Basteln mit Elektronik

Im Test: Wie gut ist der Creality CR-10 3D-Drucker?

creality-drucker-intro

Technische Daten

Druck: Micro-SD-Karte oder via PC (Mini-USB)
LCD-Bildschirm: Ja
Geschwindigkeit: max. 150 mm/s
Druckgeschwindigkeit: 80 mm/s
Druckfläche beheizt: max. 300 x 300 x 400 mm
Gesamtgröße: 310 x 540 x 640 mm
Filamentdurchmesser: 1,75 mm (Bowdenextruder)
Düsendurchmesser: 0,4 mm
Datei Format: G-Code, JPG, OBJ, STL
Host-Computer-Software: Cura (variabel)
Gewicht: 10,3 kg
Druckmaterial: PLA, ABS, ……
Aufbau: DIY-Kit (3D Drucker Bausatz)

Mit dem Creality CR-10 haben wir einen 3D-Drucker im Test, der bei einem Verkaufspreis von bis zu 400 € die Messlatte schon ein wenig höher anlegt.

Dennoch ist auch der Creality CR-10 laut Bezeichnung auf gearbest.com ebenfalls “nur” ein DIY-Drucker.

Wir erwarten also keinen fertigen Drucker und gehen von ein wenig Bastelarbeit aus. Aber mal ehrlich, gehört das nicht irgendwie immer dazu?

Selbst ein angeblich fertiger 3D-Drucker findet irgendwann Anlass zum Tuning, um noch bessere Oberflächen zu erreichen oder besondere Materialien drucken zu können.

Der 3D Druck ist schließlich ein Hobby, in welches man Zeit investieren muss und möchte.

Beim Test des 3D Druckers von Creality3D! bleiben wir aber hauptsächlich bei den Grundeinstellungen ohne eigene Verbesserungen und werden sehen, ob Updates überhaupt nötig sind. In der Preisklasse erwarten wir von vornherein recht gute Druckergebnisse.

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1. Der Creality CR-10 und der Anet E10 – heimliche Geschwister?

Als der Anet E10 zum Test unterwegs war, habe ich mir online viele Kommentare dazu durchgelesen und immer wieder hieß es, dass er nur ein billiges Imitat des Creality CR-10 sei.

Damals konnte ich wenig dazu sagen, da ich mich nur ungern zu einer Meinung hinreißen lasse, wenn ich nicht den direkten Vergleich vor mir habe. Jetzt stehen beide Modelle hier – der Anet E10 und der Creality CR-10.

Eine gewisse Ähnlichkeit ist auf dem ersten Blick natürlich nicht abzustreiten. Nur fallen mir da noch weitere Modelle ein (Tronxy X3), denen man eine Ähnlichkeit nachsagen könnte, was aber auch verständlich ist.

Jeder 3D-Drucker besitzt drei Achsen, die bewegt werden müssen und die Möglichkeiten zur Umsetzung sind nicht unerschöpflich. Mit der Zeit werden sich einige Varianten durchsetzen und jeder Drucker wird sich dann einer dieser Variante zuordnen lassen.

Das heißt, es wird verschiedene Aufbauten geben, aber in jeder Aufbauvariante werden sich die Drucker sehr ähnlich sein.

Zwar nutzen der Anet E10 und der Creality CR-10 einen vergleichbaren Aufbau, aber ebenso besitzen sie deutliche Unterschiede. Während der Anet 3D Drucker zwei Motoren nutzt, um die Z-Achse zu bewegen, reicht dem CR-10 ein Motor.

Auch die Führung der Y-Achse ist deutlich anders aufgebaut. Der Anet E10 nutzt zwei Stangenführungen und Lagerböcke, der CR-10 gleitet dagegen mit Rollen auf einem Aluminium-Profil.

Fazit: Also Ähnlichkeit ja und sicher schaut sich ein Hersteller auch mal etwas bei einem anderen ab, aber ein Nachbau – Nein!

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1. Der Anet E10 3D Drucker in grün nutzt 2 Motoren, um die Z-Achse zu bewegen und nutzt zwei Stangenführungen und Lagerböcke zur Führung. | 2. Der Creality CR-10 in gelb ist zwar ähnlich aufgebaut wie der Anet E10, unterscheidet sich aber darin, dass er nur über einen Motor verfügt und mit Rollen auf einem Aluminium-Profil gleitet.

2. Lieferumfang, Verpackung und Lieferung durch Gearbest

Wer heute einen 3D Drucker kaufen möchte, schaut sich bei Gearbest.com und ähnlichen Anbietern um. Der Versand kann sich mitunter aus China zwar verzögern, die Preise sind jedoch unschlagbar.

Wobei sich der Creality CR-10 in unserem Test doch etwas von den Anet Druckern unterscheidet. Während diese häufig deutlich teurer auf Amazon zu finden waren und letztendlich auch aus China geliefert wurden, ist der Creality durchaus zu einem annehmbaren Preis zu finden und wird für Prime-Kunden sogar am nächsten Tag geliefert.

Für ein richtiges Schnäppchen muss man sich jedoch auch hier an Gearbest.com wenden, wo der Preis von 430 € (Amazon) schon mal auf unter 300 € mit Coupons fallen kann.

Bei der Lieferung bin ich ein wenig erstaunt über die enorme Größe des Kartons. Gut, der CR-10 hat mit 300 x 300 x 400 mm schon einen gehörigen Druckraum, den man nur in seltenen Fällen ausnutzen wird, aber mächtig groß ist der Karton dennoch.

Der Grund dafür wird beim Öffnen ersichtlich. Ein DIY 3D Drucker? Na, viel DIY beziehungsweise zum Bauen gibt es da nicht mehr. Der gesamte untere Rahmen inkl. Steppern und Heizbett ist bereits fertig aufgebaut und in der zweiten Schicht liegt der Turm, der ebenfalls komplett bestückt ist.

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1. Ob Werkzeug, Ersatzdüse oder Filament – im Lieferumfang des Creality CR-10 ist alles dabei, was das Heimwerker-Herz höher schlagen lässt. | 2. Die Teile des Creality CR-10 sind super und sicher verpackt.

Bis auf die Rahmenkonstruktion an sich, sehe ich hier wenig DIY. Man muss seinen 3D Drucker also nicht selber bauen. Beim Anet A8 sollte man dagegen schon mindestens vier Stunden Aufbauzeit einplanen.

Verpackt sind alle Teile super und selbst für die beigelegte Glasplatte besteht keine Gefahr, dass sie auf dem Weg von China nach Deutschland irgendwelchen Schaden nimmt.

Genau genommen, ist die Verpackung schon zu gut, sodass sich die Entnahme der beiden Rahmen durchaus schwierig gestalten kann. Das Polstermaterial sitzt so straff, dass man schon sehr vorsichtig sein muss, nicht die Anschlüsse eines Steppers zu zerstören.

Tipp: Meine Empfehlung ist daher, die beiden Schichten mitsamt Inhalt aus dem Karton zu nehmen und das Dämmmaterial aufzuschneiden. Mit einem Cuttermesser geht das fix und die Druckerteile lassen sich anschließend leicht entnehmen.

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1. Hier ist Vorsicht geboten: Das Polstermaterial sitzt straff und kann schaden. | 2. Wir empfehlen Ihnen von daher, die Polsterung lieber mit einem Cuttermesser aufzuschneiden und abzunehmen.

3. Aufbau des Creality CR-10 nach „Anleitung“

Das Wort Anleitung steht nicht grundlos in Anführungszeichen, denn diese gibt es nicht wirklich. Wie gewohnt liegen ein paar Blätter bei, die die Teile auflisten und in wenigen Bilder zeigen, welche Teile in etwa wo hin gehören.

Tipp: Sollte aber tatsächlich Bedarf an mehr Hilfestellungen bestehen, bietet YouTube wie immer die besten Anleitungen. Nötig sind sie aber eigentlich nicht.

Beim Zusammenbau ist es lediglich nötig, den Turm aufzustellen und mit vier Schrauben zu sichern. Anschließend noch seitliche Bleche zur Versteifung anschrauben und die Kabel anstecken – fertig. Echte handwerkliche Fähigkeiten werden dazu nicht benötigt und auch das Verstehen der Technik ist nicht nötig.

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1. In der Anleitung werden die Bestandteile des 3D Druckers aufgelistet und in BIldern gezeigt, wo welches Teil hingehört. | 2. Mit 12 Schrauben ist der Aufbau erledigt.

Positiv fallen die Kabel und Verbindungen auf. Eine Verwechslungsgefahr besteht kaum, da jedes Kabel mit kleinen Klips beschriftet ist. Als Hilfe könnten allerdings auch die Achsen am Drucker beschriftet sein. Nicht jeder kennt das Achsen-System.

Besonders vorteilhaft sind die schraubbaren Stecker vom Heizbett und Hotend, die zum einen sicheren Kontakt gewährleisten und zum anderen ohne Werkzeug lösbar sind. Da vermisst man schon fast, dass auch die Kabel der Stepper und Endschalter sich so einfach lösen lassen.

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1. Alle Kabel sind perfekt gekennzeichnet. | 2. Die schraubbaren Stecker gewährleisten einen sicheren Kontakt und sind ohne Werkzeug lösbar.

Auch wenn der CR-10 jetzt bereits fertig zu sein scheint, benötigt er doch noch ein wenig Aufmerksamkeit, sonst gehen die ersten Druckergebnisse in die Hose. Vermutlich zum einfachen Verpacken oder damit die Spindel nicht leidet, wurde diese gelockert und steckte lose in der Muffe. Die Z-Achse wird sich daher kaum bewegen.

Aber selbst, wenn sie sich bewegt, verursachte sie bei mir ein komisches Druckbild, dessen Ursache mir erst später auffiel. Auch die Spindelmutter war so locker, dass sie mit Spiel in ihrer Aufnahme saß. Es ist also wichtig, nach dem Zusammenbau alle Schrauben auf einen festen Sitz zu prüfen.

Dafür absolut spielfrei sind die Führungen der Achsen. Diese laufen sehr leicht, aber absolut exakt. Kein Gerassel durch billige Lager oder ruckartige Bewegung durch ungenaue Führungen. Hier macht sich der Preisunterschied schon deutlich bemerkbar.

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1. Die Spindelmutter sitzt lose und hat dadurch Spielraum. | 2. Die Spindel muss vor den ersten Druckversuchen noch verschraubt werden.

4. Drucken mit dem Creality CR-10 – der Praxis-Test

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Die ersten Drucke laufen schnell und leise.

Bevor es losgeht, muss noch das sehr großzügige Druckbett eingerichtet werden.

Gut, dass bereits eine Glasplatte beigelegt wurde, auch wenn sie laut einigen Quellen nicht ganz gerade sein soll. Bei meinem 3D-Drucker kann ich mich nicht beschweren.

Ebenso dazu gehören bereits Klammern zum Befestigen der Glasplatte, sowie zweiteiliges Druck-Tape, mit dem die gesamte Druckfläche beschichtet werden kann.

Ich verwende gerne hitzebeständiges Malerkrepp, sodass das Tape beiseite gelegt wird.

Zum Drucken nutze ich Repetier Host mit dem integrierten Slicer Slic3r, der bereits auf meinem Rechner eingerichtet ist und am Anet A8 und E10 gute Dienste leistet.

Für den ersten Druck nehme ich kaum Änderungen vor und passe lediglich die größere Druckfläche und Übertragungsrate der Verbindung ein. Hier fehlen mir leider exakte Angaben und ich musste etwas länger im Netz suchen.

Nach dem Leveln des Bettes, was sich dank Rändelmuttern recht gut machen lässt, kann es endlich losgehen. Als erstes kommt der bekannte Maß-Würfel auf den Tisch. Der Extruder des Creality CR-10 3D Druckers presst das geschmolzene Filament aus der Düse des Gerätes. Zügig mit 60 mm/s und vor allem sehr leise zieht der Creality CR-10 Printer seine Bahnen und legt sauber einen Layer auf den andern.

Etwas nervig ist nur der Lüfter im Gehäuse, der sich zwar offensichtlich der Temperatur anpasst, dafür aber stetig und deutlich hörbar auf- und abtourt.

Da wäre mir der lautere aber gleichmäßig rauschende Lüfter der Anet E10 schon fast lieber. Aber das Tuning kommt später und dann stelle ich das ganz sicher ab.

Das Druckergebnis sieht dafür sehr gut aus und auch die Maße sind gar nicht so schlecht. 20,15 x 20,15 mm und 19,7 mm in der Höhe – da ist zwar noch Spielraum für Verbesserungen, aber für „Out of the Box“ bin ich zufrieden. Die zu geringe Höhe liegt eventuell an einer zu hohen Drucktemperatur.

Der zweite Testdruck ist das bekannte kleine Boot „Benchy“, welches mich absolut überzeugt hat. Ohne besondere Einstellung gab es kaum Stringing und auch Überhänge wurden sauber gedruckt.

Der Anet E10 lieferte hier schon ein gutes Ergebnis, aber selbst nach dem Feintuning erreichte er noch nicht diese Druckqualität. Der Creality CR-10 kann im beim Drucktest trotz recht hoher Druckgeschwindigkeit absolut begeistern.

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1. Das Druckergebnis sieht sehr gut aus und auch die Maße (20,15 x 20,15 x 19,7 mm) sind gar nicht so schlecht. Als Druckmaterial für den Creality CR-10 eignet sich PLA. | 2. Beim zweiten Versuch gelingt ohne tiefere Anpassungen ein super Ergebnis.

5. Fazit zum 3D-Drucker-Test Creality CR-10

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Unsere Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Sternen.

Ach wenn er so bezeichnet wird, hat der Creality CR-10 wenig mit einem DIY Drucker gemein. Zum fertigen Aufbau müssen lediglich ein paar Schrauben eingedereht und die benötigten Kabel angesteckt werden.

Bastelarbeit oder handwerkliches Geschick wird nicht benötigt. Nötig ist es jedoch alle bereits befestigten Teile auf einen sicheren Sitz und auf fest angezogene Schrauben zu kontrollieren.

Dennoch sind alle notwendigen Arbeiten schnell erledigt und der Creality CR-10 ist mit seinem fast schon riesigen Druckbett druckbereit. Das Druckbett ist schnell gelevelt und dank der mitgelieferten Glasplatte sehr gerade.

An dieser Stelle haben wir noch einmal die Vor- und Nachteile des Creality CR-10 3D Druckers für Sie zusammengefasst:

  • Im Druck zeichnet sich der CR-10 durch eine sehr gute Laufruhe aus, die nur durch den auf- und abtourenden Lüfter im Gehäuse gestört wird.
  • Das erreichte Druckbild ist bereits ohne große Anpassungen erstklassig, wobei sich jeder Druck mit ein wenig Feintuning noch verbessern lässt.
  • Mechanische Anpassungen und Verbessungen sind kaum nötig und dürften sich eventuell auf Riemenspanner der X- und Y-Achse beschränken.
  • Auch das gelieferte Zubehör ist reichhaltig und benötigt kaum ein Update. Neben etwas Filament, allen benötigten Werkzeugen, Ersatzdüsen und einer Reinigungsnadel ist alles enthalten, was für die ersten Ausdrucke benötigt wird.
  • Zum Leveln des Bettes kann gerne das Papier der beigelegten “Anleitung” genutzt werden, denn zu viel mehr wird sie nicht benötigt und ist sie leider auch nicht zu gebrauchen. Wer Informationen und Hilfe zum Aufbau oder der Bedienung benötigt, findet im Netz zahlreiche Fangemeinden und Anleitungen, die deutlich hilfreicher sind.

Fazit: Als dritter DIY-Drucker in unseren Tests hebt sich der Creality deutlich von den Anet-Druckern ab und zeigt klare Qualitätsunterschiede. Ob als Einsteiger oder ambitionierter 3D-Drucker, der Creality CR-10 überzeugt mit seinem Preis und in seinem Gesamtpaket.

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