeigt werden.

6. Ist der erforderliche Betriebsdruck erreicht und wurde gegebenenfalls das Ausdehnungsgefäß wieder geöffnet, kann die Heizungsanlage in Betrieb genommen werden. Lassen Sie hierzu alle Thermostatventile geöffnet und das Wasser ein paar Minuten durch die Heizkörper strömen. Es ist nicht erforderlich, das Wasser dabei aufzuheizen.

7. Durch den kurzen Betrieb wurde das gesamte Wasser in Bewegung gesetzt und eventuell enthaltene Luft sollte sich in den Heizkörpern gesammelt haben. Jetzt ist es wichtig alle Heizkörper zu kontrollieren und zu entlüften. Entweicht dabei etwas Luft oder Wasser, muss der Druck am Manometer kontrolliert und bei Bedarf erneut Wasser aufgefüllt werden.

Zulaufschlauch am Auffüllstutzen
Zulaufschlauch am Auffüllstutzen
Zulaufschlauch am Wasserhahn
Zulaufschlauch am Wasserhahn
Manometer beobachten
Manometer beobachten

Tipp: Nach der Befüllung der Heizungsanlage kann es nötig sein, die Heizung zu entlüften. Neu eingefülltes Heizungswasser gast in den ersten Tagen stark aus. Dadurch bilden sich Luftpolster und das Heizungswasser fängt an zu gluckern. Kontrollieren Sie daher nach einigen Tagen erneut den Betriebsdruck.

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Fine , d. 27-03-17 09:56:

Vielen Dank für den Beitrag. Ich denke gerade wenn es um das Thema Heizung geht und man Probleme hat, sollte man sich wohl immer lieber an einen Fachmann wenden. Wir wollen dieses Jahr nun auch unsere Heizung sanieren und sind auch schon auf der Suche nach einer Firma im Sanitärbereich.

Heimwerker.de-Redaktion , d. 08-11-13 16:41:

Hallo,

vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die geltende DIN EN 1717 zur Heizungsbefüllung im Beitrag aufgenommen und ihn um Montagetipps für den vorgeschriebenen Systemtrenner ergänzt.

Viele Grüße,
die Heimwerker.de-Redaktion

Legionelle2013 , d. 08-11-13 15:28:

Wollt Ihr Euch strafbar machen mit dem Bericht ?


Lest mal EN 1717
und löscht das...

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