
In der Werkstatt arbeiten Sie oft mit Aufgaben, bei denen Ihre Muskelkraft nicht ausreicht. Festsitzende oder verrostete Schrauben erfordern viel Kraft beim Lösen. Beim Ausüben der Arbeiten kann ein Schlagschrauber helfen. Er spart Zeit, schont die Handgelenke und kann mehr Druck ausüben als Muskeln allein. Doch Sie können mit starken Geräten auch zu viel Kraft ausüben und Ihr Material gefährden, zum Beispiel durch zerstörte Gewinde oder rundgedrehte Schraubenköpfe. Besonders beim Festziehen von Schrauben sollten Sie sich deshalb immer an die Angaben des Drehmoments am Material halten.
1. Wie setzen Sie einen Schlagschrauber zum Lösen oder Festziehen ein?
Ein Schlagschrauber wird oft als Lösewerkzeug verwendet. Er kann hohe Impulse kurz und kräftig auf eine Verbindung übertragen, sodass er schneller festgerostete Muttern und stark angezogene Schrauben lösen kann. Das ist besonders praktisch, wenn Sie einen Radwechsel oder Fahrwerksarbeiten vornehmen und wenn Sie mit Maschinen oder großen Metallkonstruktionen arbeiten.
Beim Festziehen ist mehr Kraft jedoch nicht immer sinnvoll. Ein moderner Hazet-Schlagschrauber oder ein anderer hochwertiger Schlagschrauber mit Druckluft kann je nach Modell ein Drehmoment von mehreren hundert Newtonmetern erreichen. Größere Zahlen klingen hier beeindruckend, aber sind nicht immer sinnvoll: zu viel Kraft kann die Schrauben, Muttern oder gar das Gewinde des Materials beschädigen und sogar unbrauchbar machen.
Besonders gut eignen sich deshalb Geräte mit Stufenregelungen. Diese ermöglichen ein genaueres Einstellen der wirkenden Kraft. Trotzdem sollten Sie immer das Drehmoment Ihres Materials für Ihre geplante Anwendung genau prüfen.
Tipp: Das Drehmoment M finden Sie als Angabe bei der Klassifizierung von Schrauben an der Verpackung oder beim Hersteller. Das Drehmoment ist das Ergebnis der Rechnung: Kraft (senkrecht auf den Hebelarm wirkend, in Newton) mal Hebelarm (in Meter). Deshalb heißt die Einheit für das Drehmoment Newtonmeter (Nm). 1 Nm entspricht dem Drehmoment, das entsteht, wenn an einem 1 Meter langen Hebel eine Kraft von 1 Newton (ca. 100 g) wirkt.
Das beste Vorgehen ist das Arbeiten mit einer Kombination aus Maschine und Muskelkraft: Die Maschine kann Schrauben vorsichtig vorziehen. Das endgültige Anziehen auf das vorgeschriebene Drehmoment sollte anschließend mit einem Drehmomentschlüssel erfolgen. Wechseln Sie daher auf Ihre Muskelkraft und den passenden Drehmomentschlüssel, sobald die Verbindung sitzt.

Führen Sie den letzten Schritt beim Festziehen einer Schraube mit der Hand mit einem Drehmomentschlüssel aus, um die Schraube nicht zu fest anzuziehen.
2. So nutzen Sie die Drehmoment-Tabellen als Sicherheitsanker
Bevor ein kräftiges Werkzeug angesetzt wird, sollten Sie wissen, was die jeweilige Schraube aushält. Viele Schäden entstehen nicht, weil das Werkzeug schlecht ist, sondern weil Anzugswerte für Gewindegröße, Material und Festigkeitsklasse nicht geprüft wurden. Schrauben unterscheiden sich deutlich darin, wie viel Kraft auf sie wirken darf. Eine kleine Maschinenschraube verzeiht zum Beispiel keinen Krafteinsatz im Bereich mehrerer hundert Newtonmeter.
Die Werte in Drehmoment-Tabellen, technischen Datenblättern oder Herstellerangaben zeigen, welche Werte für bestimmte Schraubenverbindungen üblich sind und wo die Belastungsgrenze liegt. Schauen Sie immer hier nach, um zu verhindern, dass Sie mit einem Ansetzen eines ungebremsten und zu starken Antriebs Ihr Material beschädigen oder zerstören.
Ungefähre Drehmomente verschiedener Schrauben finden Sie in Drehmoment-Tabellen. Schauen Sie aber immer zuerst auf die Angaben auf den Schrauben, mit denen Sie arbeiten oder die Sie lösen wollen. Dabei sind drei Größen wichtig.
Prüfen Sie
- das Material der Schraube,
- die Gewindegröße
- und die Festigkeitsklasse der Schraube.
Zur groben Orientierung: So sehen typische Drehmomente bei Aluminium-Schrauben aus, wenn Sie in einem Regelgewinde eingesetzt werden:
| Gewindegröße | Festigkeitsklasse | Drehmoment in Nm |
|---|---|---|
| M2 | 4.6 | 0,13 |
| M2 | 8.8 | 0,35 |
| M20 | 4.6 | 157 |
| M20 | 8.8 | 420 |
| M42 | 8.8 | 4050 |
Verlassen Sie sich aber nicht auf grundsätzliche Werte. Überprüfen Sie immer die Drehmoment-Angabe am Material selbst.
Bei der Materialwahl für ein geplantes Projekt ist das Drehmoment eine wichtige Größe: Wählen Sie neues Material aus, sollten Sie nicht nur nach Leistung entscheiden, sondern nach der jeweiligen Schraubverbindung. Stecknüsse und Adapter müssen genau zueinander passen und der genau passende Drehmomentschlüssel kann die Verbindung so schonend festziehen, dass Sie sicher sein können, Ihr Material nicht zu beschädigen. Die passenden Anzugswerte ergeben sich aus Herstellerangaben, Fahrzeughandbuch oder verlässlichen Drehmoment-Tabellen. Fachhändler für Werkstattbedarf wie zum Beispiel Tuulzone bieten passende Werkzeuge und Zubehör für verschiedene Anwendungen an.

Achten Sie bei der Wahl von Schrauben für Ihr Projekt auf die Angabe des Drehmoments, bevor Sie damit arbeiten.
3. Wann nutzen Sie einen Drehmomentschlüssel?
Der Punkt, an dem die Maschine aufhört, ist der Punkt, an dem Sie mit dem Drehmomentschlüssel übernehmen sollten. Ein Drehmomentschlüssel sorgt dafür, dass die Schraube nicht nur fest, sondern korrekt angezogen ist. „Fest“ mit einer Maschine kann zu wenig sein, wenn sich die Verbindung später löst, aber auch zu viel, wenn das Gewinde bereits überlastet wurde.
Beim Radwechsel wird dieser Unterschied besonders deutlich. Radschrauben müssen gleichmäßig und mit dem passenden Wert angezogen werden. Wird eine Schraube zu stark angezogen, kann sie sich verformen oder beim nächsten Lösen Probleme machen. Wird sie zu schwach angezogen, entsteht ein Sicherheitsrisiko. Deshalb ist die Kombination aus vorsichtigem Vorarbeiten mit der Maschine und präziser Endkontrolle von Hand sinnvoll. Auch der Umgang mit dem Drehmomentschlüssel selbst ist wichtig.
So gehen Sie mit einem Drehmomentschlüssel nach der Arbeit um, damit er lange seine Messgenauigkeit behält:
- Entlasten Sie die Feder, indem Sie das Werkzeug auf den niedrigsten vorgesehenen Wert zurückstellen.
- Lagern Sie den Schlüssel geschützt in einer passenden Box, nicht lose in der Werkzeugkiste.
- Nutzen Sie den Schlüssel nicht als gewöhnlichen Hebel für andere Aufgaben.
4. Welche Rolle spielt die Werkzeug-Organisation?
Ein guter Ablauf, bei dem Sie die richtigen Geräte nutzen und den richtigen Krafteinsatz aufwenden, profitiert von einer guten Organisation. Am besten haben Sie die wichtigsten Teile griffbereit, wenn Sie anfangen: das Gerät, passende Stecknüsse, Drehmomentschlüssel, Referenzwerte und Reinigungsmittel.
Ein stabiler Werkzeugwagen kann dafür eine praktische Basis sein. Besonders schwere Geräte und Zubehör lassen sich mit ihm dorthin bewegen, wo sie gebraucht werden. Das ist angenehmer, sicherer und reduziert die Versuchung, mit unpassendem Werkzeug zu improvisieren.
Vor allem gilt: Setzen Sie nicht möglichst viel Kraft ein, sondern dosieren Sie die Kraft für ein gutes Ergebnis gezielt:
- Der Schlagschrauber löst festsitzende Verbindungen,
- Drehmomentwerte geben die technische Grenze vor
- und der Drehmomentschlüssel sorgt für die präzise Endkontrolle.
Passendes Zubehör kann Ihre Arbeit gut ergänzen. Entscheidend bleibt aber die saubere Reihenfolge: erst prüfen, dann lösen oder vorziehen, zuletzt kontrolliert festziehen.

Ein Schlagschrauber ist gut zum ersten Festziehen von Schrauben geeignet, doch sobald die Schraube sitzt, sollten Sie zu einem Drehmomentschlüssel wechseln.
Bildnachweise: Adobe Stock/Виталина Митрофанова, Adobe Stock/smoke, Adobe Stock/Svitlana, Adobe Stock/vadish (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)
















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