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Dach neu decken: 10 Tipps zu Kosten, Vorschriften und Co.

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Ein Dach kann bis zu 50 Jahre lang halten. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Reparaturen nicht mehr ausreichen und es an der Zeit ist, das Dach neu zu decken. Auch, wenn ein Dachausbau geplant ist, lohnt es sich zu prüfen, ob eine Dachsanierung im gleichen Zuge sinnvoll wäre.

Wenn um das Dachdecken geht, dann kann damit gemeint sein, nur die Dachpfannen auszutauschen – mit oder ohne neue Dachlatten – oder auch das Dach gleichzeitig zu dämmen. In jedem Fall muss es dicht werden, denn der Schutz vor eindringender Feuchtigkeit und Kälte/Hitze ist die Hauptaufgabe eines Hausdaches.

1. Dach neu decken – Vorschriften

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Möchten Sie das Dach nicht nur decken, sondern gleichzeitig den Dachboden ausbauen, brauchen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Baugenehmigung.

Sie fragen sich, ob Sie eine Baugenehmigung brauchen, wenn Sie Ihr Dach neu decken möchten? Falls es mit einem Dachausbau verbunden ist und eine neue Wohnung entsteht, ist das sehr wahrscheinlich.

Auch, wenn Dachgauben dazu kommen oder die Fensterflächen erweitert werden sollen. Selbst, wenn keine Baugenehmigung erforderlich ist, sind eventuell Vorschriften des Bebauungsplanes einzuhalten.

Wenn Sie nach 2002 einen Altbau erworben haben, dessen Dach Sie nun neu decken möchten, wird vermutlich die Dämmpflicht nach der aktuellen Energiesparverordnung auf Ihr Vorhaben zutreffen.

In jedem Fall lohnt es sich, im Vorfeld bei der zuständigen Baubehörde nachzufragen, da einige Vorschriften (z. B. aus dem Baubauungsplan) örtlich unterschiedlich sind.

Achtung: Wenn Ihr Dach vor 1993 gebaut wurde, ist es durchaus wahrscheinlich, dass es asbesthaltige Materialien enthält. Lassen Sie das im Zweifel auf jeden Fall durch einen Sachverständigen (TÜV, Dekra u. a.) abklären. Ein solches Gutachten ist für die steuerliche Absetzbarkeit von Asbestsanierung ohnehin erforderlich.

Asbest selbst zu bearbeiten oder zu entfernen ist gesetzlich verboten – sogar das Streichen oder Dampfstrahlen von Asbestfaserplatten. Außerdem kann Asbest auch in der Dämmung vorliegen und nicht nur in Platten. Sollte tatsächlich Asbest festgestellt werden, ist die Sanierung zweifelsfrei ein Fall für einen zugelassenen Fachbetrieb zur Asbestsanierung.

2. Dach selber decken oder Fachbetrieb beauftragen?

Dach neu decken – Dauer

Abhängig von der Größe des Dachs und dem Umfang der Maßnahmen, kann es mehrere Wochen dauern ein Dach neu zu decken. Auf keinen Fall darf beispielsweise die ungeschützte Dämmung nass werden. In der Phase, in der die Dämmung offen liegt, muss auf jeden Fall trockenes Wetter sein.

Wer jung, fit, schwindelfrei und handwerklich erfahren ist sowie einige Freunde gleicher Art als Helfer gewinnen kann, der mag sich diese Frage stellen, wobei auch dann wenigstens einer der Beteiligten ein Dachdecker sein sollte. Bei einem einfachen Satteldach ohne Gauben und ohne tief greifende Sanierungsmaßnahmen und wenn sicher kein Asbest im Dachbestand ist, kann das gelingen – ohne Gewährleistung. (Eine Checkliste zur Planung finden Sie weiter unten.)

Ansonsten ist ein Fachbetrieb auf jeden Fall die richtige Adresse. Auch wenn es nicht allgemein üblich ist, können Sie mit manchem Handwerksbetrieb durchaus über Eigenleistungen oder Hilfeleistungen sprechen, wenn Sie Kosten sparen möchten.

Warnhinweis: Beim Dachdecken besteht auf jeden Fall erhöhte Unfallgefahr. Nicht zuletzt, weil die eigenen Kräfte oft überschätzt werden. Die Gefahr bei einer nicht fachgerechten Ausführung später Schäden durch eindringende Feuchtigkeit u. ä. zu bekommen ist groß. Ob sich das lohnt, wenn gleichzeitig dadurch die Möglichkeiten von Steuerersparnis und Fördermitteln entfallen, muss letztlich jeder selbst bedenken und entscheiden.

3. Dachfläche berechnen

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Zunächst gilt es, die Fläche des Daches zu berechnen.

Zunächst einmal heißt es rechnen. Rechner, die die Dachfläche verschiedener Dachformen berechnen gibt es online. Da die Angebote sich schnell verändern, gibt es hier keinen Link, sondern nur den Rat “Dachfläche online berechnen” bei der Suche einzugeben. Mit diesen Onlinerechnern können Sie auch gleich herausfinden, wie viele Dachziegel Sie benötigen.

Ohne Messen geht es allerdings auch mithilfe eines Onlinerechners nicht. Sie brauchen je nach Dachform zumindest die Länge und Breite sowie die Dachschräge bzw., die Firsthöhe als Maß.

Bei komplizierteren Dachformen oder mehreren Dachflächen, die nicht leicht zu messen sind (beispielsweise bei einem Krüppelwalmdach mit Gauben), ist es unter Umständen leichter, die vorhandenen Dachziegel zu zählen.

4. Dach neu decken – Kosten berechnen

Schon zur groben Orientierung ist es sinnvoll sich eine Kosteneinschätzung zu beschaffen. Das hilft bei Entscheidungen zum Material genauso wie bei der Überlegung, ob und welche Eigenleistungen eventuell eingeplant werden können. Die Preise sind sowohl regional als auch von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Vergleichen lohnt sich.

5. Gerüst und Dachdeckeraufzug

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Auch beim Gerüst gibt es bestimmte Vorschriften zu beachten.

Ein Dachdeckergerüst muss der Gerüstgruppe 3 entsprechen mit 200 kg/Quadratmeter Nutzlast und einer Belagsbreite von 60 cm. Dazu ist ein Fangnetz erforderlich. Ein Dachdeckeraufzug zum Materialtransport nach oben ist optional ebenfalls mietbar und ersetzt während des Abdeckens und neu Deckens sicher mindestens zwei Helfer.

Die Kosten für Mietgerüste inkl. Auf- und Abbau sowie Abnahme werden nach Quadratmetern berechnet. Die Preise sind regional sehr unterschiedlich. Besonders in Großstädten sind sie oft sehr viel höher als in ländlichen Gebieten. Sie belaufen sich auf 4 bis 12 Euro/Quadratmeter und noch mal 4 bis 7 Euro pro laufenden Meter Fangnetz.

Die Mietdauer ist dabei der geringste Faktor. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit Satteldach können leicht zwischen 2.000 und 3.000 Euro zusammenkommen.

6. Entfernen und Entsorgen der alten Dachdeckung

Je nachdem, ob die Dachlatten ebenfalls entfernt werden sollen kostet es etwa 8 bis 18 Euro/Quadratmeter zuzüglich der Entsorgungskosten (Container u. a.).

Letztere kann man sich oft sparen, wenn man die alten Dachpfannen an Selbstabholer per Kleinanzeige o. ä. anbietet. Sie werden für den privaten oder landwirtschaftlichen Wegebau eingesetzt.

7. Preise für die verschiedenen Materialien mit Verlegung

Dachmaterial Sonstiges Material
  • Dachsteine aus Beton ab ca. 20 Euro/m²
  • Dachziegel (gebrannt) ca. 25 bis 50 Euro/m² je nach Art
  • Faserzementplatten ca. 30 bis 50 Euro/m²
  • Schiefer ca. 80 bis 100 Euro/m²
  • Metallblech (Aluminium, Kupfer, Zink) ca. 80 bis 100 Euro/m²
  • Reet ca. 100 bis 130 Euro/m²
  • Dampfsperre ca. 0,5 bis 1 Euro/m²u
  • Firstrolle ca. 2,5 bis 4 Euro/m
  • Kaminanschlussband ca. 4 – 7 Euro/m
  • Sturmklammern ca. 25 Euro/100 Stück
  • Dachziegelbohrer ca. 5 -10 Euro
  • Diamanttrennscheibe ca. 10 – 20 Euro je nach Art
  • Unterspannbahn ca. 0,5 bis 1 Euro/m²
  • Trittflächenset ca. 100 – 150 Euro
  • Schneefanggitter Set ca. 25-50 Euro
  • Dämmmaterial ab 15 Euro/m²

8. Dach neu decken und dämmen

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Bei der Neueindeckung eines Daches ist eventuell auch eine neue Wärmedämmung gefragt.

Eine Dämmung ist bei einer Dachsanierung häufig vorgeschrieben, vor allem, wenn ein Altbau nach 2002 erworben wurde – bei einem Neubau ohnehin. Genaue Auskunft bekommen Sie bei den örtlichen Energieagenturen, der Verbraucherzentrale und ähnlichen Beratungsstellen. Besonders, wenn Sie Mittel der KfW in Anspruch nehmen möchten oder eines der zahllosen Förderprogramme ist das dringend angeraten.

Die Dämmung kann auf verschiedene Weise ausgeführt werden. Wenn es ein Kaltdach bleiben soll, ist eine Geschossdeckendämmung die günstigste Lösung mit Kosten in Höhe von ca. 15 bis 60 Euro/Quadratmeter.

Die Zwischensparrendämmung mit 50 bis 80 Euro/Quadratmeter und die Untersparrendämmung mit 30 bis 60 Euro/Quadratmeter sind zwar günstiger als die Aufsparrendämmung mit 75 bis 90 Euro/Quadratmeter ohne Dachlattung und Eindeckung.

Aber sie sind zum einen weniger effektiv und reichen zum anderen unter Umständen nicht für die Vorgaben der Energiesparverordnung bzw., für die Nutzung von Fördermitteln der KfW und nicht zuletzt verbraucht die Aufsparrendämmung keinen Raum im Dachgeschoss.

9. Dach neu decken – Förderung, Steuerersparnis u.ä.

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Die Möglichkeiten zur Förderung und steuerlicher Absetzbarkeit scheinen fast unendlich. Verzichten Sie nicht auf eine ausführliche Beratung.

Die aktuelle Energiesparverordnung verpflichtet im Grunde weitreichend zur Dämmung von Dächern bzw., Dachgeschossdecken. Dem stehen über 1000 Förderprogramme gegenüber. Das sind teilweise zinsvergünstigte oder zinsfreie Kredite, zum anderen aber auch Zuschüsse.

Um hier wirklich fündig zu werden, lohnt sich zu Beginn die Nutzung des Sanierungskonfigurator des Bau- und Wirtschaftsministeriums sowie bei der konkreten Planung auf jeden Fall eine maßgeschneiderte Energieberatung (beispielsweise bei einer Verbraucherzentrale, Energieagentur o. ä.).

Über die Möglichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit anstelle oder zugleich mit einem Förderprogramm informiert Sie Ihr Steuerberater. Allgemein sind 20 Prozent der Handwerksleistungen (ohne Material) in Höhe von bis zu 6.000 Euro pro Jahr absetzbar, allerdings müssen die Arbeitsleistungen in den Rechnungen dann gesondert aufgeführt werden.

Hinweis: Außerdem lässt sich oft nicht gleichzeitig eine Förderung und ein Steuerabzug wahrnehmen. Von daher ist hierzu fachlicher Rat vom Steuerbüro unumgänglich.

10. Dach neu decken – Anleitung zur Planung – Checkliste

10.1. Allgemein:

  • Baubehörde nach Vorschriften und Vorgaben fragen
  • gegebenenfalls Sachverständigen zu Asbest befragen
  • Energieberatung wahrnehmen
  • Versicherungsschutz bei Eigenleistung und für Helfer klären
  • Gerüst beim Hausratversicherer melden, da erhöhte Einbruchgefahr besteht

10.2. Bei Dachsanierung durch Fachbetrieb:

  • Angebote einholen
  • Angebote vergleichen
  • konkrete Vereinbarungen treffen (Termin, eventuelle Eigenleistungen usw.).
  • Auftragsvergabe

10.3. Bei Dacheindeckung in Eigenleistung:

  • komplette Liste aller notwendigen Baustoffe erstellen, Preise vergleichen
  • Helfer organisieren und nach Möglichkeit mindestens einen Fachmann
  • Sicherheitsschuhe, Handschuhe u. ä. besorgen, soweit nicht vorhanden
  • Dachdecker-Gerüst und Dachdeckeraufzug anfragen, Angebote vergleichen, Auftrag erteilen
  • Baustoffe zeitlich passend bestellen
  • Container zur Entsorgung des Altmaterials bestellen
  • große Abdeckplanen mit Spannseilen für plötzlichen Wetterwechsel sowie
  • Ersthilfekasten, Sonnenschutz, Getränke und Essen bereithalten