Auto

E10 Benzin – Biosprit, Verbrauch, Verträglichkeit, Vorteile, Preis

Ein panischer Schrei an der Zapfsäule einer Tankstelle. Die anderen Kunden schauen sich verwirrt um und halten Ausschau nach rauchenden oder telefonierenden Leuten, die diese Panik hervorrufen könnten. Als sie nichts dergleichen entdecken können, wird ihnen die bittere Wahrheit schlagartig bewusst. Es ist noch viel schlimmer als eine glimmende Zigarette. Die betroffene Person hat anstatt normales Benzin das neue E10 getankt. Umstehende Kunden versuchen den Geschädigten zu trösten, doch es hilft alles nichts. Er sieht seinen Motor bald schon verzweifelt aufheulen und platzen. Eine Reparatur scheint in absehbarer Zeit unerlässlich.

  • Wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in dieser Geschichte?
  • Ist E10 wirklich so gefährlich?
  • Welchen Nutzen hat E10?
  • Was bringt E10 für die Umwelt?

E10 Einführung scheiterte bereits 2008 und bleibt ein Ladenhüter

Sofern Sie sich bereits die ganze Zeit seit der Einführung des E10 Biosprits fragen, ob Sie von diesem Treibstoff nicht schon einmal etwas gehört haben, liegen Sie sehr richtig.

Der Versuch der E10 Einführung als umweltschonendes Benzin liegt inzwischen ein paar Jahre zurück und scheiterte bereits damals. Wer sich nicht so recht erinnern will, dem helfen wir mit einer kleinen Chronologie auf die Sprünge und behandeln das Thema, warum es überhaupt eine E10 Einführung gibt, gleich mit.

In den Zeiten vom damaligen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wurde im April des Jahres 2008 über die Einführung des Biosprits verhandelt. Gabriel entschied sich jedoch für eine Vertagung der Problematik. Die Schätzung, drei Millionen Autos könnten den Biosprit nicht vertragen, war zu hoch.

Ziemlich genau ein Jahr darauf (2009) schreibt die EU eine „Biosprit Richtlinie“ vor, die besagt, dass bis 2020 zehn Prozent der Energie im Transportsektor, sprich Kraftstoff, erneuerbar sein muss. Dies ist nicht gleichzusetzen mit einer Vorgabe E10 einzuführen. Wie die einzelnen Staaten den Verbrauch senken, ist ihnen selbst überlassen. E10 ist nur eine Möglichkeit.

Es sollte in Deutschland noch bis November 2010 dauern, bis der E10 Biosprit alle Hürden auf politischer Ebene bewältigt hatte. So beschloss der Bundesrat die Einführung von E10 Benzin für den 1. Januar 2011. Seit dem 2. Januar bieten Tankstellen den Biosprit an.

Seitdem ist die Aufregung auf allen Ebenen groß und der Verkauf gering. Auch über ein Jahr später erreichte der Verkauf nur einen Anteil von rund 15%. Dennoch scheiterte der Versuch im August 2012 den Kraftstoff E10 wieder abzuschaffen. An den Verkaufsanteilen hat sich bis heute nichts geändert.

Woraus setzt sich E10 Biosprit zusammen?

Das bisher allgemein bekannte (und genutzte) Normalbenzin bzw. mittlerweile allein Super Benzin oder Super Plus Benzin ist auch unter der Bezeichnung E5 bekannt. Die „5“ steht für den Bioethanol Anteil, der im Benzin enthalten ist. Jeder Ottomotor kann diesen Kraftstoff verarbeiten und wird entsprechend seinen Leistungen angetrieben.

Durch die Einführung von E10 will man mehr Bioprodukte, also erneuerbare Energiequellen, in den Sprit integrieren. Deshalb wurde der Anteil von Bioethanol im Kraftstoff auf maximal 10% erhöht. Daher auch die neue Bezeichnung „E10 Biosprit“. Die Erhöhung des Bioethanols sorgt allerdings dafür, dass nicht mehr jeder Motor den Kraftstoff verarbeiten kann.

Woran erkenne ich die E10 Verträglichkeit meines Pkw?

Bevor Sie Ihren Tank tatsächlich mit E10 Biosprit befüllen, müssen Sie sicher sein, dass Ihr Motor diesen Kraftstoff verarbeiten kann. Die E10 Verträglichkeit kann man einer Liste der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH entnehmen.

Diese Liste ist ebenso auf den Seiten des ADAC zu finden. Weiterhin gilt generell die Regel, dass alle Fahrzeuge, die nach 2001 produziert wurden, eine E10 Verträglichkeit aufweisen – jedoch nur diejenigen Autos, die keinen Motor mit einer Aluminiumlegierung besitzen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an Ihren Vertragshändler, der Ihnen eine sichere Auskunft über die Verträglichkeit geben kann.

Kann ich in Zukunft nur noch E10 Benzin tanken?

Die klare Antwort lautet: Nein! Die Verordnung der Bundesregierung sieht vor, dass Tankstellen, die das neue E10 Benzin anbieten, parallel immer auch E5 im Sortiment haben müssen. Deshalb wird das E5 Benzin nicht abgeschafft. Zudem ist die Verordnung zeitlich unbefristet.

Steigt der Verbrauch mit E10 Biosprit?

In den Medien wird immer wieder darüber berichtet, dass der E10 Verbrauch deutlich höher ist als der Verbrauch mit dem bisherigen E5 Kraftstoff. Diese Aussage ist so pauschal nicht haltbar, weil der Kraftstoffverbrauch von mindestens zwei Faktoren abhängig ist.

Der Energiegehalt von Ethanol beträgt lediglich zwei Drittel des Energiegehalts des Kraftstoffs, wobei das Ethanol bessere Verbrennungseigenschaften besitzt und somit die Oktanzahl erhöht. Allerdings haben Motoren verschiedene Regelungstechniken. Es können daher keine generellen Aussagen darüber getroffen werden, inwiefern sich der Kraftstoffverbrauch bei der Zumischung von Ethanol (im Fall von E10 Bioethanol) verändert.

Es gibt jedoch einen Richtwert von 3% im Vergleich von Kraftstoff ohne Ethanol zu Kraftstoff mit Ethanolbeimischung; wohlgemerkt 3% mehr Verbrauch bei Ethanolbeimischung. Da das E5 Benzin bereits aus 5% Ethanol besteht, kann der Verbrauch mit E10 Biosprit maximal um 1,5% ansteigen.

Durch E10 wird Autofahren teurer

Auch wenn ein tatsächlich höherer Verbrauch bei Nutzung von E10 Benzin nicht zwingend nachzuweisen ist, so lässt der Biosprit das Autofahren insgesamt dennoch teurer werden. Grund ist die Herstellungsweise des Biosprits.

Die Herstellung der Biokomponenten ist insgesamt deutlich teurer als deren mineralische Pendants. Dadurch könnte es zu unverhältnismäßigen Anstiegen bei den Benzinpreisen kommen, die die Kosten für die Herstellung des E10 Biosprits abfangen sollen.

E10 Preis im Vergleich zu anderem Benzin

Es scheint, als möchte man dem Kunden die Verwendung von E10 Biosprit durch geringere Preise schmackhaft machen. Dabei liegt es an der durch die großen Gesellschaften (gemeint sind z.B. Aral oder Shell) festgelegten Bioquote von 6,25%, die für alle Kraftstoffsorten erreicht werden muss. Dadurch entstehen Preisunterschiede von zuweilen 5 bis 8 Cent/Liter zwischen E10 und E5 Benzin, wobei der Biosprit der Günstigere ist.

E10 Biosprit Nachteile: Schwere Schäden bei Falschbetankung

Informieren Sie sich sehr genau darüber, ob Ihr Automobil in der Lage ist, E10 zu verarbeiten oder nicht. Zudem achten Sie bei der Betankung immer darauf, dass Sie das richtige Benzin einfüllen. Schon bei nur einer E10 Tankfüllung in einem Auto, welches den E10 Biosprit nicht verträgt, kann es zu schweren, vor allem aber nachhaltigen Schäden kommen. ,

Sollten Sie eine falsche Betankung rechtzeitig bemerken, starten Sie auf keinen Fall den Wagen. Ansonsten gelangt das Benzin in das gesamte System. Und solange der Motor nicht gestartet wird, muss in der Regel lediglich der Tank ausgepumpt werden. Anschließend können Sie den Wagen mit dem „richtigen“ Benzin betanken.

Über mögliche Auswirkungen einer falschen Betankung müssen Sie sich beim Fahrzeughersteller oder einer Vertragswerkstatt erkundigen, da die Beschädigungen sehr unterschiedlich ausfallen können.

E10 Vorteil: Die Umwelt KANN geschont werden

Nach all der Kritik am E10 Biosprit sollte dessen positive Auswirkung nicht vergessen werden. Schließlich wurde dieses Benzin eingefürt, um das Klima zu schützen. Der Unterschied liegt dabei in der Verbrennung. Während bei fossilen Brennstoffen klimaschädliche Gase freigesetzt werden, ist dies beim Biosprit nicht der Fall. Die Ursprungspflanzen, aus denen das E10 Benzin hergestellt wird, nimmt beim Wachstum bereits das CO2 auf, welches es bei der Verbrennung lediglich wieder abgibt. Dadurch wird die (schon beim Wachstum der Pflanzen bestehende) CO2 Bilanz nicht geändert. Weiterhin schont die Nutzung von Biosprit die Erdölvorräte.

Die Grundlage einer positiven Bilanz bei der Nutzung von E10 Benzin ist jedoch dessen ökologisch verträgliche Herstellung. Werden bei der Erzeugung des Benzins fossile Brennstoffe verwendet, die einen CO2 Ausstoß zur Folge haben, kann auch die Verwendung von E10 diese höhere Umweltbelastung nicht ausgleichen.

Was passiert jetzt mit meinem benzinbetriebenen Rasenmäher?

Bei der Diskussion um den E10 Biosprit denken die Meisten vermutlich allein an ihr Auto und weniger an den eigenen Rasen, der bald schon wieder regelmäßig gemäht werden muss. Dabei darf man nicht vergessen, wie viele Rasenmäher mit Benzin betrieben werden. Zumindest der Hersteller Briggs & Straton gibt Entwarnung.

Die Modelle des US-amerikanischen Herstellers sind schon lange E10 verträglich, weil die Beimischung von 10% Bioethanol in Amerika seit Jahren üblich ist. Die Verträglichkeit gilt übrigens uneingeschränkt für alle Motoren des Herstellers. Wer also einen Briggs & Stratton Rasenmäher sein Eigen nennt, braucht sich bei der Verwendung von E10 Biosprit keine Sorgen machen.

Bei allen anderen Herstellern können wir vorerst keine Garantie geben, dass diese mit dem Biosprit arbeiten können geschweige denn nicht beschädigt werden.

 

Hat Ihnen dieser Ratgeber gefallen?

Aktuelles User-Feedback

4,5/5 aus 13 Bewertungen
 
Kommentare
  • Der Kraftstoffverbrauch geht ordentlich in die Höhe.Auf 600 Kilometern musste ich 2 mal Tanken.Mein Motor : 2.0 Liter Benziner,115 PS.Das gebräu ist was für Anfänger.In meinen Tank kommt nur das gute E5 oder Super-Bleifrei.Denn nur das schont die Umwelt und den Motor.Etanol hat übrigens noch 2 Nachteile:

    es schmiert den Motor nicht mit,sondern entzieht ihm das Öl.Alkohol und Benzin waren schon immer ein Klasse für sich.

    E95,E98.

    Volle Grüße
    Alias 03.04.2016 04:38:19 antworten
Neuen Kommentar veröffentlichen