Akku-Schrauber & Bohrer

Die Weltneuheit der Akkuschrauber Westfalia TwistMeister im Test

  • Der Westfalia TwistMeister ist kein gewöhnlicher Akkuschrauber und besitzt einen Kopf, der sich in alle Richtungen drehen oder knicken lässt.
  • Mit seinem 7,2 Volt Litium-Ionen-Akku gehört er sicher nicht zu kräftigsten, schlägt im test aber den Bosch IXO.
  • Wird der Kopf um 90° abgewinkelt und werden kurze Bits verwendet, benötigt er lediglich 6 cm, um arbeiten zu können.

Westfalia TwistMeister Test

“Weltneuheit! Arbeiten in jedem Winkel”

Test Westfalia TwistMeister

Extrem beweglich der Westfalia TwistMeister

Das verspricht Westfalia mit seinem neuen TwistMeister. Eine Weltneuheit ist er auf jeden Fall, denn bisher gibt es keinen beweglicheren Akkuschrauber. Nur ist er so beweglich, wie ihn sein Produktfilm vorstellt? Wie schlägt er sich in der Praxis? Wir werden diesen Fragen auf den Grund gehen und können jetzt schon sagen, dass der erste Eindruck überraschend ist.

“Erreicht jede Ecke, in alle Richtungen drehbar. 360° dreh- und knickbarer Kopf mit 2 Gelenken. Kraftvoll und kompakt.”

Kann der TwistMeister mehr als nur den Kopf verdrehen und knicken? Und was für viele Anwender sicher wichtig ist – was versteht Westfalia unter kraftvoll und kompakt? Ob 7,2 Volt Li-Ionen wirklich ausreichen, wird unser Test ebenfalls zeigen.

Technische Daten

(Herstellerangaben)

Nennspannung: 7,2 V
Gewicht: 450 g
Schallleistungspegel: 50 dB(A)
Akku: Li-Ionen 0,7 Ah
Leerlaufdrehzahl: 0 – 175 min -1
Bitaufnahme: 1/4 “, 6,35 mm
Ladegerät: 230 V, 5 W, 8,6 V, 1 A
Ladedauer: 1 h

Sinnvolle Verpackung mit geringem Platzbedarf

Für einen kleinen Schrauber, der immer griffbereit sein soll, ist ein Koffer sicherlich nicht nötig und würde den Kaufpreis nur unnötig erhöhen. Daher ist in diesem Fall der Karton absolut ausreichend.

Wichtig ist allerdings ein stabiler Karton, der nicht mehr Platz als nötig beansprucht und sich gut zur dauerhaften Lagerung des Werkzeugs eignet. Dieses ist beim TwistMeister absolut gegeben. Der Karton ist robust und der TwistMeister sowie Ladegerät und Zubehör lassen sich platzsparend unterbringen.

Zusätzlich bietet die Verpackung alles, was zum Verkauf nötig ist: Auf dem Karton befinden sich aussagekräftige Bilder zur Funktion, eine komplette Auflistung des Zubehörs und alle wichtigen technischen Daten in Deutsch und Englisch. Kurz gesagt – gut und praktisch gelöst.

Westfalia Twistmeister Verpackung

Ein Karton muss reichen.

TwistMeister Verpackung

Ein Blick in die Verpackung.

Hochwertige Bedienungsanleitung die Maßstäbe setzt

Bei dem Namen Westfalia denken sicher viele an die Kataloge mit den hauchdünnen Blättern zurück. Damit hat diese Bedienungsanleitung absolut nichts gemein.

Westfalia twistmeister Bedienungsanleitung

Umfangreich und perfekt beschrieben

Hochwertiges Glanzpapier mit auffallend großer und sehr gut lesbarer Schrift sowie einer verständlichen Beschreibung mit klar erkennbaren Bildern bilden hier die Basis einer sehr guten Anleitung.

Zusätzlich ist die Bedienungsanleitung des TwistMeisters in drei Teile aufgeteilt. Ein extra Hinweis gibt Auskunft darüber, dass es sich um ein Werkzeug für den privaten Gebrauch handelt, was manchen Interessenten beim Werkzeugkauf mitunter nicht bewusst ist.

Zusätzlich gibt es ein Heft mit allgemeinen Sicherheitshinweisen, welches sich den Qualitätsmerkmalen der eigentlichen Bedienungsanleitung anschließt. Unnötiger Platz wird damit nicht verschenkt, denn jeder kann für sich entscheiden, welcher Teil wichtig ist und aufgehoben werden sollte.

Ausreichend Zubehör für den ersten Einsatz

Zur Basisausstattung des TwistMeisters gehört neben der Gürteltasche auch eine Grundausstattung an Bits und Steckschlüsseleinsätzen.

Enthaltenes Zubehör:

Westfalia TwistMeister Gürteltasche

Praktische Gürteltasche

  • Kreuzschlitz: PH0, PH1, PH2, PZ0, PZ1, PZ2
  • Schlitz: SL3, SL4, SL5
  • Torx: T10, T15, T20
  • Innensechskant: Inbus 2,5 mm, 4 mm, 5 mm
  • Steckschlüssel (Nuss): 6 mm, 8 mm, 10 mm
  • Magnetischer Bithalter
  • Nylon-Gürteltasche

Alle Bits sind sicher an und in der Gürteltasche untergebracht und sorgen so für einen flexiblen und sicheren Einsatz.

Mit den Standardgrößen an Schlitz-, Kreuz- und Torxbits sowie je drei Inbus- und Steckschlüsseleinsätzen ist eine gute Basis geschaffen, mit denen sich die meisten Arbeiten ausführen lassen. Interessant ist ebenso die Größe der Bithalterungen. Sie gleicht sich in etwa mit anderen Herstellern (beispielsweise Bosch) und lässt sich somit austauschen.

Die Gürteltasche selber ist gut verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck. Dabei findet der TwistMeister einen guten Platz und fällt auch im Einsatz nicht heraus. Die Befestigung mittels Metallclip sorgt zwar für eine schnelle Befestigung, kann sich bei der Entnahme des Schraubers allerdings vom Gürtel lösen. Eine Gürtelschlaufe wäre in diesem Fall eventuell hilfreich.

Twistmeister Westfalia Zubehör

Für den schnellen Einsatz ist das Set an Bits ausreichend.

Westfalia Gürteltasche

Der Clip aus Metall ist stabil, kann sich aber auch vom Gürtel lösen.

Der erste Eindruck macht neugierig

Einführungspreis 49,99 € und später 59,99 €, – wer bei diesem Preis mit einem billigen Discounterschrauber rechnet, dürfte positiv überrascht sein.

Mit knapp einem halben Kilo steht fest, dass hier nicht nur Kunststoff verbaut wurde. Der TwistMeister liegt gut und mit seinen Gummiflächen absolut sicher in der Hand. Die Verarbeitung wirkt hochwertig und ist deutlich besser als in der Preisklasse erwartet. Der Gasgriff wirkt im ersten Moment anders, ist er aber nicht.

TwistMeister Knickfunktionen

Der Twistmeister lässt sich in alle Richtungen knicken.

Wird der TwistMeister wie ein üblicher Akkuschrauber gehalten, fällt auf, dass er sich ebenso bedienen lässt. Wird der Kopf dazu in die entsprechende Richtung gestellt, lässt er sich sogar wie ein herkömmlicher, aber sehr kurzer Akkuschrauber nutzen.

Wer im Daumen mehr Gefühl hat, kann den TwistMeister auf Wunsch drehen und mit dem Daumen bedienen. In beiden Positionen befindet sich die Drehzahlregulierung in guter Position und die Drehzahl lässt sich gut einstellen.

Allerdings macht sich auch ein seitliches Spiel am Schalter bemerkbar, der mitunter zu einem leichten Hakeln führt. Es kann auch vorkommen, dass unbeabsichtigt der Drehrichtungsschalter gedrückt wird, da sich dieser sehr leichtgängig bedienen lässt. Mit mehrmaligem Gebrauch ist aber eine Handstellung gefunden und angewöhnt, mit der der Drehrichtungsschalter nicht unbeabsichtigt verstellt wird.

Twistmeister Beleuchtung

Die Beleuchtung benötigt eine zusätzliche Batterie und muss manuell eingeschaltet werden.

Was auffällt, ist die LED-Arbeitsleuchte. Bei normalen Schraubern inzwischen ganz normal, ist sie bei dieser Schrauberform schon etwas Besonderes und nicht unbedingt üblich. Ebenso besonders ist die bauartbedingte Integration einer zusätzlichen Batterie.

Eine typische Umsetzung über den eingebauten Akku und der Bedienung des Schraubers, dürfte aufgrund der Bauart schwer werden. Eine LED-Beleuchtung ist aber gerade in dunklen Ecken sehr hilfreich.

So ist diese Umsetzung zwar etwas eigenartig, aber durch die Möglichkeit der manuellen Nutzung sicher nicht zu verachten. Etwas nachteilig ist allerdings der Abstrahlwinkel. Da dieser parallel zur Schraubachse liegt, trifft er nicht ganz den Bit beziehungsweise die Schraube. Der Arbeitsbereich ist dennoch ausreichend beleuchtet.

Leider nicht leuchtend ist eine Akkuanzeige, welche gerade bei fest verbauten Akkus vorhanden sein sollte. Lässt sich der Akku nicht wechseln und so ein durchgehendes Arbeiten sicherstellen, hilft eine Akkuanzeige, um mit genug Leistungsreserven an die Arbeit zu gehen.

TwistMeister laden

Der Ladevorgang wird durch eine rote LED signalisiert

Tröstend ist dafür die Ladezeit von maximal einer Stunde und die Sicherheit, einen Li-Ionen-Akku ohne Leistungseinbußen nachladen zu können.

Geladen wird der Akku über ein externes Netzteil, was durch eine rote LED am Gerät signalisiert wird. Erlischt die LED, ist der TwistMeister fertig geladen und sollte vom Netzteil getrennt werden, da nach fünf Stunden der Akku beschädigt werden könnte. So zumindest der Hinweis in der Bedienungsanleitung. Hier wurde offensichtlich zur Kostensenkung auf eine automatische Abschaltung verzichtet.

Ebenso verzichtet wurde auf Lüftungsschlitze im Gehäuse, wodurch kein Schmutz eindringen kann. Ob das ein Vorteil ist oder der TwistMeister dadurch schnell ins Schwitzen gerät, wird der Praxistest im Dauerlauf zeigen.

Praxistest – es funktioniert

Den Praxistest beginnen wir etwas unüblich mit einem Dauerlauf des Schraubers. Die fehlenden Lüftungsschlitze machen schließlich neugierig. Mit einem vollen Akku und einer Schraubzwinge wird der TwistMeister auf Drehzahl gebracht und beobachtet. Nach fünf Minuten wird er ein wenig warm und es riecht nach neuem Werkzeug.

Nicht störend, nicht beißend und auch nicht nach schmorender Technik. Also alles im grünen Bereich. Fünf Minuten später wird er schon deutlich wärmer, lässt sich aber noch problemlos halten und weist keine Beeinträchtigungen auf.

Westfalia Knick-Akku-Schrauber

Zum Drehen muss eine kleine Verriegelung gelöst werden.

Nach insgesamt 15 Minuten wird der Test wieder abgebrochen, da sich keine großen Veränderungen mehr zeigen und hier ein typischer Gebrauch schon deutlich überschritten wurde.

Die Wärme im TwistMeister hat sich zwar ausgeweitet und wird nun doch etwas deutlicher spürbar, ein Hitzeproblem ist aber nicht zu erkennen und dazu sollte es nach diesem Test auch im laufenden Betrieb nie kommen.

Nach dem Dauerlauf von 15 Minuten hat der TwistMeister übrigens eine Ladezeit von 20 Minuten benötigt. Demnach hätte er sicher noch 15 Minuten im Dauerlauf ausgehalten.

Getestet wurde auch die angegebene Drehzahl von 175 min-1, welche absolut gegeben ist und auch unter normaler Belastung nicht zu sehr abnimmt. Dennoch könnte sie gerne ein wenig höher sein. Technisch gesehen gibt es hier aber nichts zu bemängeln.

Auch die Knickfunktion über die zwei Gelenke funktioniert super. Zwar zeigt sich eingerastet etwas Spiel, aber das beeinträchtigt den Einsatz nicht und erleichtert das Finden der Einrastposition.

Etwas hakeliger ist die untere Sperre zur Verriegelung der Drehfunktion, da diese auch nicht so leicht zu erreichen ist. Der Kopf wird allerdings eher selten verdreht und so lässt sich damit gut auskommen.

Wichtig ist, dass der TwistMeister in jeder Position einen guten Griff bietet und dem Anwender wahrscheinlich mehr Halt verschafft, als zum Schrauben benötigt wird. Dabei ließ er sich sogar als Hebel zum Schrauben (Knarre) einsetzen. Bitte nicht nachahmen, dazu ist ein Akkuschrauber und auch der TwistMeister nicht gedacht.

Kraftvoll und kompakt sagt Westfalia

Damit erreichen wir neben der Verarbeitungsqualität eine weitere Überraschung. Der TwistMeister ist mit einer Leistung von 5 Nm angegeben, was im ersten Moment recht wenig erscheint.

TwistMeister von Westfalia im Test

In puncto Kraft schlägt der TwistMeister sogar den IXO.

Zum Vergleich: Bei dem wohl bekanntesten Kleinschrauber sind maximal 4,5 Nm angegeben, sodass er zwar eine Schraube von 4,5 x 120 mm versenkte, aber bereits nach 2 cm an einer Schraube der Größe 5 x 100 mm scheiterte.
Der Westfalia TwistMeister brachte auch die dickere Schraube komplett ins Holz. Dabei beträgt der Platzbedarf über der Schraube gerade mal 6 cm. Das macht so schnell wahrscheinlich keiner nach.

Sicher gibt es Schrauber mit deutlich mehr Leistung, es darf aber nicht vergessen werden, dass die Kraft beim TwistMeister über zwei Gelenke übertragen wird und mehr Kraft auch größere Getriebe benötigt, was einen Schrauber größer und unflexibler macht.

Beim TwistMeister ist ein gutes Mittelmaß gefunden wurden, was ihn handlich und flexibel macht, aber auch mit genügend Kraft ausstattet.

Fazit zum Westfalia TwistMeister

Der TwistMeister von Westfalia überzeugt mit einer enormen Beweglichkeit und einem sehr guten Handling.

Test Westfalia Twistmeister TestsiegelEr ist perfekt zum Schrauben an engen Stellen und bringt dafür genug Leistung mit.

Kleine Schwachpunkte, wie die fehlende Akkuanzeige oder die nicht vorhandene Ladestromabschaltung, könnten noch überarbeitet werden.

Alles in allem ist der TwistMeister allerdings ein solides Gerät, welches nicht zu viel verspricht. Westfalia überrascht hier mit einer guten Idee, einer tollen Umsetzung und einer unerwartet hohen Qualität.

Auch wenn es für kleine Verbesserungsmöglichkeiten einen Stern Abzug gibt, so ist der TwistMeister ein absoluter Preis/Leistungs-Sieger.

Für einen Preis von rund 60 € kann einfach nicht mehr erwartet werden. Im Vergleich zu manch anderen Werkzeugen, bietet Westfalia für wenig Geld mehr als erwartet. Ein Gegner für den TwistMeister mit seinen Einsatzmöglichkeiten muss erst noch gefunden werden.