Fenster & Türen

Anleitung: selbst Fenster einstellen

Fenster einstellen

Fenster liegen an der Schnittstelle zwischen Innenraum und Außenwelt und sind dabei hohen Belastungen ausgesetzt: Draußen ist es kühl und feucht, innen ist es warm, oder drinnen läuft die Klimaanlage, während im Freien Hochsommerhitze herrscht. Dazu werden etliche Fenster häufig geöffnet und geschlossen, zuweilen stundenlang in gekippter Stellung belassen.

Da ist es kein Wunder, wenn nach langen Jahren einwandfreier Funktion die Mechanik auch einmal nachgesehen und justiert werden muss. Wann der Zeitpunkt dafür gekommen ist, erkennen Sie an unterschiedlichen Anzeichen.

In vielen Fällen können Sie durch einfache Handgriffe die korrekte Funktion wieder herstellen.

Fünf Anzeichen für eine nötige Einstellung der Fenster

Das fällt schon bei der Sichtkontrolle auf: Lässt sich der Griff beim Schließen nicht mehr ganz in Ruhestellung bringen, kann der Andruck zu fest eingestellt sein.
Das fällt schon bei der Sichtkontrolle auf: Lässt sich der Griff beim Schließen nicht mehr ganz in Ruhestellung bringen, kann der Andruck zu fest eingestellt sein.
  1. Das Fenster schleift beim Öffnen und Schließen am Rahmen.
  2. Zum Öffnen oder Schließen braucht es einen kräftigen Ruck.
  3. Kleine Tricks wie das leichte Anheben oder Herunterdrücken sind zum Bewegen nötig.
  4. Der Fenstergriff steht je nach Öffnungszustand nicht mehr genau senkrecht oder waagerecht.
  5. Das Fenster schließt nicht mehr ganz.

Material und Werkzeug

  • Säure- und harzfreies Schmiermittel wie Silikonspray oder Kriechöl
  • Inbusschlüssel und/oder
  • Kreuzschraubendreher und/oder
  • Schraubenschlüssel (Maulschlüssel)

Sichtkontrolle des Fensters und Vorbereitungen

Alle beweglichen Teile sollten mit einem geeigneten Schmierstoff behandelt werden. Einige Probleme erledigen sich bereits dadurch.
Alle beweglichen Teile sollten mit einem geeigneten Schmierstoff behandelt werden. Einige Probleme erledigen sich bereits dadurch.

Unterziehen Sie zunächst die Beschläge und andere bewegliche Teile einer Sichtkontrolle: Sind Beschlagteile oder Gelenke ausgeschlagen oder gerissen, müssen sie ausgetauscht werden. Verbogene Schienen können manchmal gerichtet werden. Beides ist eher Sache des Profis oder des sehr erfahrenen Heimwerkers.

Bloße Fehlstellungen können Sie aber in der Regel selbst beheben.

Ehe Sie ans Werk gehen, ölen Sie die Gelenke, Schraubverbindungen und beweglichen Teile der Fenstermechanik. Manche Probleme schafft man schon damit aus der Welt, und bei einer anstehenden Justage lässt sich so alles besser bewegen.

Am unteren Ecklagere lässt sich durch Einstellen der Höhe eine Diagonalstellung des Fensterflügels korrigieren.
Am unteren Ecklager lässt sich durch Einstellen der Höhe eine Diagonalstellung des Fensterflügels korrigieren.

Verschaffen Sie sich dann einen Überblick über die verschiedenen Einstellungsschrauben. Kommen hier Inbusschrauben zum Einsatz? Oder sind es Kreuzschlitz- oder Sechskantschrauben? Dann sollten Sie jeweils das passende Werkzeug bereithalten.

Anschließend treten Sie einen Schritt zurück und prüfen, ob das Fenster gerade im Rahmen sitzt. Ist das nicht gleich erkennbar, öffnen Sie es leicht und fahren mit dem Finger die Fuge zwischen Fensterflügel und -rahmen ab. Zusätzliche Hinweise für eine Fehlstellung können Schleifspuren am Metall der Beschläge oder am Material von Flügel und Rahmen geben.

Höhe des Fensterflügels einstellen

Das Gegenstück ist das Scherenlager oben am Flügel. Hier ist nur selten eine Einstellung notwendig.
Das Gegenstück ist das Scherenlager oben am Flügel. Hier ist nur selten eine Einstellung notwendig.

Haben Sie festgestellt, dass der Flügel zu einer Seite hin hängt, also leicht diagonal im Rahmen sitzt, können Sie die Höhe einstellen. Das geschieht in der Regel am unteren Ecklager. Dort müssen Sie gegebenenfalls eine Kunststoff-Abdeckung abnehmen, um die Justierschrauben zu erreichen.

Ein Wermutstropfen dabei: Da die verschiedenen Fenster- und Beschlaghersteller hier auch unterschiedliche Konstruktionen verwenden, müssen Sie durch Versuch und Irrtum herausfinden, welche Schrauben verantwortlich sind. Wenden Sie dabei keine Gewalt an und verstellen Sie die Schraube immer nur leicht, um dann den erzielten Effekt auszuprobieren.

Allgemein gilt: Hängt das Fenster zur Anschlagseite hin, also zu der Seite, an der der Flügel mit dem Rahmen verbunden ist, dann muss der Flügel im Ecklager angehoben werden. Hängt er hingegen zur Öffnungsseite hin, muss er im Ecklager abgesenkt werden.

Man kann die Diagonale zwar auch im Scherenlager oben auf dem Flügel einstellen, also dort, wo der Haltearm für die Kippstellung des Fensters ansetzt, das ist aber in aller Regel nur bei der Erstjustage nach dem Einbau nötig.

Fenster seitlich einstellen

Zum seitlichen Verstellen des Fensterflügels muss man in der Regel auch das obere Scherenlager justieren. Hier eine Aufnahme im gekippten Zustand.
Zum seitlichen Verstellen des Fensterflügels muss man in der Regel auch das obere Scherenlager justieren. Hier eine Aufnahme im gekippten Zustand.

Schleift das Fenster beim Schließen seitlich am Rahmen oder stößt gar dagegen, kann man es wieder in eine mittige Position bringen. Dazu muss man meist sowohl am Ecklager als auch am Scherenlager ansetzen.

Um den Flügel in Richtung der Anschlagseite zu bewegen, wird er gleichmäßig unten abgesenkt und oben angehoben. Will man ihn in Richtung der Öffnungsseite verschieben, wird er folgerichtig oben abgesenkt und unten gehoben.

Gehen Sie auch hier behutsam vor und prüfen den Erfolg immer wieder durch Ausprobieren – sonst stößt der Flügel schnell ungewollt an der anderen Seite an.

Andruck des Fensterflügels einstellen

Wenn der Fensterflügel nicht dicht schließt oder im geschlossenen Zustand wackelt, dann können Sie den Andruck erhöhen. Das geschieht an den Schließzapfen – kleinen zylindrischen Zapfen an der Öffnungsseite des Flügels, die in entsprechende Lager am Rahmen greifen.

Hier das Gegenstück am Rahmen, in das der Schließzapfen greift.
Hier das Gegenstück am Rahmen, in das der Schließzapfen greift.
Der Schließzapfen am Fensterflügel ist für den Andruck des geschlossenen Fensters zuständig.
Der Schließzapfen am Fensterflügel ist für den Andruck des geschlossenen Fensters zuständig.

Diese Zapfen sind exzentrisch angebracht. Das heißt: Durch Drehen bewegt man sie zum Rahmen hin oder davon weg. Wenn man sie ein wenig vom Rahmen bzw. von der Außenseite des Fensters wegdreht, ziehen sie den Flügel beim Schließen und Betätigen des Griffs dichter an den Rahmen. Zum Drehen brauchen Sie je nach Zapfen einen Inbusschlüssel, einen Kreuzschraubendreher oder in Einzelfällen auch einen Schlitzschraubendreher.

Verstellen Sie den Zapfen nur wenig und probieren Sie dann gleich aus, ob das Problem behoben ist. Wenn Sie nämlich den Zapfen zu stramm einstellen, wird die Mechanik beim Schließen sehr stark belastet und kann vorzeitig verschleißen. Das Fenster muss dicht schließen, ohne dass Sie beim Betätigen des Griffs viel Kraft einsetzen.

Pilzkopfzapfen finden sich an einbruchhemmenden Fenstern. Hier lässt sich durch Ein- oder Ausdrehen auch einstellen, wie tief sie in ihr Gegenstück am Rahmen greifen.
Pilzkopfzapfen finden sich an einbruchhemmenden Fenstern. Hier lässt sich durch Ein- oder Ausdrehen auch einstellen, wie tief sie in ihr Gegenstück am Rahmen greifen.
Der Schließzapfen ist exzentrisch gelagert. Durch eine Drehung nach links oder rechts kann man den Andruck des Fensters beim Schließen einstellen.
Der Schließzapfen ist exzentrisch gelagert. Durch eine Drehung nach links oder rechts kann man den Andruck des Fensters beim Schließen einstellen.

Achten Sie auch darauf, dass Fenster je nach Größe mehrere Schließzapfen besitzen, zuweilen auch zusätzliche auf der Oberseite des Fensters. Eine Besonderheit sind dabei sogenannte Pilzkopfzapfen, die man vor allem bei einbruchhemmenden Fenstern antrifft. Bei ihnen kann es vorkommen, dass sie nach der seitlichen Einstellung des Flügels nicht mehr richtig in ihre Gegenlager greifen können – dann kann man sie durch Drehen weiter heraus- oder tiefer hineinschrauben.

Tipp: Fensterdichtung

Manchmal schließen Fenster auch nicht richtig, weil die Dichtung zwischen Flügel und Rahmen verschlissen oder beschädigt ist. Sie lässt sich recht einfach erneuern, wenn sie nur in den Falz des Flügels geklebt ist. Wichtig ist allerdings, eine Dichtung zu verwenden, die in Breite, Dicke und Profil möglichst exakt mit der vorhandenen übereinstimmt. Sonst kann auch deswegen das Fenster nicht richtig schließen oder noch undichter werden als zuvor. Messen Sie also genau nach und schießen Sie zum Beispiel ein Foto mit dem Handy, das Sie zum Kauf der Ersatzdichtung mitnehmen.

Dichtungsbänder gibt es auch von Drittherstellern. Sie sind vor allem für das Abdichten von Fugen bei alten, zugigen Fenstern gedacht. Solche Bänder können natürlich ebenfalls verwendet werden. Zunächst sollten Sie sich aber um Originaldichtungen des Fensterherstellers bemühen. Dabei kann Ihnen eventuell der Betrieb helfen, der die Fenster eingebaut hat.

Falls keine entsprechenden Dichtungen mehr erhältlich sind, kann man auch Universaldichtbänder verwenden. Sie werden in verschiedenen Breiten und Profilen angeboten.
Falls keine entsprechenden Dichtungen mehr erhältlich sind, kann man auch Universaldichtbänder verwenden. Sie werden in verschiedenen Breiten und Profilen angeboten.
Eingeklebte Dichtungen lassen sich leicht erneuern. Der Ersatz sollte dem Original in Material, Breite, Profil und Dicke möglichst ähnlich sein.
Eingeklebte Dichtungen lassen sich leicht erneuern. Der Ersatz sollte dem Original in Material, Breite, Profil und Dicke möglichst ähnlich sein.
 

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Kommentare
  • Vielen Dank für den Artikel. Ich habe in letzter Zeit immer Probleme mit Fenstern. Ich werde da wohl jemand mit der Fensterreparatur beauftragen:.
    Amalia 11.05.2017 12:47:24 antworten
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