Solaranlage

Balkonkraftwerk in der Mietwohnung: Was Mieter beachten müssen

Ein Ratgeber aus der heimwerker.de Redaktion

Zwei Solarmodule sind an einem Balkon in einem bestimmten Winkel montiert.

Steigende Energiekosten und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit beim Stromverbrauch machen Balkonkraftwerke auch für Mieter immer interessanter. Die Mini-Solaranlagen gelten als vergleichsweise unkomplizierter Einstieg in die Photovoltaik und können dabei helfen, einen Teil des Haushaltsstroms selbst zu erzeugen.

Für Mieter stellen sich dabei vor allem praktische und rechtliche Fragen. Entscheidend ist nicht nur, wie ein Balkonkraftwerk funktioniert, sondern auch, ob die Montage erlaubt ist, welche Vorgaben für das Anschließen gelten und welche Grenzen bei Leistung, Platz und Nutzung bestehen. Auch Anmeldung, Kosten und ein möglicher Stromspeicher spielen in der Praxis eine wichtige Rolle.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Möglichkeiten Mieter bei Balkonkraftwerken haben und worauf bei Planung, Montage, Nutzung und Anmeldung zu achten ist.

1. Ist ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung erlaubt?

Ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ist grundsätzlich erlaubt. Für Mieter ist vor allem wichtig, ob die Anlage einfach aufgestellt wird oder ob dafür bauliche Veränderungen notwendig sind. Sobald ein Modul außen an der Balkonbrüstung, an der Fassade oder an der Hauswand befestigt werden soll, ist in der Regel die Genehmigung des Vermieters erforderlich.

Rechtlich ist vor allem zwischen dem Betrieb der Anlage und baulichen Veränderungen am Gebäude zu unterscheiden. Wenn Sie eine feste Halterung anbringen oder das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes sichtbar verändern, sollten Sie den Vermieter frühzeitig einbeziehen. Maßgeblich sind dabei der Mietvertrag, die Hausordnung und das geltende Gesetz bzw. die Vorgaben des Mietrechts. Welches Gesetz im Einzelfall relevant ist, hängt auch davon ab, ob nur die Nutzung oder auch eine bauliche Veränderung betroffen ist.

Hinweis: Auch das Thema Versicherung spielt eine Rolle. Mieter sollten prüfen, ob mögliche Schäden am Gebäude, am Balkon oder an fremdem Eigentum abgesichert sind, etwa wenn sich Teile durch Sturm oder unsachgemäße Montage lösen. Besonders bei außen an der Brüstung montierten Modulen sollte vorab geklärt werden, welche Versicherung im Schadensfall zuständig ist.

2. Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung?

Bei einem Balkonkraftwerk in der Mietwohnung handelt es sich um ein Steckersolargerät, das mithilfe von Photovoltaik Strom erzeugt. Die Solarmodule erzeugen Gleichstrom, der über einen Wechselrichter in nutzbaren Wechselstrom umgewandelt wird. Dieser Strom wird direkt in den Wohnungsstromkreis eingespeist und zuerst von laufenden Geräten verbraucht, etwa vom Kühlschrank, dem Router oder der Waschmaschine. Einige Systeme lassen sich zusätzlich mit einem passenden Speicher kombinieren.

Zwei Solarmodule an Balkon über Eck montiert.

Ein gut geplanter Standort entscheidet oft stärker über den tatsächlichen Ertrag eines Balkonkraftwerks als die reine Modulleistung.

Ein Balkonkraftwerk ersetzt allerdings nicht die komplette Stromversorgung einer Wohnung. Es reduziert vor allem die sogenannte Grundlast. Wie groß die mögliche Ersparnis auf Dauer ausfällt, hängt jedoch stark von Sonneneinstrahlung, Ausrichtung und tatsächlichem Verbrauch ab.

Damit ein System sinnvoll arbeitet, müssen Leistung, Standort und Verbrauch zusammenpassen. Ein schattiger Nordbalkon liefert deutlich geringere Erträge als ein sonniger Südbalkon. Ob mehrere Module sinnvoll sind, hängt von der Balkonlage, der verfügbaren Fläche und der technischen Auslegung ab.

Hinweis: Wer sich über Balkonkraftwerke informiert, stößt schnell auf Angaben wie 6 kW oder 6 Module. Bei Steckersolargeräten sind Größen wie 6 kW in Deutschland jedoch nicht typisch, da maximal 800 Watt Wechselrichterleistung zulässig sind. Mehrere Module sind zwar möglich, 6 Module sind dabei aber nicht unbedingt gängig. Ob solche Größen in der Praxis sinnvoll sind, hängt von den baulichen und technischen Voraussetzungen ab.

3. Was müssen Mieter bei Installation und Anschluss eines Balkonkraftwerks beachten?

Eine sichere Installation ist bei einem Balkonkraftwerk in der Mietwohnung besonders wichtig. Die Module müssen zuverlässig befestigt sein und die Halterung muss zum Balkon passen sowie Windlasten standhalten, vor allem in höheren Stockwerken. Eine solche Anlage können Sie grundsätzlich auch selbst installieren, sofern sie sicher montiert und technisch korrekt angeschlossen wird. Wichtig ist, dass Halterung, Befestigung und elektrische Einbindung zur baulichen Situation und zur Anlage passen.

Hinweis: Fertige Montagesets können helfen, ersetzen aber nicht die sorgfältige Prüfung der baulichen Situation.

Auch beim Anschließen sollten Sie gut aufeinander abgestimmte Komponenten wählen. Der Wechselrichter und die elektrische Einbindung müssen zur Anlage passen. Außerdem sollten Sie nur passende und sichere Technik verwenden. Ein Y-Kabel, also ein Kabel mit einer Aufteilung in zwei Anschlüsse, ist nicht für jede Installation geeignet. Es sollte daher nur eingesetzt werden, wenn ein Y-Kabel technisch ausdrücklich vorgesehen ist.

Neben der Sicherheit ist auch die Alltagstauglichkeit wichtig. Die Module sollten so angebracht sein, dass sie ausreichend Sonne erhalten, ohne Nachbarn, Fluchtwege oder den eigenen Balkon übermäßig einzuschränken. Als Mieter müssen Sie außerdem bedenken, dass eine spätere Demontage möglichst einfach sein sollte.

Ein Solarwechselrichter an einer braunen Wand montiert.

Nicht nur die Modulleistung zählt: Auch der Wechselrichter muss zur Anlage und zum vorgesehenen Einsatzbereich passen.

Welche Punkte für Mieter bei der Planung und Inbetriebnahme eines Balkonkraftwerks besonders wichtig sind, zeigt die folgende Tabelle im Überblick.​

Thema Wichtige Punkte für Mieter
Genehmigung nötig, wenn außen montiert oder baulich eingegriffen wird
Installation sichere Halterung, windfeste Montage, keine Absturzgefahr
Anschließen nur mit geeigneter Technik und passendem Wechselrichter
Leistung Balkonlage, Verschattung und Stromverbrauch mitdenken
Versicherung Schutz bei Schäden und Haftungsfragen prüfen

4. Welche Kosten, Pflichten und Grenzen gelten für ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung?

Viele Mieter entscheiden sich für ein Balkonkraftwerk, um ihre Stromkosten zu senken. Ob sich das im Einzelfall tatsächlich auszahlt, sollte jedoch mit Blick auf Anschaffungskosten, gesetzliche Vorgaben und technische Grenzen geprüft werden.

4.1. Kosten

Ein Balkonkraftwerk verursacht zunächst Anschaffungskosten. Neben dem Kaufpreis können Ausgaben für Halterung, Montage oder passende elektrische Komponenten hinzukommen. Ob sich die Investition rentiert, hängt vor allem von der konkreten Wohnsituation und dem eigenen Stromverbrauch ab. Wenn Sie tagsüber selten zu Hause sind, nutzen Sie ohne Speicher oft nur einen Teil des erzeugten Stroms sofort. Auch die Mehrwertsteuer kann beim Kauf relevant sein, da für viele Photovoltaikanlagen unter bestimmten Voraussetzungen 0 % gelten.

4.2. Pflichten

Zu den wichtigsten Pflichten gehört die Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Für Balkonkraftwerke wurde dieser Vorgang vereinfacht. Wird die Anlage sichtbar außen angebracht oder sind bauliche Veränderungen nötig, sollte außerdem der Vermieter oder die Hausverwaltung einbezogen werden.

Hinweis: Steckersolargeräte sind im Mietrecht inzwischen ausdrücklich berücksichtigt. Das Gesetz regelt jedoch nicht, dass jede Art der Anbringung ohne Abstimmung zulässig ist.

4.3. Grenzen

Grenzen ergeben sich vor allem aus Platz, Befestigung und den technischen Vorgaben. Nicht jeder Balkon bietet genug Fläche oder eine sichere Montagemöglichkeit. Entscheidend ist daher nicht die größtmögliche Anlage, sondern eine Lösung, die dauerhaft sicher montiert werden kann und zum eigenen Stromverbrauch passt.

Mehrere Solarmodule sind an einem Balkon montiert.

Der laufende Aufwand ist meist überschaubar, setzt aber voraus, dass Zustand und Funktion in sinnvollen Abständen kontrolliert werden.

Welche Vor- und Nachteile sich daraus in der Praxis ergeben können, hängt vor allem von der jeweiligen Wohnsituation ab.

    Vorteile
  • eigener Solarstrom auch ohne eigenes Dach
  • geringere Stromkosten möglich
  • unkomplizierter Einstieg in Photovoltaik
  • meist gut rückbaubar, etwa bei Umzug
    Nachteile
  • Ertrag hängt stark von Lage und Sonne ab
  • Genehmigung kann nötig sein
  • sichere Installation ist Pflicht
  • die technischen und baulichen Grenzen sind oft enger als angenommen

5. Kann bei einem Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ein Speicher nachgerüstet werden?

Ein Speicher kann sinnvoll sein, wenn tagsüber Strom erzeugt, aber erst später verbraucht wird. Dann lässt sich ein Teil der Solarenergie zwischenspeichern und am Abend nutzen. Grundsätzlich ist das Nachrüsten möglich, aber nicht jedes System ist dafür ausgelegt. Wichtig sind Kompatibilität, Platz und die Frage, ob die Lösung überhaupt zum eigenen Verbrauch passt.

Für viele Mieter ist ein Speicher eher eine Ergänzung als ein Muss. Wenn bei Ihnen tagsüber ohnehin Geräte laufen, kann auch ohne Speicher ein Teil des Solarstroms direkt genutzt werden. Daher ist das Nachrüsten vor allem dann interessant, wenn der Eigenverbrauch sonst niedrig bleibt und die technischen Voraussetzungen stimmen.

Ein Balkonkraftwerk kann in der Mietwohnung sinnvoll sein, wenn die Anlage zur Wohnsituation passt und rechtliche sowie technische Vorgaben beachtet werden. Dann lässt sich eine kleine Solaranlage sachgerecht nutzen, ohne ihre Möglichkeiten zu überschätzen.

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