Bauen & Renovieren

Das Passivhaus: Kaum Heizkosten durch intelligentes Bauen und Sanieren

  • Unter einem Passivhaus versteht man ein Haus, dessen Bauweise derart optimiert ist, dass auch im Winter heizen kaum notwendig ist.
  • Durch das beinahe Ausbleiben von Heizkosten sparen Sie bei einem 150 m² großen Haus fast 600 € in den Anfangsjahren.
  • Heizöl gilt als sehr umweltschädlich – Sie tun mit einem Passivhaus also nicht nur Ihrem Geldbeutel einen Gefallen, sondern auch der Umwelt, da Sie bis zu 14 Liter pro Quadratmeter und Jahr Heizöl einsparen.

passivhaus-symbol

Fixkosten sind Ausgaben, die ein Hausbesitzer regelmäßig abführen muss. Hier lassen sich kurzfristig nur wenige Einsparungen erreichen. Es ist daher wichtig, vorausschauend zu handeln und an die laufenden Kosten der nächsten Jahre zu denken. Ein großes Potential bieten hierbei die Heizkosten, die sich mit dem Bau eines Passivhauses fast auf Null senken lassen.

Im folgenden Artikel wollen wir Ihnen die Funktionsweise einen Passivhauses näher bringen, auf Vor- und Nachteile dieser Bauweise eingehen und Ihnen die Entscheidung erleichtern, ob Sie selber ein Passivhaus bauen oder ihr eigenes Haus zu einem Passivhaus sanieren wollen.

1. Worin unterscheidet sich ein Passivhaus von anderen Häusern?

bauplanung passivhaus

Es gibt verschiedene, energieeffiziente Bauweisen, wobei das Passivhaus die lukrativste Entscheidung im Sinne der Energieeinsparung ist.

Häuser lassen sich anhand ihres Energieverbrauches einteilen und unterscheiden, woraus sich die laufenden Heizkosten entnehmen beziehungsweise einplanen lassen:

  • Nicht sanierte Wohnhäuser mit einem Alter von etwa 30 bis 50 Jahren benötigen im Schnitt etwa 300 kWh je Quadratmeter im Jahr und machen den Unterschied zu modernen und modernisierten Energiespar- oder Passivhäusern deutlich.
  • Niedrigenergiehäuser dürfen einen maximalen Verbrauch von 7 Liter Heizöl (entspricht etwa 70 kWh) je Quadratmeter im Jahr aufweisen und lassen sich anhand der benötigten Heizenergie weiter unterteilen. Beispielhaft wären KfW-Effizienzhäuser 55 (
  • Sogenannte 3-Liter-Häuser zählen nicht zu einer einheitlichen Klassifizierung und dienen eher als umgangssprachliche Bezeichnung von Energiesparhäusern mit einem maximalen Heizenergieverbrauch von bis zu 3 L Heizöl (etwa 30 kWh) je Quadratmeter im Jahr. Die Bezeichnung entstammt dem Trend des 3-Liter-Autos.
  • Passivhäuser bilden den Baustandard mit dem geringsten Heizwärmebedarf. Mit einem Verbrauch von unter 15 kWh je Quadratmeter im Jahr, fallen die Heizkosten kaum noch ins Gewicht.

Hinweis: 15 Kilowattstunden entsprechen ca. 1,5 l Heizöl.

2. Ein Passivhaus bauen – worauf ist zu achten?

Passivhäuser im Sommer

Eines der Kriterien für ein funktionierendes Passivhaus ist unter anderem, dass die Übertemperatur im Sommer bei unter 10 % liegen sollte. Das heißt im Wesentlichen, dass ihr Haus auch im Sommer nicht zu warm wird – Sie wohnen jederzeit wohltemperiert.

Passivhäuser dürfen einen Heizwärmebedarf von 15 kWh je Quadratmeter im Jahr nicht überschreiten. Aufgrund dieser Tatsache allein darf ein Haus jedoch nicht als Passivhaus bezeichnet werden .

Hinzu kommen Auflagen, wie die Beschränkung des Primärenergiebedarfs von 120 kWh je Quadratmeter im Jahr, eine geprüfte Luftdichtheit (Blower-Door-Test) und ein besonderer Wirkungsgrad zwischen aufgebrachter und genutzter Energie. Die exakten Werte sind den Zertifizierungskriterien des Passivhausinstituts in Darmstadt zu entnehmen.

Lassen Sie sich beim Bau eines Passivhauses von Architekten und Bauunternehmern mit Erfahrung auf diesem Gebiet ausführlich beraten.

2.1. Kann man ein altes Haus zu einem Passivhaus umbauen?

fassadendaemmung

Auch Ihr eigenes Haus kann zu einem Passivhaus umgebaut werden.

Grundlegend unterscheidet sich ein Passivhaus nicht von Häusern einer anderen Klassifizierung. Weder das Design, die Bauweise, noch die Form der Zusatzheizung sind vorgeschrieben und festgelegt. Mit den entsprechenden Baumaßnahmen, wie die Modernisierung der Fenster, Abdichtung der Gebäudehülle und einer nachträglichen Dämmung lassen sich sogar alte Häuser in in Passivhäuser umwandeln. Hierbei sollten jedoch die anfallenden Kosten beachtet werden. Effektiver ist die Umsetzung eines Passivhauses mit einem Neubau.

Einen Kostenvoranschlag können wir von heimwerker.de leider nicht für Sie präsentieren, da die Kosten einer Sanierung natürlich davon abhängen, was Ihr Haus bereits „mitbringt“. Auf passipedia.de besagt eine Beispielrechnung, dass bei einem Haus mit ca. 150 m², wo eine Außendämmung, eine Lüftung zur Wärmerückgewinnung sowie neue Fenster verbaut werden müssen, mit ca. 15 000 € an Kosten zu rechnen ist.

Verrechnen Sie diese Kreditlast dann mit Ihren Einsparungen in den ersten Jahren, machen Sie immer noch ein Plus von ca. 550 € im Jahr.

2.2. Wie teuer ist es, ein Passivhaus neu zu bauen?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht Pauschal beantworten, da neben dem entsprechenden Dämm- und Lüftungsmaterial für das Passivhaus der Großteil der Kosten von Ihren eigenen Wünschen abhängt – das beginnt bei der Hausgröße und endet beim Bodenbelag.

Als Schätzwert können wir Ihnen jedoch zwei Faustregeln an die Hand geben

  • Passivhäuser kosten ca. 1400 € mehr pro Quadratmeter.
  • Die Mehrkosten für ein Passivhaus im Vergleich zu einem konventionellen Haus betragen ca. 10 %

Auch wenn Sie mit einem Passivhaus langsam sparen, tun Sie dies aber in jedem Falle und das kontinuierlich, was beim Ausrechnen der Baukosten nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Vorteilhaft ist jedoch, dass Sie auch kfw-gefördert Ihr Passivhaus bauen können. Je energiesparender Ihr Haus am Ende wird, desto mehr wird durch die kfw gefördert – bis zu 150 000 € sind drin. Auch die Beratung und Planung Ihres Passivhauses kann mit bis zu 5000 € pro Einfamilienhaus bezuschusst werden.

3. Viele Vorteile eines Passivhauses – wenige Nachteile

Ihr Passivhaus ist stets wohltemperiert, sodass Sie keine kalten Füße mehr befürchten müssen.

Ein Passivhaus zu bauen, bedeutet natürlich nicht nur ökologisch zu bauen und auf Dauer an den Heizkosten zu sparen. Passivhäuser verbessern die Wohnqualität.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten sich gemütlich mit Ihrem Lieblingssessel und einem guten Buch in eine gedämpfte Ecke des Hausen verziehen, um in Ruhe zu schmökern. Außenwände bedeuten in einem schlecht dämmten Haus zumeist kalte Wände und Ecken – Gemütlichkeit ist da kaum zu finden und der kalte Schauer, der einem über den Rücken läuft, ist selten dem spannenden Krimi geschuldet.

Ein Passivhaus kennt keine kalten Wände und selbst die äußerte Ecke zwischen zwei Außenwänden ist so gemütlich, wie jede andere Stelle im Haus. Sogar auf den Boden können Sie sich zum Lesen legen, ohne Einbuße an der behaglichen und gleichmäßigen Wärme befürchten zu müssen. Passivhäuser sind so geplant und umgesetzt, dass sie zum größten Teil die im Haus entstehende Wärme durch Kochen, von Elektrogeräten oder die eigene abgegebene Wärme nutzen. Eine gute Dämmung behält diese im Innenraum und der Verlust ist minimal. Diese passive Wärmenutzung reduziert den dauerhaften Einsatz zentraler Wärmequellen und garantiert ein gleichmäßiges Temperaturniveau. Heiße Heizkörper und gegenüberliegende kalte Wände gehören der Vergangenheit an.

Um auch durch die benötigte Lüftung und „Entsorgung“ der verbrauchten Luft keine Wärme zu verlieren, ist der Einsatz einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nötig. Diese entzieht der verbrauchten Luft die eingesetzte Heizenergie und gibt sie an die zugeführte Frischluft weiter. Ein regelmäßiges Stoßlüften ist nicht mehr erforderlich. Sie können sich beruhigt zurücklehnen, Ihr Buch genießen und Ihr Passivhaus bleibt stets frisch, ohne dabei Heizenergie zu verschwenden.

Der Bau eines Passivhauses ist somit nicht nur eine finanzielle Planung. Er bietet einen ausgesprochenen Wohnkomfort, benötigt weniger Aufwand beim Heizen und Lüften und ist dabei noch sparsamer, als alle anderen Baustandards.

Doch natürlich gibt es auch einige Nachteile zu beachten, eine komplette Gegenüberstellung, entnehmen Sie der folgenden Übersicht

    Vorteile
  • Gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Haus
  • Kein Lüften mehr möglich durch elektrische Lüftung
  • Umweltfreundliches Wohnen
  • Ersparnisse im Bereich Heizkosten
    Nachteile
  • Evtl. leise Geräusche durch Lüftung
  • Mehr Stromkosten durch Lüftung (aber Ersparnis bleibt)
  • Sanierung kostenintensiv
  • Neubau eines Passivhauses nur durch Spezialisten auf dem Gebiet planbar

Bildnachweise: stock.adobe.com/4th Life Photography, stock.adobe.com/DragonImages, stock.adobe.com/schulzfoto, stock.adobe.com/REDPIXEL (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)