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Wie Sie einen Betonsturz berechnen

Betonsturz berechnen Bild mit Kennzeichnung des Betonsturzes

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Wer einen Wanddurchbruch, eine zusätzliche Tür oder ein zusätzliches Fenster einbauen möchte, muss die Mauer durch einen Sturz an dieser Stelle abstützen. Damit das statisch auch Stand hält, müssen Sie den Betonsturz berechnen.

Bei der Berechnung eines Betonsturzes geht es um die notwendige Belastbarkeit und um Breite, Höhe und Länge des Betonsturzes sowie um die Auflager. Generell ist das nur für nichttragende Wände ohne Statiker machbar.

Zur Beurteilung, ob es sich um eine tragende oder nichttragende Wand handelt, ist der Bauplan eines Hauses die beste Quelle, da man sich nicht nur auf die Mauerstärke verlassen kann. Im Zweifel kann der Bauplan meist bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde eingesehen und/oder ein Fachmann befragt werden.

Nur bei Häusern, die in den letzten etwa 25 bis 30 Jahren gebaut wurden, ist bei Mauern unter 11,5 cm reiner Mauerstärke recht sicher davon auszugehen, dass sie nicht tragend sind. Außenwände sind eigentlich immer tragend ebenso wie Mauern mit Stärken über 11,5 cm.

Warnhinweis: Jeder Eingriff in die Statik eines Hauses ist ein Risiko. Schäden zeigen sich oft erst mit der Zeit und deren Beseitigung kann viel teurer werden, als von Anfang an einen Fachbetrieb zu beauftragen. Neben statischen Problemen können auch Leitungen, die im Bereich eines Mauerdurchbruchs verlaufen erhebliche Probleme bereiten, deren Vorhandensein und Verlauf sollte unbedingt im Vorfeld anhand der Baupläne ermittelt werden. Besondere Vorsicht ist bei Altbauten geboten, wo oft unliebsame Überraschungen zu erwarten sind, weil entweder keine Baupläne vorhanden sind oder Leitungen später verändert wurden. Im Zweifel sollten Sie auf jeden Fall immer einen Statiker zurate ziehen.

Wo kommt ein Betonsturz zu Anwendung?

Ein Wanddurchbruch wird mit einem Bohrhammer gemacht.
Ein Wanddurchbruch wird mit einem Bohrhammer gemacht.

Immer dort, wo eine Öffnung in eine Wand kommen soll. Also bei allen Türen und Fenstern. Aber ein Fenstersturz oder ein Türsturz kommen eigentlich nur bei tragenden Außenwänden vor.

Ein vergleichbarer Fall bei nichttragenden Innenwänden wäre eine Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer oder ein Wanddurchbruch, um zwei Räume miteinander zu verbinden.

Oder beispielsweise der Einbau eines Lichtbandes, durch das nachträglich ein dunkler Flur Tageslicht bekommen soll. (Es sind auch viele Innenwände tragend – bitte vorher prüfen.)

Belastung und Belastbarkeit

Bei nicht tragenden Wänden geht es um den Teil der Wand, der über dem Sturz bleibt und getragen bzw., dessen Gewicht über die restliche Wand rechts und links abgetragen werden muss.

Die Angaben bei einem Betonsturz zur Belastbarkeit werden seitens der Hersteller normalerweise in kN/m gemacht, dabei handelt es sich um den pk-Wert. Zur Orientierung: Die Angabe 1 kN/m bedeutet, dass 100 kg pro Meter getragen werden können.

Beispiel: Ein Betonsturz wird mit einem pk-Wert (dauernde Last + Verkehrslast ohne Eigengewicht) von 12 kN/m angegeben. Das sind also 1200 kg pro Meter Sturz.

Wand-Gewicht für den Betonsturz berechnen/Soll-pk-Wert

Beim Rohbau sind die Betonstürze über jeder Tür und jedem Fenster gut zu erkennen.
Beim Rohbau sind die Betonstürze über jeder Tür und jedem Fenster gut zu erkennen.

Für Mauern aus Ziegel mit Mörtel (andere Steine sind in der Regel leichter) und Putz wird ein durchschnittliches Gewicht von 1500 kg pro Kubikmeter überschlägig angenommen.

Wenn beispielsweise über dem Sturz eine Wandscheibe von 14 cm Stärke, einem Meter Höhe und zwei Metern Breite verbleibt, wären das also 0,14 x 1 x 2 = 0,28 Kubikmeter x 1500 kg Gewicht = 420 kg dauernde Last. Der pk-Wert des Betonsturzes sollte mindestens das 1,5-fache der überschlägig errechneten Belastung betragen, in diesem Beispielfall ergibt das 420 kg = 4,2 kN/m x 1,5 = 6,3 kN/m oder mehr.

Eine Verkehrslast ist auf der nichttragenden Wand nicht zu erwarten – bestenfalls durch die Anbringung einer Schaukel o. ä. am Sturz. Selbst, wenn dort weitere 500 kg Verkehrslast dazu kämen, würden diese Last von handelsüblichen Betonstürzen mit Leichtigkeit getragen.

Wie lang, wie tief und wie hoch sollte der Betonsturz sein?

Statt fertiger Betonstürze kann beim Neubau auch geschalt und betoniert werden.
Statt fertiger Betonstürze kann beim Neubau auch geschalt und betoniert werden.

Da der Betonsturz auf jeder Seite mindestens 25 cm auf dem bestehenden Mauerwerk aufliegen soll, errechnet sich die Länge wie folgt: Durchbruchbreite + mindestens 50 cm = Mindestlänge des Betonsturzes.

Wenn Sie Ihren Betonsturz berechnen, liegt ein Fertigteil nahe. Sollte das ermittelte Maß zwischen zwei Standardlängen liegen, entscheiden Sie sich besser für mehr Sicherheit, das heißt, den nächst längeren Sturz.

Was die Tiefe des Betonsturzes angeht sollen mindestens zwei Drittel der Wandstärke durch den Betonsturz abgedeckt sein. Deutlich besser zur weiteren Verarbeitung sind natürlich Stürze, bei denen die Tiefe in etwa der Wandstärke entspricht.

Es werden unterschiedliche Höhen angeboten, die den pk-Wert des Sturzes wesentlich beeinflussen. Sie entscheiden sich also für eine Höhe, die Ihren berechneten Soll-pk-Wert mindestens erfüllt.

Betonstürze beinhalten Bewehrungsstahl, deshalb sollten Sie nicht gekürzt werden, da die Betonüberdeckung sonst eventuell nicht mehr gegeben ist und der Bewehrungsstahl rosten könnte, was die Tragfähigkeit beeinträchtigen würde.

Tragfähigkeit der Auflager prüfen

Die Auflager für den Sturz auf dem Mauerwerk müssen das errechnete Gewicht der restlichen Wand über dem Sturz und das Gewicht des Betonsturzes selbst aufnehmen und verteilen. Dafür ist ein tragfähiges, unbeschädigtes Mauerwerk notwendig. Das sollte im Zweifel im Vorfeld überprüft werden, bevor Sie den Sturz einbauen.

 Hinweis: Mit dieser kurzen Anleitung können Sie natürlich keine richtige Statik berechnen. Es geht nur darum überschlägig die Länge und Tragfähigkeit eines Betonsturzes zu berechnen – für eine nichttragende Wand in einem relativ sicheren Bereich. Eine Haftung wird selbstverständlich nicht übernommen.
Tipp: Wer mehr wissen möchte, braucht neben einem Taschenrechner am besten noch zumindest ein kleines Fachbuch (z. B. Kleine Statik).
 

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