Boden & Fliesen

Fugen erneuern – Silikonfugen und Sanitärfugen selber entfernen und neu abdichten

Alte Fugen erneuern – Bad neu verfugen

fugen-erneuern-bad-kueche-1Alte Fugen im Bad und in der Küche sehen nicht nur unschön aus, sondern können richtig gefährlich sein. Wenn Wasser durch die undichten Fugen hinter die Duschtasse schwappt oder in der Küche Schimmel die Dichtfugen verunziert, stehen teure und mitunter gesundheitsschädliche Folgen ins Haus.

Der Austausch und die Erneuerung von Fugen ist ziemlich einfach – wenn man etwas Geschick mitbringt und das richtige Werkzeug hat.

Diese Anleitung vermittelt auch Laien verständlich, wie man Fugen im Bad und in der Küche erneuern kann.

Silikonfugen: Die Grundlagen

An Silikon-Fugendichtstoffe im Sanitärbereich werden sehr hohe Ansprüche gestellt. Sie müssen gute Verarbeitungs- und Abdichtungseigenschaften mitbringen, außerdem müssen diese Dichtstoffe auch dauerelastisch sein, damit sie Bewegungen im Untergrund aufnehmen können, ohne dass die Fuge reißt.

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Wo unterschiedliche Elemente aneinanderstoßen – hier Badewanne und Wand – ist eine elastische Fuge erheblichen Belastungen ausgesetzt. Trotdzem muss sie dauerhaft dicht bleiben.

So kann man beispielsweise häufig beobachten, dass Fugen im Wand-Bodenübergang bei einer zu frühen Verfugung reißen. Verhindern kann man dies nur, wenn die Verfugung in diesem Bereich erst nach einer gewissen Wartezeit erfolgt und – für einen dauerhaften Erfolg noch wichtiger – Silikon-Fugendichtstoffe mit einer besonders hohen Elastizität eingesetzt werden.

Bei kritischen Gewerken, wie Terrassen, Balkone oder Badezimmern, wird von Fugendichtstoffen eine hohe Bewegungsaufnahme verlangt. Hier werden Silikon-Fugendichtstoffe mit einer besonders hohen Elastizität eingesetzt, sodass die damit angelegten Fugen auch unter der erhöhten Belastung dauerelastisch bleiben und die Bausubstanz vor Schäden, etwa durch eindringendes Wasser, bewahren können.

Technische Anforderungen

Bei der Entwicklung von Fugendichtstoffen auf Silikon-Kautschukbasis wird besonderes Augenmerk auf die Reißdehnung gelegt, die gemessen nach DIN 53504 etwa 400 bis 600% beträgt. Zudem ist eine hohe Bewegungsaufnahme erforderlich, damit auch der oben erwähnte Einsatz in kritischen Gewerken, wie Terrassen und Balkonen, möglich wird.

Aufgrund der hohen Temperaturschwankungen durch direkte Sonneneinstrahlung und Frost sind außerhalb des Hauses die Anforderungen an den Fugendichtstoff, der im Bereich der Dehn- und Bewegungsfugen eingesetzt wird, enorm. Hochwertige Silikondichtstoffe werden deshalb so entwickelt, dass sie eine Temperaturbeständigkeit von -60 °C bis +180 °C aufweisen und witterungs- sowie alterungsbeständig sind. Aufgrund der UV-Beständigkeit sind solche Silikone auch für diesen Einsatzbereich geeignet.

Für den Einsatz in der Küche und im Bad ist wegen der dort häufig eingesetzten Reinigungsmittel eine hohe Chemikalienbeständigkeit des elastischen Fugendichtstoffes notwendig.

Darüber hinaus ist das Silikon lösemittelfrei und besonders umweltverträglich, damit bei der Verarbeitung und auch danach keine Gesundheitsschäden durch Ausdünstungen drohen.

Silikon im praktischen Einsatz

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In Feuchträumen, wie Bädern, besteht eine erhöhte Gefahr für einen Schimmelbefall. Silikon-Dichtstoffe mit pilzhemmenden Wirkstoffen können dieses Risiko eindämmen.

Besonders verbreitet sind acetatvernetzende Silikon-Dichtstoffe. Beim Vernetzen, also beim Verbinden der Moleküle untereinander zu einer elastischen Struktur, wird Essigsäure abgespalten – daher stammt der typische Essiggeruch von härtendem Silikon.

Der Vorteil dieser acetatvernetzenden Systeme ist eine besonders gute Haftung auf allen keramischen Belägen im Wand- und Bodenbereich – bei der Versiegelung von Fugen als Anschluss zu Fliesenbelägen, Waschbecken, Badewannen, Duschtassen, Tür und Fensterrahmen ebenso wie beim Einsatz in Dehnungsfugen. Selbst zum Verfugen von Glaskonstruktionen ist hochwertiges Silikon einsetzbar. Ein weiterer Vorteil dieser Systeme sind eine schnelle Durchhärtung und eine hohe Abriebfestigkeit.

Die Anforderungen an Silikondichtstoffe beschränken sich allerdings nicht auf ihre mechanischen Eigenschaften. Die meisten Sanitärsilikone sind auch pilz- und bakterienhemmend eingestellt. Duschen und Bäder sind immerhin besonders durch Schimmel gefährdet, und die Gefahr eines Befalls kann durch diesen zusätzlichen chemischen Schutz deutlich eingedämmt werden. Bei entsprechender Reinigung und Pflege bleibt das gewünschte Erscheinungsbild der Fuge dauerhaft erhalten.

Ob der Schutz vor Schimmel gewünscht ist, hängt allerdings vom Einsatzgebiet ab. In Bädern wird man in der Regel pilzhemmende Dichtstoffe einsetzen, in Küchen jedoch sollte man überall da von Silikonen mit fungiziden Zusätzen absehen, wo der Dichtstoff mit Trinkwasser in Berührung kommt. Der Grund: Fungizide können teilweise vom Wasser ausgewaschen werden.

Keine Probleme ergeben sich unabhängig vom Anwendungsbereich bei der Optik: Silikon-Dichtstoffe sind in vielen Farbtönen erhältlich – dazu gehören sowohl klassische und aktuelle Sanitärfarben als auch teilweise sehr bunte Farbstellungen, die einen eigenen Beitrag zur Gestaltung von Räumen leisten können.

Silikonfuge erneuern Schritt für Schritt

Zunächst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, wie die neue Fuge aussehen soll, also wie breit sie wird. Das hängt nicht nur von optischen, sondern auch von technischen Gesichtspunkten ab. Und natürlich wird dadurch auch der Materialbedarf bestimmt.

Die nötige Fugenbreite für eine dichte Sanitärfuge hängt immer von der Beschaffenheit des Materials und dem verwendeten Dichtstoff ab. An die Fuge grenzende Fliesen oder Keramikteile können ganz gerade, aber auch unregelmäßige Kanten aufweisen, sie können parallel liegen, aber auch etwas ungenau eingebaut sein. Einfache Faustregeln gibt es daher nicht, sicher ist nur, dass die sichtbare Fugenbreite etwas größer als die zu füllende Spaltbreite sein muss.

In den meisten Fällen dürfte etwa das zweieinhalbfache des Fugenspaltes ausreichen. Bei einer Fuge von 5 mm wären dies also 12,5 mm. Im Außenbereich oder anderen thermisch hochbelasteten Umgebungen sollte mit dem Drei- bis Vierfachen gerechnet werden. Hier würde bei einem 5-mm-Spalt eine Fugenbreite von etwa 20 mm ausreichen. Das genügt, um thermische Verformungen auszugleichen und die Fuge dauerhaft abzudichten.

Beim Erneuern von Fugen kann man sich auch einfach an der bisherigen Fuge orientieren. Ein oder zwei Millimeter zusätzlich können nicht schaden, da Silikon mit den Jahren ein wenig schwindet. Wenn die alte Fuge über längere Strecken abgerisssen ist und sich Spalten zum angrenzenden Material gebildet haben, sollten Sie sicherheitshalber jedoch deutlich großzügiger arbeiten.

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Mit der scharfen Klinge des Fugenhais wird so viel von der alten Silikonfuge entfernt wie möglich. Setzen Sie nicht zu viel Kraft ein, sonst können Sie sich beim Abrutschen verletzen.

Material und Werkzeug

  • Fugenhai
  • Silikonentferner
  • Schimmelentferner
  • Schwamm oder Lappen
  • Malerkrepp
  • Kartuschenpistole
  • Gummihandschuhe
  • Sanitärsilikon

Silikonfugen entfernen und Fugen reinigen

Zum Entfernen des alten Silikons eignet sich ein sogenannter Fugenhai mit wechselbarer, feststehender Klinge aus Edelstahl sehr gut. Mit dem spitzen Ende der Klinge stechen Sie zunächst ins Silikon und schneiden dann die Silikonmasse von den angrenzenden Flächen ab und aus der Fuge heraus.

Arbeiten Sie dabei sorgfältig und in kurzen Etappen, denn je mehr Silikon Sie bei diesem Schritt entfernen und je weniger Reste haften bleiben, desto weniger Nacharbeit fällt später an – insgesamt spart überlegtes Vorgehen also Zeit.

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Der Silikonentferner wird aus der Kartusche nach Vorschrift aufgetragen. Meist lassen sich damit bis zu 2 mm dicke Schichten anlösen.

Der Fugenhai schneidet wegen seiner Schärfe glatt in die Dichtmasse. Wird die Arbeit damit mühsamer, kann das an einer stumpfen Klinge liegen. Üben Sie dann nicht einfach mehr Druck aus, denn das erhöht nur die Verletzungsgefahr. Eine stumpfe Klinge sollte ausgewechselt werden.

Ganz ohne Reste werden Sie in vielen Fällen das alte Silikon auf diese Weise nicht entfernen können. Dann helfen Sie mit einem chemischen Silikonentferner nach. Er wird nach Anleitung des Herstellers auf die Dichtstoffreste aufgetragen und wirkt dann ebenfalls nach Herstellervorschrift ein.

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Silikonentferner gibt es auch in kleinen Gebinden – praktisch, wenn etwa nur die Abdichtung eines einzelnen Waschbeckens erneuert werden soll.

Vor dem Auftragen können Sie den Untergrund beidseitig der alten Silikonfuge mit Malerkrepp abkleben. Dadurch verhindern Sie, dass angrenzende Fugen angelöst werden, die nicht erneuert werden sollen. Außerdem kann dann kein gelöstes Silikon versehentlich in der Umgebung verschmiert werden.

Nach der Einwirkzeit werden die gelösten Reste und Rückstände des Entferners gründlich mit einem Schwamm oder Lappen abgenommen. Wenn Sie die Fuge abgeklebt haben, entfernen Sie zuvor das Kreppband.

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Nach dem Einwirken wischt man die gelösten Silikonreste und die Rückstände des Entferners gründlich mit einem Schwamm oder Lappen von den Fugen.

Inspizieren Sie nun die gereinigte Fuge noch einmal gründlich. Entdecken Sie dabei Schimmel, dann muss er beseitigt werden, ehe Sie die Fuge neu ausspritzen. Dazu stehen im Sortiment der Baumärkte zahlreiche Produkte zur Verfügung. Achten Sie beim Kauf eines Schimmelentferners darauf, dass er mit den behandelten Untergründen verträglich ist, und wenden Sie ihn exakt nach den Vorgaben des Herstellers an.

Am besten arbeiten Sie damit bei offenem Fenster mit Haushaltshandschuhen und einem Mundschutz.

Silikonfugen neu ausspritzen und glätten

Vor allem dann, wenn Sie zum ersten Mal mit Silikon-Dichtstoffen hantieren, können Sie die Fuge in der beabsichtigten Breite wieder mit Malerband abkleben.

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Spritzen Sie die Fuge gleichmäßig und in einem Zug aus. Für Ungeübte kann es einfacher sein, mit solch einem Dosierspender zu arbeiten als mit der Kartuschenpistole.

Bereiten Sie nun die Dichtstoff-Kartusche vor. Sie wird aufgeschnitten, dann schraubt man eine unbenutzte Spritztülle auf. Legen Sie die Kartusche dann in die Kartuschenpistole ein und schneiden die Tülle schräg an. Wie weit die Öffnung werden muss, hängt auch von der Fugenbreite ab. Meist sollte eine Öffnung von 2 bis 3 mm reichen – nachschneiden können Sie später bei Bedarf immer noch.

Der Drückhebel der Kartuschenpistole wird nun einige Male betätigt, bis ein Widerstand spürbar wird. Jetzt können Sie die Fuge ausspritzen. Das sollte gleichmäßig und möglichst in einem Zug geschehen. Bei breiten Fugen können Sie die Silikonmasse auch in engen, dicht an dicht liegenden Schlaufen einbringen. Das ist zuweilen leichter, als einen dicken Strang gleichgmäßig zu spritzen.

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Die klassische Methode ist das Ausspritzen mit der Kartuschenpistole. Arbeiten Sie auch damit gleichmäßig ohne abzusetzen in einem Zug.

Müssen Sie zwischendurch die Kartusche einmal absetzen, dann betätigen Sie den kleinen Entspannhebel am Drücker. Sonst ist nach wie vor Druck auf der Kartusche, und das Silikon kann unkontrolliert in die Umgebung kleckern.

Ist die Fuge fertig ausgespritzt, wird sie geglättet. Damit möglichst wenig Silikon an dem dafür verwendeten Werkzeug haften bleibt, kann man das Silikon mit einem Trennmittel benetzen. Dafür eignet sich beispielsweise eine schwache Spülmittellösung, die man mit der Pumpflasche aufsprüht.

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Mit einem Fugenglätter ziehen Sie das Silikon nun gleichmäßig und in einem Zug ab. Gegebenenfalls können Sie eine schwache Spülmittellösung als Trennmittel verwenden.

Das sollte man jedoch nur dann tun, wenn der Dichtstoff tatsächlich gleichmäßig und in ausreichender Menge eingebracht wurde, denn das Trennmittel macht es auch deutlich schwieriger, im Bedarfsfall noch Silikon an Fehlstellen zu ergänzen.

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Hier der Vorgang aus der Nähe: Achten Sie darauf, den Glätter während des Abziehens immer im gleichen Winkel zur Fuge zu halten.

Zum Glätten verwenden Sie am besten einen Fugenglätter aus elastischem Kunststoff. Mit ihm fahren Sie die Fuge gleichmäßig ab und nehmen dabei überschüssigen Dichtstoff auf. Das Ergebnis wird am schönsten, wenn Sie die Fuge ohne abzusetzen in einem Zug glätten. Achten Sie auch darauf, den Glätter dabei immer im gleichen Winkel zu halten. Haftet anschließend Silikon am Glätter, können Sie es einfach mit einem trockenen Tuch abwischen.

Unter Heimwerkern recht beliebt ist auch die Methode, eine Silikonfuge mit dem spülmittelbenetzten Finger zu glätten. Das wird aber selten so exakte Ergebnisse bringen wie die Arbeit mit dem Kunststoffglätter, und nicht jeder möchte Dichtstoffreste an den Fingern haben. Die wenigen Euro für ein Set mit mehreren Glättern sind also gut angelegtes Geld.

Nach Abschluss der Arbeiten müssen Sie dem Silikon Zeit zum Vernetzen lassen, ehe die Fuge belastet werden kann oder mit Wasser in Kontakt kommen darf. Hinweise darauf finden Sie auf der Kartusche. Sie können dabei auch Ihrer Nase vertrauen: Solange der Dichtstoff noch seinen typischen Geruch verströmt, ist er nicht voll belastbar.