Hausbau

Bauen ist so teuer wie noch nie, trotzdem kann sich Neubau lohnen

Noch immer steigen die Preise für Immobilien und Wohneigentum und ein Ende ist nicht in Sicht. Skeptische Prognosen werden vom Immobilienmarkt einfach ignoriert und selbst die Corona-Pandemie konnte keinen Rückgang der Nachfrage auslösen. Im Gegenteil: Die Kosten für Baumaterialien, Handwerker und Grundstücke scheinen nur noch den Weg nach oben zu kennen. Das hat mehrere Gründe: Das historisch niedrige Zinsumfeld ist eine davon. Und darum lässt sich behaupten: Bauen ist zwar so teuer wie nie zuvor, dafür ist aber auch das Geld dafür sehr günstig zu bekommen. Warum Hausbau billiger ist als viele glauben möchten.

Bauen teuer wie nie zuvor? Warum die Rechnung komplizierter ist als nur ein historischer Vergleich der Baukosten…

Seit rund zehn Jahren erlebt die Immobilienbranche in Deutschland einen regelrechten Boom. Die Wertsteigerung von Immobilien ist mittlerweile nicht nur auf beliebte Städte wie München, Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf beschränkt. Auch in ländlichen Regionen sowie im Speckgürtel von Großstädten ziehen die Preise deutlich an. Die Folge ist, dass auch Mieten steigen, weil Kapitalanleger und Vermieter eine gute Rendite für Ihre Investition erwarten, während die Investitionssummen immer größer werden.

Viele Geringverdiener bleiben dabei auf der Strecke, weil ein Großteil ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten draufgeht. Und als Normalverdiener stellt sich die Frage, ob sich Eigentum jetzt noch lohnt. Wer eine bezahlbare Eigentumswohnung oder ein bezahlbares Haus findet, sieht sich in Konkurrenz mit einer großen Zahl an weiteren Interessenten, die oft im Bieterverfahren mehr ausgeben wollen als der ursprüngliche Kaufpreis eigentlich verlangt.

Bleibt nur noch eine Alternative: Neubau nach eigenen Vorstellungen. Ein Haus zu bauen ist selbstverständlich auch nicht gerade billiger geworden, dafür gibt es einige Vorteile, von denen Bauherren im aktuellen Umfeld profitieren können. Hier sind die Vor- und Nachteile beim Hausbau.

Vorteile: Träume, Nachhaltigkeit, Förderprogramme

Einer der größten Vorteile beim Neubau ist die Verwirklichung von eigenen Ideen. Im Altbau sind die Gestaltungsmöglichkeiten ziemlich eingeschränkt und man muss viele Kompromisse eingehen. Beim Neubau können Bauherren aber alle Wünsche und Träume in die Planung einfließen lassen. Dabei kann man gezielt auf die eigene Familienplanung eingehen und eine entsprechende Anzahl an Kinderzimmern bauen. Auch besondere Hobbys und entsprechende Räume für ihre Ausübung werden vom Architekten berücksichtigt.

Selbst günstige Fertigbau-Lösungen setzen sich heute aus verschiedenen Elementen zusammen, die nach Belieben ausgetauscht oder erweitert werden können. Ein Fertighaus mit Keller ist genauso umsetzbar wie beim individuellen Massivhaus. Und auch beim Thema Energiesparen sind Fertighäuser von heute kaum noch mit denen älterer Generationen vergleichbar.

Durch die hohe Nachfrage sind aber auch Fertighäuser teurer geworden. Umso wichtiger ist es, bei der Kostenplanung auf staatliche Zuschüsse und Förderprogramme zu achten. Dies ist gerade beim Thema Energieeffizienz wichtig. Denn wer nachhaltig baut, wird auch gefördert, beispielsweise durch KfW-Programme für Effizienzhäuser.

Was viele nicht wissen: Der Staat unterstützt mit dem Riester-Programm nicht nur Sparer bei der Altersvorsorge. Mit dem sogenannten Wohn-Riester können auch selbstbewohnte Immobilien finanziert werden. Wenn Sie mehr über die Eigenheimrente erfahren möchten, lesen Sie die übersichtliche Erläuterung zum Thema Wohnriester bei den Experten von finanzen.de.

Tipp: Bevor Sie mit der Kalkulation eines Bauvorhabens beginnen, sollten Sie zunächst die Entwicklung der vergangenen Jahre kennen und verstehen, welche Faktoren Ihre Baukosten beeinflussen. Auf diese Weise können Sie abschätzen, was auf Sie zukommt und gegebenenfalls Puffer für unvorhersehbare Kosten einplanen.

Warum Bauen immer teurer wird

1. Steigende Kosten für Baustoffe und Arbeitslohn

Baukosten entstehen nicht nur durch Stoffe und Materialien, die zum Bau verwendet werden. Auch Arbeitskräfte müssen bezahlt werden. Beide Aspekte sind von Preissteigerungen betroffen. Sowohl für Löhne als auch für Rohstoffe müssen Bauherren heute deutlich mehr bezahlen als vor einigen Jahren.

Für die hohen Baukosten sind mehrere Faktoren verantwortlich: Neben teurem Baumaterial sind immer strengere Umweltauflagen mit höheren Kosten für Bauherren verbunden. Solche Faktoren machen Bauen teuer wie nie, zumindest auf den ersten Blick.

Das Statistische Bundesamt rechnet vor, dass die Preise für Neubauten in Deutschland allein von 2020 auf 2021 um etwa 3,1 % gestiegen sind. Vor allem die Kosten für Holz, Beton sowie Maurerarbeiten sind gestiegen. Aber auch Sanitäranlagen und Fachkräfte wie Elektriker und Tischler verursachen heute höhere Ausgaben. Der Bau- und Immobilienpreisindex zeigt eine Verteuerung um rund 29 bis 65 % für den Zeitraum zwischen 2010 bis 2020. Damit sieht es auf den ersten Blick aus, als wäre Bauen teuer wie nie zuvor.

2. Energie- und Bauvorschriften

Ein weiterer Kostenfaktor, der heute mehr ins Gewicht fällt, sind Bauvorschriften rund um Energieeffizienz und Umweltauflagen. Wohnraum soll nachhaltiger gebaut werden. Hierfür gelten neue Standards mit hohen Anforderungen sowohl an das Baumaterial als auch an die Baukonstruktion. Die heutigen Energiestandards sind mit denen vor einem Jahrzehnt überhaupt nicht mehr vergleichbar.

3. Weniger Bauland

Ein deutlich spürbarer Grund für höhere Neubaukosten ist der Mangel an geeignetem Bauland. Viele Kommunen halten sich mit der Ausweisung und Vergabe von Bauland zurück. Dadurch steigen die Grundstückspreise. Es ist kaum davon auszugehen, dass dieser Trend sich schnell und extrem in die gegensätzliche Richtung drehen wird. Der Grund dafür ist klar: Unser Planet, die Erde, ist begrenzt. Während die Nachfrage nach eigenem Grundstück durch Wohlstand und höhere Lebensstandards steigt, wird kaum neues Land hinzukommen.
Wer bereits das passende Grundstück gefunden hat oder gar besitzt, kann sich glücklich schätzen. In diesem Fall ist der Neubau eines Hauses sicher die bessere Alternative zum Kauf eines Altbaus. Welche Aspekte Sie beim Bau Ihres Hauses beachten sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema Haus und Bau.

4. Billiges Geld, das Banken nicht mehr wollen

Immer mehr Banken gehen dazu über, Strafzinsen für Kontoguthaben einzuführen. Die Botschaft der Geldpolitik und Zentralbanken ist klar:

Wir möchten euer Geld nicht. Nehmt es und gebt es aus!

Die Entscheidungen der EZB haben dazu geführt, dass den Banken Kosten entstehen, wenn sie Geld parken. Das Geld soll im Umlauf bleiben und der Wirtschaft dienen. Aus diesem Grund bekommt fast jeder mit einer guten Bonität und einem einigermaßen sicheren Einkommen hohe Kreditsummen, und zwar zu sehr attraktiven Zinsen.

Die derzeitig üblichen Kreditkonditionen sind schon fast ein Geschenk an Kreditnehmer. Aus diesem Grund sollten Sie bei Ihrer Kalkulation nicht nur die gestiegenen Preise für Bau und Immobilien betrachten. Sie müssen auch die historisch niedrigen Kosten für Zinsen und Tilgung gegenrechnen. Dann werden Sie feststellen, dass Sie zu kaum einem Zeitpunkt in der Vergangenheit große Bauvorhaben oder Immobilienkäufe günstiger hätten finanzieren können.

Bildnachweise: Adobe Stock/schulzfoto, Adobe Stock/Gina Sanders (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)