Regal bauen mit Pocket Holes (Taschenbohrung)

Regal mit unsichtbaren Taschenbohrungen

Taschenbohrung (von innen)

Ein schönes Regal nach den eigenen Vorstellungen und Maßvorgaben zu bauen ist für Heimwerker eine schöne Aufgabe – allerdings auch eine Herausforderung. Besonders die Eckverbindungen sind beim Bauen von Regalen problematisch:  Eine sichtbare Verschraubung wäre zwar einfach, sieht aber nicht sehr schön aus. Wenn die Verbindung unsichtbar sein soll, ist dies in der Regel mit Aufwand und meist auch mit dem Gebrauch Spezialwerkzeug verbunden.

Pocket Holes als Holzverbinder zum Regale bauen

Eine Lösung für dieses Problem stellen sogenannte „Pocket Holes“, auf Deutsch „Taschenlöcher“ oder „Taschenbohrungen“ dar. In den USA ist diese Art der Holzverbindung sehr beliebt, bei uns jedoch noch weitgehend unbekannt. Diese werden hier am Beispiel des Regalbaus vorgestellt.

Pocket Holes bohren

Pocket Holes sind nichts weiter als abgestufte Bohrlöcher, die in einem sehr flachen Winkel zur Holzoberfläche gebohrt werden. Die dort eingedrehte Schraube verschwindet komplett im Holz. Für die Ausführung dieser Bohrungen wird ein spezieller Stufenbohrer in einer Bohrschablone benutzt. Einfache Schablonen, wie das UndercoverJig von Wolfcraft, kann man schon für ca. 30 Euro kaufen. Profisysteme wie KregJig sind teurer, dafür aber auch besser ausgestattet. 

 

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Holzverbinderset für die Taschenbohrung

Neben der Bohrschablone und dem mitgelieferten Stufenbohrer benötigt man bei dieser Verbindungsart nur noch einen Akkuschrauber oder eine Bohrmaschine, sowie eine Schraubzwinge. Die Profisysteme verfügen zusätzlich über weitere Zubehörteile und Spannvorrichtungen, welche den Regalbau erleichtern. Dazu gehören beispielsweise eine Staubabsaugung, spezielle Zwingen oder ein Schnellwechselsystem für Bohrer und Schrauberbits. Für den Einstieg und gelegentliche Anwendungen sind die einfachen Bohrschablonen in der Regel aber vollkommen ausreichend. 

Werkzeug vorbereiten

Die Handhabung einer solchen Bohrvorrichtung ist sehr einfach und erfordert keine lange Einarbeitungszeit. Die Bohrschablone selbst wird auf die verwendete Materialstärke eingestellt. Vordefinierte Rastpunkte an den Schablonen machen diese Einstellung recht einfach. Ein Tiefenstopp auf dem Bohrer sorgt beim Bau des Regals für eine exakte Bohrtiefe. Auch die Einstellung dieses Tiefenstopps wird anhand der Materialstärke vorgenommen. Zur Erleichterung dieses Vorgangs gibt es hierzu entsprechende Einstellhilfen an den Bohrschablonen. Mit wenigen Handgriffen sind Bohrschablone und Bohrer eingestellt und bereit, das erste Pocket Hole zu bohren.

Bohrschablone fixieren

Bei den einfachen Bohrsystemen wird die Bohrschablone mit einer Schraubzwinge auf dem Werkstück befestigt. Die Profi-Systeme verfügen zusätzlich über Spannhebel, die das Arbeiten schneller und komfortabler machen.

Sobald die Bohrlehre fixiert ist, kann gebohrt werden. Dank Tiefenstopp wird die gewünschte Bohrtiefe exakt gehalten. Eine hohe Bohrdrehzahl sorgt für saubere Lochränder. Die abgebildete Art der Schablonenbefestigung eignet sich auch ideal für große Regalbauteile, die sich aufgrund ihrer Länge nicht aufrecht einspannen lassen. 

Durch das schräg eingebrachte Bohrloch neigen die zu verbindenden Regalteile dazu, sich beim Eindrehen der Schrauben zu verschieben. Daher ist es ratsam, die Werkstücke mit Schraubzwingen so lange zu fixieren, bis die Schraube fest angezogen ist. Wenn die Verbindung nicht mehr lösbar sein muss, kann man Holzleim auftragen, dies gibt zusätzlichen Halt. Auch die verwendete Schraube beeinflusst die Haltbarkeit der Verbindung.

Bei Spanplattenschrauben mit Senkkopf besteht die Gefahr, dass der Schraubenkopf das Holz auseinander drückt und zum Aufreißen bringt. Verwendet man Schrauben mit flachem Kopf, passiert dies nicht. Flachkopfschrauben erzeugen darüber hinaus auch einen höheren Anpressdruck. 

Fertig gebohrte Pocket Holes

Verwendet man die Pocket Holes beim Möbel bauen, achtet man idealerweise darauf, die Bohrlöcher möglichst unauffällig zu platzieren. Bei einem Regal beispielsweise wird der Boden von unten verschraubt. Der aufgesetzte Rahmen wird von innen an die Seiten angeschraubt. Die Fachböden werden von der Unterseite gebohrt und verschraubt. Diese Löcher sind dann später nicht mehr sichtbar. Wird nahe am Rand verschraubt, muss man jedoch Vorsicht walten lassen. Spezielle Schrauben mit feinerem Gewinde ermöglichen aber auch solche Verschraubungen, ohne das Holz zu spalten. 

Der Vorteil an der Holzverbindung mit Taschenbohrungen ist, dass weder gemessen noch angezeichnet werden muss. Dennoch werden die Ergebnisse sehr präzise.  Auch schwierigere Verbindungen, wie zum Beispiel das Anbringen eines Rahmens auf die Vorderfront des selbstgebauten Regales, sind kein Problem mehr. Einzig auf die richtige Schraubenlänge muss geachtet werden. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, eine Probeverbindung aus Resthölzern herzustellen, bevor man mit dem Bau des eigentlichen Möbels beginnt. 

Achtung!

Noch nie mit Taschenbohrung oder Pocket Holes gearbeitet?

Dann sollten diese testweise an ausrangierten Holz- oder Möbelstücken geübt werden.

Montage nach der Lackierung sind möglich

Ein weiterer Vorteil von Taschenbohrungen ist, dass man die Bauteile eines Möbelstückes auch noch nach der Lackierung miteinander verbinden kann. Bei diesem Regal wurde der Korpus getrennt von der Mittelwand und den Fachböden lackiert. Dies ist deutlich einfacher als das Auslackieren der Zwischenräume an einem komplett montierten Regal. Nachdem alles lackiert und trocken ist, wird die Mittelwand eingesetzt. Die Regalböden werden im gewünschten Abstand einfach angeschraubt. Die Schraubenlöcher auf deren Unterseite sind später nicht mehr zu sehen. 

Verbindungen, die mit herkömmlichen Mitteln wie Rund- oder Flachdübeln nur schwer zu realisieren sind, machen mit Pocketholes keinerlei Probleme. Statt vieler Schraubzwingen, welche die Verbindung bis zum Abbinden des Leimes fixieren, benötigt man bei dieser Verbindungsart nur jeweils eine Zwinge zum Fixieren der Bauteile. Sind die Schrauben eingedreht, kann die Schraubzwinge bereits entfernt werden. Auch die abgebildeten Zwischenböden und die Mittelwand kann man auf diese Art ganz einfach miteinander verbinden. 

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Abdeckkappen für die Bohrlöcher

Wenn die Bohrlöcher die Optik stören, kann man sie mit Abdeckkappen verschließen. Die speziellen Dübel werden eingeleimt und nach dem Trocknen des Leimes verschliffen.

Für lösbare Verbindungen gibt es Abdeckkappen in verschiedenen Farben, die man einfach nur aufstecken muss und bei Bedarf wieder abnehmen kann. 

Zusammenfassung und Explosionszeichnung

Klick zum Vergrößern

Pocket Holes erleichtern den Bau von Möbeln enorm. Keine andere verdeckte Verbindungsart ermöglicht so schnelle und stabile Verbindungen. Beim abgebildeten Regal wurden alle Verbindungen mit Pocket-Holes realisiert. Die Konstruktion ist so stabil, dass dieses Regal ohne Rückwand auskommt.

Die Explosionszeichnung zeigt die Konstruktion in allen Details: Der Boden ist zwischen den Seitenteilen montiert, die Mittelwand sitzt sicher zwischen Boden und Deckel. Die Fachböden werden jeweils zwischen die Seiten und die Mittelwand geschraubt. Der aufgesetzte Rahmen besteht aus vier Teilen.

 

Die aufrechten Rahmenteile werden fest mit den Seitenteilen verschraubt und verleimt. Erst zum Schluss wird der Deckel, welcher den Abschluss des Regals bildet, mit den Seiten, der Mittelwand und dem oberen Rahmenteil fest verschraubt. 

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Bildquellen:

Alle Bilder: © Heiko Rech

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Gerhardt , d. 05-04-15 13:57:

Wirklich ein toller Artikel mit einer ausführlichen Beschreibung der einzelnen Arbeitschritte. Ich kannte den Blog hier noch gar nicht und bin über die Qualität der Artikel äusserst begeistert. Tolle Arbeit von dem Team!

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Bildnachweis
1. "Pocket Holes Detail"von © Heiko Rech (Heiko Rech) Copyright: [© Heiko Rech]
2. "Pocket Holes bohren"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
3. "Pocket Holes Bohrer"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
4. "Bohrer auswählen"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
5. "Pocket Holes setzen"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
6. "Verleimen und fixieren"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
7. "fertige Pocket Holes"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
8. "Seitliche Pocket Holes"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
9. "Warnung"von ks (heimwerker.de)
10. "Regal lackieren"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
11. "verschrauben"
12. "Pocket Holes kappen"von © Heiko Rech Copyright: [© Heiko Rech]
13. "regal zeichnung"

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