Kellerregal / Werkstattregal – Regal selber bauen

Kellerregal / Werkstattregal – Regal selber bauen

"Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen." oder "Das Genie beherrscht das Chaos."

Solche Sprüche hört man sehr häufig und sind oft spaßig gemeint. Wer sich jedoch, wie viele, mit einem kleinen keller oder einer kleinen Werkstatt begnügen muss, für den haben solche Aussagen eine ganz besondere Bedeutung. Wenig Platz bedeutet, dass viele Dinge gestapelt oder hintereinander im Schrank untergebracht werden müssen. Wer da keine Ordnung behält, wird schnell den Überblick verlieren und beginnt bereits auf dem kleinsten Raum mit der Suche. Gerade in kleinen Räumen ist es wichtig Ordnung zu halten. Schwer wird es beim Kleinbedarf, wie Nägel, Schrauben, Muttern oder Ersatzteile. Diese lagern meist in ausgedienten Schachteln und Dosen, die sich nur schwer in einem Schrank unterbringen lassen.

Mit unserer Bauanleitung können Sie ein Regal selber bauen, dass nur so tief, wie die verwendeten Schachteln und Dosen wird, daher kaum Platz beansprucht, günstig ist und dennoch für viel Ordnung sorgt.

Leimholz, das günstige Bauholz aus dem Baumarkt

Der Titel "Leimholz, das günstige Bauholz aus dem Baumarkt" ist eigentlich nicht ganz korrekt, den Leimholz wird aus unterschiedlichen Hölzern hergestellt und kann im Preis daher sehr variieren. Wird Leimholz jedoch mit Vollholz verglichen, zeigt sich hier eine wirklich günstige Alternative.

Leimholz wird aus Echtholzstreifen oder -stücken hergestellt, die untereinander verleimt sind. Durch den großen Anteil an Echtholz und nur geringem Leimbedarf ist Leimholz mit Massivholz zu vergleichen, bietet jedoch einige Vorteile. Die Zusammensetzung aus mehreren Stücken minimiert die Spannungen im Holz, sodass Rissbildungen vermieden werden und das Verziehen minimiert wird. Die Möglichkeit kleinere Stücke oder Streifen zu verwenden, macht Leimholz jedoch günstiger. Für ein Brett mit einer Breite von einem Meter ist es nicht nötig, dass ein Baum mit einem meter Durchmesser gefällt werden muss. Hierfür können kleiner Bäume, kürzerer Stücke oder gar Reste verwendet werden, was der Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung dient.

Dass Leimholz nicht immer günstig ist, liegt natürlich an der verwendeten Holzsorte. Kiefer und Fichte sind recht weich, schnellwachsend, kommen aus europäischen Wäldern und sind daher günstiger als Buche oder gar tropische Hölzer. Als Basis für viele einfache Projekte bieten sich Leimholzbretter aus dem Baumarkt daher an. Sie sind in vielen Standardmaßen erhältlich und mitunter entfällt bei einer guten Planung sogar der Zuschnitt, was unser Beispiel eines selbst gebauten Regals beweist.

Materialbedarf und benötigte Werkzeuge

Unsere Bauanleitung bezieht sich auf die Verwendung von Standardmaßen, die in fast jedem Baumarkt erhältlich sind. Entsprechend halten sich die benötigten Werkzeuge stark in Grenzen. Selbst, wenn das fertige Regal maßlich abweichen soll, ist durch eine große Auswahl an verschiedenen Leimholzplatten kein Zuschnitt nötig. Mit Breiten von 20 cm, 25 cm, 30 cm, 40 cm oder 60 cm lassen sich fast je gewünschte Regaltiefe umsetzen.

Der Materialbedarf beschränkt sich auf im Baumarkt erhältlich Größen von Leimholz. Je nach Angebot und eigenen Wünschen können diese natürlich variieren.

  • 2 Seitenteile 200 cm x 20 cm x 18 mm ( 2 x 4,99 €)
  • 9 Regalböden 60 cm x 20 cm x 18 mm (9 x 1,49 €)
  • Holzleim
  • optional Lackfarbe

Die unserer Bauanleitung des Werkstatt- oder Kellerregals belaufen sich die Kosten auf nicht mal 25 €. Günstiger ist ein Regal in dieser Größe kaum zu bekommen.

Planung und Aufteilung der Regalfächer

Wer ein Regal für die Werkstatt oder den Keller selber bauen möchte, sucht zumeist Lösungen für spezielle Unterbringungen. Unser Beispiel zeigt ein Sortierregal, in dem alte Milch- und Tabakdosen das Sortieren von Schrauben, Nägeln und anderen Kleinteilen erleichtern sollen. Das das Regal jedoch sehr einfach aufgebaut ist und auch keine Rückwand besitzt, müssen die Regalböden fest mit den Seitenteilen verbunden sein und lassen sich später nicht mehr verstellen.

Um die Planung richtig anzugehen, stellen Sie sich alles parat und teilen Sie die Fächer auf. Wird hierzu ein Regalbrett auf die Werkbank gelegt, lässt sich schnell probieren, was jeweils in ein Fach passen wird. Messen Sie nun den höchsten Punkt jeder "Fachfüllung" aus und schlagen Sie für etwas Spielraum 2 cm auf das Maß auf. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren ist es ratsam sich eine Auslistung aller Maße zu machen, die wie folgt aussehen kann:

Regalhöhe richtig planen
Regalhöhe richtig planen

Der "Platz nach oben" dient dem Halt des obersten Brettes. Würde diese aufgesetzt werden, müsste es etwas länger als alle anderen sein. Diese Sägearbeit wird gespart, indem dieses Brett, wie alle anderen Bretter mittels Nuten in den Seitenwänden befestigt wird.

  • 20 mm - Platz nach oben
  • 18 mm - Brett 1 (38 mm Unterkante 1. Nut)
  • 180 mm - Fach 1
  • 18 mm - Brett 2 (236 mm Unterkante 2. Nut)
  • 200 mm - Fach 2
  • 18 mm - Brett 3 (454 mm Unterkante 3. Nut)
  • usw.

Werden die notierten Maße addiert, ergibt sich jeweils der Abstand der Nutunterkante nach oben zum Brettanfang. Nähers sie sich dabei der Gesamtlänge der Seitenbretter, kann das untere Ende des Regales geplant werden. Da der Keller- oder Werkstattboden selten richtig trocken ist, empfiehlt es sich, das unterste Fach offen zu lassen. Zum einen bietet es Platz zum Lüften und zum andere müssen die Regalabstände nicht exakt aufgeteilt werden. Setzen Sie von oben nach dem vorgegeben Schema einfach so viele Fächer, bis sich unten ein noch nutzbarer Rest ergibt. Dieser kann später für Schuhe, Kabelrommeln oder irgendetwas anderes genutzt werden. Im Beispielregal fand eine Kabeltrommel und ein großes Batterieladegerät Platz.

Nuten der Seitenbretter mit der Oberfräse

Die Oberfräse ist im Grunde das einzige elektrische Werkzeug, welches beim Bau des Regals wirklich benötigt wird. Zwar lassen sich viele Nuten auch auf der Tischkreissäge ausführen, in diesem Fall raten wir aber davon ab, da sich 2 Meter lange Bretter nur schwer gleichmäßig und gerade über die Tischkreissäge führen lassen.

Eine Latte als Führung für die Oberfräse
Eine Latte als Führung für die Oberfräse
Seitenteile können gleichzeitig gefräst werden
Seitenteile können gleichzeitig gefräst werden

Vereinfachen lässt sich die Arbeit jedoch, wenn beide Bretter zusammen verspannt werden. Eine zusätzliche Leiste dient als Anschlag und Führung der Oberfräse. Zur Bestimmung des Abstandes von Oben, wird im ersten Schritt der Abstand des Fräsers zur Anlagefläche der Oberfräse gemessen und und zu den ersten beiden notierten Maßen (20 mm + 18 mm) addiert. Mit diesem Abstand wird die Leiste mit einer oder zwei Schraubzwingen fixiert. Der Durchmesser des Fräsers spielt an der Stelle noch keine Rolle. Die Frästiefe sollte etwa 8 mm betragen, muss jedoch ebenso nicht genau sein. Wichtig ist, dass für diese Frästiefe ein Anschlag eingerichtet wird, der bei allen Nuten Anwendung findet.

Viele Fräsersortimente besitzen einen Schaftfräser mit einem Durchmesser von 12 mm, der hier verwendet werden sollte. Da die Bretter jedoch eine Stärke von 18 mm haben, fehlen natürlich noch 6 mm. Diese können leicht eingestellt werden, indem ein Rundstab von 6 mm (Gewindestange M6) zwischen Führung und Oberfräse gelegt wird. Es entsteht eine sehr passgenaue Nut von 18 mm.

Für den nächsten Anschlag werden zum ersten Maß wiederum nur die Brettstärke von 18 mm und die nächste Fachhöhe addiert. Um Folgefehler beim Messen zu vermeiden, die beim Messen von Markierung zu Markierung schnell entstehen können, sollten alle weiteren eingestellten Maße immer zusätzlich vom Oberen Rand des Brettes geprüft werden. Ein guter Anschlagwinkel zur Kontrolle der Rechtwinkligkeit hilft natürlich ebenso.

Grundieren und lackieren aller Regalteile

Ob im Keller oder der Werkstatt, es ist selten alles sauber, es läuft mal etwas aus, verstaubt...  Kurz, es ist wichtig, das Holz zu schützen und bei Gelegenheit auch mal feucht auswischen zu können.

Leimflächen können frei bleiben
Leimflächen können frei bleiben
Keine Lackfarbe auf die Leimflächen
Keine Lackfarbe auf die Leimflächen
Satter Auftrag versiegelt die Oberfläche
Satter Auftrag versiegelt die Oberfläche

Erreicht wird dieser Schutz mit einer dichten Lackschicht, die die Oberfläche verschließt und vor allem widerstandsfähig gegen Nässe macht.

Fichtenholz ist jedoch sehr saugstark, sodass die Lackfarbe sofort aufgesaugt werden würde und sich in sehr hoher Farbverbrauch ergeben würde. Daher ist es sinnvoll, die Oberflächen erst mit einer Grundierung zu versehen. Wird anschließend eine sehr dunkle und gut deckende Farbe verwendet, spielt die Farbe der Grundierung keine Rolle. Bei einem gewünschten weißen Regal, sollte auch eine Grundierung in weiß erfolgen.

Beim Beispielregal kam eine schwarze Grundierung auf Wasserbasis zum Einsatz, wie sie häufig bei der Fahrzeuglackierung Verwendung findet. Der Vorteil ist, dass sie gut eindringt, das Saugverhalten reguliert und mit fast jeder Farbe überstrichen werden kann. Die späteren Leimflächen können bei der Grundierung ausgelassen werden. Da die Grundierung jedoch größtenteils aufgesaugt wird und keine geschlossene Oberfläche bildet, schadet es dem späteren Leimen nicht, wenn die Leimflächen ebenfalls grundiert werden.

Nach einer vollständigen Trocknung kann die Lackfarbe aufgetragen werden. Dieses kann an dieser Stelle, aber auch nach dem Zusammenbau erfolgen. Ist das Regal noch nicht verleimt, vereinfacht das natürlich den Streichvorgang, was ebenso eine gleichmäßige Schichtdicke erzielt.

Der Auftrag der Lackfarbe sollte in zwei Schichten, mit der laut Hersteller vorgegebenen Trocknungszeit erfolgen. Gerade die großen ebenen Flächen sind natürlich dafür prädestiniert statt einen Pinsel eine Rolle zu verwenden. Sie ermöglicht einen besonders schnellen Arbeitsfortschritt bei einem gleichmäßigen Farbauftrag. Es sollte allerdings keine Langflorrolle verwendet werden, um zu vermeiden, dass Lackfarbe auf die Leimflächen gerät. Eine Schaumstoffrolle ist hierfür besser geeignet. Im Notfall lässt sich Farbe an den Leimflächen aber mit etwas Schmirgelleinen wieder entfernen.

Leimen und Aufbau des Werkstatt- oder Kellerregals

Ehe das Regal verleimt wird, sollte es zum Test aufgebaut werden, was natürlich auch liegend auf der Werkbank erfolgen kann. Hierbei wird geprüft, ob der Farbauftrag eventuell dazu geführt hat, dass die Regalböden nicht mehr in die Nuten passen.

Winkel helfen beim Aufbau
Winkel helfen beim Aufbau
Gewichte ersetzen Schraubzwingen
Gewichte ersetzen Schraubzwingen

War der Testaufbau erfolgreich, kann das verleimen erfolgen. Da hierbei mehrere Bretter ineinander gesteckt werden müssen, sollte Expressleim vermieden und stattdessen Classic-Leim verwendet werden. Dieser trocknet langsamer und ermöglicht in Ruhe den gesamten Aufbau.

Der Leim sollte satt aufgetragen werden, um dem Regal mehr Stabilität zu geben. Regale ohne Rückwand neigen unter Belastung sonst dazu einfach seitlich zusammen zu klappen. Daher ist es auch ganz wichtig, dass alle Böden in einer Nut sitzen. Eine einfache Schraubverbindung wäre der Belastung nicht gewachsen.

Nach dem Leimauftrag erfolgt das Einsetzen alle Regalböden. Vorher aufgestellte Winkel an beiden Enden stabilisieren den Aufbau und garantieren ein exakt rechtwinkliges Regal. Beim Leimen sollte darauf geachtet werden, dass austretender Leim sofort mit einem feuchten Lappen weggewischt wird.

Sitzen alle Regalböden in der ersten liegenden Seitenwand, kann die zweite Seitenwand aufgelegt und beschwert werden. Zur Schonung der lackierten Oberfläche und Vermeidung von Kratzern bitte Pappe oder ähnliches unterlegen. Schraubzwingen sollten nur verwendet werden, wenn je Regalboden eine Schraubzwinge genutzt oder zusätzlich eine Hartholzleiste aufgelegt wird. Einzelne Druckpunkte würden das Regal deformieren.

Schmale Regale sollten mit Winkel an der Wand befestigt werden.
Schmale Regale sollten mit Winkel an der Wand befestigt werden.
Exakte Planung schafft Ordnung und optimale Platzausnutzung.
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