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Dachboden dämmen: Nachhaltige Wärmedämmung mit Jutedämmstoff

Wärmedämmarbeiten auf einem alten Dachboden

Nachhaltiger Dämmstoff mit großer Verfügbarkeit

Der Jutedämmstoff ist keineswegs ein Dämmstoff mit beschränkter Rohstoffverfügbarkeit. Auch in Zukunft wird es den Rohstoff Jute zu genügend geben. Die Weltproduktion an Jutefasern beträgt jährlich zwischen zwei und drei Millionen Tonnen. Pro Jahr können mehrere 100.000 Kubikmeter des Dämmstoffes produziert werden.

Ökologische Dämmstoffe spielen eine immer wichtigere Rolle. Sie ermöglichen nicht nur ein schadstofffreies Wohnen, sondern leisten auch einen Beitrag zum Umweltschutz. Für ökologische Dämmmaterialien werden nachwachsende Rohstoffe verwendet, die ohne großen Energieverbrauch zu Dämmstoffen verarbeitet werden können.

Da die Öko-Dämmstoffe recycelt oder kompostiert werden, verursachen sie keinen teuren sowie umweltschädlichen Sondermüll. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an ökologischen Dämmstoffen, dazu zählen Dämmmaterialien aus Hanf, Seegras, Zellulose (Altpapier), Holzfaser und neuerdings auch Jute.

Aufgrund der guten Eigenschaften eignet sich dieser Stoff daher auch für die Dämmung von Dachstühlen.

1. Dachboden dämmen: Die verschiedenen Materialien in der Übersicht

Welches Material eignet sich zur Dämmung des Dachbodens? Kann ich den Dachboden mit Styropor oder Polyurethan-Schaum dämmen? Ein Blick in die folgende tabellarische Übersicht auf Heimwerker.de stellt Ihnen die verschiedenen möglichen Dämmstoffe vor.

Dämmstoff Eigenschaften
Styropor
  • synthetischer Dämmstoff auf Erdölbasis, für das Dämmen von Dachböden werden Styroporplatten verwendet
  • Dachboden-Dämmung mit Styropor erzielt gute Dämmwerte
  • für alle Dämmverfahren bis auf die Untersparrendämmung geeignet
Mineralwolle
  • Werkstoff aus mineralischen Fasern, die künstlich hergestellt wurden
  • als Bahnen, Platten oder Stopfwolle im Handel erhältlich
  • haltbar, brandresistent und relativ günstig
  • verhindert sowohl Erwärmung als auch Abkühlung
Polyurethan-Schaum
  • vielseitig einsetzbarer Kunststoff
  • für alle Verfahren der Dachisolierung geeignet
  • resistent gegenüber Witterung und Feuchtigkeit
  • ist brennbar und kann brandfördernd wirken
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2. Wärmedämmung mit Jute: Das müssen Sie über den Naturdämmstoff wissen

Was ist Jute und wofür ist dieser Stoff überhaupt gut? Auf diese und weitere Fragen gehen wir im folgenden Kapitel ausführlich ein.

2.1. Was ist Jute?

Jute wird oft für eine Pflanze gehalten, es handelt sich aber um eine pflanzliche Faser.

Bei Jute handelt es sich um eine pflanzliche Faser der Corchorus-Pflanzen. Die Naturfaser befindet sich zwischen der Rinde und dem Stängel der Pflanze: dem sogenannten Bast.

Durch ein spezielles Verfahren, dem Rösten, lässt sich die Naturfaser herauslösen. Üblich ist dabei die Wasserröste, bei der die Pflanzen mehrere Tage in Wasser eingelegt werden.

Durch anschließendes Brechen und Schwingen werden die einzelnen Bestandteile der tropischen Pflanze voneinander getrennt.

Das Hauptanbaugebiet der Corchorus-Pflanzen befindet sich in Bangladesch und Indien.

2.1. Vom gebrauchten Jutesack zum Hochleistungs-Dämmstoff

Jutesäcke werden in der Reißerei recycelt.

Der Jutedämmstoff basiert nicht auf frisch gewonnen Jutefasern, sondern auf gebrauchten Jutesäcken für Nahrungsmittel. Diese Jutesäcke transportierten Kaffee- und Kakaobohnen aus aller Welt zu deutschen Kaffeeröstern und Schokoladenherstellern.

Anstatt in der Müllverbrennung zu enden, werden die Jutesäcke wiederverwertet. Hierzu werden die Säcke in einer Reißerei maschinell auseinandergerissen, sodass am Ende wieder hochwertige Jutefasern entstehen.

Die Fasern werden mit dem Mineral Soda als Brandschutz und mit einer textilen Stützfaser als eine Art Bindemittel vermischt. Anschließend wird in der Krempelanlage in einem mechanischen Vorgang ein Vlies hergestellt, welches zum Schluss im Thermobonding-Verfahren auf 170 Grad Celsius erhitzt wird.

Auf diese Weise verfestigt sich der Stoff. Wenn aus Abfällen höherwertige Produkte entstehen, spricht man vom Upcycling.

2.3. Vielseitig einsetzbare Dachdämmung

Der ökologische Dämmstoff aus Jute findet seinen Einsatz als Zwischensparrendämmung, Untersparrendämmung oder als Aufsparrendämmung zwischen den Hilfssparren.

Weiterhin kann der Jutedämmstoff auch zur Dämmung von Metallständerwänden, Holzbalkendecken, Vorsatzschalen sowie von Außen- und Innenwänden in Holzrahmen- und Holzständerbauweise verwendet werden.

3. Anleitung: Dachboden richtig dämmen mit Jute

jutesack

Dämmstoff aus Jute-Säcke erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei den Nutzern.

Der Jutedämmstoff ist als Rollenware erhältlich und daher sehr flexibel in seiner Handhabung. Dank seiner leichten Anbringung ist er zudem für Heimwerker geeignet.

Die 1200 mm breite Rollenware lässt sich einfach mit einem gängigen elektrischen Schneidewerkzeug oder einem Wellenschliffmesser bearbeiten. Der Dämmstoff ist während dem Einbau sehr hautfreundlich, er weder lästiges Jucken noch andere Hautreizungen auslöst.

Bei der Handhabung unterscheidet er sich kaum von anderen Dämmstoffen: So muss der zunächst entsprechend zugeschnitten werden. Verwendet man das Dämmmaterial als Zwischensparrendämmung, empfiehlt es sich, die Rollen ein bis zwei Zentimeter breiter zu schneiden als der tatsächliche Sparrenabstand.

Als Nächstes klemmt man die Dämm-Elemente zwischen die Sparren. Anschließend wird ein Dichtband auf die Sparren befestigt und eine Dampfbremsfolie an die Sparren getackert. Die einzelnen Folienbahnen sollten sich ungefähr 10 cm überlappen. Danach werden die Nahtstellen der Folienbahnen mit Klebeband verschlossen.

Am Ende wird eine Querlattung als Unterkonstruktion angebracht. Der dadurch entstehende Zwischenraum kann Platz für eine zusätzliche Untersparrendämmung bieten.

Tipp: Der Dachboden ist gedämmt, nun steht der nächste Schritt an – der Ausbau des Dachbodens. Benötigen Sie Informationen zu diesem Thema, empfehlen wir Ihnen einen Blick in unseren Ratgeber “Dachboden ausbauen: Ideen, Tipps und Kosten” auf Heimwerker.de!

4. Die Vorteile einer Dachboden-Dämmung mit Jute

Sie sind sich noch unsicher in Bezug auf Jute als Dämmstoff für das Dach? Kein Problem: Im Folgenden haben wir die Vorteile der Dachdämmung mit Jute für Sie kompakt zusammengefasst, um Ihnen die Entscheidung für oder gegen den Naturdämmstoff zu erleichtern.

4.1. Bester Wärmeschutz durch geringe Wärmleitfähigkeit

Jute verfügt über eine überdurchschnittlich gute Dämmleistung und hat, wie die meisten ökologischen Dämmstoffe, eine höhere Wärmeleitfähigkeit als konventionelles Dämmmaterial. Je größer die Wärmeleitfähigkeit, desto schlechter dämmt ein Baustoff.

Während Glaswolle sehr gute Werte zwischen 0,032 bis 0,035 W/mK (Watt pro Meter mal Kelvin) erreicht, sind die von Hanf und Holzfaser mit jeweils 0,040 W/mK höher und damit schlechter. Jute ist mit einem Wert von 0,038 W/mK ein Dämmstoff, der unter den Öko-Dämmstoffen mitunter am besten dämmt.

4.2. Sommerlicher Hitzeschutz

Abgesehen vom Wärmeschutz weist der Jutedämmstoff einen effektiven sommerlichen Hitzeschutz vor.

Der ökologische Dämmstoff vertreibt von morgens bis abends die Hitze unterm Dach. Das entspricht circa neun Stunden. Glaswolle dagegen kann unter den gleichen Bedingungen nur bis zum Mittag, also ungefähr vier Stunden, einen effektiven Hitzeschutz leisten.

5. FAQ: Häufige Fragen zum Thema “Dachboden dämmen” beantwortet

Zum Abschluss dieses Ratgebers möchten wir auf häufig gestellte Fragen zum Thema “Dachboden dämmen” eingehen. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, wenn Sie Ihren Dachboden dämmen lassen möchten.

5.1. Ist es Pflicht, den Dachboden zu dämmen?

Laut EnEV stehen Hauseigentümer in der Pflicht, den Dachboden zu dämmen. Bei Nicht-Einhaltung dieser Vorschrift droht ein Ordnungsgeld von bis zu 50 000 Euro. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, ziehen Sie im Zweifelsfall einen Energieberater zu Rate.

5.2. Dachboden dämmen lassen – welche Kosten kommen auf mich zu?

Wenn Sie eine Firma mit dem Dämmen Ihres Dachbodens beauftragen, steht die Kostenfrage im Raum. Hierbei kommt es darauf an, ob Sie einen begehbaren Dachboden dämmen lassen möchten oder ob es um einen nicht begehbaren Aufbau geht. Trifft Letzteres zu, müssen Sie mit ca. 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter an Kosten rechnen. Handelt es sich hingegen um die Dämmung eines begehbaren Dachbodens, kommen Sie um einen höheren Preis rund 30 bis 60 Euro pro Quadratmeter nicht herum.

5.3. Dachboden dämmen ohne Dampfsperre oder Dampfbremse – geht das?

Bei der Dampfsperre / Dampfbremse handelt es sich um einen wichtigen Bestandteil im Dach, da Sie die Dämmung vor Feuchtigkeit schützt. Natürlich liegt es in Ihrem eigenen Ermessen, ob Sie den Dachboden ohne Dampfsperre dämmen, doch es ist nicht zu empfehlen, darauf zu verzichten.

Bildnachweise: Adobe Stock/SKatzenberger, 'Jutedämmstoff': von BENZ24(www.benz24.de), 'Jutesäcke werden in der Reißerei recycelt': von Benz24(www.benz24.de), 'Dämmstoff aus Jute-Säcke': von BENZ24(www.benz24.de), Adobe Stock/Eugene (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)