Vogelbedarf

Nistkasten selber bauen – Bauanleitung für Meisen, Rotschwänzchen oder Amseln

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Viele Vögel finden nicht mehr genug Nistplätze. Dazu gehören Meisen, Sperlinge und Co. als Höhlenbrüter und auch andere Vögel mit sehr speziellen Bedürfnissen, wie etwa der Mauersegler. Natürliche Bruthöhlen werden immer seltener. Naturfreunde können Nistkästen bauen und den heimischen Vogelbestand damit unterstützen.

Wer ein solches Vogelhaus selber bauen möchte, dem sollte weniger eine Art Gartendeko vorschweben. Tatsächlich ist sägeraues Naturholz ohne Lacke und Lasuren am besten geeignet. Ein wenig Holzschutz ist nur in ganz natürlicher Art, wie es beispielsweise eine Leinölbehandlung wäre, möglich und sinnvoll.

Einen Nistkasten selber zu bauen ist nicht schwer und kann von jedem, der gerne bastelt, als kleines DIY-Projekt in Angriff genommen werden. Nisthilfen können Sie gut und gerne mit Kindern basteln, abhängig von deren Alter werden Sie bei mehr oder weniger vielen Schritten einbezogen. Sie können dabei viel über die Lebensbedingungen und Verhaltensweisen der Vögel lernen.

Auf Heimwerker.de bieten wir Ihnen eine kostenlose Anleitung für einen einfachen Nistkasten zum selber bauen, außerdem erhalten Sie Tipps zur Pflege und zur idealen Zeit der Aufhängung.

1. Planung und benötigte Materialien

Der grundsätzliche Plan für ist für alle Höhlenbrüter-Nistkästen gleich. Mit der Lochgröße des Einfluglochs entscheidet man, für welche Vögel der Nistkasten bewohnbar ist. Bei unserer Anleitung haben wir uns an die Vorgaben des Nabu zum Nistkasten bauen gehalten.

Diese betreffen vor allem die Maße und Ausführung. Ein Boden-Innenmaß von mindestens 12 x 12 cm, eine Tiefe von mindestens 17 cm ab Unterkante des Einfluglochs und Löcher im Boden zu Belüftung sind die Eckdaten.

Dazu kommt noch der Verzicht auf eine Ansitzstange, die Katzen oder Mardern das »Angeln« im Nistkasten unnötig erleichtern würde. Auch der Dachüberstand macht es den Lang-Pfoten schwer, ins Einschlupfloch und das Nest zu gelangen.

Materialbedarf Werkzeug
  • Natur-Holz 20 mm stark (Robinie, Eiche, Lärche, oder auch Fichte und Kiefer)
  • 50 cm Dachlatte
  • Rostfreie Schrauben
  • Schleifpapier
  • Lineal
  • Zirkel
  • Kapp- und Gehrungssäge
  • Akku-Bohrer/Akku-Schrauber

Tipp: Alternativ können Sie sich einen Bausatz für einen Nistkasten z. B. für Meisen bestellen. Die Kosten liegen bei etwa 20 €. Bei Bausätzen bitte die Ansitzstange weglassen. Diese ist nicht nötig und hauptsächlich eine Hilfe für Nesträuber.

2. Bauanleitung: Schritt für Schritt

2.1. Schritt 1: Nistkasten für welche Vogelart?

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Die Größe des Einflugloches ist abhängig von der Vogelart. Die Blaumeise benötigt das kleinste Loch.

Wer in Ihren Nistkasten einzieht, wird unter anderem durch die Größe und das Einflugloch entschieden. Für die Maße unseres, in der Bauanleitung beschriebenen Nistkastens, sind folgende Einfluglochgrößen möglich:

  • Blaumeise, Haubenmeise, Sumpf- und Tannenmeise: 26 – 28 mm Durchmesser
  • Kohlmeise, Trauerschnäpper, Haussperling und Kleiber: 32 – 34 mm Durchmesser
  • Kleiber: 32 – 47 mm
  • Feldsperling: 32 – 34 mm Durchmesser oder oval 30 x 45 mm
  • Kleiber: 32 – 47 mm
  • Gartenrotschwanz: oval 48 mm hoch und 32 mm breit

Eine Abwandlung dieser Bauanleitung für einen Halbhöhlenbrüter-Nistkasten ist leicht zu selbst zu machen. In dem Fall wird einfach die Achse unten statt oben angebracht und die Schraubhaken entspreched an der oberen Kante der dann verkürzten Vorderseite. (Es muss lediglich ein kastenbreiter Schlitz in Höhe von 50 mm oben entstehen).

Diese Halbhöhlen werden beispielsweise von der Bachstelze, dem Hausrotschwanz oder dem Grauschnäpper bewohnt. Die Bachstelze möchte aber natürlich – wie der Name schon sagt – einen Bachlauf oder aber zumindest Wasser in ihrem Lebensraum haben.

2.2. Schritt 2: Umrisse der Einzelteile auf dem Holz aufzeichnen

Mit einem Lineal und einem Zirkel zeichnen Sie alle Einzelteile auf das Holz auf. Hier ist Sorgfalt gefragt, da Passungenauigkeiten sonst später aufwendig abgeschliffen werden müssen.

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Maße auf den Holz anzeichnen | Hier die einzelnen Teil in der Übersicht

2.3. Schritt 3: Einzelteile des Vogelhauses aussägen und bohren

Alle geraden Schnitte zuerst absägen. Anschließend die Oberkante der Rückwand des Nistkastens abschrägen.

Der Boden wird mit zwei Bohrlöchern (5 mm) versehen, als Abfluss- und Entlüftungsöffnung. Die Dachlatte bekommt oben und unten jeweils mit 5 cm Abstand zur Kante mittig in der Breite eine Bohrung zur späteren Anbringung.

Zuletzt ein Loch in die Mitte des künftigen Einfluglochs bohren und von dort aus mit der Stichsäge das Einflugloch aussägen.

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Löcher vorbohren | Bohrlöcher für Schraubenköpfe ansenken

2.4. Schritt 4: Einflugloch für Nisthilfen

Das Einflugloch soll keine scharfen oder rauen Kanten haben. Ein intaktes Gefieder ist für Vögel lebensnotwendig. Deshalb sollte das Einflugloch sorgfältig geschliffen werden, damit keine Verletzungsgefahr und auch keine Gefahr für das Gefieder besteht.

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Ausschnitt mit einem großen Bohrer vorbohren … und mit der Stichsäge aussägen.

2.5. Schritt 5: Nistkasten – Montage

Zuerst wird die Rückwand mit dem Boden verschraubt (unten bündig). Dann befestigen Sie die Seitenteile passend daran. Als Nächstes wird das Dach auf den Nistkasten aufgeschraubt (wieder hinten bündig). Nun wird der fast fertige Kasten von innen nach außen auf die Dachlatte geschraubt.

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Boden winklig an die Rückwand legen | Beide Teile verschrauben

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Seitenwände ausrichten und verschrauben | Die Kanten der Klappe abrunden

Zum Schluss wird die Vorderseite eingepasst. Zwei Schrauben oben bilden eine Achse. Über diese Achse soll die Klappe jedes Jahr nach Ende der Brutzeit nach oben aufgeklappt werden. Vor dem Festschrauben die Gängigkeit prüfen und die Seiten eventuell etwas abschleifen, damit die Klappe später beim jährlichen Reinigen nicht zu sehr klemmt.

Als Verschluss nehmen Sie am besten zwei Schraubhaken, die unten etwa drei Zentimeter über dem Boden rechts und links in die Stirnseite der Seitenteile geschraubt werden.

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Nur leicht verschrauben | Haken dienen als Anschlag

2.6. Schritt 6: Wetterschutz

Entweder unbehandelt lassen oder mit Leinöl bzw. mit sehr umweltfreundlichen, lösungsmittelfreien Holzschutzmitteln streichen

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2.7. Schritt 7: Der richtige Platz für einen Nistkasten

Fertig und aufgehängt

Fertig und aufgehängt

Die verschiedenen Vogelarten leben in unterschiedlichen Bereichen des Gartens. Beim Aufhängen von Nistkästen sollte das berücksichtigt werden. Die Ausrichtung des Einfluglochs sollte südöstlich sein und der Platz nicht in der prallen Sonne liegen. Der Nistkasten ist auch an der Wetterseite (Westen) eines Baums nicht günstig platziert.

Auch die Höhe spielt dabei eine wichtige Rolle. Nesträuber sollen es nicht zu einfach haben. Von daher ist eine Anbringung in 1,5 m Höhe bis 3 m Höhe bei Kästen in der hier vorgestellten Größe und Art sinnvoll.

Es sollte keine Astgabel zum Anbringen ausgesucht werden oder in direkter Nähe sein, weil dort räuberische Feinde zu viel Halt finden.

3. Wann muss der Nistkasten aufgehängt werden?

Oft wird erst im Frühjahr daran gedacht, einen neuen Nistkasten aufzuhängen, da dann die Zeit der Balz und des Eierlegens beginnt. Jedoch benötigen viele einheimische Vögel auch im kalten Herbst und Winter einen Unterschlupf. Da kommen trockene und warme Nistkästen wie gerufen.

Außerdem erkunden viele Gartenvögel schon viele Monate vorher geeignete Nistmöglichkeiten. Je früher der Nistkasten aufgehängt wird, desto wahrscheinlicher ist also, dass er im Frühjahr auch genutzt wird.

Wenn die Nistkästen bereits in der vergangenen Saison genutzt wurden, ist der Herbst auch der passende Zeitpunkt, um den Kasten zu inspizieren und zu reinigen.

4. Weiterführende Anmerkungen zum Bau von Nistkästen

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Abgesehen von einem Nistkasten können Sie Vögeln in Ihrem Garten mit einer Vogeltränke oder Sandbad helfen.

Wer Nisthilfen anbietet, sollte sich auch Gedanken zur Qualität des Lebensraums machen. Ein vogelfreundlicher Garten gehört dazu, ebenso wie eventuell Fütterung, Wasser und sogar Nistmaterial.

Ein naturnaher Garten ist die beste Basis. Altholz, samentragende Gräser und insektenfreundliche Pflanzen gehören unbedingt dazu. Wildfrucht tragende Büsche und Bäume und einige Sonnenblumen, die auch über den Winter stehen bleiben, bieten Futter.

Abhängig von natürlich vorkommenden Futterangebot kann auch dazu gefüttert werden. Eine Anleitung für ein einfaches Vogelfutterhaus finden Sie hier: Vogelfutterhaus selber bauen

Wasser zum Trinken und Baden schätzen viele Vogelarten und sollte auf keinen Fall fehlen. Das Vogelbad muss aber immer wieder gesäubert werden, damit es kein Ort von gegenseitiger Ansteckung wird. Ein zusätzliches Sandbad in einem großen Topfuntersetzer wird auch gerne angenommen.

Hinweis: Als Nistmaterialien kommt für Schwalben Lehm, ansonsten für die meisten anderen heimischen Vögel Holzwolle, trockene Halme, und trockenes Moos in Betracht. Auch Schafwolle wird gerne genommen, allerdings sollten die Fasern nicht zu lang sein, damit sie sich nicht um die Vogelfüße wickeln und dort einschnüren können.

5. Weitere Anleitungen für Nistkästen

Zum Schluss möchten wir Ihnen auf Heimwerker.de noch weitere Anleitungen für Nistkästen vorstellen. Darunter sind auch Nistkästen für spezifische Vogelarten wie etwa Eulen und Störche.

5.1. Nistkästen für Höhlenbrüter bauen

Viele einheimische Singvogelarten brüten in abgeschlossenen Nisthöhlen. Die bekanntesten Höhlenbrüterkästen sind natürlich die Meisenkästen. Doch je nach größe des Flugloches können auch andere Vogelarten die Höhlenbrüter-Nistkästen nutzen.

5.2. Halbhöhlen-Nistkasten für Nischenbrüter

Halbhöhlenbrüter nutzten früher Felsspalten oder Mauerlöcher. Zu den Bewohnern von Halbhöhlenkästen zählen Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Trauerschnäpper oder Zaunkönig. Angebracht werden die halboffenen Brutkästen am besten unter dem Dachvorsprung von Gartenschuppen.

Ideal für Rotkehlchen als Halbhöhlen-Brüter sind beispielsweise Nisthilfen mit zehn Quadratzentimeter Grundfläche. Das Einflugloch ist dabei zehn Zentimeter vom Boden der Höhle entfernt. Aufgehängt wird das der Rotkehlchen-Nistkasten im Garten bis zu einen Meter über dem Boden, z.B. in Nischen von Gartenschuppen oder in dichten Hecken.

5.3. Nisthilfe für spezifische Vögel

Einige Vögel haben ganz besondere Bedürfnisse an ihre Nistkästen. So mögen es Eulen ganz besonders dunkel und abgetrennt. Sperlinge mögen es hingegen besonders gern gesellig. Hier finden sich die Baupläne der Nistkästen für ganz spezifische, seltenere Vogelarten.