Zwingen & Schraubstöcke

Bauanleitung für eine Schraubzwingenhalterung aus OSB

  • Ein Schraubzwingenhalterung für 10 oder mehr Schraubzwingen aus OSB-Platten (Material kann anders gewählt werden).
  • Die Nuten werden gefräst, der Rest gesägt, geleimt und geschraubt.
  • Nach Belieben kann die Halterung auch noch spritzlackiert werden, allerdings wird der Lack beim Gebrauch Schaden nehmen.

3-D Modell Schraubzwingenhalterung

Schraub- und Klemmzwingen

Schraubzwingen (s. Schraubzwingen Test & Vergleich) sind der Klassiker und auch das Werkzeug, das entsprechend Druck auf die Einzelteile bringt durch das Anziehen am Gewinde. Klemmzwingen oder Einhandzwingen (zu finden unter Zwingen & Schraubstöcke Test & Vergleich) sind dagegen nur für kurzzeitige Fixierungen bei der Holzbearbeitung gedacht. Ihr Vorteil liegt im schnellen Wechsel.

Schraubzwingen werden in jeder Werkstatt benötigt, sei es zum Fixieren beim Bearbeiten von Werkstücken oder, um die benötigte Presskraft beim Verleimen von Einzelteilen zu erreichen. Dabei ist es oft nötig, dass sie schnell erreichbar und in Griffnähe untergebracht sind. In Schubfächern oder Schränken sind Schraubzwingen eher unpraktisch aufgehoben.

Werden in der Werkstatt auch Möbel gebaut, erreichen Schraubzwingen eine Länge, die es zumeist unmöglich macht, sie in Werkzeugschränken unterzubringen. Optimal und meist die einzige Lösung ist die Befestigung an der Wand. Hier kann eine Schraubzwinge in voller Länge aufgehoben werden und bleibt stets griffbereit.

Große Schraubzwingen bedeuten zumeist auch ein großes Gewicht, welches bei der falschen Unterbringung Unfallquellen birgt. Der Bau einer Schraubzwingenhalterung ist daher sinnvoll und schafft Ordnung in der Werkstatt.

Benötigtes Arbeitsmaterial und Werkzeuge

Material Werkzeug
  • Die Bauanleitung der Schraubzwingenhalterung bezieht sich auf 22 mm starke OSB-Platten. Selbstverständlich ist es ebenso möglich, ein anderes Material zu verwenden. Hierfür müssen gegebenenfalls Maße entsprechend der Materialstärke angepasst werden.
  • Die vorgestellte Schraubzwingenhalterung nimmt insgesamt zehn Schraubzwingen auf, auch hier darf gerne variiert werden. Die Beispielfotos zeigen eine Halterung mit 11 Plätzen.
  • 1x Grundplatte 540 x 200 x 22 mm
  • 2x Ablagebretter 540 x 100 x 22 mm
  • 4 x Stützbretter Dreieck 90 mm x 86 mm x 22 mm
  • 4 x Zwischenstücke 90 mm x 35 mm x 22 mm
  • Holzleim
  • Tischkreissäge (alternativ Handkreissäge oder Stichsäge)
  • Stichsäge
  • Tischbohrmaschine (alternativ Akkuschrauber)
  • Oberfräse (alternativ Frästisch)
  • Schraubzwingen
  • Schrauben zur Befestigung
vermaßtes Material Grundplatte
vermaßtes Material – Grundplatte
vermaßtes Material – Ablagebrett
vermaßtes Material – Ablagebrett
vermaßtes Material – Stützbrett
vermaßtes Material – Stützbrett
vermaßtes Material – Zwischenstück
vermaßtes Material – Zwischenstück

Schritt 1 – Kontrolle der vorgegebenen Maße und Zuschnitt

Da es unterschiedliche Schraubzwingen gibt, ist es wichtig, vorher die Größe zu prüfen und bei Bedarf den Zuschnitt anzupassen.

Abstand der Ablagebretter prüfen
​Abstand der Ablagebretter prüfen

Zu beachten gilt es hauptsächlich zwei Maße – die Stärke der Spannschiene (im Beispiel 10 mm) und die Höhe des beweglichen Spannhebels (im Beispiel maximal 35 mm). Zum Test können Materialreste im vorgegeben Abstand von 35 mm aufgestellt und die Schraubzwinge daneben gehalten werden. Bei Bedarf müssen der Abstand zwischen den beiden Nuten der Grundplatte, die Höhe der Grundplatte und auch die vier Zwischenstücke angepasst werden.

Der Zuschnitt erfolgt optimal auf der Tischkreissäge, die gerade Schnitte und eine Rechtwinkligkeit garantiert. Selbstverständlich kann sich auch mit anderen Sägen beholfen werden. Da die selbst gebaute Schraubzwingenhalterung keine beweglichen Teile enthält, lassen sich leichte Ungenauigkeiten jederzeit durch schleifen oder beim späteren Spannen ausgleichen. Bei der Verwendung von starrem und hartem Holz, muss dementsprechend genauer gearbeitet werden.

Die vier dreieckigen Stützbretter können durchaus aus zwei Rechtecken mit den Maßen 90 x 86 mm gesägt werden. Das fehlende Material der Schnittbreite beeinflusst den Zusammenbau nicht und kann durch einen Kantenschliff der Grundplatte und des unteren Ablagebrettes ausgeglichen werden. In diesem Fall ist die abweichende Größe sogar vorteilhaft.

Schritt 2 – Einschnitte am Stützbrett anzeichnen und Bohren

Was auf den ersten Blick recht kompliziert aussieht, lässt sich jedoch einfach umsetzen. Benötigt werden lediglich Anreißmittel, eine Bohrmaschine (Tischbohrmaschine oder Akkuschrauber) und eine Stichsäge.

Nach Anschlag bohren
​Nach Anschlag bohren

Sinnvoll ist die Verwendung einer Tischbohrmachine oder eines Bohrmaschinenständers mit Anschlag, da hier nur die Bohrabstände angerissen werden müssen. Der Bohrabstand zum Rand lässt sich mittels Anschlag sehr genau und vor allem gleichmäßig umsetzen.

Bestimmen Sie hierzu als erstes die Mittelpunkte der Bohrungen. Der Abstand aller Bohrungen nach vorne oder hinten beträgt 74 mm beziehungsweise 26 mm. Einschließlich der Bohrung (Durchmesser 12 mm / 2) ergibt sich später ein Abstand von 80 mm nach vorne. Das erste Maß von links oder rechts beginnend beträgt 36 mm (30 mm + Radius der Bohrung) und wird mit jeweils um 52 mm erweitert. Die letzte Bohrung sollte wieder einen Abstand von 36 mm zum Rand aufweisen. Um Messfehler zu vermeiden, ist es praktisch die Maße fortlaufend zu übertragen, ohne das Stahlmaß oder den Zollstock zu verschieben und immer wieder neu anzulegen.

Für zwei identische Ablagebretter können beide gleichzeitig gebohrt werden, was zusätzlich das Anzeichnen erleichtert. Hierfür müssen beide Bretter verspannt werden oder die erste Bohrung in beiden Ablagebrettern mittels eines weiteren 12 mm Bohrer fixiert werden. Siehe Bild.

Schritt 3 – Schlitze der Ablagebretter anzeichnen und sägen

Anriss mit einem Bohrer vereinfachen
​Anriss mit einem Bohrer vereinfachen
Alle Schlitze aussägen
​Alle Schlitze aussägen

Die Bohrungen begrenzen die nun folgenden Schlitze und können daher für einen vereinfachten Anriss genutzt werden.

Benötigt wird der verwendete Bohrer mit einem Durchmesser von 12 mm und ein Winkel. Wird der Bohrer mit dem Schaft in das vorhandene Loch gesteckt, braucht lediglich der Winkel von beiden Seiten dagegen geschoben zu werden und der benötigte Schlitz lässt sich ohne weiteres Messen anzeichnen. Rot im ersten Bild gekennzeichnet.

Der Ausschnitt erfolgt mit einer Stichsäge, die immer auf der Innenseite des Schlitzes angesetzt wird. Wird mittig auf dem Anriss oder außerhalb gesägt, läuft der Sägeschitt nicht bündig mit dem bereits gebohrten Loch aus. Kleine Ungenauigkeiten lassen sich nachfolgend jedoch durch schleifen ausgleichen.

Schritt 4 – Fräsen der erforderlichen Nuten

Handelt es sich nur um kleine Schraubzwingen mit einem geringen Gewicht, ist ein Nuten der Grundplatte nicht nötig. Große Schraubzwingen bringen jedoch ein ordentliches Gewicht mit, welches später auch gehalten werden muss.

Zum Leim erreicht vor allem der Formschluss mittels eingefräster Nut eine gute Kraftübertragung. Schrauben können zwar zum Verbinden beim Leimen genutzt werden, würden alleine aber keinen ausreichenden Halt bieten.

Wer einen Frästisch besitzt, ist deutlich im Vorteil und kann die Nutbreite leicht mittels verstellbaren Anschlag bestimmen. Ohne Frästisch muss eine Oberfräse mit Parallelanschlag oder eine mit Schraubzwingen befestigte Führungsschiene genutzt werden. Diese Methode ermöglicht auch einen breiteren Schnitt, ohne dass die Führungsschiene verstellt werden muss. Hierzu erfolgt die erste Fräsung direkt an der Führungsschiene und eine zweite mittels eingelegtem Abstandshalter. Wird beispielsweise ein Fräser mit einem Durchmesser von 16 mm genutzt, kann beim zweiten Fräsdurchgang ein 6 mm Rundstab oder eine M6 Gewindestange zwischen Oberfräse und Führungsschiene gelegt werden: 16 mm + 6 mm = 22 mm.

Ist zufällig eine Holzleiste in einer Breite von 35 mm vorrätig oder wird diese extra aus einem Reststück angefertigt, lässt sich auf diese Weise sogar die zweite Nut in derselben Aufspannung fräsen.

Tipp: Werden die vier benötigten Zwischenstücke im ersten Schritt nur als eine 35 mm breite Leiste zugesägt, lässt sich diese als Zwischenlage beim Fräsen nutzen. Der Abstand der Nuten entspricht so exakt den späteren Zwischenstücken, die anschließend auf die Länge von 90 mm geteilt werden können.

Die Breite der Nuten sollte sehr passgenau sein, da sich so ein besserer Formschluss ergibt. Lieber etwas enger fräsen und anschließend mit Schmirgelleinen nacharbeiten. Das garantiert einen perfekten Sitz und sicheren Halt

Schritt 5 – Zusammenbau und verleimen

Mit dem Herstellen der Fräsungen und dem Zuschnitt aller Teile, kann die selbst gebaute Schraubzwingenhalterung fertiggestellt werden. Besondere Fähigkeiten sind auch im letzten Arbeitsschritt nicht nötig. Lesen Sie auch unseren Beitrag »Holz leimen und kleben«.

Das erste Ablagebrett einleimen
Das erste Ablagebrett einleimen
  1. Im ersten Schritt wird nur eines der Ablagebretter eingeleimt. Welches der Beiden spielt hierbei keine Rolle. Beim Einkleben muss auf eine gute Winkligkeit geachtet werden. Wurde die Nut passgenau gefräst, stellt sich das Ablagebrett selbstständig rechtwinklig auf. Wer eine Schraubzwingenhalterung bauen möchte, besitzt sicherlich auch die jetzt benötigten Schraubzwingen zum Verspannen der beiden Einzelteile.
  2. Bevor das zweite Ablagebrett eingesetzt wird, müssen die vier Zwischenstücke an das bereits eingeleimte Brett gesetzt werden. Hierbei ist es ratsam keinen Expressleim zu verwenden. So ergibt sich die Möglichkeit erst die Zwischenstücke einzusetzen und anschließend das zweite Ablagebrett in die Nut zu pressen, ehe alle Teile zusammen verspannt wird.
  3. Abschließend müssen nur noch die Stützbretter angesetzt werden. Da sich die dreieckigen Bretter schlecht auf die Klebefläche pressen lassen, sind hierbei von hinten durch die Grundplatte geführte Schrauben hilfreich.
Zwischenstücke und zweites Ablagebrett einsetzen
Zwischenstücke und zweites Ablagebrett einsetzen
Stützbretter verleimen und mit Schrauben sichern
Stützbretter verleimen und mit Schrauben sichern