Hausanbau

Anbau an ein bestehendes Haus: Tipps für die Wohnraumvergrößerung

Ein Ratgeber aus der heimwerker.de Redaktion

Ein weißes Haus mit einem modernen Anbau mit Holzfassade

Im eigenen Einfamilienhaus zu wohnen, ist für viele Eigentümer ein schönes Gefühl. Wenn aufgrund eines Familienzuwachses oder veränderter Lebensumstände ein größerer Platzbedarf entsteht, ist ein Umzug daher meist keine Option. Stattdessen eignet sich in solchen Fällen häufig ein Anbau an das bestehende Haus.

Damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen, ob ein Anbau für Sie infrage kommt, stellen wir Ihnen in diesem Ratgeber die verschiedenen Möglichkeiten eines Anbaus vor. Dabei gehen wir sowohl auf ebenerdige Anbauten als auch auf die Möglichkeit der Aufstockung ein. Außerdem erklären wir Ihnen, wann Massivbauten oder Fertighaus-Module besser geeignet sind, bei welchen Bauweisen Ihre individuellen Ideen und Vorstellungen gut umsetzbar sind und welche rechtlichen Vorschriften Sie beachten müssen.

1. Welche Anbau-Möglichkeiten gibt es?

Ein Anbau an ein bestehendes Haus erfordert eine gründliche Planung, da es sich um ein kostenintensives Bauvorhaben handelt. Grundsätzlich können Sie zwischen ebenerdigen Erweiterungen sowie Aufstockungen wählen.

1.1. Ebenerdiger Anbau

Für ebenerdige Erweiterungen des Wohnraums eignen sich vor allem Anbauten, die seitlich an das Haus, etwa an der Giebelseite, oder nach hinten geplant werden. Damit erschaffen Sie zusätzliche Räume, beispielsweise für das Homeoffice. Auch für Einliegerwohnungen eignet sich ein ebenerdiger Anbau.

Rückwärtige Anbauten bieten gegenüber seitlichen Anbauten an der Giebelseite den Vorteil, dass die Optik des Hauses von der Straße aus unverändert bleibt. Dadurch müssen meist keine aufwendigen Anpassungen der Fassade vorgenommen werden. Dies spart sowohl Kosten als auch den baulichen Aufwand.

Hinweis: Der Anbau an einen Altbau ist ebenfalls möglich, wird aber als Sonderfall betrachtet. Hier müssen Ästhetik und Bautechnik an den Bestand angepasst werden, was den Planungs- und Bauaufwand erhöht. Bei denkmalgeschützten Gebäuden müssen darüber hinaus noch schärfere Vorschriften berücksichtigt werden.

1.2. Aufstocken des Wohnraums

Eine weitere Möglichkeit für die Wohnraumvergrößerung ist die Aufstockung Ihres Hauses. Vor allem, wenn das Grundstück keinen Erweiterungsraum nach hinten oder zur Seite lässt, ist eine Aufstockung eine gute Alternative zu ebenerdigen Anbauten.

Ein Vorteil dieser Anbau-Art ist, dass die Grundstücksfläche nicht verändert wird, sodass das restliche Grundstück wie gewohnt nutzbar ist. Bei einer Aufstockung muss jedoch zunächst geprüft werden, ob die Statik ausreichend tragfähig ist. Außerdem sollten Sie überprüfen, wie sich die Aufstockung in die bestehende Dachform, z. B. ein Satteldach oder ein Mansarddach, einfügt.

Auch der Zugang zum neuen Stockwerk muss geplant werden. Gibt es bereits zwei Etagen oder mehr in Ihrem Haus, reicht es oftmals aus, die bestehende Treppe anzupassen. Ist dies nicht möglich, muss eine neue Treppe gebaut werden.

Die Aufstockung geht meist mit höheren Kosten einher, da auch der Aufwand größer ist. Berücksichtigen Sie daher bei der Budgetplanung den baulichen Aufwand, um eine passende Kredithöhe zu ermitteln. Zur Finanzierung bietet sich eine Baufinanzierung an, die Bau-, Kauf- oder Umbaukosten einer Immobilie abdeckt. Da der Anbau an ein bestehendes Gebäude in der Regel als Umbau oder als Modernisierungsmaßnahme gilt, sind Baufinanzierungen mit festgelegten Zinssätzen und Laufzeiten besonders geeignet.

In einem Wintergarten mit hölzerner Decke und Wänden steht ein großes Sofa.

Auch Wintergärten sind eine beliebte Art des Anbaus und können beheizt oder unbeheizt geplant werden. Kleinere Kaltwintergärten sind teilweise genehmigungsfrei.

2. Welche Bauweisen eignen sich für einen Anbau?

Neben der Bauart sollten Sie sich bei der Planung eines Anbaus auch über die gewünschten Materialien und Eigenschaften Gedanken machen. Ein Anbau kann über verschiedene Bauweisen erfolgen, die ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Bauweise Vor- und Nachteile
Holzrahmenbau + schnelle Errichtung und hohe Planungssicherheit

+ Holz ist ein vergleichsweise leichtes Material

- kaum Schallschutz, wodurch nachträglicher Mehraufwand notwendig ist

Massivbau + hoher Schallschutz

+ viele Möglichkeiten zur Individualisierung bei eigenen Ideen und Vorstellungen

- längere Bauzeit

Modulbau + Fertighaus-Module ermöglichen einen schnellen Anbau

+ gut kalkulierbare Kosten

- eingeschränkte Individualisierung

Die passende Bauweise hängt vor allem von Ihren Prioritäten und dem Nutzungszweck des Anbaus ab. Wenn Sie sich einen schnellen Aufbau wünschen, sind Fertighaus-Module empfehlenswert. Diese eignen sich optimal für

  • Schlafzimmer,
  • Wohnzimmer,
  • Homeoffice
  • oder Hauswirtschaftsräume.

Massivbauten hingegen sind eher empfehlenswert, wenn Sie sich einen schallgeschützten Anbau wünschen. Außerdem lassen sich Ihre individuellen Ideen und Wünsche bei einem Massivanbau gut umsetzen. Auch für eine Einliegerwohnung ist ein Massivbau besser geeignet als ein Fertighaus-Modul.

Ein Anbau aus Holz wird angefertigt. Eine Säge und Holz liegen auf dem Boden.

Wichtig ist, bei jedem Anbau die Statik, den Brandschutz und die Energieeffizienz zu beachten. Außerdem muss der Anbau fachgerecht an das Bestandsgebäude angeschlossen werden, damit Schimmelbildung, Risse und Wärmeverluste vermieden werden.

3. Welche rechtlichen Aspekte müssen Sie für einen Anbau berücksichtigen?

Die meisten Anbauten an ein bestehendes Haus sind genehmigungspflichtig, sofern sie mit dem Gebäude verbunden sind. Bevor Sie mit dem Bau beginnen, muss daher ein entsprechender Antrag bei der zuständigen Baubehörde gestellt werden. Der Antrag erfolgt meist über einen Architekten oder einen Bauingenieur.

Hinweis: Kleinere Anbauten, z. B. ein unbeheizter Wintergarten oder ein Fertig-Modul unter 30 Quadratmetern, sind in einigen Bundesländern genehmigungsfrei. Informieren Sie sich daher vorab bei Ihrer zuständigen Baubehörde, ob eine Genehmigung notwendig ist.

Was bedeuten GRZ und GFZ?

Die Geschossflächenzahl bestimmt die maximale Quadratmeterzahl Geschossfläche pro Quadratmeter Grundstücksfläche, während die Grundflächenzahl vorgibt, welcher prozentuale Anteil des Grundstücks bebaut oder versiegelt werden darf.

Außerdem müssen Sie den Bebauungsplan berücksichtigen. In diesem ist festgelegt, wie viel Fläche zusätzlich bebaut werden darf.

Wichtig für den Anbau sind die Grundflächenzahl (GRZ) und die Geschossflächenzahl (GFZ). Prüfen Sie vor der Planung Ihres Anbaus genau, welche Möglichkeiten Sie laut dem Bebauungsplan haben, um zu berechnen, wie groß Ihr Anbau maximal sein darf.

Darüber hinaus müssen Sie den vorgeschriebenen Abstand zum Nachbargrundstück einhalten. Dieser beträgt häufig 3 Meter, kann aber je nach Region variieren. Planen Sie die Abstände entsprechend ein und halten Sie sich an die genauen Vorschriften in Ihrem Bundesland.

Hinweis: In einigen Bundesländern ist es zudem Pflicht, eine schriftliche Zustimmung der Nachbarn einzuholen, bevor der Bauantrag gestellt werden kann. Diese muss dem Antrag entsprechend beigelegt werden.

Neben der Bebauungsfläche spielt vor allem bei der Aufstockung auch die Höhenbegrenzung, die in Ihrer Kommune vorgesehen ist, eine Rolle. Meist gelten die folgenden Maximalhöhen:

  • maximal 3 Meter Wandhöhe an der Grundstücksgrenze
  • maximal 9 Meter Gesamthöhe an der Grundstücksseite

In vielen Bebauungsplänen ist zudem vorgegeben, welche Neigung das Dach haben muss. Planen Sie beispielsweise ein Flachdach, um die Maximalhöhe nach einer Aufstockung nicht zu überschreiten, sollten Sie unbedingt im Bebauungsplan überprüfen, ob dies möglich ist oder ob beispielsweise ein Satteldach gefordert ist.

4. Welche Kosten kommen beim Anbau auf Sie zu?

Die Kosten für einen Anbau an ein bestehendes Haus variieren je nach Bauart, Größe, Ausstattung und Region. Als Orientierungswert können Sie grob mit Kosten von 1.800 bis 2.700 Euro pro Quadratmeter rechnen. Soll der Anbau schlüsselfertig sein, steigen die Kosten oft auf ca. 3.500 Euro oder mehr an. Fertighaus-Module sind dabei kostengünstiger als Massivbauten.

Ein Anbau von 50 Quadratmetern liegt bei durchschnittlichen Baukosten zwischen 90.000 und 175.000 Euro – je nachdem, für welche Bauart und Ausstattung Sie sich entscheiden. Planen Sie zusätzlich ca. 10 bis 15 % der Anbaukosten als Reserve ein.

Ein Kellerraum wird gebaut.

Ein Anbau mit Unterkellerung geht mit höheren Kosten einher, ermöglicht aber deutlich mehr Stau- oder Wohnraum und steigert den Wert der Immobilie.

Neben Krediten zur Baufinanzierung lassen sich teilweise auch Fördermittel für den Anbau beantragen – insbesondere, wenn Sie den Anbau energieeffizient planen oder zugleich das Gebäude energetisch sanieren. Möglich sind z. B. die folgenden Förderprogramme:

Förderprogramm Einzelheiten
BEG Einzelmaßnahmen (BAFA)
  • kann bei energetischen Sanierungsmaßnahmen am Bestandsgebäude oder dem Anbau beantragt werden, z. B. bei Fassadendämmung oder dem Austausch von Fenstern
  • Förderung von 15 bis 20 % möglich, maximal aber 30.000 Euro pro Wohneinheit und Jahr
KfW-Kredit 261
  • kann bei Einbindung in eine energetische Gesamtsanierung beantragt werden
  • max. 150.000 Euro Kredit je Wohneinheit
  • Tilgungszuschuss zwischen 5 und 45 %, abhängig von der Effizienzhaus-Stufe und weiteren Boni
KfW 458
  • kann bei Erneuerung der Heizung im bestehenden Gebäude beantragt werden, wenn eine klimafreundliche Heizung eingebaut wird
  • Förderung beginnt bei 30 %, kann aber durch weitere Boni erhöht werden

Bildnachweise: Adobe Stock/OH, Adobe Stock/Andrey_Arkusha, Adobe Stock/Ingo Bartussek, Adobe Stock/Jason (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)