Bollerwagen bauen - für groß und klein

Bauanleitung für einen Bollerwagen aus Holz

Bollerwagen-Bauanleitung von Festool: Vatertag oder Wanderung mit den Kindern, ein Bollerwagen ist der ideale Lastesel für die Freizeitgestaltung. Um diesem Gefährt, mit dem etwas angestaubtem Image, neues Leben einzuhauchen, hat sich Festool ein neues Design mit praktischen Staumöglichkeiten einfallen lassen. Und das beste daran ist: Einen Bollerwagen zu bauen ist spielend einfach. Die Anzahl der Räder ist von vier auf drei geschrumpft, um den Wagen wendiger zu machen. Der Schwerpunkt ist, für eine hohe Kippstabilität, weit nach unten gewandert. Durch die großen Hinterräder hat der Wagen eine gute Geländegängigkeit. Auf der Vorderseite befindet sich ein Getränkehalter, hinten ist ein Kofferraum mit Abdeckung. Wird diese Abdeckung nach vorne geklappt und verriegelt, entsteht eine Sitzbank für die Kinder. Durch nur 15 mm dickes Material für die Karosserie ist der Korpus leicht, aber dennoch stabil. Die Räder und Achsen sind im Fachhandel oder Baumarkt erhältlich. Beim Bollerwagen bauen muss darauf geachtet werden, dass Modelle mit Wälz- oder besser Kugellagern verwendet werden. Die Verbindungen sind offen geschraubt und werden vor dem Streichen verspachtelt. Eine elastische Deichsel aus Eschenholz und ein Edelstahl- oder Holzgriff runden die Erscheinung des Bollerwagens ab.

Materialliste

Pos.  Anz. Bezeichnung Länge Breite Dicke Material Bemerkung
12Seite100035015Bfu
21Boden80042015Bfu1 x 16 Grad
31Spritzwand42035215Bfu2 x 16 Grad
41Mittelwand42019015Bfu1 x 16 Grad
52Rückwand4209015Bfu1 x 32 Grad
61Flaschenhalter42015015Bfu1 x 16 Grad
72Schutzblech lang23010015Bfu1 x 37 Grad
82Schutzblech kurz14010015Bfu1 x 37 Grad
92Auflagen Kofferraumca. 195ca. 19515Bfu
102Rückenlehne41827015Bfu1 x 16 Grad
112Verstrebung Rückenlehne100ca. 13015Bfu
122Auflage Sitzfläche1503015Bfu
131Halterung Lenkkopf42019025Multiplex
141Gabelbrücke25017525Multiplex
152Gabelholm19015025Multiplex
161Deichsel9653030Esche
171Griff330d = 20Buche
184Karosseriescheiben M10d = 50
192Unterlegscheiben M10
202Karosseriescheiben M10d = 25Messing
211Maschinenschrauben M1070
221Maschinenschrauben M10110
232Schubkarrenradd = 400
241Sackkarrenradd = 260
251Achse670d = 20
261Achse175d = 20
274Achsklemmen
284Radkappen
292Scharnier (Rückenlehne)6030
302Riegel (Rückenlehne)

Alle Maße in Millimeter

Maschinenliste

  • Tischkreissäge
  • Evtl. Handkreissäge
  • Stichsäge
  • Akkuschrauber
  • Exzenterschleifer
  • Evtl. Bandschleifer

Werkzeugliste

  • Gummihammer
  • Zirkel
  • Schleifklotz
  • Zwingen
  • Eisensäge
  • Eisenfeile
  • Bohrer 20 mm
  • Bohrer 10 mm
  • Bohrer 8 mm
  • Bohrer 4,5 mm
  • Bohrer 3,5 mm

Bauanleitung

Holzplatten zusägen

Die einzelnen Platten werden auf die in der Bollerwagen-Bauanleitung angegebenen Maße zugeschnitten. Die Positionen 2, 3, 4, 6 und 10 sägt man an einer oder an beiden Kanten mit einer Schräge von 16 Grad ab. Dazu wird die Hand- oder die Tischkreissäge auf den passenden Winkel eingestellt und die einzelnen Platten abgesägt.

Ecken abrunden

Die Positionen 1, 6, 10 und 13 muss man jetzt abrunden. Diese Rundungen werden mit einem Zirkel oder einer Schnur eingezeichnet. Um mit der Stichsäge saubere Rundungen sägen zu können, muss man ein scharfes Kurvensägeblatt verwenden.

Aussparungen sägen

Die Aussparung an der Front wird komplett mit der Stichsäge oder einer Handkreissäge und passender Führungsschiene in die Seiten (Pos. 1) gesägt. Bei der Verwendung einer Handkreissäge muss nur noch die Ecke mit der Stichsäge ausgeschnitten werden.

Hölzer schleifen

Die Teile mit gleicher Rundung werden zusammengespannt und die Kontur geschliffen. Dafür verwendet man einen Zirkel, um auf der Flaschenhalterung (Pos. 6 der Bollerwagen-Bauanleitung) die Löcher anzuzeichnen. Die Löcher werden mit der Stichsäge ausgesägt. Um mit dem Sägeblatt ins Material eintauchen zu können, kann man zuvor ein Loch mit 8 mm Durchmesser in jeden Kreis bohren.

Löcher aussägen

In die Seiten (Pos. 1) und in die Holme des Lenkkopfes (Pos. 15) werden die Löcher (d = 20 mm) zur Aufnahme der Achsen gebohrt - in die Positionen 13 und 14 die Löcher (d = 10 mm) für die Drehachse. Beim Bau des Bollerwages müssen oft senkrechte Bohrungen durchgeführt werden. Dafür verwendet man am besten einen Bohrständer oder eine Ständerbohrmaschine. An der Oberkante der Mittelwand (Pos. 4) müssen zwei Aussparungen für die Bänder eingeschnitten werden.

Aussparungen schneiden

Die Breite der Aussparung entspricht der Länge der Bänder, die Tiefe entspricht der Höhe des zusammengeklappten Bandes. An den seitlichen Auflagen des Kofferraumdeckels (Pos. 9) müssen noch Aussparungen geschnitten werden, in denen die Riegel zur Arretierung der Rückenlehne verschwinden können. Hierfür verwendet man am besten die Stichsäge.

Schraubenlöcher vorbohren

In allen Verbindungen sollte man, zusätzlich zum Verschrauben, noch wasserfesten Leim verwenden. Die beiden Einzelteile der Rückenlehne (Pos. 10) werden an der Unterkante miteinander verschraubt. Zunächst sollten die Schraubenlöcher (d = 3,5 mm) in das Senkrechte der beiden Teile gebohrt werden. Dann kann man die Teile zusammenhalten und miteinander verschrauben.

Positionen vorzeichnen

Auf der Innenfläche einer Seite müssen die Positionen der Einzelteile und die der Schraubenlöcher angezeichnet werden. Jetzt kann man die beide Teile zusammenspannen und mit einem 3,5 mm Bohrer die Löcher vorbohren. Sollte ein Senkbohrer mit Tiefenanschlag benutzt werden, muss die Bohrtiefe so eingestellt sein, dass auf der zweiten Seite eine sichtbare Vertiefung entsteht und das Loch an dieser Stelle gebohrt werden kann.

Innenseiten abschleifen

Vor dem Verleimen muss man die Innenflächen abschleifen, da diese später nur noch schwer erreichbar sind. Die Seiten und der Boden werden mit Zwingen zusammengespannt und ausgerichtet. Nun kann man diese drei Teile miteinander verschrauben. Daraufhin kann nach und nach jedes Einzelteil zur fertigen Karosserie verschraubt werden.

Nuten einsägen

Der Lenkkopf besteht aus drei Einzelteilen. Zunächst werden die beiden Gabelholme (Pos. 15) zugesägt. Die Gabelbrücke (Pos. 14) ist ein rechteckiges Brett. Auf der Unterseite sägt man mit der Tischkreissäge zwei Nuten ein, in die man die Holme steckt. Um die genaue Position der Nut zu ermitteln, wird das Rad mit den beiden Klemmringen zusammenhalten und durch das Achsloch die genaue Breite gemessen.

Nuten herausschneiden

Diese Breite ist der Abstand zwischen den beiden Nuten. Die Nutbreite entspricht der Dicke der Gabelholme. Durch Verstellen des Anschlages an der Tischkreissäge werden Schnitt für Schnitt die Nuten herausgeschnitten. Um die Aussparung für die Deichsel (Pos. 16) sägen zu können, muss man zunächst die Breite der Deichsel plus zwei M10 Unterlegscheiben (Pos. 20) messen. Beim Bau des Bollerwagens muss stets genau gearbeitet werden, da es sonst Probleme beim zusammensetzen geben gibt.

Rundungen ausschneiden

Die benötigte Breite wird auf der Gabelbrücke angezeichnet und die Aussparung ausgesägt. Seitlich werden Aussparungen in die Brücke gesägt. Um die Rundung anzuzeichnen, kann man ein rundes Behältnis verwenden. Zum Ausschneiden am besten die Stichsäge nehmen.

Dübelschablone verwenden

Die Drehachse für die Deichsel wird mit einem 10 mm Bohrer von beiden Seiten in die Gabelbrücke gebohrt. Um exakt senkrecht zu bohren, sollte man eine Dübelschablone zur Hilfe nehmen. Alle Teile des Lenkkopfes werden mit einer Fräse oder einem Schleifklotz abgerundet. Dann kann man die Schraubenlöcher (d = 4,5 mm) vorbohren und mit dem Lenkkopf zusammenschrauben.

Bretter absägen

Die Bretter für die Schutzbleche (Pos. 7 und 8) werden schräg abgesägt und gerundet. Zum Verleimen werden beide Bretter zunächst mit der Unterseite aufgelegt und auf der Oberseite exakt am Stoß mit Klebeband verbunden.

Gründlich verleimen

Dann dreht man sie um und gibt am Stoß Leim an. Mit einem weiteren Streifen Klebeband wird alles nach dem Zusammenklappen verspannt. Alle sichtbaren Kanten müssen großzügig abgerundet werden. In die Rückenlehne schraubt man noch eine Aussteifung (Pos. 11) auf jede Seite.

Achsen und Räder montieren

Alle Flächen muss man nun abschleifen. Auf der Rückseite der Lehne werden im montierten Zustand die Riegel angeschraubt und die Löcher zum Arretieren in die Seite gebohrt. Zur endgültigen Montage montiert man zunächst die beiden Achsen und dann die Räder. Gegen das Verrutschen werden diese mit Achsklemmen, die mittels einer Madenschraube auf der Achse befestigt werden, gesichert.

Radkappe montieren

Als Abschluss kommt noch eine Radkappe außen darauf. Der Lenkkopf und die Deichsel werden an die Karosserie montiert und die Schutzbleche festgeschraubt. Danach kann man die Rückenlehne und die beiden Riegel anschrauben. Alle Schraubverbindungen und Riegel müssen leichtgängig sein.

Maschinenschrauben nachziehen

Falls zuviel Farbe in ein Loch gelaufen ist, bohrt man dieses vor der Montage aus. Die Maschinenschrauben müssen nach der ersten Benutzung nachgezogen werden, da sich die Unterlegscheiben am Anfang noch ins Holz eindrücken. Die Anleitung zum farbigen Gestalten des Wagens findet sich im Oberflächentipp.

Oberflächentipp

Zunächst wird der Bollerwagen wieder in die einzelnen Baugruppen zerlegt. Dann spachtelt man die sichtbaren Schraubenlöcher mit Polyester-Spachtel (Autospachtel) zu und schleift die trockene Spachtelmasse sorgfältig ab. Für eine sauber gespachtelte Fläche sind eigentlich immer zwei Spachteldurchgänge nötig, was aber durch die sehr schnelle Trockenzeit der Spachtelmasse kein Problem darstellt. Wenn dann alles verschliffen ist, muss man sich Gedanken machen, welches Teil welchen Farbton bekommen soll. Dann können die Einzelteile mit einem Pinsel gestrichen werden. Nach dem ersten Streichen muss ein so genannter Zwischenschliff mit Schleifpapier (Körnung P240) durchgeführt werden, dann erfolgt der zweite Farbauftrag. Als Farben eignen sich deckende Acryl- oder Kunstharzlacke, aber auch der Autolack aus der Dose oder deckende Lasuren auf biologischer Basis. Um später Grafiken aufbringen zu können, fertigt man einfache Schablonen aus Karton an und sprüht die Freiräume mit der Sprühdose aus. Mit einem wasserfesten Filzstift können die Übergänge dann noch mit mehr Kontrast versehen werden.

Bauplan

Mit freundlicher Genehmigung von Festool

Bildnachweis

Alle Fotos: © Festool

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