Farben & Tapeten

Putz streichen

vorher nachher wandanstrich​​​

Ob innen oder außen, Putz sollte in jedem Fall gestrichen werden, um ihn gegen eindringendes Wasser und auch gegen andere Umwelteinflüsse zu schützen. Wie und womit Sie Putz streichen können erfahren Sie hier.

Dazu ist es sinnvoll einiges über verschiedene Putz- und Farbarten zu wissen, da bei ungeeigneten Kombinationen Risse und andere Putzschäden drohen oder auch eine unerwünschte Diffusionsdichtigkeit zulasten des Raumklimas.

Beim Streichen selbst ist die raue Oberfläche zu bedenken. Nur recht glatte Putze lassen sich noch gut mit einer Rolle streichen. Auch verschiedene Maltechniken lassen sich nur schwer direkt auf Putz umsetzen, wobei dennoch viele Gestaltungsmöglichkeiten bleiben.

Welcher Putz ist auf der Wand?

Rolle auf Wand
Nicht jeder Putz verträgt jede Grundierung und Farbe.

Um die richtige Farbe zu finden, um den Putz zu streichen, muss zuerst einmal die Art des Putzes bekannt sein.

Innenbereich: Relativ einfach ist das, wenn Sie bei einem Neubau den Innenputz streichen. Die Putzart ist das leicht den vorhandenen Unterlagen vom Bau zu entnehmen oder beim Eigentümer zu erfragen. Bei Altbauten wird es da schon schwieriger und oft sind viele verschiedene Putzarten zu Renovierungs- und Reparaturzwecken verwendet worden.

Meist reicht es die passende Grundierung zu verwenden wie beispielsweise Silikatgrundierung, wenn Sie mit Silikatfarbe streichen möchten. Wer sicher gehen möchte, hat die Möglichkeit die Putzart durch ein Labor oder durch einen Sachverständigen (z. B. Maler, Gipser) prüfen zu lassen.

Außenbereich: Während in der Vergangenheit im Außenbereich vorwiegend diffusionsdichte Kunstharzputze verwendet wurden, gibt es inzwischen auch für Fassaden Silikatputze und Silikonharzputze, die Diffusion erlauben und trotzdem wasserabweisend sind.

Wichtig: Diffusionsfähigkeit berücksichtigen!

Mann schleift Wand
Dispersionsfarbe ist schwer wieder von der Wand zu entfernen.

Bauphysikalisch sind diffusionsfähige Wände von großem Vorteil, da sie das Raumklima positiv beeinflussen, indem sie Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben können. Dadurch wird neben der angenehm ausgeglichenen Luftfeuchtigkeit auch Kondenswasserbildung und Schimmel vermieden.

Besonders aber im Innenbereich ist eine Versiegelung mit Dispersionsfarbe aus heutiger Sicht nicht wünschenswert, sie werden zunehmen von Mineralfarben abgelöst.

Gerade die Kombination aus Raufaser und Dispersionsfarbe erwies sich als ideale Voraussetzung für Schimmelbildung. Die Raufaser mit ihrem hohen Zellulosegehalt bietet den Pilzen reichlich Nahrung, während die Dispersionsfarbe das Trocknen der Wände in Richtung der Innenräume verhindert. Ein feuchtwarmes Klima mit reichlich Nahrung entsteht.

Putzarten
  • Kalkputz
  • Zementputz
  • Kalkzementputz
  • Gipsputz
  • Kunstharzputz
  • Lehmputz
  • Silikatputz
  • Silikonharzputz

Von daher ist das Streichen von Putz von Vorteil, sollte aber im Innenbereich auf keinen Fall mit konventioneller Dispersionsfarbe vorgenommen werden.

Sind im Außenbereich bereits Silikatputze und Silikonharzputze verwendet worden, wäre es fatal beim Außenputz streichen klassische Dispersionsfarbe zu verwenden, da damit alle Vorteile dieser Putze vernichtet würden.

Farbarten

Es gibt viele verschiedene Farbarten und noch mehr unterschiedliche Zusammensetzungen, die sich mehr oder weniger eignen, wenn Sie verputzte Wände streichen, ohne Tapete darunter zu kleben. Hier zunächst beispielhaft die Vor- und Nachteile einer mineralischen Farbe (Silikatfarbe) und der meistverkauften Wandfarbe (Kunststoffdispersionsfarbe) sowie im Anschluss weitere Alternativen.

Silikatfarben

  • schadstofffrei
  • wetterfest
  • temperaturbeständig
  • diffusionsfähig
  • alkalisch, von daher fungizid, antibakteriell, resistent gegen Algenbewuchs
  • verbindet sich dauerhaft mit allen mineralischen Untergründen (alle Kalk- und Zementputze, Beton, Kalksandstein, Kalk- und Silikatfarben)
  • sehr lange haftend
  • innen und außen anwendbar
  • in nassem Zustand ätzend (Schutzbrille, Handschuhe)
  • nicht auf Gipsputz anwendbar
  • kaum wasserverdünnbar
  • verträgt sich nicht mit konventionellem Tiefengrund
  • ätzt auch Glas und Keramik (gut abkleben)
  • nicht mit allen Pigmenten und Abtönfarben mischbar
  • teurer als Dispersionsfarbe

Kunstharzdispersionsfarben

  • je nach Qualität sehr gute Deckkraft
  • mit Wasser verdünnbar
  • leicht zu verarbeiten
  • schnell trocknend
  • überstreichbar
  • abwaschbar
  • schwer entfernbar (Lösungsmittel oder mechanisch)
  • anfällig gegen Bewuchs mit Algen u. ä.
  • diffusionsdicht

Sonstige Wandfarben – Alternativen

Frau klebt Küchenzeile ab
Sorgfältiges Abkleben ist Grundvorraussetzung für ein sauberes Ergebnis.

Es gibt auch Dispersions-Silikatfarben und Natur-Dispersionsfarben, die frei von Lösungs- und Konservierungsmitteln sind und teilweise sogar klimaneutral hergestellt werden. Sowie die für Fassaden attraktiven Silikonharzfarben mit Lotuseffekt oder Spezialfarben, wie Feuchtraumfarben. Alle diese Mischungen sind weniger umweltfreundlich als Silkatfarben oder folgende Naturfarben.

An Naturfarben gibt es Lehm-, Leim-, Kasein– und Kalkfarben, die hervorragende Eigenschaften für das Raumklima mitbringen, in der Verarbeitung teilweise jedoch etwas aufwendiger sind, wenn sie beispielsweise in Pulverform vertrieben werden und erst angerührt werden müssen.

All diese Naturfarben sind nicht ohne weiteres mit anderen Farben wie beispielsweise Dispersionsfarbe überstreichbar und müssen vor einem solchen, andersartigen Anstrich erst angeweicht und abgewaschen werden. Noch aufwendiger ist es allerdings, Dispersionsfarbe von einer Wand zu entfernen.

Putz streichen – Anleitung in Schritten

  • Frau klebt zum Boden ab
    Auch der Boden sollte gut geschützt werden beim Streichen.

    lose Teile, Tapetenrest usw. entfernen

  • Schäden, Risse und dergleichen spachteln
  • alles sauber und gründlich abkleben
  • passende Grundierung streichen oder spritzen
  • Farbe gründlich aufrühren oder nach Herstellerangaben aufrühren
  • gegebenenfalls für der Erstanstrich etwas verdünnen (s. Angaben auf der Verpackung)
  • je nach Struktur mit Rolle, Streichbürste, Quast oder Spritzpistole auftragen
  • dabei im Kreuzgang arbeiten, damit auf der gesamten Fläche schlüssig mit Farbe aufgetragen wird
  • Trocknungszeit gemäß Herstelleranleitung
  • eventuell weiterer Farbauftrag
  • Werkzeug gründlich reinigen und Farbreste, -gebinde usw. richtig entsorgen

Häufig gestellte Fragen (FAQ):


Frage

Antwort

Wie groben Putz streichen bzw. Rauputz streichen?
Bei grober Struktur eignen sich Streichbürsten und Quaste zum Streichen oder die Farbe wird gespritzt.

Wann kann man frischen Putz streichen?
Die Trocknungszeiten von Putz unterscheiden sich je nach Zusammensetzung. Von daher die von Putz-Hersteller angegebenen Trocknungszeiten zum Überstreichen einhalten.

Latexfarbe auf Putz streichen?
Latexfarbe versiegelt die Wand diffusionsdicht und ist nicht leicht von der Wand wieder zu entfernen. Von daher empfiehlt es sich nicht, Latexfarbe direkt auf den Putz zu streichen.

Direkt auf Putz streichen (Mietwohnung)?
Bei einer Mietwohnung hilft ein Blick in den Mietvertrag oder eine Rückfrage an den Vermieter. Mitglieder eines Mieterschutzbunds können dies auch dort erfahren.

Wie Gipsputz streichen?
Gipsputz ist sehr diffusionsfähig, verträgt sich aber nicht direkt mit Silikatfarbe. Deshalb sollte entweder eine Kalkfarbe oder eine Silikatdispersionsfarbe erwogen werden. Neben diesen Farben kommen ebenso alle Naturfarben in Betracht.

Direkt auf den Unterputz streichen?
Im Außenbereich trägt der Schichtaufbau der Putze zum notwendigen Schutz gegen Witterung bei und sollte keinesfalls nur mit einem Unterputz und einem Anstrich ausgeführt werden. Im Innenbereich kann allerdings mit Streichputz gestrichen werden oder mit einer Lehmfarbe oder auch mineralischen Farbe. Dort dient der Oberputz eher der Ästhetik die je nachdem, wie sorgfältig der Unterputz verarbeitet wurde und abhängig von der weiteren Wandgestaltung, auch ohne Oberputz erreicht werden kann.