Druckluft-Kompressor in Haus und Werkstatt

Arbeiten mit Druckluft beim Dachausbau

Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort Kompressor im Deutschen „Verdichter“ – und genau das machen diese Geräte: Sie saugen Luft an, pressen sie dichter zusammen und speichern sie in einem Druckbehälter, dem sogenannten Kessel. Die Luft darin nimmt ein kleineres Volumen ein als im normalen, ausgedehnten Zustand, dafür besitzt sie einen höheren Druck. Entlässt man sie aus dem Kessel, dehnt sie sich aus und setzt dabei Energie frei. Und genau diese Energie lässt sich für den Betrieb verschiedenster Werkzeuge und weitere technische Anwendungen nutzen. Deshalb finden sich Kompressoren und Druckluftwerkzeuge in vielen professionellen Werkstätten, aber auch immer häufiger in Heimwerker-Haushalten.

So funktioniert ein Kompressor

Arbeitsprinzip eines Kolben-Verdichters
So arbeitet ein Kolbenverdichter: Der Kolben (1) bewegt sich innerhalb eines Zylinders (2) hin und her. Zur Zylinderwand ist der Kolben mit der Dichtung (3) abgedichtet. Beim Zurückziehen saugt der Kolben durch das Einlassventil (4) Luft an, beim Vorschieben schließt sich dieses Ventil, die Luft wird verdichtet und durch das Auslassventil (5) ausgestoßen.

Im Heim- und Hobbybereich werden in aller Regel sogenannte Kolbenverdichter eingesetzt. Sie arbeiten nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie eine Luftpumpe oder ein Automotor im Ansaug- und Verdichtungstakt: Ein Kolben bewegt sich in einem ihn dicht umschließenden Gehäuse, saugt Luft an und drückt sie zusammen.

Anders als bei Motor und Luftpumpe wird die komprimierte Luft jedoch nicht direkt ausgestoßen, sondern in einen Druckbehälter gepumpt. Das bringt zwei Vorteile mit sich: Hier können größere Luftmengen gespeichert und anschließend ausgestoßen werden, als der Verdichterkolben kontinuierlich fördern würde. Außerdem muss der Motor des Kompressors so nicht im Dauerbetrieb laufen.

Der Druck im Kompressorkessel lässt sich mit Hilfe eines Manometers überwachen. Ist der gewünschte Betriebsdruck erreicht, kann das jeweilige Werkzeug in Gang gesetzt werden. Zugleich reagiert der Kompressor selbst auf den Druck im Kessel: Bei Unterschreiten eines eingestellten Mindestdrucks springt dessen Motor an und füllt den Kessel wieder mit ausreichend verdichteter Luft. Ist dagegen der eingestellte Maximaldruck erreicht, dann stoppt die Pumpe. Bei einem gefährlichen Überdruck schließlich öffnet sich ein Sicherheitsventil und lässt Druck ab.

Druckluft-Kompressor nutzen

Stationär betriebener Druckluft-Kompressor
Wird in einer Werkstatt sehr häufig mit Druckluft gearbeitet, kann sich die Installation eines stationären Kompressors lohnen. Die einzelnen Werkzeuge werden dann mit Luftschläuchen an Zapfstellen in einer fest verlegten Druckluftleitung angeschlossen.

Druckluftwerkzeuge werden mit einem geeigneten Druckschlauch in der Regel direkt an den Kompressor angeschlossen. In selteneren Fällen wird der Kompressor stationär mit fest verlegten Druckleitungen installiert – dies ist allerdings eher im gewerblichen Umfeld oder bei sehr intensiver Druckluft-Nutzung üblich.

Der Luftdruck wird im Werkzeug entweder in mechanische Bewegungen umgesetzt, etwa bei Druckluft-Schraubern, -Naglern oder -Schleifern. Oder er arbeitet direkt mit dem ausgestoßenen Luftstrom, etwa bei Sandstrahlpistolen, Reifenfüllgeräten, Farbsprühpistolen oder Reinigungspistolen.

Bei den Geräten, die den Luftstrom direkt verwenden, liegt der Nutzen auf der Hand. Mechanische Druckluft-Werkzeuge hingegen profitieren davon, dass sie kleiner, leichter und preiswerter konstruiert werden können, da sie keinen eigenen Antrieb brauchen.

Kleinkompressor
Sehr kleine Kompressoren eignen sich beispielsweise zum Reifenfüllen oder für Reinigungsarbeiten.
Druckluft-Kompressor Seitenansicht
Typisch für viele Anwender mit Hobbywerkstatt ist ein mittelgroßer mobiler Kompressor mit 50-Liter-Kessel, der auf Rädern an seinen Einsatzort gebracht werden kann.

Öl in der Luft

Manometer an einem Kompressor
Praktisch ist es, wenn ein Kompressor mehrere Luftauslässe zur Verfügung stellt, von denen einer ölfreie Luft liefert. Sonst muss je nach Anwendung ein Ölfilter verwendet oder ein Öler angeschlossen werden. Der Öler kann direkt hier am Druckminderer oder unmittelbar vor dem Werkzeug platziert werden.

In mechanischen Werkzeugen wird immer etwas Öl gebraucht, um die beweglichen Teile zu schmieren. Dieses spezielle Luftöl kann ganz exakt dosiert aus einem kleinen Öler zugegeben werden, der vor dem Werkzeug angeflanscht wird, die benötigte Ölmenge aus einem kleinen Vorratsbehälter entnimmt und dem Luftstrom zumischt. Öler können sowohl einzeln betrieben werden als auch als Kombigerät mit einem Druckminderer, der genau den für das jeweilige Werkzeug benötigten Luftdruck einstellt.

Bei anderen Anwendungen, etwa beim Lackieren oder Reinigen, stört Öl dagegen die Arbeit sehr stark – es kann selbst wieder die zu reinigenden Flächen verschmutzen oder zu Lackfehlern führen. Um das zu vermeiden, bieten einige Kompressoren einen ölfreien Anschluss an, oft wird man jedoch einen Filter vor das Werkzeug setzen müssen, der das Öl aus der Luft abscheidet. Man sollte sich aber dabei vergegenwärtigen, dass gute Filter nicht ganz billig sind. Wenn man also vorhat, mit dem Kompressor zu lackieren, kann die Fähigkeit des Kompressors, ab Werk ölfreie Luft zu liefern, kaufentscheidend sein.

In jedem Fall sollte man für Arbeiten mit Öl oder für ölfreie Anwendungen jeweils einen eigenen Druckluftschlauch verwenden.

Luftdruck und Luftmenge

Reifen füllen mit Druckluft
Für Anwendungen wie das Füllen von Autoreifen wird keine hohe Luftleistung benötigt. Auch der benötigte Druck hält sich mit meist unter 3 bar in Grenzen.

In den meisten Fällen wird allerdings ein anderes Kriterium die Kaufentscheidung bestimmen: Wie viel Luft kann ein Kompressor mit welchem Druck innerhalb einer bestimmten Zeit liefern? Der erzielbare Druck ist dabei selten ein begrenzender Faktor, denn nur wenige Anwendungen brauchen Drücke von mehr als 6 bis 8 bar.

Entscheidend ist dagegen die Luftmenge. Hier sollte man beim Kauf genau hinschauen, denn meist sind hier mehrere Angaben zu finden. Zum einen die Ansaugleistung, die technisch durchaus interessant sein kann. Wichtig in der Praxis ist jedoch die Abgabeleistung bei einem bestimmten Druck. Daran entscheidet sich, ob das jeweilige Werkzeug eine ausreichende Luftmenge zur Verfügung gestellt bekommt.

Besonders lufthungrig sind in der Regel die Werkzeuge, die eine hohe mechanische Leistung über einen längeren Zeitraum erbringen müssen. Dazu zählen Schlagschrauber, Schleifgeräte oder Meißelhämmer, die nicht selten mehrere hundert Liter Luft pro Minute mit einem Druck von um die 6 bar anfordern. Mit geringeren Luftmengen kommen Spritz- und Ausblaspistolen zurecht, doch werden hier je nach Anwendung immer noch bis zu 200 Liter Luft/Minute gebraucht. Andere Werkzeuge wie Klammer- und Nagelgeräte brauchen für jeden Schlag etwa einen halben Liter Luft, bei einigen Anwendungen mit einem Druck von bis zu 8 bar – wenn man hier nicht im Akkord klammert, hält sich dei benötigte Abgabeleistung also in Grenzen.

Vor dem Kauf eines Kompressors sollten Sie sich also darüber informieren, welche Luftmengen und -drücke die von Ihnen geplanten Anwendungen erfordern, und ein ausreichend leistungsfähiges Gerät anschaffen.

Arbeit mit dem Druckluft-Meißel
Bei länger andauernder Arbeit mit mechanischen Werkzeugen wie hier beim Meißeln ist ein großer Druck-Kessel vorteilhaft, da hier eine kontinuierlich hohe Luftmenge benötigt wird.
Druckluft-Nagler
Nagler und Hefter sind genügsamer, da sie lediglich jeweils beim Auslösen eines Schlags Luft verbrauchen. Der Druck muss ausreichend hoch sein, der Kessel darf aber ein geringeres Volumen besitzen.

Kompressor- und Kesselgröße

Mobiler Druckluft-Kompressor
Ob Sie einen leicht transportablen, mobilen Kompressor anschaffen, ein Kompaktgerät oder einen großen Verdichter aus dem Profi-Bereich, richtet sich allein nach Ihrem Anwendungsprofil. Nur Qualitätsware sollte es immer sein.

Dabei kann man allerdings auch nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ vorgehen. Ein Profigerät mit großem Kessel und hoher Luftleistung beispielsweise ist bei entsprechendem Bedarf sinnvoll. Wer aber nur seine Reifen füllt und hin und wieder in der Werkstatt Arbeitsflächen und Werkstücke freibläst, wird sich über ein solches Gerät ärgern, denn der große Kessel braucht einige Zeit, bis er mit dem benötigten Druck gefüllt ist.

Zum Glück bietet der Markt zahlreiche Geräteklassen an. Sie reichen vom Mini-Kompressor, der ohne Kessel zum Aufpumpen von Reifen, Bällen, Schlauchbooten oder Kinderschwimmbecken geeignet ist und teils auch sehr praktisch mit Akkuantrieb funktioniert, bis hin zum leistungsfähigen Werkstattkompressor, der auch einen sehr hohen Luftbedarf im Dauerbetrieb decken kann, dafür aber groß, schwer und teuer ist.

Je nach Anwendungsprofil kann es sich lohnen, sowohl einen großen als auch einen kleinen, mobilen Kompressor anzuschaffen und dann wechselweise mit dem jeweils besser geeigneten Gerät zu arbeiten. Kommen lufthungrige Arbeiten nur sehr selten vor, können Sie aber auch einen preiswerteren Kompressor mit 50-Liter-Kessel kaufen, müssen dann aber mit häufigen Arbeitspausen rechnen, während die Pumpe den Luftvorrat wieder auffüllt.

Nur eins sollten Sie in jedem Fall beachten: Kaufen Sie ein hochwertiges Markengerät, denn neben einer langen Lebensdauer bekommen Sie dann auch ein Produkt, das Drücke von 10 bis 15 bar sicher handhabbar macht.

Kompressor bei Westfalia kaufen

Übertrage Bewertung...

Bewertung: 4.3 von 5. 3 Bewertung(en). Zur Bewertung auf die Sterne klicken.

Martin , d. 06-12-16 22:31:

Sehr schöner Text, es wurden alle wichtigen Aspekte berücksichtigt die man über Kompressoren wissen sollte. Man kann den Text nur weiterempfehlen, sehr lesenswert

Gruß
Martin

Frank , d. 27-09-16 14:34:

Ein sehr umfangreicher Text! Es wurden sehr viele essenzielle Informationen verarbeitet und kompakt weitergegeben.

Gruß
Frank

Manfred , d. 06-09-16 16:24:

Sehr schöner Artikel! Sehr viel wissenswertes was ich noch nicht wusste. Hier wurde gut Recherchiert bzw die eigenen Erfahrungen weiter gegeben!

Vielen dank

Gruß
Manfred

Mike , d. 10-06-15 10:41:

Guter Text, vor allem der letzte Abschnitt. Qualität ist extrem wichtig.
Gerad bei Noname-Marken aus Fernost hab ich schon einige Male die Erfahrung gemacht, dass sie schnell den Geist aufgeben. Auf jeden Fall sollte man auf bewährte Marken setzen! Kostet ja schließlich keine Kleinigkeit, so ein Kompressor.

Kommentar hinzufügen (oder Link vorschlagen)

Haben Sie eine Anmerkung zu diesem Artikel oder möchten Sie uns eine passende Anleitung zur Verlinkung vorschlagen? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!





Sicherheitsabfrage*




* Pflichtfeld  | Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.

Am meisten gelesen