Dampfreinigung: Richtig reinigen mit Dampf

Dampfreiniger in der Anwendungspraxis

Dampfreiniger werden von der Werbung gerne als hygienische Alleskönner dargestellt. Dies sind sie erwiesenermaßen nicht. Dennoch können sich mit Dampf viele Materialien schonend und schnell reinigen lassen, die man eigentlich gar nicht mit einem Dampfreiniger in Verbindung bringen würde.

In unserem Artikel zeigen wir Möglichkeiten und Grenzen der schonenden und chemikalienfreien Reinigung mit Dampf auf und geben praktische Tipps für hygienische und schnelle Reinigungsergebnisse.

Stellen wir uns ganz dumm: Was ist eigentlich Dampf?

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Im Sinne des Filmklassikers "Feuerzangenbowle" wollen wir der Sache mit dem Dampf mal gründlich auf den Grund gehen. Dass Dampf Kraft hat, weiß man seit der Erfindung der Dampfmaschine, die in riesigen Maschinen wie Lokomotiven oder Dampfschiffen hunderte von Tonnen bewegen kann. 

Dampf ist der dritte Aggregatzustand eines Elements. Nach fest, bei Wasser 0 °C, kommt von 0 bis 100 °C flüssig, danach verdampft das Element. Wird der ab 100 °C entstehende Dampf zusätzlich unter Druck gesetzt, wie im Dampfreiniger, so wird er deutlich heißer.

Im Dampfreiniger sind bis zu 150 °C möglich – ohne Zusätze, nur mit Druck und Hitze.

Technisch spricht man von sogenannten "Heißdampf". Dieser verlässt zischend und mit hoher Geschwindigkeit die Austrittsdüse des Dampfreinigers. Die einzelnen Dampfmoleküle werden mit hoher Geschwindigkeit in einem heißen Strahl herausgeschossen. Dringen diese schnellen Moleküle nun in die Poren eines Materials ein, reißen sie den Schmutz heraus.

Da die Dampfmoleküle nun wieder am kühlen Boden kondensieren, bildet sich erneut flüssiges Wasser, welches den Schmutz fortreißt (siehe Bild). Auf diese Weise kommt die Dampfreinigung ohne chemische Zusatzstoffe aus – nicht aber ohne eine gewisse mechanische Reibwirkung.

Textilreinigung mit Dampfreinigern: Nicht immer erfolgreich

Textilreinigung mit Dampfreinigern ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Manchmal ist sie sogar für die Textilien schädlich. Unser Testobjekt ist ein durch Witterungseinflüsse, Großstadtluft und Algenablagerungen verschmutzter, ehemals heller Sonnenschirm.

Schon bei der Prüfung des Materials kommen uns Bedenken: Der Schirm ist aus einer Kunstfaser gefertigt – ob diese den über 100 °C heißen Dampf aus der Düse schadlos überstehen kann? 

Wir setzen den Kärcher SC 3000 erneut ein, zunächst mit der Handdüse ohne zusätzliche Aufsätze. Außer Dampf und einer stückweisen Durchfeuchtung des Gewebes sind keine Fortschritte erkennbar, allerdings verformt sich der Stoff. Mögliche, bleibende Beulen im Material könnten die Folge sein – diese Dampfreinigung brechen wir ab.

Infolge der möglichen Verformung des Materials kommt der heiße, konzentrierte Strahl der Intensivdüse nicht in Frage. Wir entscheiden uns daher für die kleine Punktstrahlbürste.

Diesem Versuch ist schon mehr Erfolg beschieden: Der Stoff wird zum ersten Mal spürbar gereinigt, allerdings sind auch hier schnell Verformungen festzustellen. Zudem ist die Arbeit sehr, sehr mühsam. Der Schirm ist groß, die Verschmutzung stark – die Düse in der Größe einer 1-Euro-Münze hätte lange zu schrubben. Auch die Furcht vor unschöner Faltenbildung lässt uns den Versuch abbrechen.

 

Fazit: Eher nicht geeignet für Kunstfaser-Textilien

Glasreinigung mit Dampf

Glasreinigung mit Dampf ist eigentlich das klassische Einsatzfeld für Dampfreiniger. Die Oberfläche ist glatt, der Dampf kann optimal wirken. Unsere Testglasfläche ist ein von Umwelteinflüssen und nachlässiger Pflege verschmutzter Glastisch. Seine leicht schmierige Oberfläche wollen wir mit dem Dampfreiniger und einem speziellen Aufsatz bearbeiten.

Der Aufsatz ist schnell montiert, es handelt sich um die bereits aus dem Bodenreinigungstest bekannte, mittelgroße Handbürste. Diese wird mit dem Bajonettverschluss einfach auf das Handgerät aufgesteckt und eingerastet. Den Clou für die Flächenreinigung stellt nun der "Frotteeüberzug" dar: Er schmiegt sich mit einem Gummizug fest an die Düse an.

Natürlich ist der Überzug dampfdurchlässig: Der feine, heiße Dampf dringt durch die Fasern des Materials und säubert so die Glasfläche von Partikeln, Schlieren, Ruß und biologischen Ablagerungen in Form von Algen oder Tierausscheidungen. 

Schnell kommen wir zu einem Ergebnis: Der Überzug ist stark verschmutzt, ein eindrucksvoller Beleg für die Reinigungswirkung. Der Tisch hingegen ist strahlend sauber und schlierenfrei. Hier funktioniert die Dampfreinigung, wie auch an Außen- und Innenfenstern, also ausgezeichnet.

 

Fazit: Für schonende Glasreinigung absolut empfehlenswert!

Dampfreiniger für Laminat?

Laminatboden: Aufbau und Beschädigungen | Klicken zum Vergrößern

Laminat ist, speziell bei weniger hochwertigen Sorten, eine empfindliche Sache. Technisch gesehen handelt es sich um einen Verbundwerkstoff, der aus verschiedenen Materialien zusammengepresst wird. Die oberste Lage, das sichtbare Holzdekor, ist dabei von einer mehr oder minder schützenden Lage aus Kunststoff bedeckt. 

Je nach Qualität und Hersteller des Laminats kann diese Kunststoffschicht entweder sehr stabil und langlebig oder auch sehr dünn und filigran sein. Allen Laminaten ist aber eines gemeinsam: Sie vertragen kein Wasser, insbesondere nicht in den Fugen und im Trägermaterial. Auch Hitze ist für Laminat Gift: Der Laminierungsprozess findet unter hohem Druck mit hohen Temperaturen statt. Die  verwendeten Verbundstoffe sind somit hitzelöslich und können auch durch Hitze wieder getrennt werden – eine sich lösende Deckschicht ist die Folge.

Da Dampfreiniger mit heißem, feuchten Dampf arbeiten liegt das Problem auf der Hand: Wer mit voller Dampfleistung sein Laminat regelrecht schrubbt und durchfeuchtet, muss sich über brüchige, aufgelöste Fugenkanten nicht wundern. Daher sollte mit äußerster Vorsicht auf Laminatböden vorgegangen werden. Faustregel: So wenig Dampf und Feuchtigkeit wie möglich. Als Alternative bietet sich hier, nach wie vor, am besten ein nur leicht feuchtes Wischtuch an. "Nebelfeucht" aufgetragen dringt die Flüssigkeit nicht in die Fugen ein und kann schadlos verdunsten.

 

Fazit: Dampfreiniger besser nicht für Laminat verwenden. Im Zweifelsfall den Laminathersteller kontaktieren.

Dampfreinigung von Pflanzen

Grünpflanzen in Wohn- und Bürohäusern neigen mit der Zeit zum Verstauben. Die angegrauten Blätter setzen bei jeder Berührung Staubpartikel frei und können auch nicht mehr frei durch die Spaltöffnungen atmen. Die zusätzliche Sauerstoffversorgung durch die Zimmerbegrünung bleibt weitgehend aus, die Pflanze leidet.

Abhilfe schaffen kann ein sorgfältiges Entstauben der Pflanzen, aber wie? Mit einem Lappen jedes einzelne Blatt zu reinigen ist sehr mühsam, ein Staubsauger richtet wenig Nutzen, dafür umso mehr Schaden an. 

Dampfreinigung kann hier die Lösung sein. Ein vorsichtig geführter Dampfstoß aus dem Dampfreiniger hingegen sorgt für hygienische und staubfreie Sauberkeit der Pflanze: Zunächst wird das Gewächs ins Freie getragen, dann mit kurzen Dampfstößen aus mindestens 30 cm Entfernung von seiner Staubschicht befreit. Die Dampfdüse darf den Blättern auf gar keinen Fall zu nahe kommen, das empfindliche Grün wird sonst regelrecht "dampfgegart". 

 

Fazit: Für Grünpflanzen gibt es bei vorsichtiger Anwendung kaum eine schonendere Methode der Entstaubung!

Reinigen mit Dampf: Gesamtfazit

Nicht alles lässt sich nur mit Dampf reinigen, nicht für jedes Material ist heißer Dampf die schonendste Reinigungsmethode. Dennoch ist ein Dampfreiniger absolut als sinnvolle Ergänzung im Haushaltsinventar anzusehen. Die Fähigkeiten beim Reinigen von Fenstern sind sehr gut, die Reinigung von Topfpflanzen, Fliesen und Grünpflanzen erfolgt ebenso zufriedenstellend. Bei der Reinigung von hitze- und nässeempfindlichen Materialien wie Laminat oder Textilien ist Vorsicht geboten, dennoch lassen sich auch hier gute Ergebnisse erzielen.

Die berühmte "Eierlegende Wollmilchsau" des Hausputzes ist ein Dampfreiniger sicher nicht, aber ein guter und umweltschonender Helfer für bestimmte Bedingungen allemal!

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Bildquellen:

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