
Regenwasser auf dem eigenen Grundstück aufzufangen und gezielt zurückzuhalten, entlastet nicht nur die öffentliche Kanalisation, sondern bietet Grundstücksbesitzern einige Vorteile. Starkregenereignisse können Grundstücke und Entwässerungssysteme erheblich belasten, weshalb ein cleveres Wassermanagement rund ums Haus zu einem wichtigen Projekt für passionierte Heimwerker wird. Statt den Regen ungenutzt in den Gully abfließen zu lassen, existieren vielfältige Möglichkeiten, diesen direkt vor Ort zu nutzen oder kontrolliert dem Boden zuzuführen.
Von klassischen oberirdischen Sammelbehältern über clevere Dachgestaltungen bis hin zur gezielten Flächenentsiegelung lässt sich fast jedes Element auf dem Grundstück optimieren. Wer den Regenabfluss geplant lenkt, kann die Verdunstung begünstigen, das Wasser gezielt nutzen sowie langfristig die kommunalen Entwässerungssysteme entlasten. Welche Vorteile die einzelnen Maßnahmen mit sich bringen und wann sie sich eignen, erfahren Sie im folgenden Ratgeber.
1. Das Flachdach von Garage und Carport als Wasserspeicher nutzen
Oft unbeachtet bleiben die Dachflächen von Nebengebäuden wie Garagen, Carports oder Gartenhäusern. Dabei bieten gerade diese Flachdächer ein großes Potenzial, um Niederschlag direkt am Ort des Auftreffens zu binden. Eine fachgerecht angelegte Begrünung saugt das Wasser auf und gibt es durch Verdunstung nur langsam wieder an die Umgebung ab.
Neben dem Wasserrückhalt profitiert auch die Dachkonstruktion selbst maßgeblich von dieser Aufwertung. Die Pflanzschicht schützt die darunterliegende Abdichtung vor UV-Strahlung, Hagel und starken Temperaturschwankungen. Damit fungiert die Dachbegrünung als natürlicher Hitzeschutz und speichert gleichzeitig Regenwasser.
Für Heimwerker, die ihr Projekt in Eigenregie umsetzen möchten, eignet sich hierbei eine extensive Dachbegrünung besonders gut. Spezielle modulare Systeme, die ähnlich wie Klick-Laminat verlegt werden, erleichtern die Installation. Solche Module werden häufig bereits fertig bepflanzt mit trockenheitsresistenten Pflanzen wie verschiedenen Sedum-Sorten geliefert.
Zudem bezuschussen viele deutsche Kommunen solche ökologischen Maßnahmen finanziell. Bei der Planung des Projekts sollten Sie sich daher über mögliche Zuschüsse in Ihrer Kommune informieren.
Hinweis: Wenn Sie eine Dachbegrünung planen, sollten Sie vorab unbedingt die Traglast des Daches prüfen, da die wassergesättigten Module ein entsprechendes Eigengewicht aufweisen und durch die vorübergehende Speicherung von Wasser zusätzliches Gewicht entsteht.

Eine fachgerechte Dachbegrünung speichert einen großen Teil des Niederschlagswassers.
2. Der Klassiker und die unterirdische Variante: Regentonne und Zisterne
Die wohl bekannteste Methode, um den Regen vom Hausdach aufzufangen, ist die klassische Regentonne. Sie lässt sich mit minimalem Werkzeugeinsatz an ein bestehendes Fallrohr anschließen. Ein sogenannter Regendieb leitet das Wasser in den Behälter und verhindert gleichzeitig ein Überlaufen, wenn die maximale Füllmenge bei starkem Regen erreicht ist.
Für größere Grundstücke oder einen höheren Wasserbedarf stößt die einfache Tonne jedoch schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Hier stellt der Einbau einer unterirdischen Zisterne eine Alternative dar. Diese robusten Tanks fassen große Volumina und werden vollständig unterhalb der Erdoberfläche installiert, wodurch sie keinen wertvollen Platz im Garten beanspruchen.
Der Einbau einer Zisterne ist jedoch deutlich aufwendiger als die Installation einer Regentonne. Er erfordert
- den präzisen Aushub einer entsprechend dimensionierten Grube,
- das Einbringen eines stabilen Sandbettes
- und den fachgerechten Anschluss der Zulauf- und Überlaufrohre.
Das dort gesammelte Wasser bleibt durch die kühle und dunkle Lagerung im Boden nahezu algenfrei. Ist der unterirdische Tank voll, muss das überschüssige Wasser sicher abgeleitet werden. Daher wird der Überlauf einer Zisterne in der Regel mit einer nachgelagerten Versickerungseinrichtung gekoppelt.

Der Einbau einer Zisterne erfordert eine präzise Planung, Vorarbeit und Umsetzung. Gegebenenfalls ist die Beauftragung einer Firma sinnvoller.
3. Versickerungsmulden richtig auf dem Grundstück anlegen
Eine Versickerungsmulde ist eine flache, begrünte Vertiefung im Garten, die gezielt dafür konstruiert wird, überschüssiges Regenwasser kurzzeitig aufzustauen. Von dort aus kann die Flüssigkeit langsam und kontrolliert in den tieferen Untergrund absickern. Diese Versickerung vor Ort kann dabei zur Neubildung von Grundwasser beitragen.
Beim Anlegen einer solchen Mulde kommt es entscheidend auf die Durchlässigkeit des vorhandenen Bodens an. Stark lehmige Böden eignen sich eher weniger, da das Wasser hier zu lange steht und die Pflanzenwurzeln faulen könnten. Heimwerker sollten daher vorab einen Versickerungstest durchführen, um eine erste Orientierung zu erhalten und die Aufnahmefähigkeit des heimischen Erdreichs realistisch zu ermitteln.
Die Mulde selbst wird meist nur wenige Zentimeter tief ausgehoben und an den Rändern sanft abgeböscht, damit sie sich natürlich in das Gartenbild einfügt. Die oberste Schicht besteht aus durchlässigem Mutterboden, auf dem anschließend eine robuste Grasnarbe oder spezielle feuchtigkeitsverträgliche Stauden gepflanzt werden.
Besonders wichtig ist bei der Planung der richtige Abstand zu anliegenden Gebäuden. Um Feuchtigkeitsschäden an Fundamenten und Kellermauern sicher zu vermeiden, schreiben bauliche Fachregeln einen großzügigen Mindestabstand vor.

Das Wasser darf sich bei Starkregen zwar temporär in der Mulde sammeln, sollte aber innerhalb des für die Anlage vorgesehenen Entleerungszeitraums vollständig im Boden versickert sein.
4. Wasserdurchlässige Pflasterflächen für Einfahrt und Wege
Die flächige Versiegelung von Böden ist einer der Hauptgründe, warum Niederschlagswasser unkontrolliert und schwallartig in die Kanalisation schießt. Gerade bei großen Einfahrten, Pkw-Stellplätzen und Gartenwegen lässt sich dieses Problem durch wasserdurchlässige Pflasterflächen umgehen. Diese speziellen Beläge sind so konstruiert, dass das Wasser direkt durch die Fugen oder den Stein selbst in den Untergrund versickern kann.
Für die fachgerechte Umsetzung in Eigenleistung stehen Ihnen verschiedene Pflastersysteme zur Verfügung:
- Ökopflaster: Diese Steine besitzen oft absichtlich aufgeweitete Fugen oder integrierte Abstandhalter, durch die das Wasser schnell ablaufen kann.
- Porenpflaster: Hier ist der gegossene Betonstein selbst wasserdurchlässig, sodass der Niederschlag flächig direkt durch das Material sickert.
- Rasengittersteine: Die extra großen Hohlräume werden mit Erde gefüllt und begrünt, was eine besonders natürliche und aufgelockerte Optik erzeugt.
- Kies- und Schotterdecken: In Kombination mit stabilisierenden Kunststoff-Wabenmatten entsteht ein fester Untergrund, der Niederschlag schnell und pfützenfrei aufnimmt.
Der Erfolg solcher durchlässigen Beläge steht und fällt allerdings mit dem handwerklich korrekt ausgeführten Unterbau. Eine einfache Schotterschicht reicht nicht aus; das gesamte Bettungsmaterial muss bis in die Tiefe sickerfähig aufgebaut sein. Heimwerker verwenden hierfür speziellen, gewaschenen Fugensplitt anstelle von feinem Sand, damit sich die Zwischenräume über die Jahre nicht mit Feinanteilen zusetzen.
Hinweis: Eine regelmäßige Pflege, wie das sorgfältige Entfernen von Moos und Unkraut aus den Fugen, erhält die dauerhafte Durchlässigkeit der gepflasterten Flächen. So bleibt die Einfahrt auch bei hoher Beanspruchung stabil befahrbar.
5. Vergleich der Rückhaltesysteme im Überblick
Um das optimal passende System für das eigene Grundstück zu finden, müssen die örtlichen Gegebenheiten, der Platzbedarf und das eigene handwerkliche Geschick realistisch abgewogen werden. Zudem weist jede Methode, Regenwasser aufzufangen und nachhaltig zurückzuhalten, spezifische Stärken auf und bedient unterschiedliche Einsatzzwecke rund ums Haus.
Ein einzelnes, isoliertes System reicht oft nicht aus, um starke Niederschläge komplett auf dem Grundstück aufzufangen. Je nach Grundstück kann die aufeinander abgestimmte Kombination mehrerer Maßnahmen sinnvoller sein. Beispielsweise kann das Wasser eines begrünten Carportdaches über ein Fallrohr in eine Regentonne geleitet werden, deren definierter Überlauf wiederum sicher in einer tiefergelegenen Versickerungsmulde endet.
Welcher Nutzen, handwerkliche Aufwand und Platzbedarf hinter den einzelnen Systemarten steckt, haben wir für Sie in der nachfolgenden Tabelle aufbereitet:
| Systemart | Primärer Nutzen | Handwerklicher Aufwand | Platzbedarf auf dem Grundstück |
|---|---|---|---|
| Regentonne | Direkte Gartenbewässerung | Sehr gering | Gering (oberirdisch platziert) |
| Zisterne | Großes, unsichtbares Speichervolumen | Hoch (Erdaushub nötig) | Unterirdisch hoch, oberirdisch gering |
| Gründach-Module | Lokale Verdunstung, Gebäudeschutz | Mittel (Traglast zwingend prüfen) | Keiner (nutzt Dachfläche) |
| Versickerungsmulde | Direkte Grundwasserneubildung | Mittel (Bodenbeschaffenheit prüfen) | Mittel bis Hoch (beansprucht Gartenfläche) |
| Ökopflaster | Konsequente Entsiegelung von Wegen | Hoch (Sickerfähiger Unterbau entscheidend) | Keiner (nutzt vorhandene Wegfläche) |
Bei der konkreten Planung sollten Sie auch die aktuellen rechtlichen Vorgaben ihrer jeweiligen Gemeinde prüfen. In vielen Regionen wird die bewusste Reduzierung von versiegelten Flächen oder die Installation von Rückhaltesystemen durch gesenkte Abwassergebühren belohnt. Wer hier sorgfältig arbeitet, schont also nicht nur die Umwelt, sondern langfristig auch die eigene Haushaltskasse.

Wasserdurchlässige Beläge können die Pfützenbildung reduzieren und entlasten die öffentliche Kanalisation.
Bildnachweise: Adobe Stock/Lumi Stock Studio, Wurzelwerk Design / Fech Gartenlandschaftsbau GmbH & Co. KG/Wurzelwerk Design / Fech Gartenlandschaftsbau GmbH & Co. KG, Adobe Stock/travelview, Adobe Stock/Jo Ann Snover, Adobe Stock/Petra Richli (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)
















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