Boden & Fliesen

Dauerelastische Fuge selber machen – So werden Fugen dauerelastisch

  • Dauerelastische Fugen werden mit Silikon- oder Acryldichtstoffen erzeugt. Beide haben verschiedene Vor- und Nachteile.
  • Während die Silikone durch Aufnahme von Feuchtigkeit abbinden, ist es bei Acryldichtstoffen die Abgabe von Feuchtigkeit.
  • Früher wurde beispielsweise Kitt benutzt, um elastische Fugen abzudichten.

Silikonfuge wird am Boden unter einer Terrassen- oder Balkontür angelegt.

Mehr zum Thema Abdichten

Beim Abdichten kommt es auf den Zweck an. Wenn Sie beispielsweise Ihre Fugen im Bad erneuern möchten, ist Sanitärsilikon die richtige Abdichtmasse. Geht es dagegen um das Abdichten von Fugen an einer trockenen Wand, dann ist Acryl besser, da es sich überstreichen lässt. Mehr Informationen, finden Sie in unter Dämmen & Dichten Test & Vergleich.

“Silikon” eine Bezeichnung, die heute äußerst mehrdeutig ist. Ob als Rohstoff für Computerchips, als Füllmaterial für kosmetische Operationen oder als schützende Smartphonehülle: Silikon ist allgegenwärtig. Im Baugewerbe trifft man Silikon vor allem als sogenanntes “Silikonelastomer” an. Hier werden kaltvernetzende Silikonelastomere zum elastischen Abdichten von Sanitärfugen verwendet. Was dies genau bedeutet, erklären wir später.

Silikonfugen bleiben dauerhaft elastisch und sorgen auch bei temperaturabhängigen Dehnungen des Materials für eine sichere Abdichtung. Einmal gut gesetzte Silikonfugen bleiben lange wasserdicht, hygienisch und dehnbar – wenn man weiß, wie es geht.

Silikonelastomere – Wunderwerke der Dichtstofftechnik

kaltvernetzung von silikon
Kaltvernetzung von Silikon

Silikonelastomere kommen vielfältig zum Einsatz: Aus demselben chemischen Grundstoff können so verschiedene Dinge wie Babyschnuller, hitzebeständige Backformen oder eben Dichtstoffe hergestellt werden. Entscheidend für die spätere Verwendung ist die Art der “Aushärtung” des Elastomers, wobei dieser Begriff nicht ganz richtig ist: Das Silikonelastomer bleibt ja auch im festen Zustand sehr elastisch, man spricht von einer “Vernetzung” der Silikonmoleküle.

Unterschieden wird in heißvernetzende und kaltvernetzende Silikone. Während die ersteren eher für Schnuller und Backformen in der Industrie verwendet werden, sind letztere im Baugewerbe üblich. Silikon in der Dichtstoffkartusche aus dem Baumarkt ist immer kaltvernetzend.

Ein kaltvernetzendes Silikonelastomer, auch als RTV (Raumtemperaturvernetzend) bezeichnet, vernetzt sich durch den Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit bei etwa 20 °C. Wie in der nebenstehenden Zeichnung dargestellt, lagern sich die Wassermoleküle aus der Luft an den Silikonmolekülen in der Fuge an. Durch nun ablaufende chemische Reaktion wird das Silikonelastomer miteinander vernetzt – nicht starr, sondern elastisch.

Silikon dünstet daher auch nicht aus, vielmehr nimmt es die Luftfeuchtigkeit bis zur Sättigung in sich auf. Nach vollendeter Vernetzung ist das Silikon dann perfekt wasserdicht und die Erneuerung der Silikonfuge abgeschlossen.

Unterschied zwischen Silikon- und Acrylfugen

silikonfugen dauerelastisch
Äußerlich lässt sich Silikon nicht von Acryl unterscheiden.

Acryldichtstoffe werden von Heimwerker-Laien gerne auch als Silikon bezeichnet, sie haben aber chemisch nichts mit silikonbasierten Dichtstoffen zu tun. Sie basieren auf Acrylatdispersionen und sind wasserhaltig.

Bei Acrylfugen kann man, im Unterschied zu Silikonfugen, von einer Trocknung der Fuge sprechen. Während der Aushärtung dunstet der Wasseranteil der Dispersion aus der Fuge aus, die “trockene” Fuge ist aber später dennoch hochelastisch.

Wegen der etwas geringeren Elastizität werden Acrylfugen an hochbelasteten Stellen seltener eingesetzt, moderne Acryldichtstoffe erreichen aber durchaus Silikondichtstoffen vergleichbare Werte.

Allerdings lassen sich Acryldichtstoffe überstreichen, was bei Silikon nicht der Fall ist. Von daher unterscheiden sich die Einsatzgebiete. Mehr dazu unter Wissenswertes zu unterschiedlichen Fugenmassen und Fugenarten.

Der ZGV-Wert und seine Bedeutung für Heimwerker

zgv wert - beschreibt die Elastizität
ZGV-Wert hier anschaulich erklärt

Der auf Dichtstoffkartuschen angegebene, prozentuale ZGV-Wert ist die zentrale Klassifikation für die Elastizität von Dichtstoffen. Mithilfe dieses Wertes werden die notwendige Elastizität des Dichtstoffs und die mögliche Fugenbreite angegeben.

ZGV bedeutet “Zulässige Gesamtverformung” und kennzeichnet die Möglichkeiten zur Zug- und Druckaufnahme einer Fuge. Ein ZGV-Wert von 20 % bedeutet, dass die Fuge 10 % Druck- und 10 % Zugaufnahme hat. Auf eine Fuge von 10 mm übertragen bedeutet dies, dass die Fuge sich um einen Millimeter verformen kann (nach innen und außen).

Historische Dehnfugen

Wer ein Haus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder älter restauriert oder renoviert, wird keine Silikonfugen finden: Silikondichtstoffe kamen im großen Stil erst nach dem 2. Weltkrieg auf. Historisch wurde oft mit Gips oder Holzleisten abgedichtet, diese Fugen waren jedoch nicht feuchtigkeitsbeständig.

Für Gebäudefugen verwendete man ein Gemisch aus Schlämmkreide und Leinölfirnis, dass stundenlang zu einem zähen Teig geknetet wurde. Diese auch als Glaserkitt bezeichnete Masse dichtet recht zuverlässig ab, altert aber schnell. Durch die Oxidation des Leinöls wird der Kitt mit den Jahren bröselig, verliert seine Elastizität und muss erneuert werden.

Problematisch sind alte Dehnfugen besonders bei der Verlegung neuer Fußböden. Verfärbungen des Leinöls können nach oben wandern und den Boden verschmutzen. Eine alte Kittfuge lässt sich aber relativ leicht erkennen: Ein von der Fuge abgeschnittener Span, der bei Kontakt mit einer Feuerzeugflamme nach Leinöl riecht, weist auf eine alte Dehnfuge hin. Diese sollte dann erneuert werden.


Riccardo Düring

riccardoduering

Ausbildung im Metallbereich, ambitionierter Heimwerker mit einem Hang zu technisch verspielten Projekten. Blogger und Produkttester aus Leidenschaft.