Treppen & Geländer

Treppenlift: Braucht man eine Baugenehmigung?

Treppenlift: Brauche ich eine Baugenehmigung?

Ein Sitzlift ist kein Aufzug. Während man für den nachträglichen Einbau eines Personenaufzugs ausnahmslos – auch in Privathäusern – eine Baugenehmigung benötigt, sind Treppenlifte generell von einer solchen befreit. Diese Genehmigungsfreiheit entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, die Anforderungen des Brandschutzes einzuhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Einbau eines Treppenlifts in ein Privathaus erfordert keine Baugenehmigung. Dasselbe gilt auch für die Montage einer Treppensteighilfe mit Handlauf.
  • Beim Einbau in ein Mehrparteienhaus kommen Sie meist nicht um eine Genehmigung herum.
  • Gewisse bauliche Vorschriften hat man jedoch in allen Fällen zu erfüllen – auch dann, wenn es sich um den Einbau eines Sitzliftes in ein Privathaus handelt.

Fluchtwege auch beim Einbau ins Privathaus beachten!

Ein Sitzlift verändert in der Regel weder die äußere Erscheinung, noch beeinflusst er die Bausubstanz oder die Statik des Gebäudes. Solange das so ist, benötigen Sie für den Einbau eines Treppenlifts ins Privathaus keine Baugenehmigung.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, in welches der Treppenlift eingebaut werden soll, führt kein Weg an einer Baugenehmigung vorbei. Ebenso wird eine Genehmigung fällig, wenn der Einbau zu Änderungen an der Struktur der Treppe oder an der Statik des Gebäudes führt. Trotz der allgemeinen Genehmigungsfreiheit sollten Sie sich daher auch vor dem Einbau eines Treppenlifts im Privathaus immer mit den einschlägigen Vorschriften der örtlichen Behörden vertraut machen.

Treppenlifte können im Notfall ein Sicherheitsrisiko darstellen. Besonders die Funktion der Treppe als Fluchtweg sollte der Lift keinesfalls beeinträchtigen. Deshalb sollten Sitzlifte auch im Privathaus in Übereinstimmung mit den geltenden Sicherheitsvorschriften eingebaut werden. Nur so kann die Sicherheit aller Bewohner eines Hauses gewährleistet werden.

Die wichtigsten Voraussetzungen für den Einbau eines Treppenlifts im privaten Wohnhaus sind:

  • Mindestlaufbreite der Treppen: 0,70 Meter
  • Ungehinderter Weg zu Feuerlöschern in Treppenflurräumen
  • Der Fluchtweg bleibt frei. Bestenfalls kann eine Person fliehen, während eine andere den Treppenlift benutzt. Dies ist in Privathäusern zwar keine Pflicht, aber dennoch anzuraten.

Baugenehmigung für Treppenlift im Mehrparteienhaus zumeist notwendig

Menschen mit Mobilitätseinschränkungen haben ein Recht auf Barrierefreiheit. Der Einbau eines Treppenlifts in ein Mehrparteienhaus stellt laut Wohnungseigentumsgesetz (WEG) eine bauliche Veränderung dar und benötigt daher im ersten Schritt die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Neben dieser Einwilligung benötigen Sie in vielen Fällen auch eine Baugenehmigung.

Ob eine solche Genehmigung erforderlich ist oder nicht, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt und obliegt den jeweiligen Bundesländern. So müssen Sie in etwa in Baden-Württemberg oder Berlin davon ausgehen, eine Baugenehmigung für den Einbau eines Treppenlifts im Wohngebäude zu benötigen, in Hamburg, Schleswig-Holstein oder Sachsen haben Sie gute Chancen, in speziellen Fällen keine Genehmigung zu benötigen. Das Verfahren ist je nach Gemeinde unterschiedlich. Es bleibt Ihnen nicht erspart, sich mit der zuständigen Behörde in Verbindung zu setzen.

Folgende Anforderungen der öffentlich-rechtlichen Bauvorschriften müssen eingehalten werden.

  • Mindestlaufbreite der Treppen: 0,80 – 1,20 Meter (Die Mindestlaufbreite weicht in einigen Bundesländern wie etwa Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg ab.). So hat auch der Lieferant mit der Treppenkarre noch genügend Platz für den Aufstieg.
  • Gibt es neben der Haupttreppe noch eine zusätzliche Treppe, an die ein Treppenlift angebaut werden kann, wird auch eine Restlaufbreite von 0,50 Metern akzeptiert.
  • Fluchttüren und Fluchtwege werden durch den Treppenlift nicht behindert.
  • Der Treppenhandlauf bleibt uneingeschränkt benutzbar.
  • Der Treppenlift verfügt über einen Notfallmodus, der das manuelle Schieben in Ruheposition ermöglicht.
  • Verwendung von nicht brennbaren Materialien – auch für den Sitzbezug.
  • Sicherung gegen missbräuchliche Verwendung.
  • Ausreichend Platz zum Ausweichen oder Warten einer fußgehenden Person.

Tipp: Da die rechtlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf die gemeinschaftliche Gebäudeversicherung noch immer nicht vollends geklärt sind, sollten Sie sich für einen Treppenlift entscheiden, dessen Montage keine strukturellen Schäden an der Bausubstanz verursacht. Sitzlifte, die Schäden an Treppenstufen oder Wänden verursachen, können zu kostspieligen Reparaturen führen, die gemeinschaftlich von der Wohnungseigentümergemeinschaft bezahlt werden müssen. Holen Sie Informationen zu einem Lifta Treppenlift, der ohne Schäden an der Bausubstanz an eine Gemeinschaftstreppe installiert werden kann.

Die DIN 18065 regelt die Mindestvoraussetzungen

Umfassende Informationen über die zwingenden Hauptmaße einer Gebäudetreppe sind der DIN 18065, dem deutschen Regelwerk für die Planung und Ausführung von Treppen, zu entnehmen. Die DIN 18065 enthält unter anderem alle Vorschriften für die Mindestbreite von Treppen und die erforderlichen Abstände zwischen Handläufen, Geländerstäben und Trittstufen. Diese dürfen auch nach Montage eines Treppenlifts nicht unterschritten werden. Durch die Einhaltung dieser Normen bleibt die Treppe auch nach der Montage eines Treppenlifts sicher und benutzerfreundlich.

Dieser Artikel behandelt die Voraussetzungen für die Montage eines Sitzliftes. Um Gebäude vollkommen barrierefrei zu gestalten, ist ein Hub- oder Plattformlift oft die bessere Wahl. Sie stellen eine gute Alternative zum Treppenlift dar, denn es gibt auch Plattformlifte mit Sitzvorrichtung, die wie Sitzlifte genutzt werden können. Für den Einbau eines Hub- oder Plattformlifts gelten andere Maßgaben und Bestimmungen als die hier angeführten.

Bildnachweise: Adobe Stock/Robert Kneschke (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)