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Bitumenschindeln verlegen

kleines Haus mit Schindeln

Handelsübliche Formen
  • Rechteck
  • Dreieck
  • Trapez
  • Biberschwanz
  • Welle
  • diverse Sonderformate

Bitumenschindeln eignen sich für Dächer von 15 bis über 85 Grad Neigung und sogar zur Wandverkleidung.

Sie kommen aber durchaus auch für eine Dacheindeckung ganz normaler Hausdächer infrage. Allerdings ist das hierzulande (noch) nicht verbreitet, während Bitumenschindeln in anderen Ländern sehr häufig zur benutzt werden.

Woraus bestehen Bitumenschindeln

Bitumenschindeln
Bitumenschindeln sind eine echte Alternative zu herkönnlichen Dachpfannen.

Die Schindeln bestehen aus einem Glasvlies. Dieses Vlies wird beidseitig mit Bitumen beschichtet und ein- oder beidseitig mit einem Granulat oder zwei verschiedenen Granulaten abgestumpft.

Auf diesen Schichten sind zusätzlich in der Regel ein Klebestreifen oder Klebepunkte aufgebracht, die dazu führen, dass die Schindeln sich selbsttätig verkleben, sobald entsprechende Sonneneinstrahlung oder ein Heißluftgerät den Kleber aktiviert.

Sie sind üblicherweise mit Soll-Nagelstellen markiert und die Zungen sind geschlitzt. Der obere Teil ist dagegen vollflächig ausgeführt.

Welche Form von Bitumenschindeln verlegen?

Dachteil am Kran
Sparrenlänge und Dachneigung sind für die Wahl der Schindelform entscheidend.

Die verschiedenen Formen sind für unterschiedliche Sparrenlängen und Dachneigungen geeignet.

Die größeren Formen wie Rechtecke und Trapezformen sind bei einer Sparrenlänge von bis zu 10 Metern bei einer Dachneigung ab 15 Grad sowie bei Sparrenlängen von mehr als 10 Metern bei einer Dachneigung ab 20 Grad zu verwenden.

Dreiecke, Biberschwanzformen und ähnliche kleine Formen erfordern bei einer Sparrenlänge bis 10 Meter eine Dachneigung ab 20 Grad und bei längeren Sparren ab 25 Grad.

Das bedeutet also: Je geringer die Neigung, umso größer die Schindeln. Wie Sie die Dachsparren berechnen können, erfahren Sie hier.

Welchen Untergrund für Bitumenschindeln?

Bitumendeckung in Arbeit
Auf das Holz komm die Unterbahn und darauf kommen die Schindeln.

Während Dachpfannen auf der Lattung eingehängt werden, brauchen Sie eine vollflächige, ebene Unterkonstruktion aus Holz, Schichtholz, Bauplatten oder OSB-Platten von mindestens 18 mm (bei Wohngebäuden mindestens 24 mm), wenn Sie Dachschindeln anbringen.

Auf der hölzernen Unterkonstruktion wird eine Vordeckbahn für Bitumenschindeln verlegt. Sie wird auch Unterbahn (Dachpappe oder Unterlagsbahnen) genannt und schützt zusätzlich.

Teilweise werden auch Bitumenschweißbahnen als Unterlage verwendet – insbesondere bei geringen Dachneigungen.

Außerdem werden Traufbleche an der Traufkante unter den Bitumenschindeln angenagelt. Die Ortleisten an den Seiten kommen dagegen über die Kanten der Unterbahn.

Informationen zum Thema Dachdämmung finden Sie hier.

Achtung: Für Dächer mit einer Neigung von mehr als 85 Grad und Wandverkleidungen sollten Sie die Unterbahnen sowie die Schindeln vollflächig verkleben und doppelt so viele Nägel verwenden wie bei Dächern von 15 bis 85 Grad Neigung.

Vor- und Nachteile von Bitumenschindeln

  • einfach zu verarbeiten
  • kostengünstig
  • Haltbarkeit: 25 bis 35 Jahre und mehr
  • viele Formen und Farben erhältlich
  • gut isolierend
  • geringes Gewicht
  • für komplexe Dachformen geeignet
  • bei Hitze und direkter Sonneneinstrahlung nicht betretbar
  • etwas weniger langlebig als Bleche beispielsweise

Bitumenschindeln verlegen – Anleitung

  1. Folie auf der Rückseite
    Sie Folie auf der Rückseite erst unmittelbar vor dem Annageln abziehen.
    Alte Dachbeläge entfernen – Sollte es um eine Erneuerung des Dachbelags gehen, müssen alle alten Beläge komplett entfernt werden. Genauso die Bleche, welche jedoch wieder verwendet werden können, falls sie noch in Ordnung sind. Der Untergrund muss glatt (keine Splitter und Schadstellen) und besenrein sein, bevor ein neuer Belag aufgebracht werden kann.
  2. Die Traufbleche sollten einen Überstand von 8 cm haben und nach unten gebogen sein. Sie werden vor den Unterbahnen angenagelt, während die Seitenbleche auf den Unterbahnen angenagelt werden.
  3. Dachpappe aufbringen – Die Dachpappe oder auch eine Unterspannbahn wird von unten (an der Traufe) nach oben überlappend verlegt. Die Überlappung sollte bei Dächern mit einer Neigung ab 20 Grad mindestens 10 cm betragen. Wenn es flacher ist, bei 15 bis 20 Grad Neigung, sollte die Überlappung 50 cm betragen. In dem Fall wird als erste Bahn ein 50 cm breiter Streifen an die Traufkante gesetzt und von da an 1 m breite Dachpappe mit 50 cm Überlappung bis zum First. Zum Schluss wird über den First eine Bahn mit je 50 cm in jede Traufrichtung verlegt. Sollten Sie in der horizontalen ansetzen, so sorgen sie dort für eine Überlappung von 30 cm.
  4. die Zungen werden abgeschnitten
    Für die erste Reihe werden die Zugen auf Höhe der Ausschnitte abgeschnitten.
    Befestigt wird mit Dachpappenägeln (korrosionsgeschützte Breitkopfstifte). Von den Seiten 5 cm Abstand halten. Pro Bahn zwei Reihen Nägel mit einem maximalen Abstand von 40 cm in der Folge verwenden. Die Nägel immer nur soweit einschlagen, bis der Kopf auf der Schicht ankommt, nie in die Schicht versenken. Sie kann zuvor zur Fixierung geklebt oder auch getackert werden.
  5. Seitenbleche annageln – Über die Unterbahnen werden die seitlichen Blechleisten (Ortbleche) angenagelt.
  6. Arbeitsrichtung – Bei kleinen, niedrigen Dächern können Sie komplett von der Traufe Richtung First arbeiten, Reihe um Reihe. Bei größeren, höheren und steileren Dächern ist es einfacher von einer Seite zur anderen zu arbeiten.
  7. die erste und zweite Reihe
    Die erste Reihe wird dann mit der glatten Kante zur Traufe angenagelt und die zweite Reihe wie oben angedeutet überlappend darüber angebracht.
    Erste Reihe – Schneiden Sie die Zungen der Bitumenschindeln für die erste Reihe ab und nageln sie diese erste Reihe mit der glatten Kante zur Traufe fest. Wie schon bei den Unterbahnen werden auch bei den Bitumenschindeln die Nägel nur bis auf die Oberfläche, aber nicht in sie hinein eingeschlagen. Die Nagelpunkte sind bei fast allen Bitumenschindeln angezeichnet, bei der ersten Bahn müssen Sie davon abweichend nageln. Wichtig ist: beim ganzen Dach soll jeder Nagel gut überdeckt sein, damit es dicht wird. Es sind also keine Nägel am Ende sichtbar. Die Kanten an den Seiten werden durchweg verklebt.
  8. Zweite Reihe – Die erste Bitumenschindel wird bei der zweiten Bahn auf die Hälfte eingekürzt, damit ein gleichmäßiger Versatz entsteht. Die Zungen werden bündig mit der Traufkante aufgelegt und die Schindeln festgenagelt.
  9. halbe Zungenbreite abschneiden
    Meist haben die Bitumenschindeln eine Markierung, die anzeigt, wo für jede zweite Reihe abgeschnitten wird.
    Folgereihen – Die nächste Reihe beginnt mit einer ganzen Bitumenschindel und danach im Wechsel jede zweite Bahn um eine halbe Schindel gekürzt. An den Dachseiten werden alle Schindeln mit dem Kleber sorgfältig verklebt. Die Schindeln werden überlappend angenagelt, sodass die Zungen auf der geschlossenen Fläche der Vorreihe liegen. Bleiben Sie gerade und prüfen Sie das immer wieder. Kreidelinien auf der Unterbahn helfen dabei die Reihen gerade auszuführen.
  10. Für den Dachfirst werden Trapeze geschnitten (s. Bild) und diese werden schuppenförmig überlappend aufgenagelt. Die erste und die letzte Schindel werden vollflächig verklebt. Beachten Sie die Hauptwindrichtung bei der Ausbildung der Firstreihe. Der Wind sollte in der Regel nicht gegen die Schuppenrichtung wehen. Wenn Sie in einer sehr windigen Lage wohnen oder die Ausrichtung des Daches ungünstig im Wind steht, dann verkleben Sie die ganze Firstreihe sicherheitshalber vollflächig.

Tipps fürs Bitumenschindeln verlegen

Bitumenschindeln anschneiden
Für den First werden einzelne Zungen oben beidseitig schräg angeschnitten.
Firstreihe
Die Firstreihe wird mit diesen Abschnitten gebildet und sowohl genagelt als auch verklebt.
  • Mehr Nägel (doppelt so viele) und zusätzliche Verklebung auch bei besonders starker Windbelastung (z. B. in Mittelgebirgslagen und Küstengebieten).
  • Hellere Farbtöne heizen sich in der Sonne weniger auf und sind entsprechend weniger gegen Druck und Abrieb empfindlich beim Verarbeiten.
  • Bei der Lagerung sollten Sie alle Hinweise des Herstellers auf der Packung berücksichtigen.
  • Auf keinen Fall Paletten aufeinander stellen oder die Schindeln im Freien in der Sonne lagern.
  • Bitumenschindeln nach Möglichkeit nicht in praller Sonne und/oder bei hohen Temperaturen verlegen.
  • Im Sommer am besten am frühen Morgen die Westseite und am Abend die Ostseite verlegen.
  • Soweit Schutzfolien auf den Klebeflächen sind, werden diese erst unmittelbar vor der Verlegung der Folgereihe abgezogen.
  • Achten Sie darauf, nicht auf die Bitumenschindeln zu treten oder diese durch Auflagen zu schonen – besonders bei Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen. Zum einen könnten Sie auf dem Bitumen rutschen, zum anderen die Schindeln beschädigen.
  • Polster an den Knien können hilfreich sein.
  • Benutzen Sie den vom Hersteller empfohlenen Kleber (in der Regel Bitumenkleber) und achten Sie vor allem auf eine sorgfältige Verklebung an den Seitenrändern
Sicherheitsvorkehrungen: Schützen Sie sich selbst auch gegen die Sonnenstrahlung. Sicheres Schuhwerk, geeignete Leitern und gegebenenfalls Absturzsicherungen verwenden. Aufgeweichtes Bitumen wird rutschig!

Worauf achten beim Kauf von Dachschindeln?

Achten Sie auf gute Qualität, damit Ihr Dach lange dicht und haltbar bleibt. Neben dem obligatorischen CE-Kennzeichen sollten die Bitumenschindeln der Norm EN 544 entsprechen und entsprechend ausgezeichnet sein. Ein hoher Bitumengehalt ist ebenfalls ein Qualitätsmerkmal.

Vergleichen Sie neben dem Preis also auch wie viel Bitumen pro Quadratmeter enthalten ist. Nicht zuletzt sind auch die Klebeflächen für Dichtigkeit und Sturmsicherheit maßgeblich. Je größer und geschlossener, umso wirksamer. Ein weiteres Kriterium ist die Garantiezeit, die der Hersteller gewährleistet. Prüfen und vergleichen lohnt sich!

Rote Biberschwanz-SchindelnGrüne Biberschwanz-SchindelnSystemkomponenten und Belüftung

Teilweise bieten Hersteller verschiedene zusätzliche Systemkomponenten an, wie fertig zugeschnittene Trauf- und Firstteile. Das kann Ihnen die Arbeit deutlich erleichtern. Manche Hersteller bieten auch Elemente zur Be- und Entlüftung an, wie sie beim Bedachen von Wohnraum unbedingt notwendig sind, da ein Bitumenschindeldach sonst zu wenig dampfdurchlässig wäre.

Wenn Sie beim Bitumenschindeln verlegen heimwerken, dürfte das allerdings kaum der Fall sein. Die Verlegung auf Wohngebäuden sollte in der Regel vom einem Fachbetrieb ausgeführt werden, da diese die verschiedenen Richtlinien bei diesem Gewerk kennen und umsetzen. Außerdem ist die Haftung der Betriebe eine nicht zu unterschätzende Sicherheit, die beispielsweise auch seitens Ihrer Versicherung vorausgesetzt werden kann. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls im Vorfeld.

Häufige Fragen (FAQ)

  • Walmdach mit Bitumenschindeln
    Bei einem Walmdach gibt es fünf Firstlinien.
    Bitumenschindeln verlegen Pultdach? Bei einem Pultdach wird auf der höheren Traufkante auf dem Traufblech ein First ausgebildet.
  • Bitumenschindeln verlegen Walmdach? Das Walmdach hat fünf Firstlinien. An den Punkten an denen drei Firstlinien zusammentreffen werden passende Zuschnitte vollflächig verklebt.
  • Bitumenschindeln verlegen First? Entweder Sie bilden den First wie in der Anleitung beschrieben aus oder Sie nutzen ein Fertigelement des gleichen Herstellers.
  • Bitumenschindeln verlegen Temperatur? Gemäßigte Temperaturen im Frühling und Herbst eignen sich besonders gut. Bei zu großer Hitze wird das Bitumen zu weich und ist leicht zu beschädigen. Bei zu großer Kälte ist das Material zu wenig elastisch und bricht zu leicht beim Biegen. Auch die selbsttätige Verklebung funktioniert bei Kälte nicht ausreichend. In dem Fall muss gegebenenfalls mit einem Heißluftföhn gearbeitet werden. Besser jedoch bei geeigneten Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad ohne direkte Sonneneinstrahlung arbeiten.
  • Bitumenschindeln verlegen Preis? Die Bitumenschindeln selbst kosten je nach Ausführung und Qualität etwa 10 und 20 Euro pro Quadratmeter, dazu kommen Traufbleche, Unterbahnen, Nägel und Kleber.
  • Titelbild: Pixabay/BKHaer
  • Bitumenschindeln anthrazit: Pixabay/Alycia
  • Bitumenschindeln rot: Pixabay/Castar
  • Dachsparren: Pixabay/Erwin490
  • Untergrund: Pixabay/AllureGraphicDesign
  • Alle Bilder der Anleitung: Christiane Baldwin
  • rote Biberschwanzschindeln: Pixabay/901263
  • grüne Biberschwanzschindeln: Pixabay/EnginAkyurt
  • Beitragsbild: Pixabay/Castar
 

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