Wand & Decke

Betonschäden reparieren: Schäden ausbessern in 2 einfachen Schritten

breiter riss im beton

In den vergangenen Jahren ist die „Betonsanierung“ stärker in den Blickpunkt geraten. Vermehrt treten Schäden an Betonoberflächen auf. Es bröckelt und rostet an tragenden Bauteilen, im Sockelbereich, an Fassaden, Balkonen oder Treppen.

Solche Schäden stellen die Symptome dar, die dem Auge auffallen. Deren Ursachen können vielfacher Natur sein, sie liegen im Material, der damaligen Verarbeitung, den Umweltbedingungen, usw.

Es gilt im Folgenden auf diese Schäden näher einzugehen, deren Ursachen aufzuzeigen sowie Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Behebung der Schäden darzustellen.

Grundsätzlich gilt, dass auch bei Beton der Alterungsprozess praktisch unumgänglich ist und insbesondere bei Stahlbeton mit der Zeit zu gravierenden Schädigungen führen kann.

  • Saniermörtel auf Amazon.de ansehen »

1. Diese 3 Faktoren wirken sich negativ auf Beton aus

rostfahne am Beton
Rostfahnen sind ein eindeutiger Hinweis auf Schäden.

Bei fachgerechter Verarbeitung ist der Bewehrungsstahl (Armierung) im Stahlbeton durch die hochalkalische (Lauge) Umgebung des Betons lange Zeit vor Korrosion geschützt. Doch auch hier setzt ein chemischer Prozess ein, der Carbonatisierung genannt wird.

Hierbei sinkt der pH-Wert von ca. 12,5 auf etwa 8 bis 9 ab. Das während des Abbindeprozesses des Betons entstandene hochalkalische Kalkhydrat reagiert mit Kohlensäure und wird zu kohlensaurem Kalk mit einem nur leicht alkalischen pH-Wert und zu Wasser.

Hiermit endet der Schutz für den Stahl. Feuchtigkeit, eindringender Sauerstoff, saure Gase (z. B. Schwefelverbindungen in der Umgebungsluft) und Bakterien führen zum Rost. Während des Oxidationsprozesses des Bewehrungsstahles erhöht sich das Volumen um ein Vielfaches, der dabei entstehende Druck hat Sprengwirkung und führt zu Abplatzungen, gefolgt von rostigen Ausfärbungen (Rostfahnen). Beschleunigt wird dieser Alterungsprozess durch extreme Umwelteinflüsse und gegebenenfalls durch mangelhafte Verarbeitung des Materials beim Bau.

Hinweis: In Gebieten oder Bereichen mit einer erhöhten Belastung durch Kohlendioxid und anderen aggressiven sauren Gasen (z. B. Schwefeldioxid aus Industrie und Verkehr), insbesondere auch in Kombination mit erhöhter Luftfeuchtigkeit oder gar Nässe, wird der Prozess der Carbonatisierung entsprechend beschleunigt.

1.1. Warum Beton und salzhaltiges Wasser keine gute Kombination ist

Ähnliches geschieht, wenn Beton salzhaltigem Wasser ausgesetzt ist. Außer in Meeresnähe kann dies auch bei mit Nitraten und anderen Salzen angereichertem Grund- oder Sickerwasser, z. B. aus der Landwirtschaft oder gar dem eigenen Garten, auftreten oder wenn sich im Winter bei der Verwendung von Streusalz Pfützen auf Treppenstufen und sonstigen Flächen bilden.

Ähnlich wie bei der Abplatzung infolge Rostbildung geht es zu, wenn Wasser im Beton gefriert und der Beton, infolge der Ausdehnung bei der Eiskristallbildung, abgesprengt wird.

  • Korrosionsschutzfarbe auf Amazon.de ansehen »

1.2. Bausünden wirken sich nachteilig auf die Bausubstanz aus

Risse im Beton zu reparieren
Risse im Beton

Ebenfalls gravierend wirken sich entsprechende Bausünden aus, wenn also z. B. die Armierung zu oberflächennah verarbeitet wurde, also keine ausreichende Betonüberdeckung gegeben ist, um der Carbonatisierung möglichst lange zu begegnen.

Oder wenn bei der Verdichtung unsachgemäß gearbeitet wurde und sich daher entsprechend poröse Oberflächen oder gar „Kiesnester“ gebildet haben.

1.3. Abnutzung als Folge von nutzungsbedingten Schäden

Erwähnt seien auch noch Schäden, die insbesondere nutzungsbedingt auftreten. So kommt es bei dauerhafter mechanischer Belastung, z. B. auf stark befahrenen oder begangenen Oberflächen, mit der Zeit zu entsprechenden Abnutzungserscheinungen wie Rillenbildung oder Abrundung von Kanten (z. B. bei Treppen). Ferner können Schäden auch durch unvorhergesehene, extreme mechanische Belastungen, also durch unsachgemäße Nutzung, erfolgen.

2. Betonsanierung: So können Sie Schäden reparieren

Untergrund vorbereiten

Zur Schadensbehebung muss zunächst eine intensive Vorbereitung des Untergrundes erfolgen, schadhafter Beton muss entfernt und der Bewehrungsstahl vollständig entrostet werden. Für beides empfiehlt sich der Einsatz von Sandstrahlern oder gar Hochdruckwasserstrahlern.

Bei der Sanierung sind zweierlei Ziele zu verfolgen. Zum einen muss der konkrete Schaden behoben und dessen weitere Ausbreitung verhindert, in der Regel also der entrostete Stahl mit Rostschutzmittel bearbeitet und das Loch gestopft werden, zum anderen muss Vorsorge getroffen werden, dass der Schaden sich nicht wiederholt.

In beiden Fällen sind entsprechende Schutz- und Entsorgungsmaßnahmen zu beachten. Anschließend wird der blanke Stahl mit Korrosionsschutzfarbe bestrichen und später ein entsprechender Betonsaniermörtel aufgetragen.

2.1. Welche Anforderungen muss Betonsaniermörtel erfüllen?

reparaturmörtel für Beton
Mit Reparaturmörtel lassen sich Risse im Beton beseitigen.

Der zu verwendende Betonsaniermörtel muss im Wesentlichen drei Anforderungen genügen, er muss

  • eine gute Verbindung zwischen altem und neuem Beton herstellen
  • eine geringe Porosität (Durchlässigkeit) aufweisen und
  • zur Verhinderung weiterer Oxidation einen sehr hohen pH-Wert gewährleisten

Als Additive für eine gute Haftung auf dem Untergrund und eine hohe Elastizität der Masse auch in abgebundenem Zustand des Mörtels kommen Kunstharzdispersionen zum Einsatz, andere Additive verhindern die Schaumbildung und sorgen damit für eine geringe Porosität und entsprechend geringe Kohlendioxid-Diffusion, ein hoher Kalkhydratgehalt gewährleistet einen langanhaltenden hohen pH-Wert.

  • Kunstharzdispersionen auf Amazon.de ansehen »

2.2. Wie wird Betonspachtel angewendet?

Die Verarbeitung des Betonsaniermörtels erfolgt in mehreren Schritten:

  • Zunächst wird der Mörtel mit niedrigerer Konsistenz, also in flüssigerer Form und in entsprechend dünner Schicht (2 bis 3 mm) aufgetragen; er wirkt so wie eine Haftbrücke.
  • Vor dem vollständigen Abtrocknen der ersten Schicht wird eine weitere Schicht, diesmal mit höherer Konsistenz aufgetragen. Je nach Tiefe der auszufüllenden Fläche folgen weitere Beschichtungen. Die Schichten je Arbeitsgang sollten jeweils nicht dicker als 15 bis 20 mm sein, zwischen den Arbeitsgängen sollte der Mörtel gut anziehen.
  • Abschließend wird eine letzte Schicht mit einem feineren Betonspachtel aufgetragen.

Vermeidung von neuen Schäden: Zur Vorsorge vor erneuten Schäden können weitere Maßnahmen sinnvoll werden wie z. B. eine Versiegelung durch einen Schutzanstrich. Bei Frost- oder Salzschäden muss durch Oberflächengestaltung oder entsprechende Abschirmung dafür gesorgt werden, dass die Oberflächen nicht weiterhin dem Problemverursacher ausgesetzt sind.

3. FAQ: Selbstverdichtender Beton als Alternative zu herkömmlichen Beton

Beim herkömmlichen Beton gehört das richtige Verdichten zu den wohl wichtigsten Arbeitsschritten. Denn nur ein sorgfältig verdichteter Beton weist keine Fehlstellen auf. Zudem ist so gewährleistet, dass der Beton auch Jahre später noch die erforderlichen Eigenschaften aufweist. Zum Abschluss dieses Ratgebers auf Heimwerker.de möchten wir auf die wichtigsten Aspekte von selbstverdichtenden Beton eingehen.

3.1. Welche Unterschiede bestehen zwischen selbstverdichtenden und leichtverdichtenden Betonen?

Bereits Ende der 80er Jahre wurde in Japan der sogenannte selbstverdichtende Beton entwickelt und auch eingesetzt. Dies bedeutete eine revolutionäre Weiterentwicklung des herkömmlichen Betons. Entnehmen Sie unserer tabellarischen Übersicht, wodurch sich selbstverdichtender Beton von leichtverdichtendem Beton unterscheidet.

Art Merkmale
Leichtverdichtender Beton (LVB)
  • Von leichtverdichtenden Beton (LVB) wird gesprochen, wenn zum Verdichten nur eine sehr geringe Rüttelenergie verwendet werden muss
  • Leichtverdichtende Betone gehören der Konsistenzklasse F5 und F6 an
  • Sie weisen einen hohen Mehlkorngehalt auf und überschreiten den maximalen Grenzwert der DIN 1045 nicht
Selbstverdichtender Beton (SVB)
  • Sind überhaupt keine Verdichtungsmaßnahmen erforderlich, wird der Beton als selbstverdichtend bezeichnet (SVB)
  • selbstverdichtender Beton überschreiten den maximalen Grenzwert der DIN 1045

3.2. Welche Vor- und Nachteile hat selbstverdichtender Beton?

beton im brueckenbau

Selbstverdichtender Beton findet aufgrund seiner hohen Festigkeit auch im Brückenbau Verwendung.

Bei SVB sind keinerlei Verdichtungsmaßnahmen erforderlich. Sie entlüften selbstständig alleine durch die Schwerkraft. Dieser Vorgang wird möglich gemacht durch die Verwendung von modernen Hochleistungsbetonverflüssigern auf Polycarboxylatbasis. Dadurch weist er ein sehr gutes Fließverhalten auf und fließt fast von selbst bis zum Niveauausgleich – dies auch über weite Strecken.

Durch diese extrem guten Fließeigenschaften werden selbst anspruchsvolle Schalungsgeometrien vollkommen problemlos ausgefüllt. Nach dem Ausschalen zeigt sich eine fast porenfreie Betonoberfläche. Diese gewünschten Eigenschaften erhält man bei herkömmlichem Beton ausschließlich durch sorgfältiges Verdichten.

Ein weiterer Vorteil des selbstverdichtenden Betons ist seine extrem hohe Festigkeit, wodurch er beispielsweise auch im Brückenbau Verwendung findet. Er weist keinerlei Nester an der Beton-Oberfläche auf. Zudem besitzt SVB eine gleichmäßige Betonqualität von sehr guter Dauerhaftigkeit.

Der Wegfall des Verdichtens bringt einen nicht unbeträchtlichen Zeitgewinn mit sich. Zudem kann auf den sonst auf Baustellen üblichen lagenweisen Beton-Einbau mit entsprechenden Schütthöhen von 50 cm gänzlich verzichtet werden.

Da die Geräuschentwicklung des Rüttlers entfällt, ist dies ein weiterer wichtiger Vorteil bei Bauprojekten in dicht besiedelten Wohngebieten oder in geschlossenen Hallen. Dadurch kann beispielsweise auch über Nacht eine Betonage stattfinden, ohne Dritte zu belästigen.

Achtung: Ein Nachteil des SVB ist der höhere Preis. Zudem sind Risiken im Zusammenhang mit der Zulassung gegeben.

3.3. In welchen Bereichen kommt SVB zum Einsatz?

ruettler im strassenbau

Wenn die Verwendung eines Rüttlers nicht möglich ist, kommt selbstverdichtender Beton zum Einsatz.

Selbstverdichtender Beton kommt überwiegend dann zum Einsatz, wenn die Verwendung eines herkömmlichen Rüttlers nicht möglich ist. Dies kann eine dichte Bewehrung oder eine komplizierte und ungünstige Form der Bauteile sein, die so keine zufriedenstellende Entlüftung ermöglichen.

Die sehr guten Fließeigenschaften des SVB ermöglichen es hingegen, vollkommen problemlos die Bewehrung perfekt einzubetten.

Dieser Vorzug wird ebenso bei der Herstellung von Beton-Fertigteilen genutzt. Durch die gleichmäßige und porenfreie Oberfläche prädestiniert sich selbstverdichtender Beton als idealer Baustoff für Sichtbetonwände oder für Betonwände und –böden mit besonders hohen optischen Ansprüchen.

Dank der oben geschilderten Materialeigenschaften und seinen Vorteilen deckt selbstverdichtender Beton nicht nur spezielle Anwendungsbereiche ab, sondern ergänzt den herkömmlichen Beton als hochfester Beton in seinem Einsatzbereich.

Weiterführende Informationen zum Thema erhalten Sie in den folgenden Beiträgen auf Heimwerker.de: Beton streichen und Betonsturz berechnen.

Bildnachweise: Adobe Stock/Shuttershudder, Adobe Stock/Shuttershudder, Adobe Stock/Bernd Fuelle, Adobe Stock/Fult, Adobe Stock/GCapture, Adobe Stock/maykal, Adobe Stock/Otto Durst (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)